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Dienstag, 25. Oktober 2005 11:22
Die Klosterkirche wird ein Wohlfühltempel
In einem Redemptoristenkloster bei Bonn sind die Patres gerade mit Zumachen beschäftigt. Die Anlage wird verscherbelt. Wenigstens die Fassade bleibt.
Außenansicht des Redemptoristenklosters von Geistingen
Außenansicht des Redemptoristenklosters von Geistingen
(kreuz.net, Hennef) Das Redemptoristenkloster von Geistingen beherrschte seit über hundert Jahren das Ortsbild der Gemeinde, die zur Stadt Hennef gehört.

Hennef befindet sich rund 15 Kilometer östlich von Bonn.

Am 8. Januar 2006 soll in der Klosterkirche die letzte Messe zelebriert werden. Bis zum 31. März werden die 13 Patres und Brüder den Ort ganz verlassen haben.

Das berichtete der ‘Rhein Sieg-Anzeiger’ Mitte Oktober.

Der Orden der Redemptoristen wurden 1732 vom heiligen Alfonsus von Liguori als Missionsorden gegründet.

Seit dem Ende des Zweiten Vatikanums erlebt der Orden einen stetigen Niedergang.

Das zukunftslose Redemptoristenkloster in Geistingen kann auf eine glorreiche Vergangenheit zurückschauen. Es diente als Konferenzzentrum, Waisenhaus und bis 1996 sogar als philophisch-theologische Hochschule.

Überleben wird die Fassade. Sie ist denkmalgeschützt.

Für den Innenbereich ist immerhin eine neue Nutzung gefunden worden.

Die Kirche wird zum Massagetempel und zur Wohlfühloase.

Im Klosterbereich entstehen Wohnungen.

Der Grundstein für das Gebäude wurde am 19. März 1902 gelegt. Im Jahre 2003 konnte man gerade noch das 100jährige Bestehen feiern.

Doch damals war das Schicksal des Hauses schon besiegelt. Denn der Orden beschloß bereits im Jahr 2001, das Kloster aufzugeben.

Die Klosterkirche
Die Klosterkirche
Jetzt ist die Klosterkirche von einem Hennefer Geschäftsmann und dem indischen Physiotherapeuten Balbier Singh gekauft worden.

In Absprache mit dem Denkmalschutz werden im Gotteshaus Zwischendecken eingezogen.

Danach werden in unterschiedlichen Bereichen Massagetechniken verschiedener Traditionen angeboten.

Singh sei selber sehr religiös.

Er wollen „in dem Objekt“, das ihn sofort begeisterte, „den Glauben leben und arbeiten“.

In einem speziellen VIP Trakt will der Inder auch weiterhin die Prominenten betreuen, die er in seiner Karriere kennenlernte. Zu ihnen gehört der Formel-1-Fahrer Michael Schumacher,

Ende 2006 will Singh aufmachen.

Im denkmalgeschützten Klosterbau werden 52 anspruchsvolle Eigentumswohnungen entstehen. Balkone sollen noch angebaut werden.

Andere äußere Veränderungen an der Fassade wird es nicht geben.

Der Anbau aus der kirchlichen Aufbruchszeit der 60er Jahre wird abgerissen.

Zehn weitere Wohnungen entstehen in den ehemaligen Stallungen.

Außerdem sind auf dem großen Klostergelände Reihen- und Doppelhäuser geplant.

„Das ist schon gewöhnungsbedürftig“, gesteht der letzte Superior des Klosters.

Die überlebenden Redemptoristen werden in andere Häuser abgezogen.

Auch Papst Benedikt XVI. nützte die Klosterbibliothek
Auch Papst Benedikt XVI. nützte die Klosterbibliothek
Was mit den 180.000 Bänden der Bibliothek passiert, weiß niemand.

Etwa 20.000 Bücher kommen nach Rom.

Über das Kloster Geistingen schreibt auch der ehemalige Bonner Theologieprofessor Joseph Ratzinger in seiner Autobiographie.

Der jetzige Papst benützte während der Semesterferien in Geistingen oft die Bibliothek.

Er organisierte dort auch seine regelmäßigen Schülertreffen, von denen das jüngste im September in der päpstlichen Sommerresidenz Castel Gandolfo stattfand.

Für das Redemptoristenkloster gab es Alternativen.

Die von Erzbischof Marcel Lefèbvre gegründete Priesterbruderschaft Pius X. hätte das Kloster gerne gekauft.

Aber der zuständige Erzbischof von Köln, Joachim Kardinal Meisner, legte sein Veto ein.

Er hätte sich mit einer solchen Lösung nicht wohlgefühlt.
12 Lesermeinungen:
Freitag, 5. Mai 2006 14:24
Isidor: Redemptoristenkloster In Bochum wird auch verscherbelt !
Auch das Redemptoristenkloster „Maria Hilf“ in Bochum am Imbuschplatz – soll vom Orden in Kürze verscherbelt werden. Der Preis dafür ist eine Farce, man könnte sagen – es ist fast zu verschenken.
Die große nach dem Krieg wiedererrichtete Klosterkirche steht inmitten einer sehr großen und schön begrünten Klostergartenanlage am Rande der Innenstadt.
Warum der Orden keinen Nachwuchs hat, das sollten sich die Ordensoberen mal selbst fragen. Wer dort die „Veranstaltungen“ – früher heilige Messen genannt, besucht – weiß warum selbst die Jugend sich abwendet. Unter anderem Karnevals“gottesdienste“ mit mehrmaligem Tusch während der Predigt.
Erschütternd auch das Veto von Kardinal Meissner beim Kloster in Geistingen – man erkennt immer mehr, wer er wirklich ist.
Mittwoch, 26. Oktober 2005 09:21
Laurentius2: @Toby/ in der Tat offenbar keine Absprachen
… gibt es zwischen diesen guten Oberhirten. Das sah man zuletzt deutlich bei Meisners letzter Auseinandersetzung mit Paul Spiegel. Wenn so einem in der Regel fast zu bravem aber römisch(!)-katholischen Bischof keiner seiner „Confratres“ öffentlich zur Seite springt, fragt man sich in der Tat, ob sich diese „römische Fraktion“ überhaupt schon jemals zusammengesetzt geschweige denn ihre Politik koordiniert haben.

Von den regelmäßig zusammen speisenden Rotarierbischöfen (à la Lehmann) lernen hieße vielleicht auch mal siegen lernen …

Hoffnungszeichen: Die konzertierte Kritik am Pseudo-Katholikentag im letzten Jahr bleibt hoffentlich keine Ausnahme !
Dienstag, 25. Oktober 2005 21:19
Toby: pro Meisner,Müller, Mixa, Schick, Haas
Laurentius2 schrieb: Man kann die postkonziliare Kirche aus vielen Gründen kritisieren. Doch sollte man doch nicht diejenigen Oberhirten verurteilen, die in der Amtskirche unermüdlich dafür arbeiten, daß auch noch IN DER AMTSKIRCHE der alte Glaube weitergegeben wird, so wie dies die Bischöfe Müller, Schick, Mixa, Haas (u.a.) auch tun und Dyba, Krenn (u.a.) lange Zeit getan haben.

@ Laurentius2

Die genannten exzellenzen sind zwar rechtgläubig, allerdings darf man ihre Führungsqualitäten auch nicht überschätzen. Innerhalb der Deutschen Bischofskonferenz waren sie beispielsweise noch nie fähig oder willig, gewissermaßen eine eigene „konservative Fraktion“ mit einer gemeinsamen Vorgehensweise und einer eigenen Strategie zu entwickeln. Warum hatten sich bespielsweise Meisner, Mixa, Braun und Dyba damals nie auf eine gemeinsame Strategie in puncto Schwangerenkonfliktberatung einigen können? Mit der alten Messe hatte selbst ein Dyba nichts am Hut, Müller hat bis heute keine Indultmesse genehmigt, Mixa hat der Katholischen Universität kein besonderes katholisches Profil vermitteln können, Schick gilt allgemein als Softy …

Bei allem Respekt: Rechtgläbigkeit allein macht noch keinen guten Bischof als Führungspersönlichkeit aus!
Dienstag, 25. Oktober 2005 19:02
Wenn man ein Herz für die Heilige Römische Kirche hätte, würde man dieses Kloster umsonst an die stark wachsende Redemptoristenkongretation CssR von Papa Stronsay schenken. Diese sind mit der FSSPX verbunden, wurden von Erzbischof Marcel Lefebvre errichtet Mitte achtziger Jahre, und feiern sowohl die westliche als die ostlichen Liturgien. Sie wachsen. Mit jungen Leuten.

Was geschieht mit den modernistischen Klostern? So. Die werden zugemacht.

Und darf ich allen konziliaren Modernismusgläubigen Katholiken viel Glück wünschen mit diesem Neuen Pfingsten des II. Vatikanums?

Ecce civitas Sancti facta est deserta.
Dienstag, 25. Oktober 2005 17:36
Stimme aus dem Tradiland: Ausverkauf von kulturellem Tafelsilber
Interessant sind unter anderem folgende Kommentare:

Ausverkauf von kulturellem Tafelsilber

und

WM 2006 schuld am schnellen Kloster-Verkauf

Die Bitterkeit derer, die sich noch ein Gefühl für Tradition, Heimat, Kirche, Kultur (in traditionellem Sinne) und Glaube bewahrt haben, dürfte groß sein. Regional dürfte das schon länger ein Thema sein – siehe dazu weitere Links bei den beiden Artikeln.
Dienstag, 25. Oktober 2005 16:16
Laurentius2: @Bernardo/Stimme aus dem Tradiland
Lieber Bernardo,
ich stimme Ihnen – wie des öfteren – herzlich zu.

Dennoch sollten Sie zur Kenntnis nehmen, daß dies hier kein FSSPX-Forum ist. Ich selbst bin ebenfalls kein Mitglied dieser Vereinigung, doch ich kann aus einigen Gesprächen mit wirklichen Mitgliedern berichten, daß diese Katholiken sehr umsichtig und klug reden, die Krise eben nur am radikalsten – meistens in der Sache zutreffend – anprangern.
Ein führendes Laien-Mitglied sagte einmal vor einem größeren Publikum, daß sich etliche Personen im Internet als Pius-Sympathisanten bezeichnen, aber nicht für die FSSPX sprechen könnten. Sie schadeten aber dem Ansehen der Priester(!)bruderschaft durch ihre manchmal überdrehten Äußerungen im Internet, da die meisten Leser solche Leute als Repräsentanten ansähen.
Deshalb: Fahren Sie mal selbst zu einem der vielen hochwissenschaftlichen Vorträge im ganzen Land über die Krise der Kirche und reden Sie mit diesen Leuten.

Dann können Sie sich wirklich ein Urteil bilden.
Dienstag, 25. Oktober 2005 15:58
Stimme aus dem Tradiland: Zu Cardinal Meisners unverantwortlichem Schwachsinn
gebe ich hier wieder, was Brandenburgis über ihn am 24. Oktober 2005 in diesem Forum schrieb: Der Kardinal ist ein Schönredner, der der Kirche extrem geschadet hat. Auf dessen permanent abgesondertes Geplappere einzugehen ist wahrlich Zeitverschwendung.

Zu Bernado wäre noch zu sagen, dass es auch unauffälligere Lösungen gegeben hätte, das Gebäude zur geistl. Weiterverwendung der Tradition zur Verfügung zu stellen, z.B. über den Verkauf an eine wenig bekannte Ges.m.b.H. oder einen wenig bekannten Verein. Ich frage mich auch, warum FSSPX in solchen Fällen überhaupt noch offen, d.h. unter eigenem Namen auftritt. Vernünftiger wäre, mit einem Strohmann zu arbeiten.

Die Entscheidung des Cardinals ist eine riesen Sauerei und der größte Skandal daran ist das Schicksal der Bibliothek. Diese ist ein geschlossener Bestand, daraus 20.000 Bände zu entfernen, löst das Problem keineswegs. Was ist mit den 160.000 anderen Bänden – werden diese nach bewährter V2-Methode auf den Mist gehaut?

Kürzlich stand ich übrigens in der ehemaligen Kapelle eines „kleinen“ Seminars, welche nun der Empfangsraum eines „Gesundheitszentrums“ ist. Die Entscheidung zur Profanisierung fällte dort Bischof Krenn.

Aus beiden Beispielen ergibt sich: Der Verrat der halbkonservativen Bischöfe ist noch schlimmer – denn nach außen zeigen sie Fassade (im wesentlichen: Blabla), hintenrum agieren sie mit der gleichen Berserker-Zerstörungswut wie ihre bekannt modernistischen Brüder im Bischofsamt.
Dienstag, 25. Oktober 2005 14:16
Bernado: @benedikt78
Sie schrieben:Schade eigentlich. Ich war am Weltjugendtag und habe ein sehr gutes Bild von Erzbischof Meisner mitgenommen. Und nun das… Irgendwie kann ich es nicht nachvollziehen, warum man sich nicht wohl fühlen kann, wenn die Priesterbruderschaft die Liegenschaft gekauft hätte.

Dann geben sie sich beim Nachvollziehen doch ein wenig mehr Mühe: Die Lage der deutschen Bischöfe, die nicht voll auf der progressiven Linie stehen, ist sehr schwierig. Sie sind nicht nur in der Bischofskonferenz eine Minderheit, sondern werden auch innerhalb ihrer Diözesen vielfach angefeindet – und das oft sehr wirkungsvoll, weil die Progressisten natürlich gute Verbündete in den Medien haben. Denken Sie nur an den Zorn, den Kardinal Meissner auf sich zog, weil er es gewagt hat, eine Pfarrei in die Hände des Opus Dei zu geben – und dann dort auch noch die Seminaristen zum Treffen mit dem Papst zu versammeln.

Außerdem verfügen die Anhänger der FSSPX – hier im Forum kann man es täglich besichtigen – nun wirklich oft nicht über die Gnade, sich verständlich und nachvollziehbar auszudrücken. Mit einer bedeutenden Ansiedlung der FSSPX bei Köln hätte der Kardinal, der schon genug Feuer auf dem Dach hat, sich ein weiteres Problem eingehandelt – kein Wunder, daß er dabei kein gutes Gefühl hatte. Auch für Kardinäle gilt: Ultra posse nemo tenetur.
Dienstag, 25. Oktober 2005 13:10
Benedikt78: Von Klosterkirche zu Wohlfühltempel
Schade eigentlich. Ich war am Weltjugendtag und habe ein sehr gutes Bild von Erzbischof Meisner mitgenommen. Und nun das… Irgendwie kann ich es nicht nachvollziehen, warum man sich nicht wohl fühlen kann, wenn die Priesterbruderschaft die Liegenschaft gekauft hätte.

Auf der anderen Seite auch konsequent. Schliesslich ist der indische Physiotherapeut Barbier Singh sehr religiös. Die Frage ist nur, welcher exotischen Religion er angehört. Aber sehen wir doch auch die Vorteile: Nun können die Reichen und Schönen in den historischen Gemäuern ihren Körper verschönern, massieren und begutachten lassen. Das passt doch perfekt in die heutige Zeit. Dem Körper, als Tempel der Seele, wird gehuldigt. Das ist doch schon viel! Dass das Seelenheil zu kurz kommt, scheint da vertretbar. Hauptsache die Priesterbruderschaft steht aussen vor!

Ganz ehrlich: Bei dieser Entscheidung fühle ICH mich nicht wohl!
Dienstag, 25. Oktober 2005 12:11
Sulpicius: @Laurentius2
Korrekt, bloß fragen diese Eminenzen und Exzellenzen nicht nach dem letzten Grund der Krise (vielleicht wollen sie ihn ja auch gar nicht kennen).
Dienstag, 25. Oktober 2005 11:48
Laurentius2: pro Meisner,Müller, Mixa, Schick, Haas
Man kann die postkonziliare Kirche aus vielen Gründen kritisieren. Doch sollte man doch nicht diejenigen Oberhirten verurteilen, die in der Amtskirche unermüdlich dafür arbeiten, daß auch noch IN DER AMTSKIRCHE der alte Glaube weitergegeben wird, so wie dies die Bischöfe Müller, Schick, Mixa, Haas (u.a.) auch tun und Dyba, Krenn (u.a.) lange Zeit getan haben. Auch wenn das ganze System zT eine Fehlkonstruktion der 60er/70er Jahre ist, beten wir doch für die guten Oberhirten, die sich in ihm abmühen. Schließlich entstammt auch unser Papst diesen (lichten) Reihen …
Dienstag, 25. Oktober 2005 11:39
Sulpicius: Erzbischof von Köln, Joachim Kardinal Meisner
… hat sich nicht wohlgefühlt. Ich fühle mich in der postkonziliaren Kirche auch oft nicht wohl… Abgesehen davon, ist Wohlfühlen eigentlich keine Kategorie des Glaubens.
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