Lateinamerika
Bischof im Hungerstreik
Ein brasilianischer Bischof verweigert seit kurzem die Nahrungsaufnahme. Der Prälat will sich sogar ins Grab hungern, sofern die Regierung ein umstrittenes Bauprojekt fortsetzt.
(kreuz.net, Barra) Aus Protest gegen die Umleitung eines brasilianischen Flusses ist der Bischof von Barra, Mons. Luís Flávio Cappio (58), in den Hungerstreik getreten. Das berichtete die schweizerische Nachrichtenagentur ‘kipa-apic’.

Barra liegt im ostbrasilianischen Bundesstaat Bahia.

Der Franziskaner will die Nahrungsverweigerung bis zum Tod fortsetzen, falls die Regierung eine Milliarden teure Umleitung des Flusses São Francisco in der Nähe der Stadt Cabroro nicht aufgibt.

Das erklärte der Bischof am Montag in einem Schreiben an den brasilianischen Staatspräsidenten.

Cabroro liegt 500 Kilometer westlich der Atlantikküste und 500 Kilometer nordöstlich des Sitzes des hungerstreikenden Bischofs.

Der Fluß São Francisco ist ein 2.900 km langer Strom in Südamerika. Er entspringt im Süden des ostbrasilianischen Bundesstaates Minas Gerais und fließt unter anderem durch den Bundesstaat Bahia in Richtung Südatlantik.

Das Wasser des São Francisco soll in mehreren Stufen insgesamt 300 Meter hochgepumpt und dann in die benachbarten Bundesländer im äußersten Osten Brasiliens geleitet werden.

In diesen Tagen treffen die Behörden darüber die letzten Entscheidungen. Danach sollen die Bauarbeiten beginnen.

Bischof Cappio warnte, daß das Projekt die Umwelt ebenso wie die Anwohner des Flusses schwer schädige. Es sei weit überdimensioniert und daher zum finanziellen Scheitern verurteilt.

Die Zeche würden nicht die Luxushotels an der Küste bezahlen, die das umgeleitete Wasser benötigen. Das Projekt gehe auf Kosten Hunderttausender Menschen, die auf den bisherigen Flußlauf angewiesen sind.

Die Brasilianische Bischofskonferenz sowie die Umwelt- und Landlosenbewegung fordern seit Jahren den Stopp des Projekts. Gleichzeitig wird eine Volksabstimmung in den betroffenen Regionen verlangt.

Es gebe andere Lösungen zur Behebung des Wassermangels, die weitaus sinnvoller seien.

Das Vorhaben begünstige lediglich fünf Prozent der Bewohner von Trockenregionen. Es sei vor allem für die Industrie sowie für Baufirmen, Spekulanten und eigensüchtige Politiker interessant.

Kritiken erhielt auch der Bischof.

Der Hungerstreik sei eine Androhung des Selbstmordes. Doch dieser ist nach katholischer Lehre verboten, weil der Mensch nicht Herr über sein Leben ist, sondern dieses von Gott empfangen hat.

Es gebe andere und angemessenere Mittel, um einen Baustopp zu erzwingen.
      
1 Lesermeinung
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
Kommentar schreiben
#1   Yersinia   18:07:42 | Donnerstag, 29. September 2005
das Thema
interessiert keinen
Redaktion benachrichtigen
Weiterlesen:
LateinamerikaKein Woityla-Effekt in Lateinamerika LateinamerikaSchlechte Zeiten?
RSS Feed  •  News Ticker  •  Kontakt  •  Impressum
© CC-BY-NC-SA 2012 kreuz.net