[ « 385 386 387 388 389 » ]
Mittwoch, 28. September 2005 19:08
Ein sensationeller Vorschlag
Das Oberhaupt der griechisch-katholischen Kirche in der Ukraine hat vorgeschlagen, eine orthodox-katholische Nationalkirche einzurichten.
Lubomyr Kardinal Husar
Lubomyr Kardinal Husar
(kreuz.net) Der Großerzbischof der griechisch-katholischen Kirche in der Ukraine, Lubomyr Kardinal Husar, hat sich dafür ausgesprochen, im Land eine einzige byzantinische Kirche einzurichten.

Das berichtete die russische Nachrichtenagentur Interfax am vergangenen Samstag.

Die griechisch-katholische Kirche ist mit Rom uniert. Sie besitzt aber die identische byzantinische Liturgie und Tradition wie die Orthodoxen.

Kardinal Husar wurde in der Ukraine geboren, flüchtete aber als Kind mit seinen Eltern zuerst nach Österreich und dann in die USA. Erst nach dem Ende der Sowjetunion kehrte er wieder ins Land zurück.

Nach den Worten des Kardinals wären alle kirchlichen Probleme gelöst, „wenn es in der Ukraine für alle nur ein Patriarchat gäbe“.

Gegenwärtig existieren dagegen im Land vier verschiedene und voneinander unabhängige byzantinische Kirchen: die griechisch-katholische Kirche, die russisch-orthodoxe, die ukrainisch-orthodoxen und die autokephale.

Die autokephale Kirche überlebte als orthodoxe Exilkirche im Westen und ging eine kurzlebige Verbindung mit dem Kiewer Patriarchat ein.

Ein einziges Patriarchat könnte die Grundlage bilden, um die Orthodoxen und die Katholiken zur „ursprünglichen Einheit“ zurückzuführen, erklärte der Kardinal:

Er stelle nicht den Anspruch, daß der Patriarch griechisch-katholisch sei. Wichtig wäre allein, daß er in der Lage wäre, als Einheitspunkt für alle zu wirken.

Der Kardinal verlangte aber, daß ein solcher Patriarch mit Rom in Gemeinschaft sein sollte.

Kardinal Husar beklagte die Unfähigkeit der „lateinischen Theologie“, dem „Austausch“ zwischen den Lokalkirchen und Rom einen angemessenen Platz einzuräumen.

Statt dessen habe der Vatikan die Einheit als Unterwerfung verstanden. Dieser Prozeß sei „Uniatismus“ genannt worden.

Der Kardinal erklärte, daß er den Uniatismus verurteile.

Er suche eine Form der Einheit, die nicht auf Uniformität, sondern auf der Bewahrung der eigenen Tradition und auf einem gegenseitigen Austausch gründe.

Das sei ein „ziemlich kompliziertes“ Problem. Der Kardinal bedauerte, daß es nicht „angemessen gelöst“ sei.

Die griechisch-katholische Kirche der Ukraine sei aber bestrebt, eine Lösung anzupeilen und eine Vorreiterrolle zu spielen, obwohl in Rom nicht alle ihre Meinung zu diesem Thema geändert hätten.

Der Großerzbischof unterstrich, daß in der Frage der einen Kirche „viel von den Beziehungen mit den Orthodoxen“ abhänge.

Geistliche Prozesse würden sich bei den Orthodoxen in einer sehr ungeordneten Weise entwickeln. Das sei ein Grund, „warum wir uns alle in einem ziemlich chaotischen Zustand befinden, aus dem wir uns Schritt für Schritt herausbewegen sollten.“

Kardinal Husar glaubt, daß „weder Moskau noch Rom uns unsere Einheit geben werden“. Die Einheit müsse unabhängig erreicht werden.

Dann würden „Rom, Konstantinopel oder Moskau, das im Vergleich mit ihnen viel jünger ist, dieses Faktum einfach akzeptieren.“

Der Kardinal betrachtete es als wünschenswert, diese Frage in einem Forum zu klären, an dem verschiedene Bekenntnisse und die Regierung teilnehmen könnten.

Der ukrainische Präsident hat bei verschiedenen Gelegenheiten erklärt, daß die Regierung es vorziehen würde, eine einzige ukrainische Lokalkirche zu sehen.

Als Vorbild für einen solchen Dialog verwies der Kardinal auf Nordirland. Er erwähnte auch die Beziehungen zwischen Palästinensern und Israelis.
Weiterlesen:
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 7 Lesermeinungen:
Donnerstag, 29. September 2005 21:46
Evelin: Schon klar, dass
Patriarchate eine größere Eigenständigkeit inkl. gewisser eigener Jurisdiktion haben als Diözesen, nur gibt es irgendwann einmal einen Streitpunkt, wo irgendjemand entscheiden muss. Auch im ersten Jahrtausend war hier der Bischof von Rom massgeblich.
Einfach alle 4 Kirchen der Ukraine zusammenfassen – um einer gewissen Einheit ohne Wahrheit willen, ohne die theologischen Unterschiede zu klären, das heißt auch, über die Christen der einzelnen Kirchen „drüber zu fahren“. Das ist gerade nicht ökumenisch.
Donnerstag, 29. September 2005 17:06
Athanasius: Leider, Dolfus,
Alle römischen Dogmen sind aber zu akzeptieren, ebenso die Universaljurisdiktion des Papstes.

Das ist die integral Römisch-Katholische Lösung, aber im modernistischen Rom geht das so nicht zu. Nicht nur fordert Kardinal Kasper, dass alle Missionierung an „Orthodoxen“ (Schismatikern) stoppt, aber sogar, dass die Mission als falsch zu bezeichnen ist. Er kotzt auf die Reliquien der heiligen Märtyrer für die apostolische katholische Einheit (und die unzählbaren Uniaten-Bischöfe die unter Stalin und Chrushov getötet wurden).

Und leider ist auch Benedikt XVI. nicht mit Dir einverstanden. Er findet die orthodox-schismatische Definition des Papsttums sogar glaubwürdiger als das hochheilige Dogma.

Cardinal Ratzinger, Principles of Catholic Theology(1982), pp. 216-217: „…it would be worth our while to consider whether this archaic confession, which has nothing to do with the ‘primacy of jurisdiction’ but confesses a primacy of ‘honor’ and agape, might not be recognized as a formula that adequately reflects the position that Rome occupies in the Church – ‘holy courage’ requires that prudence be combined with ‘audacity’: ‘The kingdom of God suffers violence.’“ und anderswo schrieb Ratzinger „Rom muss nicht mehr fordern.“
Donnerstag, 29. September 2005 10:21
Dolfus: Cardinal Wirrkopf
Wer kennt sich aus, wo er jetzt hinaus will?

Die mit Rom in Einheit sein wollen, sind es bereits, mit all ihrer liturgischen Sondertradition u. Sondertheologie, auch mit einem Höchstmaß an Autonomie. Das gegenwärtige Rom ist ohnehin diesbezügl. zu einem Höchstmaß an Autonomie bereit. Alle römischen Dogmen sind aber zu akzeptieren, ebenso die Universaljurisdiktion des Papstes.

Bezügl. St Josaphat weiß ich zu wenig.
Donnerstag, 29. September 2005 07:37
roemkath: @Chrysostomos
Es stimmt, dass die griechisch-katholische Kirche (nicht nur) in der Ukraine unter dem kommunistischen System sehr gelitten hat, es gab viele Märtyrer (Bischöfe, Priester, Laien), die für ihren Glauben und vor allem wegen ihrer Treue zu Rom ihr Leben gegeben haben. Umso unverständlicher sind jetzt die Bestrebungen von Großerzbischof Kardinal Husar, noch mehr Unabhängigkeit von Rom zu erhalten.
Was finanzielle Mittel angeht, so wird die ukrainisch-katholische Kirche ebenfalls beinahe ausschließlich mit Geldern aus dem Westen versorgt. Das neue Priesterseminar in Lviv, vor einigen Wochen eingeweiht, wurde fast gänzlich mit Spendengeldern von „Kirche in Not – Ostpriesterhilfe“ finanziert.
Mittwoch, 28. September 2005 22:16
Chrysostomos: Chrysostomos – Antwort auf roemkath
Da kann ich nur antworten: Schuster bleib bei Deinem (!) Leisten, nämlich bei der römisch katholischen Kirche und beurteile nicht Dinge, von denen Du nichts verstehst oder nur zum Tel eine Ahnung hast! Wenn Deine Kirche – wie die griechisch-katholische in der Ukraine, die so viele Jahrzehnte im Untergrund überleben mußte und dennoch die Treue zu Rom bewahrte – so vieles mitgemacht hätte, ich wüßte nicht, wo sie heute wäre! Schau doch nur auf die römisch-katholischen Kirchen im Osten – soweit sie nicht großzügigste Spenden aus dem „goldenen“ Westen erhalten! Da ist nun mal einiges nachzuholen und Großerzbischof Husar ist bei weitem nicht der Schlechteste! Also etwas mehr Demut mein lieber Bruder aus dem lateinischen Ritus!!
Mittwoch, 28. September 2005 20:26
roemkath: Nicht neu…
… ist die Forderung von Kardinal Husar, der sich in seiner Kirche eigenen Rechts bereits als Patriarch kommemorieren lässt und seinen neuen Sitz in Kjiv als Patriarchat bezeichnet. Ungehorsam gegenüber Rom oder gesundes Selbstbewusstsein? Das sei dahingestellt. Jedenfalls dürfte klar sein, dass die großen Visionen Husars reine Illusionen sind. Die Wirklichkeit holt ihn schnell ein. Die „Orthodoxen“ schaffen ja nicht einmal die Einheit unter sich, in der Ukraine wird dies besonders schmerzlich deutlich. Und ein Patriarchat, das sowohl mit der Orthodoxie als auch mit Rom in Communio steht, wird mit Sicherheit und nicht zuletzt an der russischen Orthodoxie scheitern, die die Ukraine nach wie vor als ihr kanonisches Territorium bezeichnet. Nebenbei gesagt gibt es für die griechisch-katholische Kirche in der Ukraine auch dringendere Probleme, als sich Gedanken über Dinge zu machen, die von vornherein zum Scheitern bestimmt sind: Schaffung sinnvoller Strukturen, gerechte Besoldung der Kleriker, fundierte liturgische und spirituelle Ausbildung der Alumnen, Förderung caritativer und sozialer Einrichtungen. Das alles kommt nach wie vor zu kurz.
Alle Lesermeinungen anzeigen Eine weitere Lesermeinung
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Beiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen sowie Leser aus der Debatte auszuschließen.
Copyright © 2008 kreuz.net