Buchbesprechung
In den gewöhnlichen Buchhandlungen wird es wohl nicht zu finden sein
Ein Blick in die Regale durchschnittlicher Buchhandlungen ist oft sehr lehrreich: insbesondere die Schriften, die in den Bereichen Religion, Spiritualität/Mystik/Esoterik und Lebenshilfe angeboten werden. Von Pater Bernward Deneke FSSP.
(kreuz.net) Diese Schriften beleuchten nicht nur die vorherrschende Orientierungslosigkeit und Beliebigkeit. Sie verraten auch etwas über manche echten Bedürfnisse des vielbeschworenen „Menschen von heute“.

Immer wieder stößt man auf Titel, in denen das reichlich archaisch anmutende Wort „Ritual“ vorkommt.

Aus der Unterwelt der Hexen und Schamanen hat es längst seinen Siegeszug in die Regionen einer fernöstlich, tiefenpsychologisch oder sonstwie angehauchten Spiritualität angetreten.

Deren Vertreter werden nicht müde, uns „Rituale als Quellen der Kraft“, „Rituale des Alltags“, „Heilende Rituale“, „Rituale für die Seele“, ja sogar „Rituale für kooperatives Lernen in der Grundschule“ anzupreisen.

Merkwürdig nur, daß ausgerechnet dort, wo die kultische Handlung für uns Christen ihren ureigenen Ort hat – im Gottesdienst der Kirche – das Verständnis für den Sinn heiliger Riten und ihre Symbole weithin geschwunden, wenn nicht gar verschwunden ist.

Vielleicht existiert ein Zusammenhang zwischen der Entsakralisierung der Heiligtümer und der Entritualisierung der Liturgie auf der einen – und der Pseudo-Ritualisierung im profanen und privaten Bereich auf der anderen Seite?

Die Erkenntnis drängt sich förmlich auf und läßt sich nur schwer abweisen.

Offensichtlich gehört das Kultische eben doch zu unserer religiösen Natur, und wo dem Menschen die wahrhaft heiligen Riten fehlen, da schafft er sich seine eigene, künstliche Sakralität.

Diese aber bleibt immer ein Surrogat und vermag nicht wirklich zu nähren.

So besteht das dringende Bedürfnis, den weithin entwurzelten Christen der Gegenwart jene Reichtümer zu erschließen, die sich in einer 2000jährigen, ja noch weitaus älteren Kultur der Gottesverehrung angesammelt und verdichtet haben.

Auch wer die Verbundenheit mit der großen liturgischen Tradition der Kirche nie verloren hat, darf sich nicht als von der Aufgabe dispensiert betrachten, die Kenntnis und den inneren Mitvollzug des christlichen Gottesdienstes immer wieder zu erneuern und zu vertiefen.

Solchen Zielen ist ein neues Buch von Pater Martin Ramm verpflichtet, das eine beschreibende und erklärende Hinführung zur Heiligen Messe – dem zentralen Ritus unseres Glaubens – bietet.

Pater Ramm ist gegenwärtig in Thalwil/Zürich.

Sein Buch ist aus der täglichen Zelebration, dem Betrachten und Studieren der Liturgie, ungezählten Vorträgen und einer Artikelserie, die im Informationsblatt der Priesterbruderschaft St. Petrus veröffentlicht wurde, hervorgewachsen.

Zwar lernt man im Katechismusunterricht, der diesen Namen verdient, durchaus noch, daß in der Heiligen Messe das Erlösungsopfer Jesu Christi vergegenwärtigt und von der Kirche durch den geweihten Priester Gott dargebracht wird, sowie daß der menschgewordene Gott unter den eucharistischen Gestalten wirklich gegenwärtig ist und sich den kommunizierenden Gläubigen schenkt.

Welchen Inhalt und welche Bedeutung aber die einzelnen Bestandteile des Meßritus, die Gebete und Handlungen, haben, darüber blieb und bleibt der Religionsunterricht allzu oft die erhoffte Auskunft schuldig.

Die Folgen dieses Mangels sind uns bestens bekannt:

Unverständnis führt zur Entfremdung, Entfremdung zur Gleichgültigkeit, und genau hier setzt die Faszination für Rituale ganz anderer Herkunft an.

Pater Ramm beschränkt sich nicht auf eine theologische und geistliche Erklärung des klassischen römischen Ritus vom Stufengebet bis zum Schlußevangelium.

Er holt weiter aus, indem er zuerst die Frage nach dem Sinn heiliger Riten im allgemeinen stellt und traditionelle Elemente der Liturgie – Ausrichtung nach Osten, lateinische Kultsprache, priesterliche Gewänder – behandelt.

Der Leser wird solche grundsätzlichen Ausführungen zu schätzen wissen, weil gerade in diesem Bereich weithin Unkenntnis und Unsicherheit herrschen.

Hervorzuheben ist die gelungene Bebilderung des Buches.

Sie dient nicht nur einer gewissen Auflockerung, sondern mehr noch dem Verständnis des Inhaltes.

Durch die gut ausgewählten Photographien kann auch denjenigen ein Eindruck von der Heiligen Messe im traditionellen römischen Ritus vermittelt werden, die ihr bisher noch nie oder nur sehr selten beigewohnt haben.

Die detaillierten Ausführungen über die Teile der Heiligen Messe werden durch eingerahmte Übersichtstafeln, eine Literaturliste – die auch jüngste Veröffentlichungen einbezieht – sowie eine kurze Darstellung der Priesterbruderschaft St. Petrus ergänzt.

Vielleicht kann die Verbreitung dieses 160seitigen Buches ‘Zum Altare Gottes will ich treten’ einem dringenden Bedürfnis unserer Tage entgegenkommen und zu einer neuen Begeisterung für die Heilige Messe, zugleich zur Überwindung kultisch-ritualistischer Irrwege der Gegenwart beitragen.

In den Regalen der durchschnittlichen Buchhandlungen wird man es wohl leider nicht antreffen.

Aber es kann bestellt werden beim Priesterseminar St. Petrus, Kirchstr. 16, 88145 Opfenbach.

Nehmt und lest!

Auch im Internet
      
9 Lesermeinungen
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#9   Athanasius   16:24:00 | Donnerstag, 20. Oktober 2005
–---
Entschuldigung, dann für Hw. H. Pater Ramm.
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#8   Pelagius   11:19:45 | Donnerstag, 20. Oktober 2005
Ehre, wem Ehre gebührt!
Athanasius schrieb:
„Der schriftliche Inhalt des Buches von Pater Deneke FSSP bleibt grossartig.“
Wenn ich den kreuz.net-Artikel richtig verstanden habe, stammt das Buch von P. Martin Ramm.
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#7   Athanasius   09:21:06 | Donnerstag, 20. Oktober 2005
Lieber Homo quidam,
Das Photomaterial aus den Kunkel-Büchern der 50er Jahre zeigt nämlich als Zelebranten keinen geringeren als den jungen Pater Willigis Jäger OSB, der heute eher als Zen-Meister bekannt ist.
Ich habe mich auch darüber gewundert. Denn ich besitze ein Buch wo Jäger OSB auch drin steht. Aus den fünfziger Jahren. Titel: „La Messe en images“. Übrigens ein schönes Buch. Dennoch sind die Bilder gut gelungen. Jäger OSB hat wahrscheinlich die ewig stabile Tridentinische hl. Messe verloren, um dann weiter abzuwandern. Wie aus jungen heiligen Priestern durch den Neo-MOdernismus und das II. Vatikanum Atheistische Ostmystiker wurden.
Aber „La Messe en images“ ist ein schönes Buch das auch gefüllt ist mit Bildern der Heiligen Messe S.S. Papst Pius XII.
Der Gebrauch der alten Bilder ist vielleicht angemessen um Jäger OSB und seinen Confrères mal auf das was sie verloren haben – wie die ganze modernistische Kirche, hinzuweisen.
Der schriftliche Inhalt des Buches von Pater Deneke FSSP bleibt grossartig.
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#6   Homo quidam   10:01:01 | Mittwoch, 19. Oktober 2005
Zen
Ich mußte leicht schmunzeln, als ich mir das Buch angeschaut habe. Das Photomaterial aus den Kunkel-Büchern der 50er Jahre zeigt nämlich als Zelebranten keinen geringeren als den jungen Pater Willigis Jäger OSB, der heute eher als Zen-Meister bekannt ist.
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#5   Didimus   20:37:29 | Dienstag, 18. Oktober 2005
Rituale
Werde mir das Buch auch zulegen.
Hierzu noch eine kleine Bemerkung: Ein Bekannter von mir, seines Zeichens Ethnologie-Professor, erzählte von einem interdisziplinären Kongreß. Dort sei man auch auf Rituale zu sprechen gekommen. Er berichtete erstaunt, daß der anwesende Theologe höchst interessiert zugehört und mitgeschrieben hat, was er, der Ethnologe, zu Ritualen, Ritualtheorien und der wissenschaftlichen Beschäftigung mit Ritualen zu sagen hatte. Im Gespräch mit dem Theologen stellte sich später heraus, daß dieser recht wenig über einen wissenschaftlichen Zugang zu Ritualen und den gegenwärtigen Forschungsstand wußte…
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#4   Fabianus   17:42:29 | Dienstag, 18. Oktober 2005
sehr empfehlenswert
ein sehr emfehlenswertes und wichtiges Buch. Sollte niemandem fehlen. Die gesamte Aufmachung ist leicht verständlich aber präzise und korrekt erklärend.
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#3   Bonaventura   17:13:17 | Dienstag, 18. Oktober 2005
Absolut zu Empfehlen!
Auch ich kann dieses wunderbare Buch nur empfehlen! Ich habe die Entstehung dieses Buches in seiner Schlußphase mitbekommen und eines der ersten Druckfrischen Exemplare erhalten.
Es ist ein Buch das zuerst verschlungen wird und danach Stück für Stück zur Betrachtung einlädt.
Einfach Großartig!
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#2   Dolfus   16:44:16 | Dienstag, 18. Oktober 2005
Roms Geheimwaffe Priesterbruderschaft St. Petrus
Alles, was die Priesterbruderschaft St. Pius X. bietet, nur in juristischer Einheit mit dem Hl. Stuhl.
Zugegebenermaßen, ein sehr verlockendes Angebot, wenn man die Hintergründe nicht kennt, und wenn man als römischer Katholik dem Heiligen Vater in allem die Treue bewahren möchte.
Interessant ist dennoch, daß die Petrusbrüder bei den Bischöfen ziemlich unerwünscht sind, es sei denn, so vermeinen manche zu erkennen, daß bereits eine Kirche oder Kapelle der St. Pius X.-Brüder vorhanden ist, um den Zulauf von „Pius X“ nach „Petrus“ abzuzweigen.
Generell positiv zu beurteilen, daß somit an zwei nahen Orten der Römische Ritus zelebriert wird.
Nur: Wenn Pius X nicht vorhanden ist, werden die Bischöfe mit ihrer Förderung oder Erlaubnis von Petrus-Niederlassungen knauserig.
Das sollte einem zu denken geben.
In dubio fördere ich darum das Original von Erzbischof Lefebvre, ohne den es auch keine Priesterbruderschaft St. Petrus heute geben würde.
Denn der Römische Ritus war niemals abgeschafft, und darum ist auch keine Sondererlaubnis notwendig, und es ist eines Katholiken unwürdig, einen modernistischen Bischof um eine Sondergenehmigung am Samstag Nachmittag für eine Römische Messe zu bitten.
Er ist nicht verboten, darum auch keine Sondergenehmigung.
Ein Bischof, der diesen Ritus verfolgt, spricht sich selbst das Urteil, auch wenn es der Bischof von Rom wäre, wie seit Paul VI. der Fall.
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#1   richi   15:11:57 | Dienstag, 18. Oktober 2005
Sehr empfehlenswert
Bei der Wallfahrt der Petrusbruderschaft nach Einsiedeln am 9.10.5 wurde das Buch nach dem levitierten Hochamt in der Basilika verschenkt und ich war einer der glücklichen, die ein Exemplar erhielten.
Es ist wirklich sehr empfehlenswert!
Zwei Reihen vor mir sass ein junger Benediktiner, scheinbar aus Italien. Er hatte schon morgens am NOM Hochamt im Kreise der Mönche teilgenommen. Anscheinend erlebte er seine erste überlieferte Messe, jedenfalls staunte er sehr über alles und bekam am Ende auch das Buch.
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