Bereits seit Monaten wird über eine Ablösung von Kardinal Angelo Sodano (78) als vatikanischer Staatssekretär spekuliert. Nun soll der Nachfolger gefunden sein.
(kreuz.net, Vatikan) Der Präfekt der Bischofskongregation, Giovanni Battista Kardinal Re (71), soll angeblich
neuer Kardinalstaatssekretär werden.
Das berichtete die stark linkslastige römische Tageszeitung ‘La
Repubblica’.
Das Amt des Staatssekretärs entspricht der Funktion eines Ministerpräsidenten. Er ist
in der vatikanischen Kurie offiziell der zweite Mann nach dem Papst.
Der gegenwärtige Amtsinhaber, Angelo
Kardinal Sodano, steht aus Altersgründen vor seiner Ablösung. Er wird Ende November 78 Jahre alt.
Kardinal
Sodano bekleidet sein Amt seit 1991. Er zählte zu den engsten Vertrauten von Johannes Paul II. und hat
sich durch viele Zugeständnisse an liberale kirchliche Kreise hervorgetan.
Für Kardinal Re wäre das
Staatssekretariat kein unbekanntes Feld. Jahrelang war er dort der zweite Mann. Insofern wäre er für
die Nachfolge von Kardinal Sodano prädestiniert.
Der Wechsel von Kardinal Re in das Staatssekretariat
soll angeblich am Ende der Bischofssynode bekanntgegeben werden.
Kardinal Re wurde 1934 im norditalienischen
Örtchen Borno geboren. Borno liegt 40 Kilometer südlich der Schweizer Grenze und gehört zur Diözese
Brescia, für die der jetzige Kardinal 1957 zum Priester geweiht worden ist.
Er studierte an der päpstlichen
Universität Gregoriana Kirchenrecht und war nur kurz in der Pfarreiseelsorge seines Heimatbistums tätig.
Anschließend trat er in den diplomatischen Dienst des Heiligen Stuhles und wirkte zum Beispiel in den
Apostolischen Nuntiaturen in Panama und im Iran.
1987 wurde Re zum Sekretär und zweiten Mann der Bischofskongregation
und zwei Jahre später zum Stellvertreter im Staatssekretariat ernannt.
Im Jahr 2000 wurde er Pro-Präfekt
der Bischofskongregation.
Schon damals munkelte man in Rom, daß das ein notwendiger Schritt wäre, um
den damaligen Erzbischof zum Kardinal und später zum Nachfolger des Staatssekretärs zu machen.
Vor
vier Jahren ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum Kardinal.
Kardinal Re gilt als sehr arbeitsam und
ist für seine organisatorischen Fähigkeiten bekannt.
Er gilt als eine der stärksten Persönlichkeiten
innerhalb der Kurie.
Der Vatikanist des linksliberalen Magazins ‘Espresso’ reiht Kardinal Re mit den
italienischen Kurienkardinälen Angelo Sodano und Crescenzio Sepe in die Reihe der „moderaten“ Gruppe.
„Moderat“ ist im kirchlichen Bereich ein Codewort für „liberal“.
Die drei galten – wenigstens bis zur
Wahl des neuen Papstes – als persönliche Kontrahenten, die sich aber zugleich gegen die Ratzinger-Linie
und den Einfluß der Neokonservativen im Vatikan stellten.
Als Präfekt der Bischofskongregation hat
er keinen großen persönlichen Einfluß auf die Ernennungen neuer Bischöfe genommen.
Neue Bischöfe
werden heute de facto mehr und mehr von den örtlichen Bischofskonferenzen bestimmt und von der Bischofskongregation
nur noch bestätigt.
Email-Adressen der Empfänger
3 Lesermeinungen
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
Feind sollte er ein Feind des alten Ritus sein, wäre er für diese Position bestens geeignet. Ich denke
allerdings, er ist einfach als Zelebrant mit den Möglichkeiten des heutigen Ritus zufrieden und sinnt
auf Weiterentwicklungen. Schließlich leben wir nicht mehr im 16. Jahrhundert und nicht nur in Europa.
Seltsame Winkelzüge (wenn’s denn stimmt) S. Em. Cardinal Ré ist ein Modernist, ein hartnäckiger Feind
des alten Ritus und wahrscheinlich ein Logenbruder. Ich kann nur sagen: Grüß Gott! Der Gatte der Evelin
Herbstrevolution??? He he he, es war doch vor einiger Zeit in den Medien von einer angeblichen vatikanischen
„Herbstrevolution“ die Rede, was Personalfragen betrifft. Und was soll mit dem „moderaten“ Kardinal Re
an der Spitze des Staatssekretariats nun konkret anders werden als unter Sodano? Worin besteht nun die
erwartete bzw. angekündigte „Revolution“???