10:20:04 | Freitag, 14. Oktober 2005
Benedikt XVI.
Der Generalrelator der Weltbischofssynode, Kardinal Angelo Scola, zog gestern Donnerstag eine Zwischenbilanz. Am Rande der Synode sprach ein anderer Kardinal über die Nachteile der Priesterehe.
(kreuz.net, Vatikan) Der Patriarch von Venedig gab gestern Donnerstag nach 15 Vollversammlungen – also
zur Halbzeit der Synode – eine lateinische Zusammenfassung der wesentlichen Punkte der bisherigen Beratungen.
Kardinal Scola erinnerte zu Beginn an den verstorbenen Papst Johannes Paul II. und dessen eindringliche
Einladung zur Synode.
Er erklärte weiter, daß die sogenannte ‘Relatio post disceptationem’ – der Bericht
nach den Diskussionen – keine Zusammenfassung von Ergebnissen, sondern eine reine Sammlung der unterschiedlichen
Themen sei.
Das Grundanliegen der Beratungen sei gewesen, den Dualismus zwischen Lehre und pastoraler
Sorge und zwischen Theologie und Liturgie zu überwinden.
Damit wies der Kardinal unter Verwendung der
kirchlichen Code-Wörter auf den gegenwärtig stark ausgeprägten Widerspruch zwischen Theorie und Praxis
in vielen kirchlichen Bereichen hin.
Der Generalrelator sprach über zwei große Themenblöcke: die Verbesserung
der Kenntnis der Gläubigen über die Eucharistie und die Art der Zelebration der Heiligen Messe.
Er
wiederholte Stellungnahmen zum Eucharistieverständnis, zum sinkenden Gottesdienstbesuch und zu liturgischen
Richtlinien.
Anschließend gab Kardinal Scola einen Hinweis auf den weiteren Gesprächsverlauf.
In der
zweiten Phase der Synode würden sich die Synodenväter – so der Kardinal – in Gesprächsrunden mit 17
Einzelfragen beschäftigen.
Der Kardinal gab einige Beispiele:
– Wie kann die Glaubenslehre in einer
globalisierten und säkularisierten Welt wirksam sein?
– Wie tragen Kunst und Architektur zur Schönheit
der Liturgie bei?
-Wie kann den Gläubigen geholfen werden, die Messe mehr mit dem Alltag zu verbinden?
– Welchen Beitrag leisten die liturgischen Feiern, um die Gläubigen in den Bereichen Gerechtigkeit,
Solidarität und Vergebung zur sozialen Verantwortung zu erziehen?“
Nach der Präsentation der bisherigen
Kurzreden und Diskussionen sprachen auch sechs Nicht-Bischöfe – Ordensleute und Laien – zu den Synodenvätern.
Die Lebensrechtlerin Martha Lorena Alvarado De Casco aus Honduras in Mittelamerika referierte über die
Rolle der Frau:
„Als Ehefrau, Mutter, Schwester, Tochter und Großmutter glaube ich, daß Mädchen von
ihrer frühesten Kindheit an eine Erziehung erhalten sollten, die sie auf die beiden wichtigen Aspekte
ihrer Beschaffenheit vorbereitet: die Weiblichkeit und das Geschenk der Mutterschaft.“
Leider hätten
die Frauen in den letzten Jahrzehnten ihre Identität – und den wahren Sinn ihrer christlichen Sendung –
verloren.
Die Lebensrechtlerin schlug den versammelten Bischöfen vor, zum geschlechtergetrennten Schulunterricht
zurückzukehren.
Dies würde sich positiv auf das Gefühlsleben der zukünftigen Erwachsenen auswirken.
Zusätzlich würde die Geschlechtertrennung zu einem Anstieg der geistlichen Berufungen führen.
Kardinal
Juan Sandoval Iniguez von Guadalajara in Mexiko berichtete am Rande der Synode auf einer Pressekonferenz,
daß bei den Beratungen der Bischöfe auch „drei oder vier Mal“
die Frage nach der Priesterehe gefallen
sei.
Aus seiner Sicht böte eine Schwächung des Zölibats keine Lösung.
Auch in mit Rom unierten byzantinischen
Kirchen – welche die Priesterehe erlauben – gebe es eine Krise der Berufungen. Der Priestermangel sei
ein Symptom, aber nicht die Ursache einer allgemeinen Glaubenskrise.
Der Kardinal nannte auch praktische
Gründe für die Bewahrung des Zölibats:
Kleriker mit Familien hätten weniger Zeit zum Studieren. Sie
müßten viel arbeiten, um Frau und Kinder zu versorgen.
Manchmal würden sich verheiratete Priester
auch vor dem Staat scheiden lassen:
„Doch geschiedene Priester bleiben Priester und bitten anschließend
den Bischof, für den Unterhalt für Frau und Kinder zu sorgen.“
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