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Mittwoch, 28. September 2005 15:25
Zick und Zack
Nachdem der Papst kürzlich den Oberen der Priesterbruderschaft St. Pius X. in Privataudienz empfangen hat, kann es niemanden überraschen, daß jetzt Hans Küng an der Reihe war. Ein Kommentar.
(kreuz.net) Man hätte es eigentlich ahnen müssen. Im Vatikan gibt es seit Jahren kein Schwarz ohne Weiß, kein Rechts ohne Links, kein Vorwärts ohne Rückwärts, kein Jing ohne Jang.

Das ist keine Erfindung von Papst Benedikt XVI.

Es ist auch selbstverständlich, daß in der Unterredung zwischen Benedikt XVI. und dem Theologen Hans Küng Lehrfragen ausgeklammert blieben. Auch das ist schon seit Jahren eine bewährte vatikanische Praxis.

Es bleibt aber die Frage: Wovon reden zwei Theologen, wenn sie in der Diskussion ihr ureigenstes Fachgebiet ausklammern?

Nach bald vierzig Jahren Ökumenismus und zwanzig Jahren interreligiöser Gespräche hat man auch im Vatikan gemerkt, daß man in den wesentlichen Punkten nicht weiterkommt.

Darum besteht die Kunst des Ökumenismus darin, die eigentlichen Fragen zu vermeiden.

Auch daß die Debatte zwischen Papst Benedikt XVI. und Hans Küng freundschaftlich verlief, kann niemanden wundern. Um mit seinem ehemaligen Tübinger Kollegen zu streiten, hätte Hans Küng nicht nach Rom zu fahren gebraucht.

Außerdem sind beide schon bald 80. Das Alter kühlt bekanntlich den Kampfesmut.

Worüber reden zwei Theologen, wenn sie nicht über ihr eigentliches Gebiet sprechen können?

Dazu gibt es die zwei berühmten Ausweichthemen – sozusagen die Universalinhalte des modernen kirchlichen Gespräches:

Wenn man nicht über etwas sprechen kann, dann kann man über das Sprechen sprechen. Universalthema Nummer 1 ist darum: der Dialog. Man spricht darüber, wie man über etwas sprechen kann und daß man über etwas sprechen sollte.

Darüber kann man ganze Nächte tagen, während derer bekanntlich alle Katzen grau sind.

Im konkreten Fall ging es um den Dialog der Vernunft der Naturwissenschaften mit der Vernunft des christlichen Glaubens.

Naturwissenschaftler im aktiven Dienst werden wohl nicht viel Zeit für solche Serenaden finden. Der Konkurrenzkampf in der Industrie ist groß und am Schluß zählen nicht Worte, sondern Resultate.

Resultate zeigen sich im Labor – das Wort kommt vom lateinischen „labor“ Arbeit – nicht am runden Tisch oder auf dem Papier, das bekanntlich geduldig ist.

Aber irgendwelche pensionierte Geistesgrößen werden sich schon auftreiben lassen – so wie es auch genügend pensionierte und ausrangierte Theologen gibt – die sich mit einem passenden ‘Dialog’ im dritten Alter beschäftigt halten.

Der zweite Bereich, der angesprochen wurde, war die Frage des Weltethos. Darum bemüht sich Hans Küng seit Jahren.

Auch dieses Thema ist kein Zufall.

Denn wenn die theologische – Kant sagte: spekulative – Vernunft nicht mehr in der Lage ist, Erkennbares zu erkennen, dann muß man sich auf die praktische Vernunft verlagern, die alleine noch Zugang zu den Dingen hat.

Wenn die Frage nach dem Sein keine Antwort bekommt, kann man wenigstens um das Tun reden.

Entsprechend hat Küng beim Treffen mit dem Papst betont, daß es beim Projekt ‘Weltethos’ keineswegs um „eine abstrakte intellektuelle Konstruktion“ gehe. Vielmehr würden „moralische Werte“ ins Licht gesetzt, in denen die großen Religionen der Welt bei allen Unterschieden konvergieren.

Der Tübinger Theologe fand – in seiner ihm ureigenen Art – keine unbescheidene Interpretation seines Treffens mit dem Papst in Castelgandolfo:

Er sei „sicher“, daß das Treffen in der katholischen Welt als ein hoffnungsvolles Zeichen gesehen werde.

Daß seine Zeit schon länger abgelaufen ist, hat er nicht gemerkt und wird er wohl auch nicht mehr bemerken.

Küng war ein Prophet der Emanzipation, der vielen in den 60er und 70er Jahren geholfen hat, sich von dem von ihnen als zu eng empfundenen Korsett des Katholizismus und vom Glauben überhaupt zu emanzipieren.

Das ist ein Publikum, das es heute nur noch im Klerus und unter den kirchlichen Lohnempfängern gibt. Die großen Massen, die Küng zu seiner Zeit erfolgreich bezirzt hat, zeigen sich schon lange nicht mehr in den Kirchen.

Darum ist die Bedeutung des Treffens zwischen Papst und Küng eine – sehr ehrbare – persönliche Angelegenheit zwischen zwei ehemaligen Professoren der Universität Tübingen, die sich in ihren alten Tagen vielleicht ein bißchen versöhnt haben.

Von den nachkonziliären Streitereien der 60er und 70er Jahre ist eine zutiefst zerrissene Kirche übriggeblieben, deren Fetzen die Bischöfe – man kann sie irgendwie verstehen – mit Zick-Zack-Nähten zusammenzuhalten versuchen.

Echte Übereinkünfte hat es trotz ökumenischem Hurrah-Gebrüll nie gegeben. Darum ist der Walliser Mons. Bernard Fellay genauso unverrichteter Dinge in die Schweiz gereist wie der Luzerner Hans Küng nach Deutschland.

Die Bischöfe spinnen tapfer an ihrer Zick-Zack-Naht weiter.

Bei Gelegenheit wird man sich fragen müssen, ob links und rechts von der Naht überhaupt noch Fetzen übergeblieben sind.
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 64 Lesermeinungen:
Samstag, 1. Oktober 2005 14:39
MilesChristi: @ Gunther
Ja, das ist das Problem mit dem verstorbenen Papst – er hatte zweifelsohne gute Seiten, aber es gibt sehr viele Taten, Äußerungen und Unterlassungen von ihm, die sein Gesamtbild doch trüben. Es kann doch nicht sein, daß ein Papst (oder irgendein Christ!!!) einen großen Heiligen bittet, eine falsche und dem Christentum feindlich gesinnte Religion (Islam) zu beschützen; oder daß ein Papst Ungläubigen auffordert, ihre Religion weiter zu leben !!

Aber das ist ja normal in der jetzigen Situation. Ein Kardinal (!) in den USA hat öffentlich erklärt, er habe einen jungen Mann, der Jude geworden ist, mit seinen Segen verabschiedet…

Bezüglich Islam habe ich wirklich den Eindruck, daß sehr viele in verantwortunsvollen Positionen keine wirkliche Ahnung davon haben, einschließlich derer, die für die dazugehörigen Texten im II Vatikanum verantwortlich waren. Noch ein Beispiel, daß nicht nur der Heilige Geist in jenem Konzil gewirkt hat.
Samstag, 1. Oktober 2005 14:01
gunther maria michel: Religiöser Indifferentismus
>May Saint John Baptist protect Islam and all the people of Jordan, and all who partecipated in this celebration, a memorable celebration.

>Wenn ihr mit aufrichtigen Herzen euren Gottesglauben aus eurer Heimat hierher in ein fremdes Land getragen habt und hier zu Gott als eurem Schöpfer und Herrn betet, dann gehört auch ihr zu der großen Pilgerschar von Menschen, die seit Abraham immer wieder aufgebrochen sind, um den wahren Gott zu suchen und zu finden. Wenn ihr euch auch in der Öffentlichkeit nicht scheut, zu beten, gebt ihr uns Christen dadurch ein Beispiel, das Hochachtung verdient. Lebt euren Glauben auch in der Fremde und laßt ihn euch von keinem menschlichen oder politischen Interesse mißbrauchen!

Das ist leider untragbar – oder wir können gleich ganz aufhören Katholiken zu sein und gehen in eine interreligiöse New-Age-Gruppe.
Nebenbei: Zitat 1 ist für Muslime nicht weniger anstößig als für Christen. Im Islam ist jedwede Anrufung von Personen neben Allah schirk (Beigesellung) und die unverzeihliche Sünde schlechthin.
Zitat 2: Die Vorlage für die Rede könnte ihm von der deutschen Bischofskonferenz untergeschoben worden sein. Er hätte dies trotzdem nicht sagen dürfen.
Aus beiden Worten spricht ein unbegreiflicher religiöser Indifferentismus – gegen den Johannes Paul II. (requiescat in pace) an anderer Stelle, in seiner Missionsenzyklika, doch selber gekämpft hat.
Gunther.
Samstag, 1. Oktober 2005 13:38
MilesChristi: @ Sünde, Gunter
@ Elendester Sünder:
Nein, ich bin nicht verblendet, ich finde die ganze Gemache um Medjugorje eine Verhöhnung der Muttergottes und dagegen muß ich mich wehren.

@ Gunter, du schreibst:
„Das Foto mit dem Koran ist ja nun weidlich bekannt. Übrigens sieht man den Kuß nicht. Er könnte auch nur an dem Buch geschnuppert haben.“

Das meinst du nicht ernst, oder ?? Es wird damit immer noch in der muslimischen Welt Propaganda gemacht, daß der Papst den Koran gekußt hat… wenn es nicht so wäre, hätte Rom bereits mit einer Erklärung reagiert.

Die Quellenangaben für dich :

– Hlg. Johannes der Täufer und Islam:

http://www.vatican.va/…i-al-kharrar_en.html

– Junge Muslime in der Fremnde (Mainz)

http://www.vatican.va/…ri-immigrati_ge.html

Gruß,

M.C.
Samstag, 1. Oktober 2005 13:30
Elendester Sünder: Das versprochene sichtbare Zeichen
Lieber Marcel, ich habe ebenfalls keine Lust mehr, mich mit euch über Meðugorje zu streiten.

Du sagst, Du wärst früher ein Anhänger dieses Ortes gewesen; ich darf also annehmen, daß Du mit dem Ort aus eigener Anwesenheit und Anschauung vertraut bist. Ich bitte Dich daher freundlich, weil es mich ehrlich interessiert, mitzuteilen, wie Du das beständige Rieseln von Wasser aus dem Bronzekruzifix hinter der Kirche, das ich als das von der Gospa versprochene sichtbare Zeichen ansehen würde, erklärst.
Samstag, 1. Oktober 2005 12:26
Marcel: Medjugorje mal wieder… (Nur ganz kurz)
Elendstersünder schrieb : Die Äußerungen des Miles Christi lassen sich mit seiner Verblendung entschuldigen.

Dies aus dem Mund eines – leider – verblendeten Medjugorje-Jüngers, der ansonsten ein großes Potential für die katholische Tradition bärge.

Doch so leicht lassen sich die Vorwürfe des profunden Michael Davies gegen Medjugorje nicht vom Tisch wischen, die Mileschristi referenzierte.
Auch nicht die ablehnenden Aussagen der zuständigen Ortsbischöfe und der Bischofskonferenz.
Die schweren Anschuldigungen des ehemaligen Medjugorjaners P. Hönisch auch nicht.
Usw.

Als ehemaliger Medjugorjaner, der wirklich von Herzen daran glaubte und ironischerweise trotz des Betruges zu Maria fand – man sieht: Gott kann auch auf ungeraden Zeilen gerade schreiben –, bin ich heute überzeugt, daß Medjugorje ein von Satan angelegter gigantischer Schwindel ist, der durch eine professionelle weltweite Propagandastruktur und medial gewandten Protagonisten (z.B. die vom Amsterdamer Spuk) Millionen gutgläubiger Menschen hereinlegt.

Gerne verweise ich erneut auf folgenden einführenden Text zu Medjugorje (URL). Er erschien ursprünglich in der Ausgabe Februar 2005 des Magazins „Theologisches. Katholische Monatsschrift“, herausgegeben von Dr. David Berger. Leserbrief plus Replik erschienen in der folgenden März-Ausgabe.
Samstag, 1. Oktober 2005 11:15
Elendester Sünder: Meðugorje
Die richtige Schreibweise ist „Meðugorje“.

Die Äußerungen des Miles Christi lassen sich mit seiner Verblendung entschuldigen.
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