Vatikan
Vatikan: Die Scheidung scheidet nicht mehr
Wenn die Großen dieser Welt beim Heiligen Vater in Rom ein und aus gehen, ist es manchmal nötig, daß die Vatikanische Diplomatie peinliche Situationen vermeidet.
(kreuz.net, Vatikan) Kürzlich reiste der Staatspräsident von Portugal, Jorge Sampaio, zu einem Staatsbesuch nach Italien. Ein Abstecher führte ihn in den Vatikan zu einer Begegnung mit dem Souveränen Oberhirten der Kirche, Papst Johannes Paul II.

Wie bei Besuchen von Staatsoberhäuptern üblich, sprach der Papst erst mit Präsident Sampaio allein. Dann wurden dessen Gattin und die übrigen Mitglieder der Präsidentialdelegation zugelassen. Ein Routinebesuch. Erst später wurde bekannt, was sich zuvor hinter den Kulissen abgespielt hatte.

Schon 1997 hatte es diplomatische Kontakte für die Vorbereitung eines Besuches des portugisischen Staatspräsidenten mit dem Papst gegeben. Entgegen der üblichen Gepflogenheit hätte aber Sampaios Gefährtin, Maria José Ritta, damals vor der Tür warten müssen. Sie ist nämlich nur die Lebensgefährtin des Agnostikers im höchsten Amt der portugiesischen Republik, dessen kirchlich geschlossene Ehe von einem Gericht geschieden wurde.

Präsident Sampaio verzichtete daher auf die Audienz im Vatikan, ohne die Geschichte an die große Glocke zu hängen. Erst ein Jahr später wurden die Ereignisse bekannt.

Im Jahr 2000 besuchte der Papst in Portugal den Wallfahrtsort Fátima, wo die Muttergottes 1917 drei Hirtenkindern erschienen war. An der Seligsprechung von zweien von ihnen, Francisco und Jacinta Martos, nahm auch der ungläubige Sampaio teil, obwohl Portugal offiziell laizistisch ist.

Bei dieser Gelegenheit empfing Präsident Sampaio in Lissabon den vatikanischen Staatssekretär Kardinal Angelo Sodano. Das Amt des vatikanischen Staatssekretärs entspricht der Funktion eines Ministerpräsidenten in einer weltlichen Regierung.

Neben anderen Themen kam in der Unterredung zwischen Präsident Sampaio und Kardinal Sodano die Episode von 1997 zur Sprache. Der Kardinal hatte kein Problem, über seinen Schatten zu springen. Er räumte ein, daß man im fernen 1997 gar strikt gewesen sei.

Erst im September diesen Jahres hatte Kardinal Sodano seine Flexibilität unter Beweis gestellt, als er Julian Hunte, dem Außenminister von Santa Lucia, einem winzigen Inselstaat in der Karibik, das Große Kreuz des Pianischen Ordens umhängte. Hunte erhielt den Orden wegen seiner Verdienste im Zusammenhang mit der UNO-Resolution „Teilnahme des Heiligen Stuhles an der Arbeit der Vereinten Nationen“.

Der Haken bei der Ordensverleihung: Letztes Jahr war es ausgerechnet Huntes Stimme, welche die Einführung der Abtreibung in St. Lucia möglich machte.
      
3 Lesermeinungen
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#3   Dolfus   21:54:31 | Donnerstag, 2. Dezember 2004
Wunderwaffen
Die Cardinäle Schönborn und Sodano, die Meisterdiplomaten des Herrn … wie sehr wurde Schönborn für seine herrliche Bundespräsidentengrabrede gelobt … die Eminenz verwies in einer Diskussion im ORF selbst darauf, bestürzt über die St. Pöltner Kirchenkrise: „Aber es gab doch so schöne Aufbrüche! Ich erinnere: Der Mitteleuropäische Katholikentag! Das Begräbnis von Bundespräsident Klestil!“
Demnach kennt die aktuelle vatikanische Linie zwei „Wunderwaffen“: das Show Event und die Homiletische Diplomatie.
Ich glaube, Schönborn würde tatsächlich gut nach Rom passen.
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#2   Ephasus   11:14:35 | Samstag, 27. November 2004
Tendenziös?
Ich finde eher die vatikanische Politik irreführend und tendenziös. Einen Abtreibunspolitiker zu würdigen ist meines Erachtens sehr einseitig. Auch Schönborns Aussagen an Klestils Grab oder bei einer ORF Abendsendung vor zwei Monaten zur oder für die Scheidung sind Ausdruck der tendenziösen vatikanischen Linie. Eine Erlaubnis geschieht zuerst in der Praxis und wird erst im Nachhinein durch ein Dokument legitimiert. Dazu gibt es viele Beispiele.
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#1   Catholicus   10:59:54 | Samstag, 27. November 2004
Tendenziöser Bericht
Die Überschrift klingt wie: Vatikan erlaubt Scheidung. Das ist jedoch irreführend!
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