16:13:34 | Donnerstag, 6. Oktober 2005
Ein italienischer Wachkomapatient kann seit kurzem wieder sprechen. Als er aufwachte, beratschlagte eine italienische Bioethik-Kommission gerade darüber, ob Wachkomapatienten weiter ernährt werden sollten.
(kreuz.net, Catania) Der Wachkomapatient Salvatore Crisafulli (38) aus Catania ist erwacht. Catania ist
die zweitgrößte Stadt der Insel Sizilien und Hauptstadt der gleichnamigen Provinz.
Herr Crisafulli
lag seit einem Mopedunfall am 11. September 2003 im Wachkoma. Während der letzten zwei Jahre hat sich
seine Familie um ihn bemüht.
Crisafulli ist verheiratet und vierfacher Familienvater.
Pietro Crisafulli,
der Bruder des Erwachten, erklärte vor der römischen Tageszeitung ‘Corriere della Sera’, daß Salvatore
wieder bei Bewußtsein sei. Bereits seit drei Monaten konnte eine Besserung festgestellt werden, doch
sprechen könne Salvatore erst seit wenigen Tagen.
Sein erstes Wort nach dem Erwachen sei „Mamma“ gewesen.
Auch die Motorik ist teilweise zurückgekehrt. Er bewegt seinen linken Arm und den Kopf.
„Ich erwarte
nicht“ – so Bruder Pietro –, „daß er wieder wie früher wird. Aber es ist schon ein Wunder.“
Bruder
Petro erinnert sich auch an die Diagnose einiger Ärzte. Sie hatten behauptet, daß jede Hilfe sinnlos
wäre und sein Bruder Salvatore in drei oder vier Monaten sowieso sterben würde.
Der Wachkomapatient
berichtet auf der
familieneigenen Homepage über seine zweijährige Komazeit: „Ich lag im Koma. Doch ich
habe alles gehört und gespürt.“ Er habe mit den Menschen nicht kommunizieren können: „Ich weinte vor
Verzweiflung.“
Doch die Ärzte deuteten seine Tränen als unwillkürlichen Reiz.
Bruder Pietro Crisafulli
versuchte ihnen vergeblich zu erklären, daß Menschen im Koma alles verstünden. Salvatore selbst erinnert
sich, wie die Ärzte seinen Zustand am Krankenbett kommentierten und meinten: „Er ist nicht bei Bewußtsein.“
Der Wachkomapatient erklärte, daß sein „wundersames Wiedererwachen“ dem Hilflosenmord jede Legitimität
entziehe. Bruder Pietro bezeichnete ihn als „italienische
Terri Schiavo“.
Die Wachkomapatientin Schiavo
wurde Ende März zu Tode gehungert, nachdem der gesetzliche Ehegatte per Gerichtsentscheid ihre Magensonde
entfernen ließ.
In Salvatore Crisafullis Heimatstadt wird sein Erwachen als Wunder betrachtet. Es wurde
genau zum Zeitpunkt bekannt, als eine italienische Bioethikkommission über das Schicksal von italienischen
Wachkomapatienten beratschlagte.
In Italien leiden rund 6.000 Menschen unter diesem Krankheitsbild.
Die Bioethikkommission unterstützte einen Antrag des Gesundheitsministeriums zugunsten der Ernährung
von Wachkomapatienten.
Der Präsident des Komitees erklärte laut einem Bericht der britischen Tageszeitung
‘Guardian’, daß die künstliche Ernährung kein medizinischer Eingriff sei:
„Es ist als würde man einem
Neugeborenen, das nicht von der Mutter gestillt werden kann, ein Fläschchen geben.“
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
#9
methusalix † 02:53:54 | Samstag, 8. Oktober 2005
#8
Evelin 22:41:43 | Freitag, 7. Oktober 2005
#7
Julia 22:09:29 | Freitag, 7. Oktober 2005
#6
Irenäus 19:51:20 | Freitag, 7. Oktober 2005
#5
methusalix † 15:40:45 | Freitag, 7. Oktober 2005
#4
Julia 21:53:34 | Donnerstag, 6. Oktober 2005
#3
Irenäus 21:30:27 | Donnerstag, 6. Oktober 2005
#2
methusalix † 19:19:40 | Donnerstag, 6. Oktober 2005
#1
Rosa von Lima 16:45:57 | Donnerstag, 6. Oktober 2005