17:07:54 | Freitag, 26. November 2004
Ein Pfarrer ‘predigt’ den Bischöfen: Goldene Monstranzen, prunkvolle Reliquienschreine und prächtige Meßgewänder sprechen auch in Zeiten kirchlicher Sparmaßnahmen vom Glanz der Wahrheit des Allmächtigen, Schönen und Guten.
(keuz.net/
SISA) Letzten Sonntag fand Pfarrer Dr. Guido Rodheudt von Herzogenrath im Bistum Aachen goldene
Worte. Bei der Eröffnung einer Ausstellung „Roda Sacra – Silber und Seide“ in der Abteikirche von Rolduc
an der niederländischen Grenze hielt er als Mitinitiator die Eröffnungsansprache vor den beiden Diözesanbischöfen
Franciscus Jozef Maria Wiertz von Roermond (61) und Heinrich Mussinghoff von Aachen (64).
Wir haben uns
seit einiger Zeit daran gewöhnt, verschiedene Vokabeln im kirchlichen Raum ungern in den Mund zu nehmen.
Zu ihnen gehören neben Neuzugängen wie „Hierarchie“, „Disziplin“ oder „Heiligkeit“ bereits seit langem
die Begriffe „Pracht“, „Glanz“, „Gold“, „Silber“ oder „Üppigkeit“. Man zuckt gewissermaßen zusammen,
wenn man diese Wörter im Kontext kirchlichen Lebens hört. Und wenn sie jemand unbedacht in einem Gespräch
über Seelsorge oder Liturgie verwendet, dann weiß man bereits, wer verloren hat.
Insofern stehen wir
heute vielleicht ein wenig staunend vor einem Sammelsurium von Peinlichkeiten, wenn man bedenkt, daß
nahezu alles, was sich hier hinter Glas befindet, mit eben jener gefürchteten Region kirchlicher Begrifflichkeiten
zu tun hat. Goldene Monstranzen, prächtige Gewänder, schöne Bilder von geistlichen Herren, die weder
ihr Amt, noch ihre Gelehrsamkeit auch nur im mindesten verstecken. Dazu kostbare Hüllen für die sterblichen
Überreste von Heiligen, die einen geradezu unverschämt konkret in die Nähe des Himmels bringen. All
das wird ausgestellt und auch noch dazu mit dem Untertitel „Silber und Seide“ versehen. Wer hat sich bloß
diese Koketterie in Zeiten der Nüchternheit öffentlichen Lebens ausgedacht? Und – als ganz aktuelle
Frage – wie kommt man dazu, in Zeiten leerer Kassen, die Schatzhäuser der Vergangenheit zu öffnen und
mit Gold und Silber im Alltag kirchlicher Sparmaßnahmen aufzukreuzen?
Die Antwort ist denkbar einfach.
Sie liegt ebenso in den Vitrinen. Es ist die Botschaft, die die Objekte zum Betrachter transportieren.
Denn sie sprechen nicht in erster Linie von der Geschichte einer wohlhabenden Abtei und ihrer ebenfalls
nicht armen Patronatspfarreien, sie sprechen nicht von feudalen Mißverständnissen des kirchlichen Amtes
oder der Selbstvergoldung der eigenen Geschichte, von verklärter Vergangenheit im Rausch prächtiger
Staffagen. Sie sprechen vielmehr – unmißverständlich und zugegebenermaßen provokant – vom Zentrum des
katholischen Glaubens: von Gott, der schön ist, gut, und mächtig und vom Glanz seiner Wahrheit.
©
SINFONIA SACRA
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Dolfus 14:00:57 | Freitag, 3. Dezember 2004
#1
Catholicus 17:51:42 | Freitag, 26. November 2004