11:26:58 | Freitag, 30. September 2005
Der Priester und Theologe Hans Küng sprach kürzlich vor den Medien über seinen jüngsten Besuch bei Papst Benedikt XVI. Zu kritisieren hatte er dieses Mal eigentlich fast nichts.
(kreuz.net) Der suspendierte Tübinger Theologe Hans Küng sprach nach seinem
Besuch bei Papst Benedikt
XVI. am letzten Samstag mit Klaus Remme vom ‘Deutschlandfunk’. Das Interview wurde gestern Donnerstag
veröffentlicht.
Die erste Frage, ob er – Küng – frühere Gesprächsangebote von Kardinal Ratzinger
abgewiesen habe, verneint der ehemalige Theologe kategorisch: „Das ist eine ausgesprochene Fehlmeldung,
die weiterkolportiert wird.“
Er habe nicht abgelehnt, ganz im Gegenteil:
„Wir haben eine Unterredung
gehabt – eine lange Unterredung – in Bayern am Chiemsee im Jahre 1983, also nach der römischen Intervention.“
Jedoch habe er sich immer geweigert, sich einem „Inquisitionsverfahren“ zu unterwerfen und deswegen nach
Rom zu fahren:
„Ich sah da keine Chance, überhaupt durch ein solches Verfahren heil durchzukommen.“
Ob er am Samstag allein mit dem Papst gesprochen habe?
Küng bejaht die Frage. Er sei mit dem Heiligen
Vater ganz allein in dessen Arbeitszimmer gewesen. Das sei bei solchen Treffen nicht üblich:
„Es war
ja auch nicht einfach eine Audienz, sondern es war wirklich ein Gespräch.“
Er habe darum gebeten und
sei sehr froh, daß sich der Papst in außerordentlicher Weise über vier Stunden Zeit genommen habe.
Das Treffen sei einfach und schlicht verlaufen.
Man habe zunächst darüber geredet, daß er – Küng –
schon 1948 als junger Germaniker an der päpstlichen Universität Gregoriana studiert habe.
Germaniker
nennt man die Alumnen, die im deutsch-ungarischen Priesterseminar in Rom untergebracht sind. Das Seminar
heißt ‘Collegium Germanicum et Hungaricum’ und wird von den Jesuiten geführt.
Das Gespräch habe sich
von selber ergeben.
Er habe mit dem Papst weniger über die innere Krise der Kirche als mehr über „die
großen Aufgaben der Kirche in der heutigen Welt“ gesprochen.
Für Küng handelt es sich dabei „vor allem
um das Verhältnis des christlichen Glaubens zu den Naturwissenschaften und die Fragen eines gemeinsamen
Weltethos“.
Als Fazit des Gesprächs habe er – so Küng – mitgenommen, daß der Papst nicht wie „man“
es ja auch annehmen konnte, nach seiner Wahl einfach „rückwärts gerichtet“ sei:
„Er ist ein Papst,
der nicht schon in allen Dinge festgelegt ist, sondern durchaus noch zu Überraschungen fähig ist.“
Das Gespräch am Samstag bezeichnete Küng als die „erste große Überraschung“. Sie habe den Vatikan
mindestens so überrascht wie die Welt.
Ob er es bereue, sich direkt nach der Papstwahl eher enttäuscht
über die Wahl Joseph Ratzingers geäußert zu haben?
„Nein“ – antwortet der Ex-Theologe unverblümt:
„Warum soll ich das bedauern?“ Es sei für ihn eine „Riesenenttäuschung“ gewesen, weil „er sicher nicht
mein Kandidat war“.
Im Gespräch mit dem Papst habe es einen Moment gegeben, der ihn – so Küng – freudig
überrascht habe.
Gleich am Anfang sei er darauf zu reden gekommen, daß er in Berlin-Potsdam anläßlich
eines Einsteinkongresses referiert habe. Er habe sich vor Physikern, Naturwissenschaftlern und Philosophen
der Thematik ‘Urstand des Kosmos’ gewidmet.
Der Papst habe „ganz und gar lebendig“ aufgehorcht und erklärt:
„Ja, das ist natürlich ungeheuer wichtig und ich danke Ihnen, daß Sie mir das Buch ‘Der Anfang aller
Dinge’ über Naturwissenschaften und Religion geschickt haben. Das ist es genau, was es heute braucht –
diesen Dialog.“
Am Ende hätten sie sich noch um eine gemeinsame Stellungnahme für die Medien bemüht.
Der Theologe sieht darin eine „neue Form“. Benedikt XVI. hätte das Treffen nämlich auch verschweigen
oder als eines unter vielen darstellen können.
Der Papst habe jedoch bereits im Vorfeld erklärt, daß
„wir gemeinsam ein Pressecommuniqué machen, damit das nicht mißverstanden wird“.
Die Erklärung des
Heiligen Stuhls zum Treffen habe der Papst selber formuliert, erzählt Küng:
„Ich habe den Text nach
Tübingen zugeschickt bekommen und hatte praktisch nur eine kleine grammatikalische Veränderung. Dann
konnte es sofort veröffentlicht werden. Es war nichts, was mir irgendwie in dem ganzen Vorgehen mißfallen
hat.“
Es sei eine erfreuliche und unerwartete Entwicklung, sich in freundschaftlicher Atmosphäre zu
treffen, erklärt Küng abschließend.
Hans Küng unterstreicht, daß der Papst das Wort freundschaftlich
und nicht etwa freundlich benutzt hatte:
„Freundschaftlich – das ist ja das Wort, das er selber kreiert
hat für das Communiqué.“
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