Die Protestanten sollten über ‘Dominus Jesus’ nicht beleidigt sein
Die protestantische Überbetonung der Rechtfertigungslehre bewirkte einen verkümmerten Kirchenbegriff – erklärte kürzlich der Heidelberger Exegeseprofessor Dr. Klaus Berger.

Der katholische Heidelberger Exeget Prof. Dr. Klaus Berger (64), der an der evangelischen Fakultät der Universität Heidelberg lehrt, verneint diese Frage.
In der theologischen Ausschließlichkeit der Rechtfertigungslehre liege vielmehr die besondere Schwäche des Protestantismus.
Der Exeget kritisierte vor dem ‘Initiativkreis katholischer Laien und Priester im Erzbistum Hamburg’ die heute noch überstarke protestantische Betonung der Rechtfertigung aus dem Glauben.
Die daraus resultierende Neigung zum Individualismus sei gegenwärtig das Kernproblem der reformatorischen kirchlichen Gemeinschaften.
Theologiegeschichtlich habe der deutsche Reformator Martin Luther († 1546) die zweifellos wichtige Frage der Rechtfertigung auf Kosten anderer – ebenso wichtiger – Glaubensfragen herausgegriffen und theologisch überhöht.
Das habe sich bei ihm und den anderen Reformatoren zwangsläufig auf den Kirchenbegriff ausgewirkt.
Dieser enthalte bis heute nur „unterentwickelte Elemente einer Kirchenstruktur und einer normgebenden innerkirchlichen Instanz wie das eines Lehramtes“.
Deshalb sollte man auf protestantischer Seite nicht darüber beleidigt sein, wenn – wie in der Erklärung ‘Dominus Jesus’ – den lutherischen und reformierten Gemeinschaften das Kirchesein nach katholischem Verständnis abgesprochen werde.
Die Erklärung ‘Dominus Jesus’ wurde im August 2000 von der Glaubenskongregation promulgiert. Sie handelt von der Einzigkeit und Heilsuniversalität Jesu Christi und der Kirche.
Die Protestanten könnten vielmehr selber formulieren, was sie unter Kirchesein verstünden.
Professor Berger machte mit Blick auf die ‘Confessio Augustana’ deutlich, daß es nicht genügte zu sagen, daß Kirche dort sei, wo „das Evangelium rein gepredigt“ und „die Sakramente dem Wort Gottes gemäß verwaltet“ würden.
Das würden auch obskure christliche Sekten von sich behaupten.
Die ‘Confessio Augustana’ ist das lutherische Glaubensbekenntnis, das 1530 dem Kaiser auf dem Reichstag zu Augsburg vorgelegt wurde.
Kirche müsse mehr enthalten als nur diese zwei Prinzipien, erklärt Professor Berger:
Er forderte die Protestanten erneut auf, über das Bischofsamt, über Vernetzungsformen der Bischöfe untereinander, über das Lehramt und über das Schriftprinzip nachzudenken.
Letztlich nehme man die Bibel trotz dem Prinzip der „sola scriptura“ nicht sehr ernst, warf Berger den evangelischen Partnern im ökumenischen Dialog vor.
Die Frauenordination, die Zulassung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften sowie Ehescheidungsgottesdienste stünden zum Beispiel der Heiligen Schrift entgegen.
Selbst der reformatorische Zusatz beim Vaterunser „Denn Dein ist das Reich und die Kraft…“ sei dort nicht zu finden.
Randbemerkung von Professor Berger: „Es ist schon merkwürdig, daß wir das so einfach übernommen haben.“
Dagegen sei das bisher gepflegte Bild einer ausschließlich als starre Pyramide vertikal gegliederten katholischen Kirche zu korrigieren.
Die neue Entwicklung zeige, daß die Kirche schon immer auf zwei Beinen gestanden sei: dem Bein der frühchristlichen Weihehierarchie und dem der verantwortlichen Wirksamkeit der Laien.
Offen betrachtete Professor Berger das gegenwärtig teilweise krisenhafte Erscheinungsbild der katholischen Kirche.
Er entwarf aber gleichzeitig ein Bild von Klöstern als religiöse Zentren, von denen eine spirituelle Erneuerung ausgehen müsse.
Der Exeget plädierte für eine Konzentration der kirchlichen Arbeit auf Gottesdienst und Seelsorge.
Auf Grund ihrer zweitausendjährigen Tradition sei die Kirche, die eine Reihe krisenhafter Zeiten erlebt habe, zu einer solchen Flexibilität durchaus in der Lage.
Dagegen drohe dem Protestantismus durch die Zusammenlegung von immer mehr Gemeinden das theologische und praktische Standbein – nämlich ihre Konzentration auf die Ortsgemeinden – einzubrechen.
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Montag, 24. Oktober 2005 10:04
Laurentius2: @Benedikt & Irenäus
Ihr habt ein schönes Beispiel dafür geliefert, wie fruchtbar dieses Forum unter uns Katholiken sein kann: Quanta cura ist ein aktuelles Problem.
Samstag, 22. Oktober 2005 15:21
Benedikt: @ Irenäus
Ja und werden die dort verurteilten Irrtümer nicht noch umso vehementer heutzutage vertreten? Ist Quanta
nicht nach wie vor hochaktuell?
Fraglich ist, ob das nicht eine Frage ist, die von der höchsten Autorität beantwortet werden muss. Dafür wäre eine Wiederholung von Quanta cura erforderlich.
So etwas gibt es, siehe Redemptionis Sacramentum. Dort steht auch nichts neues, aber angesichts anhaltender Missbräuche erfolgte diese Instruktion. Warum? Man hätte doch auch auf bereits bestehende Instruktionen usw. verweisen können. Ähnlich sehe ich das bei anderen Schreiben, wobei ich mich da natürlich nicht so weit aus dem Fenster lehnen will. Es ist durchaus möglich, dass deine Auffassung die zutreffende ist. Dafür spricht, dass einige benannte Irrtümer durchaus auch heute noch vorherrschen.
Dennoch ergeben sich aus einer Annahme der fortdauernden Wirkung eben dann Probleme, denn diese Auffassung wird ja im Episkopat offensichtlich nicht anerkannt, jedenfalls argumentiert außerhalb von FSSPX-Kapellen kaum einer mit Quanta cura.
Einmütig kann man sicher sagen, dass jeder Katholik oder zumindest jeder Priester Quanta cura kennen sollte, damit dieses Wissen nicht (noch mehr) in Vergessenheit gerät.
Fraglich ist, ob das nicht eine Frage ist, die von der höchsten Autorität beantwortet werden muss. Dafür wäre eine Wiederholung von Quanta cura erforderlich.
So etwas gibt es, siehe Redemptionis Sacramentum. Dort steht auch nichts neues, aber angesichts anhaltender Missbräuche erfolgte diese Instruktion. Warum? Man hätte doch auch auf bereits bestehende Instruktionen usw. verweisen können. Ähnlich sehe ich das bei anderen Schreiben, wobei ich mich da natürlich nicht so weit aus dem Fenster lehnen will. Es ist durchaus möglich, dass deine Auffassung die zutreffende ist. Dafür spricht, dass einige benannte Irrtümer durchaus auch heute noch vorherrschen.
Dennoch ergeben sich aus einer Annahme der fortdauernden Wirkung eben dann Probleme, denn diese Auffassung wird ja im Episkopat offensichtlich nicht anerkannt, jedenfalls argumentiert außerhalb von FSSPX-Kapellen kaum einer mit Quanta cura.
Einmütig kann man sicher sagen, dass jeder Katholik oder zumindest jeder Priester Quanta cura kennen sollte, damit dieses Wissen nicht (noch mehr) in Vergessenheit gerät.
Samstag, 22. Oktober 2005 12:03
Laurentius2: @Benedikt & Irenäus -Chesterton lesen % Augen auf !
Ich muß Irenäus recht geben. Werden die in Quanta gura genannten Irrtümer etwa heute nicht mehr vertreten ? Wer Chesterton liest, glaubt doch oft einen schwungvollen Leitartikel von heute zu lesen … – leider gibt es diese Leitartikel heute höchstens noch im „13.“, der KU oder Komma …aber die von diesen jetzt angeblich fundamentalistischen Meinungen verurteilten bzw. polemisierten Irrtümer sind brandaktuell !!!
Freitag, 21. Oktober 2005 21:18
Irenäus: @Benedikt
Ja und werden die dort verurteilten Irrtümer nicht noch umso vehementer heutzutage vertreten? Ist Quanta nicht nach wie vor hochaktuell? Zwar halte ich die Wiedererrichtung katholischer Staaten kurz- und mittelfristig gesehen für unrealisitisch, das ändert aber nichts an der Wahrheit betreffender lehramtlicher Dokumente.
Freitag, 21. Oktober 2005 20:49
Benedikt: @ Irenäus
Mit 100 Jahre her ist gemeint, dass Ratzingers Satz durchaus gerechtfertigt war. Es heißt nämlich in
Quanta cura: …80 Irrtümer in unserer Zeit. Allein daraus folgt schon, dass Quanta cura nicht ewig in
Kraft bleibt.
Quanta cura ist eine Waffe gegen damalige Phänomene. Sobald es diese nicht mehr gab, war auch die Zeit Quanta cura vorbei.
Es gab in der Frühkirche eine Konzilsbeschluss (!), der für die Messe alle Gesänge außer Psalmen und und andere Bibelstellen verboten hat. Damit wollte das Konzil die gefährliche Inkulturation der allgemeinen griechischen Mystik unterbinden. Nachdem diese Gefahr nicht mehr bestand, wurde auch der Konzilsbeschluss obsolet. Wenn also sogar ein Konzilsbeschluss überholt sein kann, dann wohl auch eine Enzyklika.
Quanta cura ist eine Waffe gegen damalige Phänomene. Sobald es diese nicht mehr gab, war auch die Zeit Quanta cura vorbei.
Es gab in der Frühkirche eine Konzilsbeschluss (!), der für die Messe alle Gesänge außer Psalmen und und andere Bibelstellen verboten hat. Damit wollte das Konzil die gefährliche Inkulturation der allgemeinen griechischen Mystik unterbinden. Nachdem diese Gefahr nicht mehr bestand, wurde auch der Konzilsbeschluss obsolet. Wenn also sogar ein Konzilsbeschluss überholt sein kann, dann wohl auch eine Enzyklika.
Freitag, 21. Oktober 2005 20:48
Toby: Nur eine kleine Anmerkung dazu
Irenäus schrieb: Na wer weiß, demzufolge wird man V2 endgültig am 7.12.2065 zu Grabe tragen dürfen,
sobald es Schnee von vorvorgestern ist, und ich werde diesen Tag wohl noch erleben dürfen.
Es ist schon kurios: Viele, die bis heute unentwegt den „ewigen Frühling“ des Zweiten Vatikanischen Konzils beschwören, haben noch gar nicht zur Kenntnis genommen, dass inzwischen eine neue Genration herangewachsen ist, denen das Konzil überhaupt kein Begriff mehr ist, von den mit dem Konzil verbundenen Erwartungen ganz zu schweigen.
Es ist schon kurios: Viele, die bis heute unentwegt den „ewigen Frühling“ des Zweiten Vatikanischen Konzils beschwören, haben noch gar nicht zur Kenntnis genommen, dass inzwischen eine neue Genration herangewachsen ist, denen das Konzil überhaupt kein Begriff mehr ist, von den mit dem Konzil verbundenen Erwartungen ganz zu schweigen.
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