19:01:01 | Donnerstag, 29. September 2005
Schon die Reformatoren strichen jene liturgischen Gebete, welche die katholische Lehre hervorheben. Der Vorwand dazu: Man wolle zur „ursprünglichen Einfachheit“ zurückkehren. Von
Michael Davies.
(kreuz.net/
UnaVoce) Es hat im Römischen Ritus wie in allen Riten natürlich eine liturgische Entwicklung
gegeben, aber diese verlief in kaum wahrnehmbaren Schritten einer natürlichen Entfaltung.
Joseph Kardinal
Ratzinger schrieb im Geleitwort zur Gedenkschrift für den von ihm hochgeschätzten Mons. Klaus Gamber:
„Josef Andreas Jungmann, einer der wirklich großen Liturgiker unseres Jahrhunderts, hatte seinerzeit
das westliche Verständnis von Liturgie, wie sie sich vor allem durch die historische Forschung darstellte,
als ,gewordene Liturgie’ gekennzeichnet.
Was nach dem Konzil weithin geschehen ist, bedeutet etwas ganz
anderes: An die Stelle der gewordenen Liturgie hat man die gemachte Liturgie gesetzt.
Man wollte nicht
mehr das organische Werden und Reifen des durch die Jahrhunderte hin Lebendigen fortführen, sondern setzte
an dessen Stelle – nach dem Muster technischer Produktion – das Machen, das platte Produkt des Augenblicks.“
Es ist dabei wichtig zu betonen, daß die jahrhundertelange Entfaltung des Römischen Ritus vornehmlich
durch die Hinzufügung neuer Gebete und Gesten gekennzeichnet war. Diese hoben das in der Messe enthaltene
Geheimnis deutlicher hervor.
Die Reformatoren strichen jene Gebete, welche die katholische Lehre verdeutlichen,
unter dem Vorwand einer Rückkehr zur „ursprünglichen Einfachheit“.
Dagegen verurteilte Papst Pius XII.
ausdrücklich Bestrebungen, „alle möglichen alten Riten und Zeremonien wieder in Gebrauch zu bringen“,
weil es sich um alte Bräuche handelt.
Der Papst erklärt dazu:
„Diese Denk- und Handlungsweise läßt
jene übertriebene und ungesunde Altertumssucht wiederaufleben, der die ungesetzliche ,Synode von Pistoia’
Auftrieb gab.
Ebenso trachtet sie, jene vielfachen Irrtümer wieder zurückzurufen, welche Anlaß für
diese Synode waren, welche aus ihr – zum großen Schaden der Seelen – hervorgegangen sind und welche die
Kirche – die immer wachsame Hüterin des ihr von ihrem Stifter anvertrauten Glaubensgutes – mit vollem
Recht verworfen hat.
Solche verkehrte Pläne und Unternehmungen gehen nur darauf aus, jene Riten der
Heiligung zu schmälern und zu schwächen, durch welche die Liturgie die an Kindes Statt angenommenen
Söhne Gottes heilsam zum himmlischen Vater hinlenkt.“Dennoch wurden die liturgischen Grundsätze von
Pistoia als Teil der Reform des Zweiten Vatikanums im gesamten Römischen Ritus durchgesetzt, auch wenn
das nicht ausdrücklich vom Konzil angeordnet wurde.
Aber die Liturgiekonstitution öffnete die Tür,
durch die sie eindrangen.
„Gegenwärtige Verhältnisse und Notwendigkeiten“, an welche die Liturgie nach
Darlegung der Liturgiekonstitution – Artikel 4 – angepaßt werden müßte, hat es während der gesamten
Kirchengeschichte immer wieder gegeben.
Denn es liegt im Wesen der Zeit, daß diese mit jeder Sekunde
moderner wird.
Wenn die Kirche die Liturgie der ständigen Abfolge immer modernerer und neuerer Verhältnisse
angepaßt hätte, so wäre eine liturgische Stabilität überhaupt nie zustandegekommen.
Wenn eine solche
Notwendigkeit der Anpassung wirklich besteht, muß sie schon immer bestanden haben. Es ist aber schwer
zu glauben, daß der Heilige Geist die Kirche in dieser Frage nicht geleitet hat, bevor er den Vätern
des Zweiten Vatikanischen Konzils diese Erkenntnis offenbarte.
Die Texte der päpstlichen Lehrverkündigungen
zur Liturgie sind leicht greifbar.
Eine päpstliche Lehre über die Notwendigkeit, die Liturgie an die
Gegenwart anzupassen, sticht nur durch ihre Nichtexistenz besonders hervor. Das verwundert nicht, wenn
man sich die Mühe macht, eine solche angebliche Notwendigkeit in unvoreingenommener und sachlicher Weise
zu analysieren.
Wann entsteht eine neue Gegenwart?
Nach welchen Kriterien wird das Vorhandensein einer
neuen Gegenwart beurteilt?
Wann endet die eine Gegenwart und wann beginnt die nächste?
Die krasse Unlogik
der These der liturgischen Anpassung an die Gegenwart fiel natürlich auch einigen Konzilsvätern auf.
Bischof Dino Staffa – später Kardinal – wies am 24. Oktober 1962 auf die Folgen einer „mit neuer Kraft
ausgestatteten Liturgie“ hin.
Er sagte zu den 2.337 anwesenden Konzilsvätern:
„Es wird gesagt, daß
die heilige Liturgie der Gegenwart und den veränderten Umständen anzupassen sei. Auch hier müssen wir
uns die Folgen vor Augen halten.
Denn die Bräuche und auch die äußere Erscheinung der Gesellschaft
verändern sich schnell und werden sich noch schneller verändern.
Was heute scheinbar den Wünschen
der Menge entspricht, wird nach dreißig oder fünfzig Jahren unsinnig sein. Wir müssen dann davon ausgehen,
daß die ganze oder fast die ganze Liturgie nach dreißig oder fünfzig Jahren wieder geändert werden
muß.
Das scheint nach den Voraussetzungen, von denen hier ausgegangen wird, logisch zu sein.
Mir scheint
diese Schlußfolgerung zwar notwendig, aber für die heilige Liturgie nicht angemessen zu sein. Sie ist
auch kaum nützlich für die Würde der Kirche, kaum sicher für die Integrität und Einheit das Glaubens,
kaum dienlich für die Einheit der Disziplin.
Während die Welt sich täglich mehr auf die Einheitlichkeit
zubewegt – besonders in der Arbeits- und Lebensweise – würden wir in der Lateinischen Kirche die wunderbare
liturgische Einheit zerstören und in Nationen, Regionen oder gar Provinzen aufteilen?“Es ist inzwischen
eine Tatsache, daß die Lateinische Kirche im Begriff war, genau das zu tun und tatsächlich auch getan
hat, mit allen Konsequenzen für die Integrität und Einheit des Glaubens und der Disziplin, welche Bischof
Staffa vorausgesehen hatte.
Nächster Teil: Ungenaue DarlegungenAuszug aus dem 16. Kapitel des Buches
„Pope John’s Council“ des Präsidenten der Internationalen UNA VOCE-Föderation, Michael Davies († 25.
September 2004). Übersetzt von Katharina Wagner.
UNA VOCE Deutschland e. V. – Geldorpstr. 4, 50733 Köln
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Bonaventura 20:41:15 | Freitag, 30. September 2005
#6
Benedikt 19:27:57 | Freitag, 30. September 2005
#5
Detlef Rose 18:57:17 | Freitag, 30. September 2005
#4
zwobbel 08:18:13 | Freitag, 30. September 2005
#3
Detlef Rose 23:41:13 | Donnerstag, 29. September 2005
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Athanasius 21:36:57 | Donnerstag, 29. September 2005