09:25:55 | Montag, 24. Oktober 2005
Der Kölner Kardinalerzbischof sprach am Ende der Weltbischofssynode über ein bischöflich vergessenes Dogma und erklärte anschaulich, warum Nicht-Katholiken die Heiligen Kommunion nicht empfangen können.
(kreuz.net, Vatikan) Der Romkorrespondent der deutschen Tageszeitung ‘Die Welt’ unterhielt sich mit Joachim
Kardinal Meisner über die gestern zuendegegangene Weltbischofssynode.
Das Interview ist in der heutigen
Montagsausgabe erschienen.
Auf die Frage, wie man die drei Wochen der Synode zusammenfassen könne, verwies
Kardinal Meisner auf das nachsynodale Apostolische Schreiben, das Papst Benedikt XVI. verfassen wird.
Es sei – so der Kardinal – eine Art Kursbuch, um die Meßfeier in den Pfarreien neu zu akzentuieren und
zu leben.
Bei allen wichtigen liturgischen und theologischen Diskussionen sei ihm – so Kardinal Meisner –
eines wieder neu klargeworden:
„Welch ein Glück es ist, daß es bei uns den Primat des Papstes gibt.“
Das sei für ihn auf der Bischofssynode fast mit den Händen greifbar gewesen: „Ohne Petrus fällt die
Kirche auseinander.“
Das Amt des Papstes ermögliche es den Bischöfen, ihre Probleme frei und unbeschwert
zu diskutieren und danach sagen zu können:
„Das geben wir jetzt dem Papst zur Prüfung in die Hand.“
Vielen Bischöfen sei auf der Synode vor Augen geführt worden, was sie vielleicht nicht mehr recht im
Bewußtsein hatten:
„Wir haben es in der Eucharistie wirklich mit einem konkreten Du, mit Jesus Christus
selbst, in seiner Gottheit und Menschheit zu tun. Die Transsubstantiation ist die Verwandlung der ganzen
Substanz des Brotes in die Substanz des Leibes Christi und der ganzen Substanz des Weines in die Substanz
seines Blutes.“
Hier komme der Mensch in die Gleichzeitigkeit und in Gleichräumlichkeit mit Jesus.
Das Damals werde in der Eucharistie jedes Mal von neuem zum Jetzt. Das müsse in der Kirche wieder stärker
deutlich werden.
Fast jeder dritte Synodenvater habe deshalb den Weltjugendtag in Köln und
die abendliche
Anbetung am Marienfeld erwähnt.
Warum es in Köln zahlreiche Widerstände beim Organisieren der Anbetung
gegeben habe – wird der Kardinal gefragt.
Einige seien gegenüber der Sakramentsprozession und der Aussetzung
des Allerheiligsten sehr skeptisch gewesen, antwortet der Kirchenfürst.
Man habe argumentiert, das sei
unliturgisch.
Außerdem habe man eingewendet, daß man eine Million junger Leute nicht zur Stille, zur
Sammlung und zur Anbetung führen könne.
Zur Frage, was die Anbetung für die Ökumene bedeute, verweist
Kardinal Meisner auf „viele evangelische Christen“, bei denen die eucharistische Anbetung am Weltjugendtag
einen bleibenden Eindruck hinterlassen habe.
Protestanten würden sich jetzt fragen, ob sie in ihr gottesdienstliches
Leben nicht auch Formen der Anbetung integrieren können.
Die Kirche würde ihre Erfahrungen mit der
Anbetung gerne auch den Protestanten zur Verfügung stellen. Anbetung geschehe schließlich auch über
die Eucharistie hinaus.
Gleichzeitig unterstrich der Kardinal, daß die Anbetung in der Eucharistie ihre
Herzmitte besitze:
„Wir sehen, was wir anbeten – Christus, den Sohn des lebendigen Gottes – in dieser
unscheinbaren eucharistischen Hostie.“
Das sei kein „Zeichen der Spaltung“, betont Kardinal Meisner:
„Die Anbetung ist ein Zeichen der wesentlichen Verschiedenheit unserer Eucharistie-Auffassungen.“ Das
sei eine Folge der Spaltung.
Was er – so die letzte Frage – einem konfessionsverschiedenen Ehepaar sage,
bei dem der eine Partner katholisch und der andere evangelisch sei und die zusammen zur heiligen Kommunion
wollten.
Er würde den beiden raten, daß jeder Christus in seiner Weise nachfolge – wie das jedem bisher
gegeben sei und wie die Kirche das lehre:
„Subjektive Empfindungen dürfen nicht zur Norm der Praxis
werden.“
Hier dürfe es nicht zu Kompromissen kommen, die gar keine sind. Es handle sich vielmehr um
Überschreitungen von Grenzen. Man könne diese nur einmal in eine Richtung überschreiten – um dann für
immer dort zu verbleiben:
„Der Christ ist nach unserem katholischen Verständnis das, was er ißt. Ich
kann nicht in die Kirche eingefleischt werden, indem ich den Leib Christi zu mir nehme – aber selbst nicht
dazugehören will.“
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