Das Oberhaupt der griechisch-katholischen Kirche in der Ukraine hat vorgeschlagen, eine orthodox-katholische Nationalkirche einzurichten.
(kreuz.net) Der Großerzbischof der griechisch-katholischen Kirche in der Ukraine, Lubomyr Kardinal Husar,
hat sich dafür ausgesprochen, im Land eine einzige byzantinische Kirche einzurichten.
Das berichtete
die russische Nachrichtenagentur Interfax am vergangenen Samstag.
Die griechisch-katholische Kirche ist
mit Rom uniert. Sie besitzt aber die identische byzantinische Liturgie und Tradition wie die Orthodoxen.
Kardinal Husar wurde in der Ukraine geboren, flüchtete aber als Kind mit seinen Eltern zuerst nach Österreich
und dann in die USA. Erst nach dem Ende der Sowjetunion kehrte er wieder ins Land zurück.
Nach den Worten
des Kardinals wären alle kirchlichen Probleme gelöst, „wenn es in der Ukraine für alle nur ein Patriarchat
gäbe“.
Gegenwärtig existieren dagegen im Land vier verschiedene und voneinander unabhängige byzantinische
Kirchen: die griechisch-katholische Kirche, die russisch-orthodoxe, die ukrainisch-orthodoxen und die
autokephale.
Die autokephale Kirche überlebte als orthodoxe Exilkirche im Westen und ging eine kurzlebige
Verbindung mit dem Kiewer Patriarchat ein.
Ein einziges Patriarchat könnte die Grundlage bilden, um
die Orthodoxen und die Katholiken zur „ursprünglichen Einheit“ zurückzuführen, erklärte der Kardinal:
Er stelle nicht den Anspruch, daß der Patriarch griechisch-katholisch sei. Wichtig wäre allein, daß
er in der Lage wäre, als Einheitspunkt für alle zu wirken.
Der Kardinal verlangte aber, daß ein solcher
Patriarch mit Rom in Gemeinschaft sein sollte.
Kardinal Husar beklagte die Unfähigkeit der „lateinischen
Theologie“, dem „Austausch“ zwischen den Lokalkirchen und Rom einen angemessenen Platz einzuräumen.
Statt dessen habe der Vatikan die Einheit als Unterwerfung verstanden. Dieser Prozeß sei „Uniatismus“
genannt worden.
Der Kardinal erklärte, daß er den Uniatismus verurteile.
Er suche eine Form der Einheit,
die nicht auf Uniformität, sondern auf der Bewahrung der eigenen Tradition und auf einem gegenseitigen
Austausch gründe.
Das sei ein „ziemlich kompliziertes“ Problem. Der Kardinal bedauerte, daß es nicht
„angemessen gelöst“ sei.
Die griechisch-katholische Kirche der Ukraine sei aber bestrebt, eine Lösung
anzupeilen und eine Vorreiterrolle zu spielen, obwohl in Rom nicht alle ihre Meinung zu diesem Thema geändert
hätten.
Der Großerzbischof unterstrich, daß in der Frage der einen Kirche „viel von den Beziehungen
mit den Orthodoxen“ abhänge.
Geistliche Prozesse würden sich bei den Orthodoxen in einer sehr ungeordneten
Weise entwickeln. Das sei ein Grund, „warum wir uns alle in einem ziemlich chaotischen Zustand befinden,
aus dem wir uns Schritt für Schritt herausbewegen sollten.“
Kardinal Husar glaubt, daß „weder Moskau
noch Rom uns unsere Einheit geben werden“. Die Einheit müsse unabhängig erreicht werden.
Dann würden
„Rom, Konstantinopel oder Moskau, das im Vergleich mit ihnen viel jünger ist, dieses Faktum einfach akzeptieren.“
Der Kardinal betrachtete es als wünschenswert, diese Frage in einem Forum zu klären, an dem verschiedene
Bekenntnisse und die Regierung teilnehmen könnten.
Der ukrainische Präsident hat bei verschiedenen
Gelegenheiten erklärt, daß die Regierung es vorziehen würde, eine einzige ukrainische Lokalkirche zu
sehen.
Als Vorbild für einen solchen Dialog verwies der Kardinal auf Nordirland. Er erwähnte auch die
Beziehungen zwischen Palästinensern und Israelis.
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7 Lesermeinungen
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#7 Evelin 21:46:49 | Donnerstag, 29. September 2005
Schon klar, dass Patriarchate eine größere Eigenständigkeit inkl. gewisser eigener Jurisdiktion haben
als Diözesen, nur gibt es irgendwann einmal einen Streitpunkt, wo irgendjemand entscheiden muss. Auch
im ersten Jahrtausend war hier der Bischof von Rom massgeblich. Einfach alle 4 Kirchen der Ukraine zusammenfassen –
um einer gewissen Einheit ohne Wahrheit willen, ohne die theologischen Unterschiede zu klären, das heißt
auch, über die Christen der einzelnen Kirchen „drüber zu fahren“. Das ist gerade nicht ökumenisch.
#6 Athanasius 17:06:35 | Donnerstag, 29. September 2005
Leider, Dolfus, Alle römischen Dogmen sind aber zu akzeptieren, ebenso die Universaljurisdiktion des
Papstes. Das ist die integral Römisch-Katholische Lösung, aber im modernistischen Rom geht das so nicht
zu. Nicht nur fordert Kardinal Kasper, dass alle Missionierung an „Orthodoxen“ (Schismatikern) stoppt,
aber sogar, dass die Mission als falsch zu bezeichnen ist. Er kotzt auf die Reliquien der heiligen Märtyrer
für die apostolische katholische Einheit (und die unzählbaren Uniaten-Bischöfe die unter Stalin und
Chrushov getötet wurden). Und leider ist auch Benedikt XVI. nicht mit Dir einverstanden. Er findet die
orthodox-schismatische Definition des Papsttums sogar glaubwürdiger als das hochheilige Dogma. Cardinal
Ratzinger, Principles of Catholic Theology(1982), pp. 216-217: „…it would be worth our while to consider
whether this archaic confession, which has nothing to do with the ‘primacy of jurisdiction’ but confesses
a primacy of ‘honor’ and agape, might not be recognized as a formula that adequately reflects the position
that Rome occupies in the Church – ‘holy courage’ requires that prudence be combined with ‘audacity’:
‘The kingdom of God suffers violence.’“ und anderswo schrieb Ratzinger „Rom muss nicht mehr fordern.“
#5 Dolfus 10:21:27 | Donnerstag, 29. September 2005
Cardinal Wirrkopf Wer kennt sich aus, wo er jetzt hinaus will? Die mit Rom in Einheit sein wollen, sind
es bereits, mit all ihrer liturgischen Sondertradition u. Sondertheologie, auch mit einem Höchstmaß
an Autonomie. Das gegenwärtige Rom ist ohnehin diesbezügl. zu einem Höchstmaß an Autonomie bereit.
Alle römischen Dogmen sind aber zu akzeptieren, ebenso die Universaljurisdiktion des Papstes. Bezügl.
St Josaphat weiß ich zu wenig.
#4 roemkath 07:37:20 | Donnerstag, 29. September 2005
@Chrysostomos Es stimmt, dass die griechisch-katholische Kirche (nicht nur) in der Ukraine unter dem kommunistischen
System sehr gelitten hat, es gab viele Märtyrer (Bischöfe, Priester, Laien), die für ihren Glauben
und vor allem wegen ihrer Treue zu Rom ihr Leben gegeben haben. Umso unverständlicher sind jetzt die
Bestrebungen von Großerzbischof Kardinal Husar, noch mehr Unabhängigkeit von Rom zu erhalten. Was finanzielle
Mittel angeht, so wird die ukrainisch-katholische Kirche ebenfalls beinahe ausschließlich mit Geldern
aus dem Westen versorgt. Das neue Priesterseminar in Lviv, vor einigen Wochen eingeweiht, wurde fast gänzlich
mit Spendengeldern von „Kirche in Not – Ostpriesterhilfe“ finanziert.
#3 Chrysostomos 22:16:38 | Mittwoch, 28. September 2005
Chrysostomos – Antwort auf roemkath Da kann ich nur antworten: Schuster bleib bei Deinem (!) Leisten,
nämlich bei der römisch katholischen Kirche und beurteile nicht Dinge, von denen Du nichts verstehst
oder nur zum Tel eine Ahnung hast! Wenn Deine Kirche – wie die griechisch-katholische in der Ukraine,
die so viele Jahrzehnte im Untergrund überleben mußte und dennoch die Treue zu Rom bewahrte – so vieles
mitgemacht hätte, ich wüßte nicht, wo sie heute wäre! Schau doch nur auf die römisch-katholischen
Kirchen im Osten – soweit sie nicht großzügigste Spenden aus dem „goldenen“ Westen erhalten! Da ist
nun mal einiges nachzuholen und Großerzbischof Husar ist bei weitem nicht der Schlechteste! Also etwas
mehr Demut mein lieber Bruder aus dem lateinischen Ritus!!
#2 roemkath 20:26:00 | Mittwoch, 28. September 2005
Nicht neu… … ist die Forderung von Kardinal Husar, der sich in seiner Kirche eigenen Rechts bereits
als Patriarch kommemorieren lässt und seinen neuen Sitz in Kjiv als Patriarchat bezeichnet. Ungehorsam
gegenüber Rom oder gesundes Selbstbewusstsein? Das sei dahingestellt. Jedenfalls dürfte klar sein, dass
die großen Visionen Husars reine Illusionen sind. Die Wirklichkeit holt ihn schnell ein. Die „Orthodoxen“
schaffen ja nicht einmal die Einheit unter sich, in der Ukraine wird dies besonders schmerzlich deutlich.
Und ein Patriarchat, das sowohl mit der Orthodoxie als auch mit Rom in Communio steht, wird mit Sicherheit
und nicht zuletzt an der russischen Orthodoxie scheitern, die die Ukraine nach wie vor als ihr kanonisches
Territorium bezeichnet. Nebenbei gesagt gibt es für die griechisch-katholische Kirche in der Ukraine
auch dringendere Probleme, als sich Gedanken über Dinge zu machen, die von vornherein zum Scheitern bestimmt
sind: Schaffung sinnvoller Strukturen, gerechte Besoldung der Kleriker, fundierte liturgische und spirituelle
Ausbildung der Alumnen, Förderung caritativer und sozialer Einrichtungen. Das alles kommt nach wie vor
zu kurz.
#1 Athanasius 19:58:55 | Mittwoch, 28. September 2005
Ein weiterer Schrit in Richtung der Einen Weltkirche… …die Ven. Anna Katharine Emmerick beschrieb
in ihrer „Vision über die Kirche“ von 1820. Eine graue Eine Welt Kirche in die alle Konfessionen („Evangelische,
Katholiken und Sektarier“) eingehen und eine falsche Gegenkirche bilden. „Eine wahre Gemeinschaft der
Unheiligen“. Wundert’s euch noch, dass die Priesterbruderschaft St. Pius X. mit ihrer Ostritus (Göttliche
Liturgie) Abteilung „Priesterbruderschaft St. Josaphat“ trotz massiver Verfolgungen und Prozessen seitens
Kardinal Husars so viel Erfolg hat bei vielen treuen echt unierten Gläubigen??