Ein Märchen, das besonders in Wahlzeiten gerne erzählt wird
Im Zusammenhang mit den gegenwärtig stattfindenden Wahlen in Österreich ist viel vom „christlichen“ oder „bürgerlich-konservativen“ Lager die Rede. Auch in meinem Freundeskreis. Ich frage mich, wo meine Freunde dieses Lager orten. Von Dr. Alfons Adam, Neulengbach/ Niederösterreich.
(kreuz.net) Die Frau Generaldirektorin des ORF müßte man, zweifellos dem „christlichen Lager“ zuordnen –
sofern es ein solches überhaupt gibt.
Auch die österreichische Bundesregierung wird seit dem Jahre
2000 hauptsächlich vom „christlichen Lager“ getragen.
Ihm wäre auch die für Kultur zuständige Ministerin
Elisabeth Gehrer zuzuordnen.
Dazu habe ich in den letzten Tagen einige Beobachtungen gemacht.
An Sonntagen
zwischen 7.00 und 8.00 Uhr gibt es im Radiosender Ö1 einen Beitrag der Religionsabteilung mit dem Titel
„Erfüllte Zeit“.
Am 9. Oktober 2005 wurde wieder einmal deutlich, daß dort alle Religionen mit Sympathie
betrachtet werden – nur nicht die katholische.
Zuerst kam der Jugendseelsorger der Erzdiözese Wien zu
Wort. Er schämt sich offensichtlich der Worte Jesu, weil er unter Mission etwas ganz anderes verstanden
wissen will, als in der Heiligen Schrift steht.
Dann wurde der Ex-Priester Adolf Holl als anerkannter
Theologe und weiser Mann hochgelobt.
Man konnte erfahren, daß er von der bösen Kirche als Priester
suspendiert und ihm die kirchliche Lehrerlaubnis entzogen wurde.
Holl durfte dann auch selber zu Wort
kommen. Er erklärte, daß er die Messe auch dann nicht mehr lesen würde, wenn ihn der Papst anrufen
und sich bei ihm entschuldigen würde.
Der Rest war wirres Zeug.
Ganz am Ende der Sendung wurde noch
über ein Treffen zwischen protestantischen und muslimischen Frauen berichtet.
Dabei kam eine christliche
Dame zu Wort, die meinte, daß sie große Hochachtung vor einer Frau habe, die früher katholisch war
und nun Muslimin ist.
Unter die Augen kam mir auch ein Artikel in der Kronenzeitung.
Es war ein Bericht
über die Uraufführung eines Stückes des österreichischen Sprudeldichters Franzobel – eigentlich Stefan
Griebl – „Wir wollen den Messias“. Es wird im Burgtheater – dem berühmtesten von Österreich – aufgeführt.
Wenn man weiß, daß dieser Unsinn mit den Steuergeldern der Österreicher subventioniert wird, sollte
uns interessieren, wie so etwas unter einer vom „christlichen Lager“ geführten Regierung möglich ist.
Nun das Zitat aus der Kronenzeitung vom vergangenen Montag:
„Jesus, fett, süchtig nach Pornos und ein
Waffennarr, erwischt die Erleuchtung prompt beim Koitus:
Burg-Debütant Joachim Meyerhoff mutiert vom
ausgestopften Ekel zum Heiland-Porträt aus dem Gebetbuch – entstiegen einem Nazarener-Bild.
Erlösung
predigt er, Widerstand gegen „Bananen“, Globalisierung, Weltarmut, Reformstau…
Als Klein Jesus endet
er dort, wo sein Namensvetter endete: in Beiers Slapstick-Version nagelt er sich selbst ans Kreuz, zum
„Dies irae“ aus Verdis „Messa da Requiem“.
Meiner Meinung nach ist in der Öffentlichkeit gar nicht wahrnehmbar,
daß es in Österreich noch katholische Christen gibt, die ihren Glauben ernst nehmen.
Das „christliche
Lager“ ist eine Sage, die besonders in Wahlzeiten gerne erzählt wird.
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