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Donnerstag, 20. Oktober 2005 18:30
Zuviele Versionen
Im Juni 2004 veröffentlichte der Kirchenrektor von Fatima eine Stellungnahme, in der er den Hindu-Gottesdienst in der dortigen Erscheinungskapelle im Vergleich zu jetzt noch ganz anders erklärte.
Ein Hindu-Priester am Volksaltar der Erscheinungskapelle in Fatima
Ein Hindu-Priester am Volksaltar der Erscheinungskapelle in Fatima
(kreuz.net) Der Rektor der Wallfahrtskirche in Fatima verstrickt sich immer mehr in seine eigenen Widersprüche.

In einem jüngst ans Tageslicht gekommen Brief bezeichnete Mons. Luciano Guerra, einen Hindu-Gottesdienst, der im April 2004 in der Erscheinungskirche von Fatima stattfand, als Mißverständnis.

Im Juni 2004 hatte er den Gläubigen noch eine ganz andere – und wesentlich polemischere – Erklärung aufgetischt.

Hier der Originaltext:

1. Die Leser der Zeitschrift ‘Stimme von Fatima’ werden sich an eine Mitteilung des Kirchenrektorates erinnern, die im Januar 2004 unter dem Titel „Fatima ein Heiligtum für alle Religionen?“ erschienen ist.

2. Die Gruppen, die aus dem Widerstand gegen unseren interreligiösen Kongreß im Oktober 2003 entstanden sind, benutzten nun den Besuch einer Gruppe von Hindus im Heiligtum, von dem im Mai 2004 in ‘Stimme von Fatima’ berichtet wurde, um ihren massiven Feldzug gegen die Ökumene und sogar gegen den interreligiösen Dialog zu verstärken.

3. Wegen der vielen Anfragen und um allen möglichst schnell zu antworten, haben wir diese kurze Mitteilung zusammengestellt. Darin möchten wir die Grundsätze kundtun, die für den Empfang der Brüder und Schwestern anderer Konfessionen und Religionen gelten. Wir wollen uns auf zwei Punkte konzentrieren: den Besuch einer Gruppe von Hindus und die Zweckbestimmung der neuen Dreifaltigkeitskirche.

4. Die Hindugruppe schrieb uns im voraus und erklärte, den Besuch, den [ein gewisser] Herr Morari Bapur gemacht hatte und der dem Besuch Seiner Heiligkeit, Papst Johannes Paul II. im Mai 1982 vorausgegangen war, wiederholen zu wollen.

5. Der Priester, den sie mitgebracht hatten, stieg mit einem Dolmetscher bis zur Statue der Muttergottes, während die anderen Teilnehmer unten verblieben.

6. Der Priester sang während einigen Minuten ein Gebet. Das geschah ohne Handlungen und Riten auf dem Altar oder um ihn. Der Dolmetscher erklärte, der Priester bitte „die Heiligste Mutter, daß sie allen Regierenden der Nationen Weisheit und Unterscheidungsgabe verleihen möge, damit in der Welt Friede, Friede, Friede möglich werde.“

7. Wir wollen kundtun, daß das Anliegen des Friedens weltumspannend und mit dem identisch ist, was andere nichtkatholische Persönlichkeiten – wie zum Beispiel den Dalai Lama, den Präsidenten der Republik der Indischen Union und die Gattinnen der Präsidenten Clinton und Arafat – zum Heiligtum führte. Gruppen nichtkatholischer Christen kommen ebenfalls mit dem Anliegen, um für die Einheit der Kirche zu beten. Obwohl dies nicht häufig geschieht, wurden auch einige hohe Vertreter der orthodoxen Kirchen empfangen. Neulich kamen einige Dutzend anglikanischer Priester in Begleitung ihres Bischofs. Sie nahmen in einem der Häuser des Heiligtums an Einkehrtagen teil.

8. Nach dem Gebet in der Erscheinungskapelle wurden die indischen Pilger in einem Saal durch den Herrn Bischof von Leiria-Fatima und den Rektor des Heiligtums empfangen. Sie erklärten beiden, daß sie aus Verehrung der „Heiligsten Mutter“ gekommen seien. Sie sagten das, ohne einen Bezug oder eine Übertragung auf eine Gestalt ihrer eigenen Religion herzustellen. Man muß auch Äußerungen, die in den Medien gemacht wurden, mit Vorsicht behandeln. Wir waren auf die Anwesenheit der Medien nicht vorbereitet, weil wir darüber zu spät informiert wurden.

9. Bezüglich der Dreifaltigkeitskirche und der im Raum stehenden Absicht, sie „ökumenische Kirche“ zu nennen, können wir bestätigen, daß diese Bezeichnung in einem katholischen Sinn verstanden werden kann. Sie stammt aber nicht vom Heiligtum. Wir haben und hatten nie die Absicht in der Kirche, die sich im Bau befindet, Feiern durchzuführen, die nicht den Weisungen der Katholischen Kirche entsprechen. Das Heiligtum bemüht sich, der Botschaft gegenüber, die Gott ihm anvertraut hat, treu zu sein. Wir können den expliziten katholischen Charakter nicht klar genug herausstellen. Dies betrifft die Engelserscheinungen, die uns auf die Wahl des Titels der künftigen Kirche hinwiesen. Es geht der Muttergottes in einer dramatischen Weise aber auch darum, auf die Mittleraufgabe des Papstes und der Bischöfe für die Einheit der Kirche und für den Frieden in der Welt hinzuweisen.

10. In der Hoffnung, daß wir uns alle als Geschwister verstehen und daß wir die Einheit aller Christen, die Einheit aller Glaubenden und aller Menschen ersehnen und erbeten, bringen wir uns und unsere Bitte zur Muttergottes von Fatima. Sie möge uns im Willen zur Einheit stärken und uns von jedem Geist der Zwietracht und des Streites befreien.

Gegeben im Heiligtum von Fatima, am 29. Juni 2004, am Fest der heiligen Petrus und Paulus.

Der Rektor: P. Luciano Guerra
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 8 Lesermeinungen:
Sonntag, 23. Oktober 2005 18:02
Yersinia: @benedeikt: bzgl der „islamischen Gebiete“
schreibst du Unsinn – im Gegenteil ist es den Christen in islamischen Staaten sogar geboten, ihren Glauben zu leben (im Iran zB definitiv der Anbau von Wein) – aber eben unter der Beachtung der staatlichen Gesetze;
Freitag, 21. Oktober 2005 09:42
st. theodul: Zuviele Versionen = zuviele Lügen
Man bedenke, wer der Vater der Lüge ist!
Freitag, 21. Oktober 2005 09:22
Justus: Beschwichtigungsversuche
Seit vierzig Jahren werden lehramtstreue Katholiken, die sich über theologische und liturgische Missständen beschweren, durch halbherzige Beschwichtigungsversuche zum Schweigen gebracht. Ob Hindukult im Fatimaheiligtum oder medienwirksam inszenierte Kommunionspendung an Nichtkatholiken – alles nur Versehen. Wer soll das glauben?
Freitag, 21. Oktober 2005 08:56
Benedikt78: Frieden in der Welt?
@ Yersinia

Ob es ein „substantieller Beitrag zum Frieden in der Welt“ wäre, wenn man in den Kirchen Leute jedwelcher religiöser Bekenntnisse beten lassen würde, stelle ich sehr in Frage. Das würde nur zu einer Vermischung und damit zu einer Verwässerung der Werte führen. Damit würde sich die Katholische Kirche selber auflösen! Das stellt keinen Beitrag zum Frieden dar!

Die Frage ist nun nur noch, ob man auch Götzendiener oder vielleicht Mitglieder der Church of Satan für ihre Rituale in die Kirche lassen will. Es geschieht doch im Namen der Toleranz und des Friedens… So etwas lehne ich ab!

Wenn man sieht, dass in islamischen Gebieten das Abhalten von christlichen Messen – auch in Privaträumen –, der Besitz eines Kruzifixes oder einer Bibel ein todeswürdiges Verbrechen ist, dann muss man sich fragen, ob diese – vor allem in Europa praktizierte – Toleranz nicht eine Einbahnstrasse ist.

Es spricht jedoch nicht für die Toleranz von Mons. Luciano Guerra, wenn er Hindu-Gebete zulässt und gleichzeitig Angehörige der Priesterbruderschaft in ihren Gebeten stören lässt (Staubsaugen, Störaktion von Schwestern etc.).
Freitag, 21. Oktober 2005 07:52
Pelagius: Merkwürdige Prioritäten
„… um ihren massiven Feldzug gegen die Ökumene und sogar gegen den interreligiösen Dialog zu verstärken.“

Als ob der interreligiöse Dialog noch selbstverständlicher wäre als die Ökumene.

In der Botschaft von Fatima wird man weder diese noch jenen als Anliegen finden.
Freitag, 21. Oktober 2005 05:07
Yersinia: ich finde es beispielgebend und gut
wenn Menschen unterschiedlicher religiöser Bekenntnisse in den Heiligtümern anderer Religionen beten können oder könnten; das wäre ein substantieller Beitrag zum Frieden in der Welt – und ich finde es gut, wenn gerade christliche Kirchen hier vorangehen;
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