Deutschland
Die Denunzianten lenken ein
Im Frühjahr diesen Jahres kam es zu einem Eklat zwischen dem Bistum Würzburg und dem in der Diözese ansässigen ‘Initiativkreis’. Letzterer hat sich nun vor dem Bischof auf die Knie geworfen.
(kreuz.net, Würzburg) Ein siebenmonatiger Streit zwischen dem Bistum Würzburg und dem dortigen ‘Initiativkreis’ scheint beigelegt.

Der ‘Initiativkreis katholischer Laien und Priester’ von Würzburg nennt sich ‘Liborius-Wagner-Kreis’. Er wurde 1997 gegründet und ist ein eingetragener Verein.

Im Kreis ergreifen nach eigenen Angaben „glaubens- und kirchentreue Katholiken die Initiative für die Verbreitung der Lehre der katholischen Kirche in Übereinstimmung mit dem Lehr- und Hirtenamt des Papstes und der mit ihm verbundenen Bischöfe“.

Der Vorsitzende des Diözesanrates, Norbert Baumann, hatte den ‘Initiativkreis’ im März des „Denuntiantentums“ bezichtigt.

Es sei verwerflich, Gottesdienste zu besuchen, um zu beobachten, ob die liturgischen Vorgaben eingehalten würden: „Die Art und Weise dieses Sammelns von Informationen ist eines Christen nicht würdig.“

Der ‘Diözesanrat’ ist das oberste Laiengremium eines Bistums in Deutschland.

Der Bischof von Würzburg, Mons. Friedhelm Hofmann, hatte dieselben Verdächtigungen wie sein Diözesanratsvorsitzender ausgesprochen.

Nun seien Voraussetzungen für konstruktive Gespräche geschaffen worden, heißt es in einer Pressemeldung der Diözese.

Am Freitag veröffentlichte der Bischof von Würzburg, Mons. Friedhelm Hofmann, anlässlich der Herbstvollversammlung des Diözesanrates Auszüge aus einem Brief des ‘Liborius-Wagner-Kreises’.

Das Schreiben des Kreises trägt das Datum vom 23. August und ist an den Bischof adressiert.

Darin nimmt der Initiativkreis eine frühere Erklärung zurück, wonach der Vorsitzende des Diözesanrates „wenig glaubwürdig“ gehandelt habe.

In einer Stellungnahme hatte der ‘Liborius-Wagner-Kreises’ kritisiert, daß auf der Frühjahrsvollversammlung des diözesanen Laiengremiums über Mitchristen hergezogen worden sei:

„Angesichts dieses Umgangs mit den Gläubigen des ‘Liborius-Wagner-Kreises’ wirkt es wenig glaubwürdig, wenn der Diözesanratsvorsitzende Norbert Baumann auf der Versammlung an die Fairneß im Umgang miteinander appellierte und zur Vermeidung von Konfrontationen aufrief.“

In einem Schreiben des Bischofs vom 28. Juli sei klargestellt worden – so der nun veröffentlichte Antwortbrief an den Bischof –, daß sich Herr Baumann im Frühjahr dafür stark gemacht habe, die Gespräche mit dem Initiativkreis nicht abreißen zu lassen.

Baumann habe sich bemüht, den aufgetretenen Emotionen ihre Spitze zu nehmen, erklärte der Initiativkreis im Brief: „Der Vorwurf der Unglaubwürdigkeit kann in Kenntnis dieser Umstände gegen Herrn Baumann nicht erhoben werden.“

Es sei richtig – so der Liborius-Wagner-Kreis –, daß man nicht übereinander, sondern miteinander reden soll, wie Herr Baumann seinerzeit ausgeführt habe. „Wir sind daher gerne und ohne jede Vorbedingung zu einem klärenden Gespräch bereit.“

Bischof Hofmann erklärte, daß einige Äußerungen des Diözesanrates zum Teil zu schroffen Reaktionen und auch zu Anschuldigungen gegenüber dem ‘Initiativkreis’ geführt hätten. Dabei seien die Äußerungen des Diözesanrates von der berechtigten Sorge über den innerkirchlichen Umgangsstil getragen gewesen.

Bischof Hofmann zeigte sich froh über die „Verständigungsbereitschaft“ des Initiativkreises.

Er bedankte sich beim Vorsitzenden des diözesanen Laiengremiums für seine zugleich klare wie auch vermittelnde Haltung in dieser Kontroverse.

Gerade bei unterschiedlichen Meinungen sei ein offener, ehrlicher und deshalb glaubwürdiger Umgangsstil unter Christen notwendiger denn je.

Bischof Hofmann und Diözesanratsvorsitzender Baumann haben ihrerseits die Bezichtigungen des Denunziantentums nicht zurückgenommen.
      
4 Lesermeinungen
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#4   zwobbel   07:46:12 | Dienstag, 4. Oktober 2005
„Kniefall“ scheint nicht angebracht
Der Diozösanrat ist genauso viel oder wenig die Vertretung einer Gruppe von Katholiken wie der Initiativkreis. Wenn nun endlich vom Diozösanrat anerkannt wird das beide auf gleicher Augenhöhe miteinander sprechen sollten, so ist das doch ein Fortschritt in die richtige Richtung.
Allerdings ist auch keine Euphorie angebracht. Ich wurde auch mal zu einem „Gespräch“ (=Verhör) zu unserem Diozösanrat eingeladen. Mir wurde zugesagt ein Protokoll zu erhalten. Auf dieses Protokoll warte ich jetzt seit zehn Jahren vergebens.
Aber gut. Vielleicht hat der Diozösanrat in Würzburg begriffen, daß die Modernisten in den letzten 40 Jahren nicht immer wie es sich für Christen geziemt mit ihrem glaubenstreuen Brüdern umgegangen sind.
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#3   Don Carlos   22:45:38 | Montag, 3. Oktober 2005
DIE DENUNZIANTEN LENKEN EIN
Zu obenstehender Veröffentlichung folgende Bemerkungen:
1. Die Behauptung der Liborius-Wagner-Kreis bzw. dessen Mitglieder mussten bzw. haben einen „Kniefall“ vor dem Bischof machen bzw. gemacht ist lächerlich. Wer reelles Denken und Vernunft mit Kniefall verwechselt, der sollte selber einmal nachdenken. Bischof Dr. Friedhelm Hofmann ist nicht der Mensch, der solches (Kniefall), auch nich verbal von einem anderen erwartet.
2. Die Behauptung Bischof Dr. Friedhelm Hofmann habe die Mitglieder des „L-W-K als Denunzianten bezeichnet, ist so nicht richtig. Er hat sich in der Frühjahrsvollversammlung lediglich gegen Denunziantentum ausgesprochen
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#2   Yersinia   20:02:35 | Montag, 3. Oktober 2005
also diesmal ist die Konkurrenz
eindeutig sachlicher unterweg – und damit IMHO auch deutlich informativer!
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#1   roemkath   18:24:42 | Montag, 3. Oktober 2005
Gratuliation!
„Der Klügere gibt nach!“ heißt ein altes, wie ich finde sehr weises Sprichtwort. Und im Heiligen Evangelium lesen wir: „Wer dich auf die eine Wange schlägt, dem halte auch die andere hin!“ Ich gratuliere dem Liborius-Wagner-Kreis für diesen mutigen Schritt um des Evangeliums willen. So kann er viel effektiver seine Positionen vertreten und den Diözesanrat mit Argumenten der Vernunft überzeugen. Großartig wäre natürlich, wenn der Diözesanrat seine Beschuldigungen zurücknähme, aber wie gesagt: „Der Klügere gibt nach!“
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