Benedikt XVI.
Halbzeit
Der Generalrelator der Weltbischofssynode, Kardinal Angelo Scola, zog gestern Donnerstag eine Zwischenbilanz. Am Rande der Synode sprach ein anderer Kardinal über die Nachteile der Priesterehe.
(kreuz.net, Vatikan) Der Patriarch von Venedig gab gestern Donnerstag nach 15 Vollversammlungen – also zur Halbzeit der Synode – eine lateinische Zusammenfassung der wesentlichen Punkte der bisherigen Beratungen.

Kardinal Scola erinnerte zu Beginn an den verstorbenen Papst Johannes Paul II. und dessen eindringliche Einladung zur Synode.

Er erklärte weiter, daß die sogenannte ‘Relatio post disceptationem’ – der Bericht nach den Diskussionen – keine Zusammenfassung von Ergebnissen, sondern eine reine Sammlung der unterschiedlichen Themen sei.

Das Grundanliegen der Beratungen sei gewesen, den Dualismus zwischen Lehre und pastoraler Sorge und zwischen Theologie und Liturgie zu überwinden.

Damit wies der Kardinal unter Verwendung der kirchlichen Code-Wörter auf den gegenwärtig stark ausgeprägten Widerspruch zwischen Theorie und Praxis in vielen kirchlichen Bereichen hin.

Der Generalrelator sprach über zwei große Themenblöcke: die Verbesserung der Kenntnis der Gläubigen über die Eucharistie und die Art der Zelebration der Heiligen Messe.

Er wiederholte Stellungnahmen zum Eucharistieverständnis, zum sinkenden Gottesdienstbesuch und zu liturgischen Richtlinien.

Anschließend gab Kardinal Scola einen Hinweis auf den weiteren Gesprächsverlauf.

In der zweiten Phase der Synode würden sich die Synodenväter – so der Kardinal – in Gesprächsrunden mit 17 Einzelfragen beschäftigen.

Der Kardinal gab einige Beispiele:

– Wie kann die Glaubenslehre in einer globalisierten und säkularisierten Welt wirksam sein?

– Wie tragen Kunst und Architektur zur Schönheit der Liturgie bei?

-Wie kann den Gläubigen geholfen werden, die Messe mehr mit dem Alltag zu verbinden?

– Welchen Beitrag leisten die liturgischen Feiern, um die Gläubigen in den Bereichen Gerechtigkeit, Solidarität und Vergebung zur sozialen Verantwortung zu erziehen?“

Nach der Präsentation der bisherigen Kurzreden und Diskussionen sprachen auch sechs Nicht-Bischöfe – Ordensleute und Laien – zu den Synodenvätern.

Die Lebensrechtlerin Martha Lorena Alvarado De Casco aus Honduras in Mittelamerika referierte über die Rolle der Frau:

„Als Ehefrau, Mutter, Schwester, Tochter und Großmutter glaube ich, daß Mädchen von ihrer frühesten Kindheit an eine Erziehung erhalten sollten, die sie auf die beiden wichtigen Aspekte ihrer Beschaffenheit vorbereitet: die Weiblichkeit und das Geschenk der Mutterschaft.“

Leider hätten die Frauen in den letzten Jahrzehnten ihre Identität – und den wahren Sinn ihrer christlichen Sendung – verloren.

Die Lebensrechtlerin schlug den versammelten Bischöfen vor, zum geschlechtergetrennten Schulunterricht zurückzukehren.

Dies würde sich positiv auf das Gefühlsleben der zukünftigen Erwachsenen auswirken.

Zusätzlich würde die Geschlechtertrennung zu einem Anstieg der geistlichen Berufungen führen.

Kardinal Juan Sandoval Iniguez von Guadalajara in Mexiko berichtete am Rande der Synode auf einer Pressekonferenz, daß bei den Beratungen der Bischöfe auch „drei oder vier Mal“ die Frage nach der Priesterehe gefallen sei.

Aus seiner Sicht böte eine Schwächung des Zölibats keine Lösung.

Auch in mit Rom unierten byzantinischen Kirchen – welche die Priesterehe erlauben – gebe es eine Krise der Berufungen. Der Priestermangel sei ein Symptom, aber nicht die Ursache einer allgemeinen Glaubenskrise.

Der Kardinal nannte auch praktische Gründe für die Bewahrung des Zölibats:

Kleriker mit Familien hätten weniger Zeit zum Studieren. Sie müßten viel arbeiten, um Frau und Kinder zu versorgen.

Manchmal würden sich verheiratete Priester auch vor dem Staat scheiden lassen:

„Doch geschiedene Priester bleiben Priester und bitten anschließend den Bischof, für den Unterhalt für Frau und Kinder zu sorgen.“
      
5 Lesermeinungen
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#5   Benedikt   13:28:20 | Samstag, 15. Oktober 2005
@ Frl. Ilse
Ich kann Ihnen leider auch keine Quelle mehr nennen, ich habe nur vor Jahren schon gelesen, dass der Trend zurückgeht. Damit waren aber vermutlich die Zahlen derer gemeint, die sich für die prot. Priesterausbildung entscheiden. Ein Überschuss kann sich ja nur abbauen, wenn 25 – 30 Jahre weniger Leute nachkommen. Genaueres weiß ich nicht mehr, deshalb will ich da jetzt auch nicht drauf bestehen.
Mittlerweile geht sogar meine Mutter (katholisch) lieber zur evangelischen Pfarrerin in den Gottesdienst, als zu dem alten, schon recht tattrigen Herrn,
Ja da haben Sie das Problem exakt beschrieben, ohne es freilich zu erkennen. Nach katholischen Glauben ist die Teilnahme am hl. Meßopfer, also an der Wandlung von Brot und Wein notwendig für die Partizipation am Glauben. Beim Altarsakrament fließen überreiche Gnaden, von denen die Gläubigen zehren können. Bei den Protestanten gibt es das nicht (und zwar aus eigener Definition nicht). Bei ihnen ist das Abendmahl bloß eine Gedächtnisfeier. Wenn Ihre Mutter zu den Protestanten geht, dann verzichtet sie damit auf die Gnaden, welche nach katholischem Glauben das Heil bringen.
Das die Leute das nicht mehr wissen, ist das Problem der katholischen Kirche. Jetzt verstehen Sie vielleicht auch, warum hier einige so „radikal“ auf die Bewahrung pochen. Durch den Fortschritt ist bereits zuviel verloren gegangen. Ihre Mutter (und viele, die es tatsächlich ähnlich machen) sind der Beweis.
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#4   Athanasius   12:50:48 | Samstag, 15. Oktober 2005
Katholische Mutter?
Mittlerweile geht sogar meine Mutter (katholisch) lieber zur evangelischen Pfarrerin in den Gottesdienst, als zu dem alten, schon recht tattrigen Herrn, der hin und wieder in der zuständigen katholischen Kirche erscheint, um die Messe zu lesen (einen festen Pfarrer gibt es dort seit Jahren nicht mehr).
Dann lass sie schnell gehen. Denn wer keinen Unterschiede mehr macht zwischen heiliger Messe und protestantischem Dienst, der ist materiáliter sogar kein Katholik mehr.
Was soll einem schon die Person oder der Charakter interessieren? Es geht doch um den geweihten Charakter der Priesterschaft Christi? Oder?
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#3   Frl.Ilse   04:17:23 | Samstag, 15. Oktober 2005
@Benedikt
Letzte Woche habe ich noch in einer Zeitung (ich meine, die Düsseldorfer „Rheinische Post“) gelesen, dass es bei den Protestanten mehr Pfarrer gibt, als sie brauchen können. Ich gebe aber zu, dass ich die Quelle jetzt nicht genau überprüft habe.
Aber vielleicht stehen die Prostestanten besser da, weil auch Frauen Pfarrerinnen werden.
Mittlerweile geht sogar meine Mutter (katholisch) lieber zur evangelischen Pfarrerin in den Gottesdienst, als zu dem alten, schon recht tattrigen Herrn, der hin und wieder in der zuständigen katholischen Kirche erscheint, um die Messe zu lesen (einen festen Pfarrer gibt es dort seit Jahren nicht mehr). Meine Mutter fühlt sich bei der Pfarrerin wesentlich besser seelsorgerisch und geistlich betreut und verstanden. Vermutlich ist sie schon längst kein Einzelfall mehr unter den Katholiken
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#2   Benedikt   19:57:51 | Freitag, 14. Oktober 2005
@ Frl Ilse
unter Verwendung der kirchlichen Code-Wörter
Beachten Sie doch den Zusammenhang: Es gib nicht um die Botschaft Jesu Christi, sondern um den Austausch bei den Beratungen. Siehe auch: Diplomatenlatein ;-)
Als Frau weiß man durchaus, dass man weiblichen Geschlechts ist. Ich wüsste nicht, warum noch extra dazu erzogen werden sollte
Sie haben offenbar noch nichts von der Gender Theorie gehört??
Frage, was mit den Frauen ist, die nicht Mutter werden können oder wollen?
Unterstützen sollte man das nicht. In unserer Gesellschaft gibt es soviele soziale Zwänge, da wüsste ich nicht warum man ausgerechnet in der wichtigsten Zukunftsfrage, der Kinderfrage, besonders liberal sein sollte.
So kann die Aufhebung (d. Zölibats) sicherlich neue Probleme mit sich bringen, aber die Beibehaltung führt ja ganz deutlich auch zu gewaltigen Schwierigkeiten.
Wo besteht der Sinn, bestehende durch andere Probleme auszutauschen? Zumal die anderen Probleme dogmatischer Natur sind?
Was die Berufungen angeht: Die deutschen Protestanten, die ja heiraten dürfen, wissen nicht mehr, wohin mit ihren Pfarrern
Dieser Trend ist seit einigen Jahren ins Stocken geraten. Mit der Frage der Heirat hat das allerdings wirklich nichts zu tun.
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#1   Frl.Ilse   15:25:18 | Freitag, 14. Oktober 2005
„unter Verwendung der kirchlichen Code-Wörter“
Was soll das denn heißen? Können oder wollen die sich nicht klar ausdrücken? Die Botschaft Jesu und der Kirche braucht doch keine geheimnisvollen Verschlüsselungen.
Alles im Text kann ich nicht nachvollziehen – doch man erkennt, dass ziemlich viel diskutiert wird, das ist schon mal gut. Aber was meint die Lebensrechtlerin aus Honduras mit Erziehung zur Weiblichkeit? Als Frau weiß man durchaus, dass man weiblichen Geschlechts ist. Ich wüsste nicht, warum noch extra dazu erzogen werden sollte (oder meint die Dame etwa: Nach den Vorstellungen anderer, wie eine Frau zu sein hat, geformt werden?). In diesem Zusammenhang bleibt auch die Frage, was mit den Frauen ist, die nicht Mutter werden können oder wollen? Die werden gar nicht erwähnt, obwohl das doch ziemlich viele sind.
Auch in Sachen Zölibat gäbe es einiges zu bemerken. So kann die Aufhebung sicherlich neue Probleme mit sich bringen, aber die Beibehaltung führt ja ganz deutlich auch zu gewaltigen Schwierigkeiten. Was die Berufungen angeht: Die deutschen Protestanten, die ja heiraten dürfen, wissen nicht mehr, wohin mit ihren Pfarrern, weil es mehr gibt, als sie brauchen. Also gibt es wohl keinen zwingenden Zusammenhang zwischen der Einführung der Ehe für Pfarrer und dem Rückgang von Berufungen.
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