Eine Fälschung mit Hintergedanken?
Kürzlich veröffentlichte ein italienisches Magazin das angebliche Konklave-Tagebuch eines anonymen Kardinals. Doch im Text finden sich Formfehler und Widersprüche – sowie gezielte kirchenpolitische Absichten.
(kreuz.net, Vatikan) Die italienische Wochenillustrierte ‘Espresso’ äußerte Zweifel am jüngst publizierten
angeblichen Konklave-Tagebuches eines anonymen Kardinals.Die Kritik am Tagebuch stammt vom Vatikanisten des Magazins, Sandro Magister. Das Tagebuch war in der Septemberausgabe der Zeitschrift ‘Limes’ publiziert worden.
Magister stellt fest, daß der Schwerpunkt der anonymen Ausführungen auf dem formalen Ablauf des Konklave liegt.
Minituös werde darin beschrieben, wie die Wahlzettel in die Urnen gelegt und die Stimmen gezählt werden. Ein besonderer Nachdruck werde auf die erforderliche Zwei-Drittelmehrheit gelegt.
Das seien alles Informationen, die man in der apostolischen Konstitution für das Konklave ‘Universi Dominici Gregis’ aus dem Jahre 1996 nachlesen könne.
Im Teil des Tagebuches, der über die vier Wahlgänge spricht, findet Magister gravierende Formfehler.
Der angebliche Kardinal beschreibt zum Beispiel Camillo Kardinal Ruini als „ehemaligen Apostolischen Vikar der Diözese Rom“. Der korrekte Titel des Kardinals lautet aber „Kardinalvikar“.
Dagegen verwaltet ein „Apostolischer Vikar“ ein pastorales Gebiet, das wegen besonderer Umstände noch nicht zur Diözese erhoben ist. Er besitzt die Rechte aber nicht notwendigerweise die Weihen eines Bischofs.
Auch das „ehemaligen“ vor dem Titel sei falsch, erklärt Magister weiter. Der Kardinalvikar von Rom behält auch – anders als die Kurienkardinäle – beim Tod des Papstes sein Amt.
Das anonyme Tagebuch widerspreche auch den Aussagen verschiedener Kardinäle unmittelbar nach dem Konklave.
So gebe es beispielsweise zwischen dem Tagebuch und einem Buch des US-amerikanischen Vatikanisten John Allen Unstimmigkeiten. Dieser hatte für sein Buch ‘Der Aufstieg von Benedikt XVI.’ unmittelbar nach der Papstwahl die Zeugnisse von acht Kardinälen gesammelt.
Angesichts dieser Unstimmigkeiten bezweifelt Magister die Authentizität des Tagebuches.
Er vermutet vielmehr, daß es sich um einen Versuch handelt, die bis dahin – wie es schien – eindeutige Wahl Joseph Ratzingers in Frage zu stellen.
Der Nachrichtendienst ‘dici’, welcher der Priesterbruderschaft St. Pius X. nahesteht, kommt zu einem ähnlichen Schluß.
Das Tagebuch sei ein Versuch, den neugewählten Papst an den Teil seiner Wähler zu erinnern, die für Joseph Ratzinger stimmten, obwohl sie in Lehrfragen nicht mit ihm einverstanden sind.
Benedikt XVI. müsse – so die Botschaft des Tagebuches – den Anliegen derer Rechnung tragen, die ihn gewählt hätten.
Als konkretes Ziel wolle man – so die Vermutungen von ‘dici’ – vom Papst einen progressistischen Staatssekretär erzwingen.
Der gegenwärtige Staatsekretär Angelo Kardinal Sodano steht aus Altersgründen vor der Amtsablöse.
Diese Erklärung würde aber nur zutreffen, wenn das Tagebuch echt und die dort gemachten Aussagen wahr wären.
Ansonsten wäre der Papst – der bekanntlich selber am Konklave teilgenommen hat – der erste, der die Fälschung durchschauen könnte.
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Mittwoch, 28. Dezember 2005 17:20
Agiafortuni: unkatholische Kardinäle
sind solche die freimaurerisches Gedankengut vertreten
Mittwoch, 12. Oktober 2005 15:39
Justus: Unwissenheit
Dass ein Kardinal, der keine Ahnung von der Geheimhaltungspflicht der Konklaveteilnehmer hat, nicht weiß, was ein Kardinalvikar bzw. ein Apostolischer Vikar ist, verwundert mich eigentlich nicht… Immerhin soll es ja sogar Kardinäle geben, die nicht einmal wissen, was das katholische Glaubensgut beinhaltet…
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