„Ich muß zum Zahnarzt“
Auf der Weltbischofssynode zur Eucharistie haben gestern 256 Bischöfe aus 118 Ländern die Arbeitsgespräche begonnen. Thema waren unter anderem Sakrilegien wie der Kommunionempfang für Protestanten oder für Ehebrecher.
(kreuz.net, Vatikan) In seiner Einführung bat Papst Benedikt XVI. die 241 anwesenden Bischöfe um den
Geist der Demut. Kollegialität bedeute auch „brüderliches Korrigieren“, so der Papst an die Synodenväter.Diese Haltung solle jedem Einzelnen helfen, seine Lücken und Grenzen zu sehen, und dazu führen, daß jeder wirklich „seine Wahrheit und Integrität“ als Werkzeug Gottes finde.
Benedikt XVI. entschuldigte seine Abwesenheit am gestrigen Nachmittag mit einer Ankündigung, die eigentlich nicht für aller Ohren bestimmt gewesen wäre.
„Um 16.00 Uhr habe ich leider einen Termin beim Zahnarzt“, verkündigte der Heilige Vater durch den Lautsprecher im Saal. Daher könne er an der Nachmittagssitzung der Bischöfe nicht teilnehmen.
Kurz darauf hieß es, daß sich Benedikt XVI. eigentlich nur im kleinen Kreis äußern wollte. Ein eingeschaltetes Mikrofon übertrug die päpstlichen Worte aber für alle Ohren im Saal. Das berichtet die österreichische Boulevardzeitung ‘Krone’.
Am ersten Arbeitstag der Weltbischofssynode wurde auch eine Ansprache auf Lateinisch gehalten. Sie stammte vom ersten Generalrelator der Bischofssynode, dem Patriarchen von Venedig, Angelo Kardinal Scola (63).
Das Amt des Generalrelators entspricht etwa dem eines Berichterstatters. Ihm obligt es, in das Thema der Synode einzuführen und später die Diskussion in einem Bericht zusammenzufassen.
Kardinal Scola erklärte, daß die Kirche keine neuen Formen der Liturgie und der Teilhabe an ihr erfinden müsse. Es reiche die „ars celebrandi“ – die Kunst des Zelebrierens, das heißt, die liturgische Tradition der Kirche –, um die Gegenwart fruchtbar zu machen.
Kardinal Scola rief die Bischöfe auch auf, über das Thema der Nichtigkeitsprozesse von Ehen nachzudenken. In diesem Zusammenhang müsse auch die Arbeit kirchlicher Gerichte in den einzelnen Bistümern neu überdacht werden.
Vereinfachte juristische Prozeduren bei Ehe-Annullierungen seien – bei aller nötigen Wachsamkeit – aus seelsorglichen Gründen ein Gebot der Stunde.
Der Kommunionempfang durch Protestanten und andere getrennte Christen bezeichnete Kardinal Scola als „ziemlich delikates pastorales Problem“.
Die Eucharistiefeier sei von ihrer Natur her ein vollständiges Glaubensbekenntnis der Kirche. Interkommunion sei nicht das „geeignete Mittel“, um die Einheit der Christen zu erreichen.
Dennoch sei es einzelnen Nichtkatholiken unter bestimmten Umständen möglich, zur Kommunion zugelassen zu werden.
Einer der Synodenväter äußerte sich auf einer Pressekonferenz zur Spendung des Leibes Christi an Ehebrecher.
Der Weihbischof von Port de Paix, Mons. Pierre-Antoine Paulo (61), sprach sich dabei unverblümt zugunsten einer solchen Praxis aus.
Port de Paix liegt auf Haiti in der Karibik.
Er hoffe, daß das wichtigste Sakrament der Kirche auch von Menschen wie den wiederverheirateten Geschiedenen empfangen werden könne.
Mons. Paulo bemängelte auch, daß das vorbereitende Arbeitspapier der Synode nicht erwähne, inwiefern die Eucharistie eine Brücke zu anderen Religionen sein könne:
„Wenn die Eucharistie für uns wirklich das Wertvollste ist, dann müßten wir auch andere daran teilhaben lassen.“
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