Der niederösterreichische Landeshauptmann bewertete die Kritik der Bevölkerung an der Kulturehrung des Hermann Nitsch als einen Versuch „Taktstock oder Pinsel zu diktieren“. Einem solchen sei „die Grenze zu zeigen“.
(kreuz.net, St. Pölten) Gestern Abend fand im Festspielhaus St. Pölten die Preisverleihung der Niederösterreichischen
Kulturpreise 2004 durch Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP) statt.
Einer der mit 11.000 Euro dotierten
Preise, der Würdigungspreis für Bildende Kunst, ging an den umstrittenen Künstler Hermann Nitsch. Zum
ersten Mal ist Nitsch, der sich unter anderem durch Verhöhnungen der katholischen Religion einen Namen
gemacht hatte, vor 20 Jahren für diesen Preis nominiert gewesen. Damals war ihm der Preis nach massiven
Protesten nicht verliehen worden.
Auch der gestrigen Preisverleihung waren zahlreiche Proteste aus der
niederösterreichischen Bevölkerung vorausgegangen. Unter anderem wandte sich Mag. pharm. Eva Schmiedecker
in einem offenen Brief an Landeshauptmann Pröll.
Darin wies sie den Landeshauptmann darauf hin, daß
ihm ein „Teil der Wählerschaft“ durch die Verleihung des Würdigungspreises „nicht folgen kann“. Mit
der Überreichung des Preises „würden Sie eine ‘Kunstrichtung’ ehren, die gegen die Würde des Menschen,
die gegen das christliche Empfinden gerichtet ist.“ Außerdem würden mit der Überreichung dieses Preises
die Aktionen und Bilder des Hermann Nitsch in der Öffentlichkeit als vorbildhafte Kunst gewürdigt.
In dem Brief heißt es weiter: „Innerhalb kurzer Zeit haben viele Menschen die Bitte an Sie, Herr Landeshauptmann,
unterschrieben, diesen Würdigungspreis nicht zu überreichen. Kommen Sie dieser Bitte nach! Sie tragen
Verantwortung für die Menschen des Landes Niederösterreich, besonders für die Jugend, die Vorbilder
sucht und gute Vorbilder braucht. Es geht letztlich auch um Ihre Berufung, in der Funktion des Landeshauptmannes
Vorbild als Mensch und Christ zu sein.“
Den Bitten wollte der Landeshauptmann nicht nachkommen. In seiner
Rede wies er vielmehr darauf hin, daß Kunst und Kultur, als die wahren Reichtümer des Landes, in ihrer
Freiheit nie in Frage gestellt werden dürften. Versuchen „politischer Geister, den Taktstock oder den
Pinsel oder die Feder zu diktieren“ sei, so der Landeshauptmann „unmittelbar die Grenzen zu zeigen“.
Email-Adressen der Empfänger
5 Lesermeinungen
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
#5 Benedikt78 15:57:51 | Donnerstag, 13. Oktober 2005
Wie kann man nur? Ich wollte mir nach dem Lesen des Berichtes ein besseres Bild des „Schaffens“ von Hermann
Nitsch machen. Schliesslich will man ja schauen, ob nicht auch was preiswürdiges unter seinen Werken
ist. Könnte ja sein… Was man aber im Internet findet, ist schlichtweg grauenvoll! Das Bild im Bericht
ist direkt harmlos (auch wenn man es nicht glauben würde). Da gibt es doch tatsächlich „Werke“ von nackten
Frauen auf dem Kreuz, davor aufgeschnittene Tierkadaver und verschiedene Leute drumherum, die mit den
Händen in den offengelegten Innereien des Tiers rumfingern. Das alles garniert mit literweise Blut…
Ich verstehe nicht, wie man so was prämieren kann. Es ist schlichtweg nur krank!
ÖVPler sehen sich als Christdemokraten CDU/CSU und ÖVP gehören beide der EVP, der Europäischen Volkspartei
an. ÖVP-Chef Bundeskanzler Wolfgang Schüssel spricht von sich ausdrücklich als „Christdemokrat“ und
von der ÖVP als christdemokratischer Partei. Leider ist die ÖVP genauso wenig klar christlich wie die
CDU, etwa in der Kinderabtreibungsfrage.
Buchempfehlung zum Thema! Ausgesprochen informativ und deshalb unbedingt empfohlen: Walter Marinovic:
Kunst oder Antikunst. Von der Diktatur des Häßlichen und dem Aufbruch des Schönen. Graz 2003. ISBN
3-7020-1012-2.
#2 Catholicus 20:09:07 | Samstag, 27. November 2004
Österreichische Volkspartei kreuz.net schreibt regelmäßig von den österreichischen „Christdemokraten“.
Diese gibt es als Partei zwar in Deutschland, nicht aber in Österreich, wo diese politische Bewegung
„Österreichische Volkspartei“ heißt. Laut Parteiprogramm sollten sich die Mitglieder und Funktionäre
aber zum christlichen Menschenbild bekennen.
#1 Sulpicius 18:23:09 | Samstag, 27. November 2004
Nitsch und die „chrisdemokratischen“ Freimaurer Ach ja, Nitsch und die herrschende Klasse. Diese Verquickung
hat vor Jahren schon Karl Steinhauser in seinen Büchern „Die legale Mafia“ und „Des Teufels Funktionäre“
beschrieben…