Alte Messe
Ungenaue Darlegung
Eine früher vom Lehramt der Kirche verurteilte Erklärung zur Eucharistielehre scheint im Vergleich mit einigen Aussagen der Liturgiekonstitution des Zweiten Vatikanums eine umfassende theologische Darlegung zu sein. Von Michael Davies, († 2004).
(kreuz.net/UnaVoce) Der folgende Text ist ein Auszug aus dem Buch ‘Pope John’s Council’ – Das Konzil von Papst Johannes –, das sich mit der Liturgiekonstitution ‘Sacrosanctum Concilium’ des Zweiten Vatikanischen Konzils beschäftigt.

Die Artikel 5-13 der Liturgiekonstitution des Zweiten Vatikanums befassen sich mit dem Wesen der Liturgie.

Diese Artikel enthalten zum großen Teil wunderbare lehrmäßige Darlegungen, aber auch einige Formulierungen, denen es in beunruhigender Weise an Genauigkeit mangelt.

So wird die reale Gegenwart Christi im heiligen Sakrament lediglich als höchster und maximaler Ausdruck seiner Anwesenheit in der Liturgie erklärt.

Die Realpräsenz wird als eine von mehreren Arten der Gegenwart bezeichnet. Andere in diesem Zusammenhang genannte Beispiel sind die Gegenwart Christi beim Lesen der heiligen Schriften oder seine Gegenwart, wenn zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind.

Im Text von Artikel 7 heißt es:

Er ist gegenwärtig „vor allem unter den eucharistischen Gestalten“ – Lateinisch: praesens …maxime sub speciebus eucharisticis.

Mein Buch ‘Cranmer’s Godly Order’ – Cranmer’s göttliche Ordnung – hebt besonders die Tatsache hervor, daß alle protestantischen Reformatoren in der Lehraussage übereinstimmten, daß Christus in der Eucharistie gegenwärtig ist.

Was sie ablehnten, war das Dogma seiner substantiellen Gegenwart.

Wenn es ein Wort gibt, das für die Protestanten seit jeher Anathema ist, dann ist es das Wort „Transsubstantiation“.

Die Protestanten bekennen die „Realpräsenz“ Christi. Sie glauben an seine „eucharistische“ oder „sakramentale Gegenwart“.

Die Lutheraner reden sogar von einer „konsubstantialen Gegenwart“.

Was sie aber nicht akzeptieren ist das eine Wort „Transsubstantiation“.

Es erstaunt daher feststellen zu müssen, daß gerade dieses Wort im Text der ganzen Liturgiekonstitution nirgends auftaucht.

Das stellt einen kaum zu glaubenden Bruch mit der Tradition der katholischen und römischen Kirche dar.

Die Kirche bestand immer auf eine vollständige und absolute Genauigkeit bei der Behandlung des Sakramentes, welches ihr größter Schatz ist. Dieses Sakrament ist nichts weniger als der fleischgewordene Gott selber, dessen mystischer Leib die Kirche ist.

Um den Kontrast zwischen der traditionellen Genauigkeit der Kirche und der Liturgiekonstitution zu zeigen, genügt ein Beispiel.

Verglichen mit den Aussagen der Liturgiekonstitution würde der folgende Satz eine sehr umfassende, vielleicht sogar außergewöhnliche Definition der eucharistischen Gegenwart Christi darstellen:

„Christus ist nach der Konsekration wahrhaft, wirklich und wesentlich unter den Gestalten [von Brot und Wein] gegenwärtig. Alsdann hört die gesamte Substanz des Brotes und des Weines auf, so daß nur die Gestalten übrig bleiben.“

Der Leser wird überrascht sein, zu erfahren, daß diese Definition als „verderblich, die Erklärung der katholischen Wahrheit schmälernd“ – Lateinisch: perniciosa, derogans expostitioni veritatis catholicae – verurteilt worden ist.

Es handelt sich um eine Definition der jansenistischen Synode von Pistoia in Italien (1786). Sie wurde von Papst Pius VI. besonders wegen der gezielten Vermeidung des Begriffs „Transsubstantiation“ verurteilt.

Den Begriff der „Transsubstantiation“ verwendet das Konzil von Trient für die Bezeichnung der Art der eucharistischen Gegenwart Christi.

Die Vermeidung des Wortes „Transsubstantiation“ wurde von Papst Pius VI. verurteilt, „weil durch diese unbesonnene und verdächtige Auslassung sowohl die Anerkennung des Glaubensartikels in Frage gestellt als auch der Begriff „Transsubstantiation“ heimlich entfernt wird, der von der Kirche zum Schutz des Bekenntnisses geheiligt wurde. Diese Formulierung zielt sogar darauf ab, den Begriff in Vergessenheit geraten zu lassen, als ob es sich bloß um eine rein schulmäßige Frage handeln würde“.

Auszug aus dem 16. Kapitel des Buches „Pope John’s Council“ des Präsidenten der Internationalen UNA VOCE-Föderation, Michael Davies († 25. September 2004). Überarbeitete Übersetzung von Katharina Wagner. UNA VOCE Deutschland e. V. – Geldorpstr. 4, 50733 Köln
      
5 Lesermeinungen
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#5   Agiafortuni   20:04:41 | Dienstag, 20. Dezember 2005
ich kann mit Transsubstantiation nichts anfangen
Gotthard, wenn Sie mit Thomas, Trient und den historischen Päpsten dh. den katholischen nichts mehr anfangen können, so sind Sie in der katholischen Kirche an die falsche Adresse geraten. Vielleicht hilft Ihnen der Oberfrevler Rahner weiter
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#4   Benedikt   01:42:47 | Dienstag, 25. Oktober 2005
@ Gotthard
Seien Sie doch mal so nett und erläutern Sie Ihre Vorstellungen, wie wärs? Besonders würde mich interessieren, wie sie Glaubensgüter authentisch überliefern wollen und sich dabei gleichzeitig dauernd selbst zu entwurzeln und für alles neue Begriffe zu erfinden. Die Erklärung der Transsubtantiation kann übrigens jedem älteren Kind (ab 12 Jahre) zugemutet werden. Aber heutzutage wird den Kindern ja nicht mal die Bedeutung der Erstkommunion beigebracht. Das führt dann dazu, dass sie die Hostie aufheben und in ihr Kommunionalbum einkleben (!) wollen. Aber sowas ist aus Ihrer ist-alles-egal-Hauptsache-guter-Wille Sicht alles in Ordnung.
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#3   gunther maria michel   00:50:23 | Dienstag, 25. Oktober 2005
+
Grüß Dich, Gotthard,
>Der Begriff ?Transsubstantiation? versteht heute kein Mensch mehr ? und ist daher obsolet geworden.
Ich versteh diesen Begriff, und ich bin ein Mensch. Also ist Deine Behauptung falsch. Das könnte ein guter Grund für Dich sein, Deine ganze Einstellung zu hinterfragen und nötigenfalls zu revidieren. Jedes Kind kann den Begriff Transsubstantiation soweit verstehen, wie es für den Glauben nötig ist. Als gläubiger römischer Katholik setzt man seine Vernunft nicht außer Kraft. Es darf gedacht werden. Das geschieht in Begriffen, Sätzen, Urteilen.
Jede Wissenschaft hat ihre Terminologie, auch die heilige Gotteswissenschaft (vulgo Theologie). Um eine Wissenschaft zu erlernen, braucht es ausdauernden Fleiß, nicht Trägheit, Bequemlichkeit, Faulheit.
Gunther.
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#2   Gotthard   00:07:33 | Dienstag, 25. Oktober 2005
herrlich
Diese Verurteilungen sind herrlich … und ganz toll zeitbedingt.
Das Befangensein in Begriffen und Kategorien ist an diesem Beispiel wunderbar zu zeigen.
Der Begriff „Transsubstantiation“ versteht heute kein Mensch mehr … und ist daher obsolet geworden.
Denken wir doch bitte heute auch mal nach! Thomas von Aquin hat es für seine zeit auch getan. Vorher war dieser Begriff kein theologischer.
Ich erwarte einfach vom Lehramt eine Antwort auf meine Frage [b]heute[/b]: was ist die Eucharistie?
Ich erwarte heute eine Antwort für den Christen in Afrika wie in Asien und Lateinamerika… und auch in Europa.
Ein Hinweis auf Trient und den Aquinaten hilft nicht!!!!!
Äußerungen von Päpsten der Geschichte sind interessant … aber wenig hilfreich für heute,
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#1   hvonsury   23:03:48 | Montag, 24. Oktober 2005
Wortklauberei
Man mag das Fehlen des Wortes „Transsubstantiation“ mit Recht bedauern: doch handelt es sich um einen menschlich-psychologischen Fehler o.ä., aber nicht um eine Falschaussage, somit um eine Häresie. Wahrheit ist bekanntlich Uebereinstimung von Gemeintem und Wirklichkeit, und diese scheint bei den kritisierten Texten der Fall zu sein. Der kathol.Glaube beschränkt sich nicht auf das obligatorische Repetieren von bestimmten Wörtern und Formeln – dies überlassen wir den Moslems.
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