Kultur
Volle Schatzhäuser trotz leerer Kassen?
Ein Pfarrer ‘predigt’ den Bischöfen: Goldene Monstranzen, prunkvolle Reliquienschreine und prächtige Meßgewänder sprechen auch in Zeiten kirchlicher Sparmaßnahmen vom Glanz der Wahrheit des Allmächtigen, Schönen und Guten.
(keuz.net/SISA) Letzten Sonntag fand Pfarrer Dr. Guido Rodheudt von Herzogenrath im Bistum Aachen goldene Worte. Bei der Eröffnung einer Ausstellung „Roda Sacra – Silber und Seide“ in der Abteikirche von Rolduc an der niederländischen Grenze hielt er als Mitinitiator die Eröffnungsansprache vor den beiden Diözesanbischöfen Franciscus Jozef Maria Wiertz von Roermond (61) und Heinrich Mussinghoff von Aachen (64).

Wir haben uns seit einiger Zeit daran gewöhnt, verschiedene Vokabeln im kirchlichen Raum ungern in den Mund zu nehmen. Zu ihnen gehören neben Neuzugängen wie „Hierarchie“, „Disziplin“ oder „Heiligkeit“ bereits seit langem die Begriffe „Pracht“, „Glanz“, „Gold“, „Silber“ oder „Üppigkeit“. Man zuckt gewissermaßen zusammen, wenn man diese Wörter im Kontext kirchlichen Lebens hört. Und wenn sie jemand unbedacht in einem Gespräch über Seelsorge oder Liturgie verwendet, dann weiß man bereits, wer verloren hat.

Insofern stehen wir heute vielleicht ein wenig staunend vor einem Sammelsurium von Peinlichkeiten, wenn man bedenkt, daß nahezu alles, was sich hier hinter Glas befindet, mit eben jener gefürchteten Region kirchlicher Begrifflichkeiten zu tun hat. Goldene Monstranzen, prächtige Gewänder, schöne Bilder von geistlichen Herren, die weder ihr Amt, noch ihre Gelehrsamkeit auch nur im mindesten verstecken. Dazu kostbare Hüllen für die sterblichen Überreste von Heiligen, die einen geradezu unverschämt konkret in die Nähe des Himmels bringen. All das wird ausgestellt und auch noch dazu mit dem Untertitel „Silber und Seide“ versehen. Wer hat sich bloß diese Koketterie in Zeiten der Nüchternheit öffentlichen Lebens ausgedacht? Und – als ganz aktuelle Frage – wie kommt man dazu, in Zeiten leerer Kassen, die Schatzhäuser der Vergangenheit zu öffnen und mit Gold und Silber im Alltag kirchlicher Sparmaßnahmen aufzukreuzen?

Die Antwort ist denkbar einfach. Sie liegt ebenso in den Vitrinen. Es ist die Botschaft, die die Objekte zum Betrachter transportieren. Denn sie sprechen nicht in erster Linie von der Geschichte einer wohlhabenden Abtei und ihrer ebenfalls nicht armen Patronatspfarreien, sie sprechen nicht von feudalen Mißverständnissen des kirchlichen Amtes oder der Selbstvergoldung der eigenen Geschichte, von verklärter Vergangenheit im Rausch prächtiger Staffagen. Sie sprechen vielmehr – unmißverständlich und zugegebenermaßen provokant – vom Zentrum des katholischen Glaubens: von Gott, der schön ist, gut, und mächtig und vom Glanz seiner Wahrheit.

© SINFONIA SACRA
      
2 Lesermeinungen
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#2   Dolfus   14:00:57 | Freitag, 3. Dezember 2004
Dem wahren ewigen Gotte geweiht
In der Verehrung des wahren Gottes darf nur das Beste gut genug sein.
Es wäre beschämend, wenn unsere Wohnungen alle üppig mit Luxusgütern gefüllt wären – wo meist mehrere Fernseher, die besten Leckereien etc. Standard sind – und dann wäre man entrüstet, wenn wir den dem Ewigen Gott gebührenden Anbetungscult mit Billigsdorfer Plastiken zu erfüllen gedächten.
Noch abstruser wäre es, diesen kirchlichen Schatz zu veräußern, um ein paar „PastoralassistentInnen“ mehr ein bürgerliches Leben finanzieren zu können.
Jene, die jetzt von den deutschen Bischöfen gekündigt werden, könnten sich ja „Basisgemeinden“ in Lateinamerika widmen.
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#1   Catholicus   17:51:42 | Freitag, 26. November 2004
Netzwerk katholischer Priester
Besagter Pfarrer ist leitend aktiv im Priesternetzwerk www.priesternetzwerk.net/
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