Kaffeekränzchen mit den Heiligen
Direkt nach dem Sterben begegnet die menschliche Seele im persönlichen Gericht ihrem Richter. Dieser wird durch einen göttlichen Urteilsspruch über ihr ewiges Schicksal entscheiden.
Johannes vom Kreuz († 1591): An jenem Abend des Lebens werden wir nach der Liebe gerichtet werden.Ein katholischer Dogmatiker: Und bei diesem Gericht gehen die Seelen der Gerechten – die im Augenblick des Todes von aller Sündenschuld und Sündenstrafe frei sind – in den Himmel ein.
Ein blutiger Anfänger: Was sind die „zeitlichen Sündenstrafen“?
Ein katholischer Dogmatiker: Die zeitlichen Sündenstrafen sind die Genugtuung, die der Christ für die Sünden leisten muß, die ihm in der Beichte bereits vergeben wurden. Darum ist es wichtig, daß wir für unsere Sünden das ganze Leben hindurch Buße tun. Nur wenn die Seele von Sünden und zeitlichen Sündenstrafen ganz rein ist, kommt sie sofort in den Himmel.
Heilige Gianna Beretta Molla († 1962): Unsere Reinheit können wir bewahren, indem wir unseren Körper mit der Hecke des Opfers umgeben.
Ein katholischer Dogmatiker: Tatsächlich werden nur die reinen Seelen – so lehrt Papst Benedikt XII. in seiner dogmatischen Konstitution ‘Benedictus Deus’ (1336) – sofort nach dem Tod in den Himmel eingehen. Diese Seelen schauen Gott unmittelbar und von Angesicht zu Angesicht. Gott bietet sich ihnen unverhüllt, klar und offen an. Wegen dieser Schau und dieses Genusses sind sie wahrhaft glückselig.
Ein blutiger Anfänger: Wie kann man sich das vorstellen?
Der heilige Paulus (†um 65): Kein Auge hat gesehen und kein Ohr hat gehört, und in keines Menschen Herz ist gedrungen, was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben.
Ein katholischer Dogmatiker: Du sprichst ein großes Wort gelassen aus, verehrter Völkerapostel. Wir können über die Glückseligkeit im Himmel nicht viel sagen. Nur: Die Gerechten empfangen als Lohn ewiges Leben und eine Herrlichkeit, die in keinem Verhältnis zu den irdischen Leiden steht. An die Stelle unserer unvollkommenen irdischen Gotteserkenntnis tritt im Himmel die unmittelbare Anschauung Gottes.
Cyprian von Karthago († 258): Welcher Ruhm, welche Lust wird es sein, zugelassen zu werden, um Gott zu schauen – der Ehre gewürdigt zu werden, mit Christus dem Herrn und Gott, die Freude des ewigen Heils und Lichts zu genießen.
Ein katholischer Dogmatiker: Der Himmel ist tatsächlich ein Ort und Zustand vollendeter übernatürlicher Glückseligkeit, die in der ummittelbaren Anschauung Gottes und der damit verbundenen vollkommenen Gottesliebe ihren Grund hat.
Heilige Theresa de Jesus de los Andes († 1920): Wie habe ich Sehnsucht gehabt, diese Glückseligkeit zu finden: Ich habe sie überall gesucht. Eines Tages habe ich begriffen, daß ich nicht für die Dinge dieser Erde geboren bin, sondern für die Dinge der Ewigkeit.
Ein katholischer Dogmatiker: Wahrhaft, die Ewigkeit ist eine erhabene Vorstellung. Wir suchen die himmlische Seligkeit, die ewig dauert. Die Schau und der Genuß Gottes wird nicht unterbrochen werden und sich niemals vermindern – bis zum Endgericht, wenn die Seele ihren Leib wiedererhält, und von da an in alle Ewigkeit.
Augustinus († 430): Natürlich muß die Glückseligkeit ewig dauern. Die Ewigkeit leitet sich aus dem Begriff der Glückseligkeit ab. Wie kann jemand wahrhaft glücklich sein, wenn er weiß, daß seine Freude keinen Bestand haben wird?
Ein katholischer Dogmatiker: Du sagst es. Doch Origenes – kein Wunder, wurde er nie ein Heiliger der Kirche – behauptete, daß die Seligen im Himmel einer sittlichen Veränderung unterliegen können. Damit könnte sich – würde man Origenes glauben – die Seligkeit im Himmel vermindern oder gar verloren gehen. Dann wäre es vorbei mit der Ewigkeit.
Petrus († 64): Welch ein Irrsinn, den der ansonsten so begabte Origenes erzählt! Wir kämpfen um einen nie verwelkendenden Kranz der Herrlichkeit.
Ein katholischer Dogmatiker: In der Brandung der Irrlehren müssen wir auf den Felsen Christi vertrauen. Wir müssen in Sachen ewiger Seligkeit der Geretteten aber noch einen anderen Aspekt betrachten: ihre Ungleichheit. Der Grad der himmlischen Seligkeit ist bei den einzelnen Seligen verschieden je nach dem Maß ihrer Verdienste.
Ein blutiger Anfänger: Heißt dies, daß im Himmel der Kleinere dem Größeren gegenüber einen Nachteil oder gar Neid empfinden könnte?
Ein katholischer Dogmatiker: Das wäre ein Trugschluß. Nimm das Beispiel eines großen Fasses und eines winzigen Schnapsglases. Wenn man sie bis zum Rande anfüllt, sind beide in gleicher Weise voll, dennoch enthalten sie natürlich eine unterschiedliche Menge.
Die Seelen der Heiligen schauen alle die heilige Trinität – jedoch entsprechend der Menge ihrer Verdienste. Der eine bekommt mehr mit als der andere, doch erfüllt sind beide.
Tertullian († 220): Darauf scheint mir Christus selber hinzuweisen, wenn er sagt: „Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen“ (Joh 14). Wozu gibt es viele Wohnungen beim Vater, wenn nicht aufgrund der Verschiedenheit der Verdienste?
Ein katholischer Dogmatiker: Doch der deutsche Reformator Martin Luther hat mit seiner äußerlichen Anrechnung – und nicht innerlichen Einverleibung – der Gerechtigkeit Christi nichts anderes gelehrt, als daß im Himmel alle Seligen genau gleich sind.
Paulus: Welch ein Trugschluß, Martin! Jeder wird seinen Lohn empfangen gemäß seiner Arbeit. Wer spärlich sät, wird auch spärlich ernten. Wer reichlich sät, wird auch reichlich ernten.
Bernhard von Clairvaux († 1153): Darum, liebe Leute, laßt uns nach der Heiligkeit streben: Wer in diesem Leben heilig werden will, muß sein wie eine Lilie unter Dornen, die nicht aufhört Lilie zu sein, auch wenn sie von den Dornen gestochen wird.
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Mittwoch, 2. November 2005 07:14
Le Trot: @Redaktion
Vergelt’s Gott für diese die Seele erfreuende Zusammenstellung von Texten.
Mittwoch, 2. November 2005 05:38
mrnka: Allerheiligen
Vielen Dank für die Zusammenstellung der Texte.
Mittwoch, 2. November 2005 00:56
Benedikt: Wirklich…
…das ist eine sehr schöne Reihe, die die Redaktion da begonnen hat.
Dienstag, 1. November 2005 21:44
Aurelius: Sehr gut!
Eine sehr gute Zusammenstellung. Herzlichen Dank an kreuz.net!
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