Euthanasie
„Ich konnte alles hören“
Ein italienischer Wachkomapatient kann seit kurzem wieder sprechen. Als er aufwachte, beratschlagte eine italienische Bioethik-Kommission gerade darüber, ob Wachkomapatienten weiter ernährt werden sollten.
(kreuz.net, Catania) Der Wachkomapatient Salvatore Crisafulli (38) aus Catania ist erwacht. Catania ist die zweitgrößte Stadt der Insel Sizilien und Hauptstadt der gleichnamigen Provinz.

Herr Crisafulli lag seit einem Mopedunfall am 11. September 2003 im Wachkoma. Während der letzten zwei Jahre hat sich seine Familie um ihn bemüht.

Crisafulli ist verheiratet und vierfacher Familienvater.

Pietro Crisafulli, der Bruder des Erwachten, erklärte vor der römischen Tageszeitung ‘Corriere della Sera’, daß Salvatore wieder bei Bewußtsein sei. Bereits seit drei Monaten konnte eine Besserung festgestellt werden, doch sprechen könne Salvatore erst seit wenigen Tagen.

Sein erstes Wort nach dem Erwachen sei „Mamma“ gewesen. Auch die Motorik ist teilweise zurückgekehrt. Er bewegt seinen linken Arm und den Kopf.

„Ich erwarte nicht“ – so Bruder Pietro –, „daß er wieder wie früher wird. Aber es ist schon ein Wunder.“

Bruder Petro erinnert sich auch an die Diagnose einiger Ärzte. Sie hatten behauptet, daß jede Hilfe sinnlos wäre und sein Bruder Salvatore in drei oder vier Monaten sowieso sterben würde.

Der Wachkomapatient berichtet auf der familieneigenen Homepage über seine zweijährige Komazeit: „Ich lag im Koma. Doch ich habe alles gehört und gespürt.“ Er habe mit den Menschen nicht kommunizieren können: „Ich weinte vor Verzweiflung.“

Doch die Ärzte deuteten seine Tränen als unwillkürlichen Reiz.

Bruder Pietro Crisafulli versuchte ihnen vergeblich zu erklären, daß Menschen im Koma alles verstünden. Salvatore selbst erinnert sich, wie die Ärzte seinen Zustand am Krankenbett kommentierten und meinten: „Er ist nicht bei Bewußtsein.“

Der Wachkomapatient erklärte, daß sein „wundersames Wiedererwachen“ dem Hilflosenmord jede Legitimität entziehe. Bruder Pietro bezeichnete ihn als „italienische Terri Schiavo“.

Die Wachkomapatientin Schiavo wurde Ende März zu Tode gehungert, nachdem der gesetzliche Ehegatte per Gerichtsentscheid ihre Magensonde entfernen ließ.

In Salvatore Crisafullis Heimatstadt wird sein Erwachen als Wunder betrachtet. Es wurde genau zum Zeitpunkt bekannt, als eine italienische Bioethikkommission über das Schicksal von italienischen Wachkomapatienten beratschlagte.

In Italien leiden rund 6.000 Menschen unter diesem Krankheitsbild.

Die Bioethikkommission unterstützte einen Antrag des Gesundheitsministeriums zugunsten der Ernährung von Wachkomapatienten.

Der Präsident des Komitees erklärte laut einem Bericht der britischen Tageszeitung ‘Guardian’, daß die künstliche Ernährung kein medizinischer Eingriff sei:

„Es ist als würde man einem Neugeborenen, das nicht von der Mutter gestillt werden kann, ein Fläschchen geben.“
      
9 Lesermeinungen
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#9   methusalix †   02:53:54 | Samstag, 8. Oktober 2005
Antworten
@irenäus; wenn die Obduktion von einem öffentlichen Gerichtsmediziner durchgeführt wird und das war im Fall Schiavo so, dann besteht kein Grund (in den USA wird ja keine Buschmedizin betrieben) am Ergebnis zu zweifeln. Begründung: offizielle Gerichtsmediziner werden in den USA (und in Europa) derartig engmaschig kontrolliert (ohne Ankündigung selbstverständlich), dass sie keinerlei Möglichkeit haben, Ergebnisse zu fälschen. Die ordentliche Gerichtsbarkeit ist da aus verständlichen Gründen dahinter her. Jede wichtige Obduktion wird von mindestens einem neutralen Gerichtsmediziner kontrolliert. Da ist kein Tor zu Verschwörungstheorien offen. Herrn Schön kenne ich als den Mann mit der Mütze (früherer Nationaltrainer).
@julia; um Gefühle haben sich die Kirchenbeamten noch nie kümmern DÜRFEN. Also haben sie davon nicht die leiseste Ahnung und darum kommt es zu solch Katastrophen wie in Afrika.
@evelines gatten; die Keuschheitserziehung mag ja, in den Augen der Kirchenbeamten, das einzig richtige zur AIDS-Bekämpfung sein. Aus einem ganz einfachen Grund funktioniert sie nicht und treibt weiter tausendfach Menschen in den Tod. Sie dauert zu lange. Aber das war für die katholische Hierarchie noch nie ein Hindernis; da lässt man lieber dem Unheil seinen Lauf, als dass man schnell wirksame Methoden, die nicht ins eigene Weltbild passen, zulässt.
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#8   Evelin   22:41:43 | Freitag, 7. Oktober 2005
@ Julia: Ahnungslos…
… sonst wüßte sie, dass die besten Ergebnisse bei der Vorsorge von AIDS und anderen Geschlechtskrankheiten die Keuschheitserziehung ist. Uganda konnte die AIDS-Erkrankungen auf diese Weise stark eindämmen, während die anderen Länder südlich der Sahara im AIDS-Sumpf versunken sind und immer tiefer sinken.
Der Gatte der Evelin
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#7   Julia   22:09:29 | Freitag, 7. Oktober 2005
kIRCHLICHE IRRTÜMER GIBT ES AUCH GENÜGEND
zB. das Komdomverbot hat in Afrika schreckliche Folgen. Ich weiß es hat auch Kulturelle Ursachen, doch ich bin der Meinung dass das Kondomverbot der RKK es schlimmer gemacht hat. Sexualität ist kein Fakt von Gesetzen, sondern von Gefühlen. Die Kirche meint es ist eine Sache des Verstands. Deswegen gibt es auch soviele Ausschreitungen von Priester und Bischöfe die im Zölibat leben, eine gegennatürliche Lebensweise, meiner Meinung.
Gruß, Julia.
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#6   Irenäus   19:51:20 | Freitag, 7. Oktober 2005
@methusalix
Ich gebe Ihnen einen herzlichen Rat:
Seien Sie nicht so leichtgläubig! Es ist doch bezeichnend, daß im Fall von Schiavo kein Gegengutachten gestattet war; wohl um etwas zu verbergen. Man kann doch etwas relativ leicht fälschen, vor allem dann, wenn die Gegenseite keine Möglichkeit der Überprüfung hat. Ich nenne Ihnen da nur einen Namen: Schön, falls der Ihnen überhaupt was sagt.
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#5   methusalix †   15:40:45 | Freitag, 7. Oktober 2005
@irenäus
Könnten das die Freimaurer gewesen sein? Die mit dem richtigen Ergebnis?
Manchmal kommt bei wissenschaftlichen Untersuchungen eben etwas falsches heraus. Nein, die Erde ist KEINE Scheibe und sie befindet sich NICHT im Mittelpunkt der Welt. Nein, vom Küssen wird man NICHT schwanger und Selbstbefriedigung macht NICHT blind. Der wissenschaftlichen Erkenntnisse, die falsch sind, sind Legion. Hat kürzlich auch Schönborn in der NYT festgestellt.
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#4   Julia   21:53:34 | Donnerstag, 6. Oktober 2005
Jede Entscheidung über Leben und Tod ist eine Unmenschliche Entscheidung.
Es ist Rosa Lima sagt, Gefährlich eine Entscheidung zu nehmen ob das Beatmungsgerät abgeschaltet werden soll. Das sieht man im diesen Fall. Ich bin nicht Unbedingt gegen Euthanasie. Das Leiden eines Menschen kann so schlimm sein dass er Tod möchte. Die Praxis in Holland ist so dass man Schriftlich und bei vollem Bewußtsein diese Entscheidung nimmt.
Ich kann mich auch vorstellen dass es Ärtze gibt die von solche Entscheidungen im Gewissennot geraten. Die darf man auch nicht dazu zwingen solche Entscheidungen zu nehmen.
Die Praxis Menschen „Versterben“ zu lassen, das heißt, keine Nährung und kein Wasser, wird auch in Holland praxisiert. Ich bin dagegen. Es gibt auch andere Wege.
Vor fünf Jahren, ein älterer Bruder von mir, erwachte in der Nacht, weil er Kehlschmerzen hatte und er spuckte nur Blut. Er wurde im Krankenhaus abgeliefert, da stellte man fest, er hatte eine Krampfader am Speißerohr. Man hat ihn drei Tage lang Blut gespendet, doch es hörte nicht auf, er war im Coma. Sein Gehirn war so geschädigt wegen Sauerstoffmangel, dass wenn er es Überlebt hatte, wäre er wie eine Pflanze gewesen. Ich hätte ihm dass nicht gegönnt. Irgendwie war ich „Froh“ dass er es nicht überlöebt hatte.
Gruß, Julia.
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#3   Irenäus   21:30:27 | Donnerstag, 6. Oktober 2005
@methusalix
Seltsam nur, daß die Obduktion von Terri Shiavo genauso das richtige Ergebnis geliefert hat…
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#2   methusalix †   19:19:40 | Donnerstag, 6. Oktober 2005
Meines Wissens können die Neurologen…
… sehr genau zwischen Coma vigile und apallischem Syndrom und einigen weiteren Stadien von „Komapatienten“ unterscheiden.
ZUm Beispiel hat die Obduktion von Terri Schiavo ergeben, dass ihr Gehirn zerstört war und keinerlei Chance des „Aufwachens“ bestand.
Diese ganzen grausigen Schicksale zeigen wiederum, wie wichtig es ist, rechtzeitig seine Verfügungen von Todes wegen zu schreiben.
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#1   Rosa von Lima   16:45:57 | Donnerstag, 6. Oktober 2005
Gefährlich!
Ein weiteres Beispiel dafür, wie gefährlich es ist, in einem solchen Fall die Beatmungsgeräte abzustellen.
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