Liturgie
„Der Schauspieler vorne am Altar gefiel mir nicht“
Zwei Dinge muß der Erzbischof von Moskau in den westeuropäischen Kirchen oft sehr lange suchen: den Tabernakel und den Beichtstuhl. Der russische Prälat äußerte sich am Rande der Bischofssynode über die Liturgie.
(kreuz.net, Vatikan) Der Vatikanist der US-Wochenzeitung ‘National Catholic Reporter’, John Allen, sprach während der gegenwärtig in Rom tagenden Bischofssynode mit dem Erzbischof von Moskau, Mons. Tadeusz Kondrusiewicz (59).

Erzbischof Kondrusiewicz stammt aus dem Gebiet des heutigen Weißrußland.

Zur Frage, welche Themen auf der Bischofssynode für die Gläubigen Rußlands am wichtigsten seien, antwortete Mons. Kondrusiewicz: die korrekte Zelebration der Messe und der Liturgie.

„Ich glaube sehr fest an das Prinzip ‘lex orandi, lex credendi’ – das Gesetz des Betens ist das Gesetz des Glaubens“, erklärte der Erzbischof:

Die Messe sei nicht das Eigentum des Priesters, sondern von Christus eingesetzt.

Die Kirche könne Dinge verändern, doch immer im Rahmen von bestimmten Normen: „Wir haben diese zu befolgen. Es geht in der Messe nicht um eine Darbietung des Priesters, der die Liturgie nach seiner eigenen Laune gestaltet.“

Mons. Kondrusiewicz erzählt, daß in Rußland während 70 Jahren Kommunismus kaum Messen zelebriert wurden. Offiziell sei dies nur in zwei Kirchen – in Moskau und in St. Petersburg – möglich gewesen.

Dementsprechend sei das Verständnis für die Messe und die Eucharistie beim Volk geschwunden.

Die Kirche sei gegenwärtig daran, dieses Glaubensvakuum bei den Gläubigen Schritt für Schritt neu zu füllen: „Vor sieben Jahren begannen wir in Moskau mit der Anbetung des Allerheiligsten. Damals fragten sich viele Leute: »Was soll das?« – Doch inzwischen verlangen sie danach.“

In jeder Pfarrei seines Erzbistums finde die eucharistische Anbetung zumindest einmal pro Woche statt.

Man sei auch daran, wieder die Fronleichnamsprozessionen einzuführen. Auch diese seien in Rußland seit 70 Jahren verschwunden, bedauert der Erzbischof: Sogar weltliche Journalisten zeigten dafür Interesse, da es in der orthodoxen Kirche nichts Vergleichbares gebe.

Warum die Treue zu den liturgischen Normen bei Stellungnahmen osteuropäischer Bischöfe so wichtig sei? – wird Mons. Kondrusiewicz gefragt:

„Vielleicht sind wir einfach traditioneller. Ich weiß es nicht“, antwortet er.

Er glaube, daß die Vernachlässigung der liturgischen Normen einer der vielen Gründe für den Glaubensabfall sei:

„Wenn bei der Zelebration die Frömmigkeit und Sorgfalt fehlt, wenn der Priester ich weiß nicht was macht… – wenn er den Eindruck gibt, die Messe nicht ernstzunehmen, warum sollten es dann die Gläubigen tun?“

Der russische Prälat erwähnt das Beispiel eines Ungläubigen, der in Litauen einer Messe beiwohnte. Nach der Messe habe er erklärt: „Der Chor war sehr gut. Die Kirchengemeinde war höflich. Aber ich mochte den Schauspieler ganz vorne nicht.“

Sogar dieser Ungläubige habe sehen können – so der Erzbischof –, daß der Priester die Messe nicht ernst nahm: „Ich fürchte einen Verlust des Gespürs für das Heilige.“

Wichtig sei aber auch die äußerliche Gestalt der Kirchen:

„Wenn ich eine Kirche betrete, will ich sofort wissen, wo sich der Tabernakel – das Allerheiligste – befindet. Es ist in modernen Kirchen nicht immer leicht zu finden.“

Das gleiche gelte für die Beichte. Der Beichtstuhl sollte sich an einer markanten Stelle befinden: „Und wir müssen ihn auch benützen.“

In einigen Kirchen im Westen habe er die Beichtzeiten gesehen. Als Beispiel nennt der Prälat eine Stunde am Samstag von 16.00 bis 17.00 Uhr. Das sei nicht ernsthaft:

„Ich bin in der Sowjetunion aufgewachsen. Unsere Priester hörten Stunden um Stunden Beichte – obwohl es sehr schwierig war.“
      
10 Lesermeinungen
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#10   Stimme aus Wien   11:10:03 | Samstag, 22. Oktober 2005
Der Gatte der Evelin
Dafür gibt es sonst in Wien kaum noch regelmäßige Beichtzeiten.
Das stimmt nicht ausnahmslos, in der Innenstadt gibt es überall Beichtgelegenheit wenigstens vor den Messen. Ich kann jedoch nicht für ganz Wien sprechen – da fehlen mir die Informationen.
Dass im Stephansdom nicht ausschließlich die Angehörigen der Dompfarre zur Beichte gehen, ist richtig. Die Pfarre ist realtiv klein – und für sie bräuchte man kein 9 Messen Sonn- und Feiertags.
Ich wollte nur zeigen, dass es nicht zulässig sei, alles durch den selben Kamm zu ziehen. Sprich: „V2 Kirche pfui, alles geht unter“ – das stimmt schlicht und einfach nicht.
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#9   Evelin   23:07:28 | Freitag, 21. Oktober 2005
@ Stimme aus Wien
Dafür gibt es sonst in Wien kaum noch regelmäßige Beichtzeiten. Die meisten Leute, die in St. Stephan beichten, sind nicht aus der Dompfarre.
Der Gatte der Evelin
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#8   Athanasius   13:09:02 | Freitag, 21. Oktober 2005

Mit „Vat-II-Kirche“ oder aus „V2-Kirche“ bezeichnen gewisse Schismatiker gerne die Römisch-Katholische Kirche.
‘Die Konzilskirche…’ (Papst Paul VI., 1967).
Es sind nicht die Traditionalisten die V2-Kirche und Konzilskirche am ersten verwendeten.
Und dass es für Sie noch Schismatiker gibt, beweist schon, dass Sie nicht genügend mit dem Konzil mitgekommen sind, denn nach dem II. Vatikanum gibt es keine Schismatiker mehr, sondern sind sie alle Schwesterkirchen und Teil der einen Kirche Christi. Alles die Lehre ‘deiner’ Kirche.
Ich will die Römisch-katholische Kirche aller Zeiten. Nicht die des Neo-Modernismus.
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#7   Stimme aus Wien   11:48:03 | Freitag, 21. Oktober 2005
Joshua & st. theodul
Es ist eine Tatsache, dass das Sündenbewusstsein in der Öffentlichkeit zurückgegangen ist – aber, es ist eine Frage ob das der Verdienst des 2. Vaticanums ist.
Ich könnte auch ein anderes Beispiel zeigen:
Im Wiener Stephansdom gibt es eine Beichtgelegenheit von 7:00 in der Früh bis 22:00 am Abend – durchgehend. Samstags und Sonntags mir einer Unterbrechung von 13:00 bis 17:00 Uhr. In der „Hauptsaison“, also vor Ostern und Weihnachten, stehen gleichzeitig 3 und sogar 4 Beichtväter zur Verfügung – trotzdem ist eine Wartezeit von über 1 Stunde keine Seltenheit.
Und: werder von der Geistlichkeit rund um dem Stephansdom, noch von der Diözesanleitung könnte man sagen, sie hätte eine traditionalitstische Einstellung.
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#6   Joshua   15:41:34 | Donnerstag, 20. Oktober 2005
Beichte
Nach langem Suchen fand ich eine Kirche, wo am letzten Barmherzigkeitssonntag von 06.00-08.00 Beichtgelegen-
heit war. Da ich einen Ansturm befürchtete, war ich schon um 06.00 dort. Aber es war nur der Priester da.
Es kamen dann später noch ca. 4 Beichtwillige. Das ist ja schon deprimierend für einen eifrigen Priester.
Der Beichtvater sagte mir:“ Viele würden sie beneiden, was sie da heute tun.“
Der Barmherzigkeitssonntag wurde von Papst JPII eingeführt. Jesus sagte zu der Hl. Schwester Faustyna:“
Diejenigen, die an diesem Tage beichten und kommunizieren, erhalten nicht nur die Verzeihung ihrer Sünden, sondern auch den Nachlass der Strafen, die sie dafür verdient haben. Für mich persönlich ist das der wichtigste Tag des Jahres!
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#5   Aurelius   15:09:40 | Donnerstag, 20. Oktober 2005
@Filip Jovic
Mit „Vat-II-Kirche“ oder aus „V2-Kirche“ bezeichnen gewisse Schismatiker gerne die Römisch-Katholische Kirche. Die Ironie ist aber, daß genau jene, die sich o.b. Begriffe bemächtigen, sofort zur Stelle sind und behaupten, sie seien ja Teil der einen heiligen, katholischen und apostolischen Kirche sobald sie das Wort „Schisma“ auch nur aus der Ferne sehen.
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#4   Filip Jovic   14:51:58 | Donnerstag, 20. Oktober 2005
st. thodul: „Vat-II-Kirche“
st. thodul: „Goldene Worte, die zumindest äusserlich weite Teile des Elendes der Vat-II-Kirche beschreiben.“
Was ist denn eine „Vat-II-Kirche“? Ich dachte (und denke noch immer), es gibt nur EINE heilige, katholische und apostolische Kirche, die derr Herr gestiftet hat, dessen Stellvertreter der Papst ist, als Nachfolger des Petrus, dem Felsen, auf dem der Herr seine Kirche erbaut hat. Mag ein Konzil (bzw. was daraus gemacht wurde und gemacht wird) viel Verwirrung gestiftet und Unheil provoziert haben, diese Kirche bleibt die EINE heilige, katholische und apostolische Kirche. Sie wird niemals zerstört werden! Und nur in ihr und unter ihrem Lehramt können wir dem eingedrungenen Unheil und Elend Einhalt gebieten.
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#3   st. theodul   13:04:47 | Donnerstag, 20. Oktober 2005
Goldene Worte,
die zumindest äusserlich weite Teile des Elendes der Vat-II-Kirche beschreiben. Doch gerade, weil „lex orandi, lex credendi“ gilt, ging dem äusseren Niedergang ein Abfall im Glauben voraus. Wo der NOM die sakramentale Gegenwart Christi entwertet in dem er sie z.B. gleichsetzt mit der Gegenwart Christi in Seinem Wort oder Volk, verliert der Tabernakel eben seine Bedeutung. Wo man im NOM vom Sühneopfer z.B. zum Dankopfer übergeht, die Zuwendung der Genugtuung Christi wegen unserer Sünden also entbehrlich gemacht wird, verliert die Sünde ihren Schrecken. Zahlreiche Beispiele in der Insitutio Generalis Missalis Romanae beweisen dies. Christus ist zwar gegenwärtig, aber in der Gemeinde und die ist ein Volk bereits Erlöster, wobei man hier und da auch Gegenteiliges einstreut, um Lehrverurteilungen zu entgehen. Nein, es gilt „Omnia instaurare in Christo“, alles, Glaube und Liturgie sind in Christus zu erneuern.
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#2   Laurentius2   11:46:12 | Donnerstag, 20. Oktober 2005
Tabernaculum et confessio
Der russische Prälat hat es auf den Punkt gebracht: bei uns steht das sanctissimum nicht mehr im Mittelpunkt. Wie oft muß man sich den Hals verrenken, wenn man sich vor IHM verbeugen bzw. niederknien will, das Ergebnis einer scheinbar sanften „Revolution“ (Daneels) vom ER zum WIR …
Gleiches gilt für die Beichte: doch welcher Pfarrer predigt denn noch darüber, wie wichtig sie ist ? Man darf von den Schäfchen im Regelfall nicht mehr erwarten als vom Hirten und die westdeutsche Predigtpraxis vermittelt doch den Eindruck, als sei Beichte nur etwas für halbverrückte Fundis und Tradis oder höchstens mal nötig, wenn man ein Kapitalverbrechen begangen hat …
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#1   Bernado   11:31:45 | Donnerstag, 20. Oktober 2005
Beichtzeiten
Der Erzbischof sagt:
In einigen Kirchen im Westen habe er die Beichtzeiten gesehen. Als Beispiel nennt der Prälat eine Stunde am Samstag von 16.00 bis 17.00 Uhr. Das sei nicht ernsthaft.
Das ist der einzige Punkt, in dem man widersprechen kann und muß: Solche Zeiten sind insofern ernsthaft und jedenfalls realistisch, als in dieser Stunde oft nur einer oder zwei, manchmal auch keiner aus der Gemeinde zur Beichte kommt.
Am Sonntag zur Kommunion sind sie dann aber wieder alle da. Da liegt der Unernst.
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