09:23:48 | Donnerstag, 13. Oktober 2005
Benedikt XVI.
Ein Protestant erklärte gestern auf der Weltbischofssynode, die Heilige Kommunion schon öfters empfangen zu haben. Ein Anglikaner begründete seine Forderung nach Interkommunion mit dem Kommunionempfang von Prior Roger Schütz.
(kreuz.net, Vatikan) Auf der in Rom tagenden Weltbischofssynode haben gestern auch orthodoxe Patriarchen
und protestantische Kirchenverantwortliche das Wort ergriffen.
Der orthodoxe Metropolit von Pergamon
bezeichnete die Einladung zur Synode als „eine Geste von großer ökumenischer Bedeutsamkeit“.
Die türkische
Stadt Pergamon liegt im Nordwesten von Kleinasien.
Der Metropolit bedauerte, daß die Katholische Kirche
und die Orthodoxen ihren identischen Glauben an die Eucharistie nicht „an einem Tisch“ teilten.
Ein armenisch-orthodoxer
Bischof berichtete stolz: „Unsere Liturgie ist Jahrhunderte alt und hat so gut wie keine Änderungen erfahren.“
Der anglikanische Bischof von Chichester in Südengland sprach über die Interkommunion:
„Unter welchen
Umständen kann man sich die Heilige Kommunion gegenseitig spenden? Wie sollen wir den
öffentlichen Kommunionempfang
des Protestanten Frère Roger Schütz deuten?“
Es müsse endlich Kriterien für die Anerkennung der Eucharistie
in verschiedenen Kirchen geben.
Ein lutherischer Bischof aus Norwegen erklärte, die Kommunion schon
mehrfach aus der Hand von wichtigen katholischen Prälaten empfangen zu haben. Er sei sehr traurig darüber,
daß die Interkommunion in der katholischen Kirche „noch nicht generell geduldet“ werde.
Daneben äußerten
sich auf der Synode auch zahlreiche katholische Bischöfe.
Der Erzbischof von Colombo auf Sri Lanka forderte,
heidnische Anbetungsweisen zu analysieren und in die Liturgie zu integrieren.
Er warnte gleichzeitig
vor „dem ernsten Problem des christlichen Fundamentalismus“ – ohne genau zu erklären, was er meinte.
Die Synode müsse diese Gefahr ernstnehmen: „Andernfalls würde sie einen wunderschönen Baum pflanzen –
unseren Glauben an die Eucharistie –, während ihn ein gefährlicher Virus attackiert.“
Der Kardinal
von Sydney, George Pell, erinnerte an die Krisen der Kirche in der ganzen Welt. Einige dieser Schwierigkeiten
seien hausgemacht:
„Das Zweite Vatikanische Konzil brachte großen Segen und substanzielle Früchte.
Aber ihm folgten speziell im Westen auch Verwirrung, teilweise Glaubensabfall, und verschiedentlich Zusammenbruch.“
Gute Absichten würden nicht genügen.
Die Synode solle angesichts dieser „Schatten“ die alte Tradition
und lebensspendende Disziplin des Zölibats bewahren.
Die Abschaffung des Zölibates würde das Problem
des Priestermangels nicht beseitigen, sondern wäre ein „schwerer Fehler“.
Die Priesterehe würde in
den Missionsgebieten Verwirrung stiften und im Westen die geistliche Vitalität schwächen. Sie würde
von Christi eigenem Handeln abweichen, der Kirche praktische Nachteile bringen und das Zeugnis der Liebe
zum Opfer schmälern.
Andere Redner auf der Synode erklärten, daß die Priester keine Freizeitkleidung
tragen sollten, speziell während der Meßzelebration:
„Viele von ihnen sind in der Kirche mit T-Shirt
und Jeans zu sehen.“
Weiters wurde gefordert, daß Beichtstühle im Innern der Kirche gut sichtbar und
der Tabernakel erkennbar auf dem Hauptalter sein sollte.
Der Bischof von Hongkong, Mons. Joseph Zen,
bat die Unterscheidung zwischen der katholischen Untergrundkirche und der von den Kommunisten kontrollierten
‘Patriotischen Vereinigung’ aufzugeben.
Alle chinesischen Katholiken sehnten sich nach Einheit mit dem
Papst.
Das Ausreiseverbot für vier chinesische Bischöfe durch die chinesische Regierung bezeichnete
Mons. Zen als eine „verpaßte Chance“.
Der brasilianische Kardinal Geraldo Majella Agnelo meinte, daß
die Kirche angesichts des Priestermangels mehr Laien brauche, welche die Kommunion zu Kranken und Alten
brächten.
Der Ordensobere der Passionisten forderte mehr Raum für die Frauen in Kirche und Liturgie.
Der Präfekt der Gottesdienstkongregation, Francis Kardinal Arinze, erklärte gestern am Rande der Bischofssynode,
daß die Messe keine ökumenische Feier sei:
„Der Kommunionempfang gilt nur für Katholiken.“
Innerhalb
der katholischen Kirche stimme etwas nicht, wenn „man in einer Pfarrei sieht, daß fast alle die Kommunion
empfangen, aber nur einige wenige beichten gehen“.
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