„Ich bin als katholischer Theologe in der Welt anerkannt“
„Wir haben auch öfters gelacht“, erklärte Hans Küng in einem Interview mit ‘Radio Vatikan’ über sein Treffen mit dem Papst: Dieser habe gemeint, daß Tübingen wohl immer noch die einzige Universitätsstadt ohne D-Zug-Anschluß sei. Das Interview.
(kreuz.net/Radio Vatikan) ‘Radio Vatikan’ veröffentlichte heute ein Interview mit dem Tübinger Theologen
Hans Küng über sein Treffen mit Papst Benedikt XVI.
Wie ist das, wenn man einen alten Kollegen, den
Sie von Münster nach Tübingen gezogen haben, unter so veränderten Umständen wiedersieht? War das sehr
herzlich, oder etwas steif, etwas seltsam?
Hans Küng: Nein, es war gleich von Anfang an herzlich. Das
war nicht selbstverständlich.
Der Papst sagte gleich: „Wir haben uns ja 1983 zum letzten Mal gesehen.“
Das ist ja immerhin lange her. Es war drei Jahre nach dem Eingriff damals – der vatikanischen Intervention –
ziemlich steif, jedenfalls im Sinn von „Keine Freiheit im Denken“. Es war – hatte ich empfunden – kein
eigentliches Verstehen zwischen uns da. Diesmal war es von Anfang an umgekehrt.“
Lag das vielleicht auch
daran, daß er jetzt Papst, also der Chef ist und selbst den Ton angeben kann?
Hans Küng: Ich glaube,
das macht viel aus. Ich habe gestern Abend für die hohen Finanzchefs der Konzerne da bei Frankfurt geredet.
Da kam einer zu mir und sagte: „Ja, das ist natürlich schon so, wenn einer von uns als Finanzchef CEO
[Chief Executive Officer – Geschäftsführer] wird – also Chef des Ganzen – dann ist eine ganz andere
Perspektive gefordert.
Dann sieht man plötzlich mehr nach außen. Dann merkt man, daß man nicht einfach
nur kontrollieren darf, jetzt muß man Impulse geben.
Ich glaube also, daß das einen großen Unterschied
macht. Der Papst ist jetzt nicht mehr der Glaubenshüter, der vor allem schaut, ob da die Disziplin eingehalten
wird innerhalb der Kirche.
Er ist konfrontiert mit den großen Problemen der Welt, und da ist es ja in
etwa natürlich…
Ich bin ja schon immer an den Fronten der Welt gestanden – darf ich sagen – und seit
dem römischen Eingriff mehr denn je. Jetzt decken sich natürlich die Anliegen in bezug auf Weltreligionen,
Weltfrieden, Weltethos und vieles andere.
Sie haben die umstrittene Frage der Unfehlbarkeit ausgeklammert.
Wird das denn später irgendwann einmal aufgegriffen? Haben Sie da etwas ausgemacht?
Hans Küng: Nein,
da haben wir gar nichts ausgemacht. Davon haben wir überhaupt nicht geredet. Ich glaube, es hat viel
geholfen – hat mir der Papst auch selbst geschrieben –, daß ich von Anfang an sagte: „Ich komme nicht,
um zu bitten, mir die Missio Canonica zurückzugeben.“
Nicht nur, weil ich Emeritus bin und sie gar nicht
brauche, sondern auch, weil ich seit dem Missio-Entzug gezeigt habe, daß ich als katholischer Theologe
in der Welt anerkannt bin auch ohne diese Missio. Ich habe gar keine Absicht, da nun etwas zurückzufordern.
Und dann, das Zweite noch dazu: Wir haben beide im Einverständnis gesagt, es hat keinen Zweck, bei dieser
Gelegenheit – das steht auch ausdrücklich im Kommuniqué – jetzt über die Lehrfragen zu disputieren,
die zwischen mir und dem Lehramt umstritten sind. Das ist nicht der Rahmen dafür.
Dann müßte man wieder
so ein Verfahren eingehen durch die Glaubenskongregation – das kommt ja für mich unter den gegebenen
Umständen nicht in Frage.
Es gab ja ein großes Presse-Echo. Wie haben diese Reaktionen in den Zeitungen
auf Sie gewirkt – vor allem auch nachdenklichere Aussagen? War das für Sie besonders interessant oder
auch fragwürdig?
Hans Küng: Zunächst einmal war es mir ein Anlaß großer Freude. Die Zeitungen haben
das ja – mit einer Ausnahme der FAZ, die mir nicht wohlgesonnen ist – in Deutschland alles auf der Titelseite
gebracht.
Hier in Tübingen zum Beispiel herrscht zweifellos große Freude in den akademischen Kreisen –
aber auch sonst in der Bevölkerung.
Die Presse hat ja im allgemeinen sehr, sehr positiv reagiert. Und
was mich eigentlich besonders beeindruckt hat: Es sind sehr viele emotionale Zuschriften gekommen, und
auch am Telefon: Leute, die sagen: „Ach bin ich froh!“
Auch Leute, die mir gar nicht bekannt waren und
die auch nicht unbedingt kirchlich besonders engagiert sind… Es war allgemein so ein Aufatmen, daß
so etwas Positives – überhaupt in unserer Zeit, wo in der Politik so vieles schiefgeht – möglich ist.
Noch einmal gefragt: Geht es jetzt nach diesem Treffen irgendwie weiter? Es könnte ja auch sein, daß
jetzt andere Theologen, die mit dem Lehramt irgendwelche Schwierigkeiten haben oder hatten, zum Papst
gehen wollen – ist darüber irgendwie gesprochen worden?
Hans Küng: Nein, darüber ist nicht gesprochen
worden. Ich habe mich auch sehr beschränkt in all dem, was man nun so sagen kann.
Wir haben allerdings –
das darf ich ruhig sagen – auch über das Problem der Bibelübersetzung in Deutschland geredet, und am
Rand auch über Abendmahlsgemeinschaft. Aber das waren nicht die eigentlichen Themen.
Was mir viel wichtiger
war: Ich kam gerade von der „Academia Europea“, der wichtigen Versammlung von Physikern, Naturwissenschaftlern
und Philosophen in Potsdam. Es hat den Papst brennend interessiert, daß man fähig ist, als Theologe –
und er sagte, glaube ich, daß man da ja ziemlich oft allein ist – auf gleichem Niveau mit diesen Größen
der Physik reden darf.
Dem Papst ist außerordentlich daran gelegen, daß man mit der Naturwissenschaft
wieder in ein konstruktives Gespräch eintritt. Er hat mir sehr gedankt für das Buch, das ich ihm zugeschickt
hatte und das er schon genau angeschaut hatte: ‘Der Anfang aller Dinge’ über Naturwissenschaft und Religion.
Er sieht, daß das sehr, sehr wichtig ist. Mich hat das besonders gefreut – das ist ja auch im Kommuniqué
ein eigener Punkt geworden.
Kann man sagen: Was Sie beide besonders verbindet, ist der Umgang mit den
Zeitfragen, also Religion und Wissenschaft, aber auch Religion-Ideologien, Religion und andere Religionen?
Hans Küng: Ja. Das kommt ja auch im Kommuniqué zum Ausdruck – das übrigens Papst Benedikt selber formuliert
hat. Es ist von ihm formuliert worden auf Grund dessen, was wir disputiert haben.
Ich habe das noch mal
approbieren dürfen…
Aber, er selber hat es ja herausgestellt – heißt es da – daß es bei dem Projekt
‘Weltethos’ keineswegs um eine abstrakte intellektuelle Konstruktion geht, sondern vielmehr um die moralischen
Werte, in denen die großen Religionen der Welt bei allen Unterschieden konvergieren und die sich von
ihrer überzeugenden Sinnhaftigkeit her auch der säkularen Vernunft als gültige Maßstäbe zeigen können.
Was dahintersteht – darf ich Ihnen sagen – ist: Ihm liegt sehr daran, daß natürlich das Weltethos in
den Religionen selber verwurzelt ist. Da waren wir auch ganz einer Meinung.
Aber er hat mir auch zugestimmt,
als ich ihm sagte: „Sie wissen ja, daß nicht nur in den neuen Bundesländern, sondern überhaupt in der
westlichen Welt viele natürlich nicht mehr im christlichen Glauben verwurzelt sind.“
Da sagte er: „Ja,
selbstverständlich – auch mit denen müssen wir reden, das ist ganz, ganz wichtig.“
Und deswegen diese
Formulierung, die da sogar zwei-, dreimal vorkommt: die säkulare Vernunft.“
Am Rande des Interviews
erzählte Küng: „Wir haben auch öfters gelacht. Er hat auch gemeint: Tübingen sei wohl immer noch die
einzige Universitätsstadt ohne D-Zug-Anschluß…“
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„Ich bin als katholischer Theologe in der Welt anerkannt“ Diese Selbsteinschätzung des Herrn Prof. Küngs
bewertet sich doch durchaus zutreffend, jedenfalls wenn man die Bibel kennt : die Welt liebt ihn
Prüfungsrelevant „Ich bin als katholischer Theologe in der Welt anerkannt“ Leider ist das wirklich so.
Bei meinem Abitur im Kolloquium in Kath. Religion (in Bayern, Bistum Regensburg) mußte ich als Begleitlektüre
Hans Küngs „Projekt Welthethos“ vorbereiten und wurde dann die Hälfte der Prüfungszeit nur über eben
dieses „Projekt Weltethos“ geprüft. Meine Kritik daran wurde nur mit dem Schlagwort „Intoleranz“ abgefertigt.
Schon im Verlauf des letzten Schuljahres mußten wir Hans Küngs „Credo“ lesen. Auf meinen Protest hin
antwortete mir die Kursleiterin, Hans Küng stehe auf der Empfehlungsliste für die Oberstufe in Kath.
Religion. Die Verantwortung trage die Schulbuchkommission der Bischofskonferenz. Hans Küng wird im Schulunterricht
als bedeutendster katholischer Theologe präsentiert.
wer gibt vor, worauf es ankommt? wenige TheologInnen werden außerhalb der „katholischen Welt“ wirklich
wahrgenommen; aber jene, die tatsächlich außerhalb der katholischen Kuschelecken bemerkbar sind, haben
oft auch eine beachtliche Resonanz bei Andersgläubigen und Fernstehenden – und bereiten so den Boden
für die Verbreitung des Glaubens auf;
„Ich bin als katholischer Theologe in der Welt anerkannt“ Mal ja sein, aber eben nicht in der katholischen
Welt, worauf es ankäme. Das ist ja so, als wenn sich ein Arzt damit rühmen würde, daß er außerhalb
seines Fachgebietes sehr renomiert sei. Küng will doch nur irgendwie noch sein gebrochenes Leben(swerk)
ein wenig ins Trockene retten…