09:23:20 | Samstag, 8. Oktober 2005
Ausgehungert + Reif für den Umbau + Sie ist gerne Mitglied im „Christenclub“ + Morgen schon relativiert? + Gott ist schuld
AusgehungertBrasilien. Der Bischof der ostbrasilianischen Stadt Barra beendete nach 11 Tagen seinen
Hungerstreik. Mons. Luís Flávio Cappio verweigerte aus
Protest gegen die Umleitung des brasilianischen
Flusses Sao Francisco die Nahrungsaufnahme. Jetzt lenkte der Prälat ein, nachdem die Regierung ankündigte,
das Flußprojekt noch einmal zu überdenken. Der Bischof verkündete das Ende seiner Nahrungsaufnahme
hager und matt auf den Stufen seiner kleinen, weißgekalkten Kirche: „Ich erkläre, daß mein Fasten zugunsten
des Lebens beendet ist.“ Bischof Cappio feierte während seines Hungerstreiks – am letzten Dienstag –
seinen 59. Geburtstag.
Reif für den UmbauSchweiz. Das Staatskirchensystem, wie es in einigen Schweizer
Kantonen bestehe, sei reif für den Umbau, erklärte die ‘Katholische Volkspartei’ der Schweiz. Die KVP
ist eine politische Gruppierung, die in einigen Kantonen auf Gemeindeebene vertreten ist. Ein solches
Staatskirchensystem behindere die Mission der Kirche und führe sich selber ad absurdum. Darum verlangt
die KVP einen Umbau dieses Systems und mehr Trennung von Kirche und Staat. Vor allem die Leitungsfunktion
des Bischofs müßte in einer Revision der bisherigen Zustände garantiert werden.
Sie ist gerne Mitglied
im „Christenclub“Deutschland. Die evangelische Landesbischöfin von Hannover, Margot Käßmann, hält
den Begriff „Christenclub“ im Zusammenhang mit Europa nicht für ein Schimpfwort. Das berichtete die protestantische
Nachrichtenagentur ‘idea’. Der türkische Ministerpräsident hat wiederholt erklärt, daß die EU die
Türkei aufnehmen müsse, wenn sie beweisen wolle, kein „Christenclub“ zu sein. „Europa ist im positiven
Sinn ein Christenclub“, erklärte Käßmann auf einer protestantischen Tagung. Die christliche Modebranche
ist der Bischöfin bereits zuvorgekommen. Sie hat ein Leibchen mit der Aufschrift produziert: „Ich bin
Mitglied im Christenclub.“
Morgen schon relativiert?Rheinischer Merkur: Kardinal von Galen ist uns –
verglichen mit anderen Seligen – zeitlich recht nah. Doch wissen wir auch viel über ihn, mehr als über
andere Bischöfe der NS-Zeit?
Hubert Wolf: Zugegeben, über andere Bischöfe, etwa Kardinal Faulhaber,
lässt sich leichter arbeiten. Die entsprechenden Unterlagen des Bistums Münster sind im Krieg komplett
zerstört worden. Und die Vatikanischen Archive für die Zeit von 1939 bis 1945 sind noch nicht geöffnet.
Damit fehlen uns zwei zentrale Überlieferungsstränge. Natürlich wird für eine Seligsprechung die Biografie
so weit wie möglich aufgearbeitet. Aber es kann durchaus sein, dass wir irgendwann Quellen finden, die
das Bild von Galen heller oder dunkler erscheinen lassen. Aussagen, die wir heute treffen, können sich
morgen schon relativieren.
Der Kirchenhistoriker Hubert Wolf über Clemens August Graf Kardinal von Galen
(† 1946), der am morgen Sonntag seliggesprochen wird. Der Kirchenhistoriker sprach am 29. September mit
dem ‘Rheinischen Merkur’Gott ist schuldUSA. Die deutsche Tageszeitung ‘Welt’ veröffentlichte am Donnerstag
eine Umfrage, wonach immer mehr Arbeitnehmer in den USA von der Arbeit fernbleiben. Im laufenden Jahr
hätten sich 43 Prozent der Befragten ohne einen wirklichen Grund krankgemeldet. Im Vorjahr waren es noch
35 Prozent. Laut der Studie ist der beliebteste Tag fürs Zuhausebleiben der Mittwoch. Die Arbeitnehmer
geben für ihre Abwesenheit nicht selten seltsame Gründe an. Unter den Ausreden fand sich die Erklärung
„Ich war zu betrunken, um zur Arbeit zu fahren“. Ein Angestellter, der offensichtlich der Zuverlässigkeit
von Weckern mißtraut, erklärte: „Gott hat mich nicht geweckt“.
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PietroParente 09:32:05 | Samstag, 8. Oktober 2005