Nationalsozialismus
Katholische Selige aus dem protestantischen Norddeutschland
Der Seligsprechungsprozeß für die drei „Lübecker Märtyrer“ hat begonnen. Der Erzbischof von Hamburg will einen protestantischen Pastor bei der möglichen Seligsprechung genannt wissen.
(kreuz.net, Hamburg) Nach einem Bericht von „Radio Vatikan“ eröffnete das Erzbistum Hamburg vergangenen Freitag den Seligsprechungsprozeß für die drei „Lübecker Märtyrer“.

Der Erzbischof von Hamburg, Mons. Werner Thissen (65), würdigte die Märtyrer für ihren Mut zur Wahrheit in Zeiten der Lüge, der Gewalt und des Vernichtungswahnes.

Lübeck ist eine Stadt an der Ostsee im Südosten Schleswig-Holsteins.

Die „Lübecker Märtyrer“ sind die drei Kapläne Johannes Prassek, Eduard Müller und Hermann Lange.

Sie wurden von den Nationalsozialisten wegen ihres Widerstandskampfes verhaftet und später hingerichtet.

Am 10 November 1943, dem Tage ihrer Ermordung, wurde auch der evangelische Pastor Karl Friedrich Stellbrink wegen „Wehrkraftzersetzung“ durch das Fallbeil umgebracht.

Der Widerstandskampf der drei Priester orientierte sich am Beispiel des Bischofs von Münster, Clemens August Graf von Galen.

Die Lübecker Märtyrer verbreiteten zum Beispiel von Galens Predigten. Bischof von Galen wird im kommenden Jahr seliggesprochen werden.

Am Tag ihres Todes wurde den drei Geistlichen erlaubt, letzte – allerdings zensurierte – Briefe zu schreiben.

Kaplan Prassek beruhigt seine Familie: „Ihr Lieben, heute Abend ist es nun so weit, daß ich sterben darf. Ich freue mich so, ich kann es euch nicht sagen. Gott ist so gut, daß er mich noch einige Jahre als Priester hat arbeiten lassen und dieses Ende, so mit vollem Bewußtsein und in ruhiger Vorbereitung darauf sterben dürfen, ist das Schönste von allem.“

Dann wendet sich Kaplan Prassek an seinen Bischof und bittet ihn, die Mitbrüder im geistlichen Stand zu grüßen.

Der Erzbischof von Hamburg sieht in der Seligsprechung auch einen ökumenischen Aspekt.

Denn neben den drei jungen Priestern wurde im Gefängnis auch der evangelische Pastor Friedrich Stellbrink ermordet.

Der Erzbischof meinte, er wolle und müsse respektieren, daß die evangelische Kirche keine Seligsprechungen kenne. Allerdings solle es während der Seligsprechung auch eine Würdigung für Pastor Stellbrink geben.

In einem Gespräch zwischen dem Erzbischof von Hamburg und der protestantischen Laienbischöfin Lübecks, Bärbel Wartenberg-Potter, bot der Erzbischof der evangelischen Kirche an, sie über den Verlauf des Seligsprechungsverfahrens auf dem Laufenden zu halten.
      
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