Benedikt XVI.
Was, denken Sie, ist das Geheimnis des Rosenkranzes?
In seinem im Jahr 2000 erschienenen Interviewband ‘Gott und die Welt’ befragt der Münchner Publizist Peter Seewald den jetzigen Papst auch über die Bedeutung des Rosenkranzes. Am heutigen Rosenkranzfest die Antwort.
Was, denken Sie, ist das Geheimnis des Rosenkranzes?

Der geschichtliche Ursprung des Rosenkranzes liegt im Mittelalter. Es ist eine Zeit, in der das normale Gebet die Psalmen sind.

An den biblischen Psalmen aber können die vielen damals des Lesens unkundigen Menschen nicht teilhaben.

Man sucht deshalb nach einem Psalter für sie, und findet dabei das Mariengebet mit den Geheimnissen des Lebens Jesu Christi, aufgereiht wie Perlen an einer Schnur.

Sie berühren einen in einer meditativen Weise, in der das Wiederholen die Seele in die Ruhe einschwingen läßt und das Sichfesthalten am Wort, vor allen Dingen an der Gestalt Marias und an den Bildern Christi, die dabei vorüberziehen, die Seele ruhig und frei machen und ihr den Ausblick auf Gott schenken.

Tatsächlich verbindet der Rosenkranz uns mit diesem Urwissen, daß Wiederholung zum Beten, zur Meditation gehört, daß das Wiederholen eine Weise des Einschwingens in den Rhythmus der Ruhe bedeutet.

Es kommt nicht so sehr darauf an, daß ich angestrengt jedes einzelne Wort rational mitverfolge, sondern im Gegenteil mich von der Ruhe der Wiederholung, des Gleichmäßigen tragen lasse.

Um so mehr, da dieses Wort ja nicht inhaltslos ist. Es bringt mir große Bilder und Visionen und vor allen Dingen die Gestalt Marias – und durch sie hindurch dann die Gestalt Jesu – vor die Augen und in die Seele.

Diese Leute haben hart arbeiten müssen. Sie konnten beim Beten nicht noch große intellektuelle Wege vollbringen.

Sie brauchten umgekehrt ein Gebet, das sie ruhig macht, das sie auch ablenkt, wieder herauszieht aus ihren Sorgen, und ihnen das Tröstende und Heilende entgegenstellt.

Ich denke, diese Urerfahrung der Religionsgeschichte, der Wiederholung, des Rhythmus, des gemeinsamen Wortes, des Chores, der mich trägt und schwingt und der den Raum erfüllt, der mich nicht quält, sondern mich still werden läßt, tröstet und befreit, diese Urerfahrung ist hier ganz christlich geworden, indem sie in dem marianischen Kontext und in dem Aufscheinen der Christusgestalt den Menschen ganz einfach beten und doch dabei das Gebetete innewerden läßt – über das Intellektuelle hinaus im Hineinschwingen der Seele in die Worte.

Haben Sie eine besondere Art, den Rosenkranz zu beten?

Ich mache ihn ganz einfach, genau so, wie meine Eltern gebetet haben. Beide haben den Rosenkranz sehr geliebt. Und je älter sie geworden sind, desto mehr.

Je älter man wird, desto weniger kann man große, geistige Anstrengungen vollbringen, desto mehr braucht man andererseits eine innere Zuflucht und ein Hineinschwingen in das Beten der Kirche überhaupt. Und so bete ich eben, wie sie es auch getan haben.

Aber wie macht man es? Beten Sie einen Rosenkranz, oder alle drei an einer Kette?

Nein, drei sind mir zuviel. Da bin ich ein zu unruhiger Geist. Da würde ich zu sehr abirren. Ich nehme nur einen, und oft auch nur zwei, drei Gesätze von den fünf, weil ich dann auch eine bestimmte Zwischenzeit einschieben kann, in der ich aus der Arbeit herausgehe und mich wieder befreien will, still werden will, den Kopf auch wieder rein kriegen will.

Da wäre mir ein ganzer dann eigentlich zu viel.

Wie lange braucht man, um ein klein wenig von den Geheimnissen des Glaubens, von der Kunst des Glaubens auch, zu begreifen?

Das ist unterschiedlich. Es gibt religiös begabte Menschen, die innerlich sehr direkt ansprechen. Es gibt andere, denen es mühsamer ist.

Wichtig ist, daß man sich nicht abbringen läßt, daß man dabeibleibt. Und dann sieht man schon, daß man langsam hineinwächst.

Natürlich, es gibt bevorzugte Zeiten, und es gibt dürre Zeiten. Es gibt eine Zeit, wo man wirklich innerlich angerührt wird und anfängt, etwas zu sehen – und dann können wieder Zeiten kommen, wo es sehr mühsam ist.

Für diesen geistigen Wachstumsprozeß ist wichtig, daß man nicht nur dann betet und auf den Glauben hinschaut, wenn es einem gerade einfällt und paßt, sondern Disziplin einhält.

Der Theologe Romano Guardini († 1968) hat das stets sehr stark betont. Der Glaube kann sich verlieren, wenn ich nur nach Lust und Laune bete.

Glaube braucht auch die Disziplin der dürren Zeiten, dann wächst im Stillen etwas. Genau so wie im winterlichen Acker dennoch sich das Wachstum verbirgt.

„Im Winter wächst das Brot“, hat Ida Friederike Görres gesagt.

Und womit soll man beginnen? Mit Fragen?

Ich würde sagen, nie nur mit Reflexion. Denn wenn man Gott in der Retorte des Denkens zu sich herüberbringen und sich ihn gewissermaßen rein theoretisch aneignen möchte, dann schafft man es nicht.

Man muß immer das Fragen mit dem Tun kombinieren.

Der französische Theologe und Philosoph Blaise Pascal (+1662) hat einem ungläubigen Freund einmal gesagt:

Tu zunächst einmal das, was die Gläubigen tun, selbst wenn es dir noch unsinnig erscheint.

Da hat jeder seinen eigenen Ansatz, denke ich.

Für viele Menschen – die Geschichte zeigt es – ist zunächst einmal der Blick auf Maria eine Tür, um hereinzukommen. Für andere ist Christus der richtige Anfang, das Betrachten der Evangelien.

Ich würde sagen, das Lesen der Evangelien ist immer ein Weg, um heranzukommen.

Freilich kann es kein rein theoretisches Lesen sein, so wie Historiker es tun, die den Text auseinander nehmen und herausbringen möchten, welche Quellen darin stecken, sondern es muß ein Lesen auf Christus sein, in dem man auch immer wieder ins Gebet hinübergeht.

Ich würde sagen, es ist ein Hin und Her zwischen Schritten – auch wenn es manchmal nur Stolperschritte sind – der religiösen Praxis und eines suchenden Lesens und Denkens.

Man kann den Glauben nie isoliert, sondern nur in der Begegnung mit gläubigen Menschen suchen, die einen verstehen können, die vielleicht aus ähnlichen Situationen kommen, und die mich irgendwie führen und mir helfen können.

Glaube wächst immer im Wir.

Wer es nur alleine machen möchte, hat ihn von daher schon im Ansatz verfälscht.
      
4 Lesermeinungen
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#4   Evelin   23:11:05 | Freitag, 7. Oktober 2005
Ein Huhn für den Sünder
Grüß Gott, Brandenburgis!
@ Sünder: Auch ein blindes Huhn findet mal ein Körnchen. Im übrigen nicht die franziskanischen Souffleure von Medjugorje vergessen, die eingestandener Maßen auch die „Botschaften“ redigieren!
Der Gatte der Evelin
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#3   Brandenburgis   23:06:06 | Freitag, 7. Oktober 2005
Rosenkranz
Bitte unterlassen Sie ihren zynischen Schwachsinn in diesem Zusammenhang!
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#2   Elendester Sünder   20:32:23 | Freitag, 7. Oktober 2005
Der Rosenkranz
kann nicht gut sein. De böse Gospa sagt, wir sollen ihn täglich und dazu noch mit dem Herzen beten.
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#1   turnschuhfan   20:15:58 | Freitag, 7. Oktober 2005
Mountainbike der Frömmigkeit
Durch Altbischof Reinhold Stecher habe ich in Exerzitien wieder gelernt, den Rosenkranz zu beten.
Das Bleiben beim Gebet war für mich viele Jahre nicht einfach. Der Rosenkranz ist wie ein Mountainbike der Frömmigkeit. Er fordert geduldiges Treten, aber er bringt nach oben. Alles steuert auf das Wort „Jesus“ zu. In ihm erreicht das Gebet seinen Höhepunkt. Diese kleine Schnur oder der kleine Zahnradring haben mir in schweren Situationen Halt geboten.
Ich habe den Rosenkranz in den letzten Jahren wieder neu entdeckt.
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