Die einen flüchten sich in Alkohol, Drogen, Selbstmord und Sekten, die anderen besinnen sich auf die Religion. Der religiöse Mensch als Mängelwesen?
(kreuz.net, Innsbruck) Ende November sprach der gefragte Wiener Pastoraltheologe, Paul Zulehner, in einem
Interview mit der Tiroler Tageszeitung.
Im Interview fand Zulehner die Erklärung, warum sich die Leute
heute angeblich wieder stärker spirituellen Dingen zuwenden.
Der moderne Lebensstil lasse in vielen
Menschen das Gefühl entstehen, daß etwas in ihrem Leben fehle. Sie fühlten sich seelisch krank. Aus
diesem Zustand wollten sie entkommen, meint der Pastoraltheologe im Interview.
Den Versuch, der Leere
des Alltags zu entkommen, nennt Zulehner eine „Respiritualisierung“.
Auf den Einwand, daß diese an der
immer leerer werdenden Kirche vorbeizugehen scheine, meint der Pastoraltheologe, die Kirchen müßten
sich darauf vorbereiten wieder die spirituellen Anlaufzentren zu werden.
Daß dies nicht der Fall sei,
liege auch daran, daß die Priester heute zuviele Pfarreien hätten und deshalb immer weniger auf die
Einzelnen eingehen könnten. Damit würden sich die Leute „Ersatzreligionen“ zuwenden.
Darum „sind die
Kirchen heute spirituell schwach“. Sie seien aber, Gott sei Dank, „sozial stark“: „Es bräuchte vor allem
spirituell stärkere Gottesdienste.“ Die Leute suchten die direkte Gotteserfahrung, die sie in den Gottesdiensten
aber nicht fänden.
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Die Kirche in der Brave New World Prof. Zulehner – obwohl Modernist – hat in vielem, was er an Praktischen
sagt, Recht. Die Menschen fühlen sich verloren. Die Menschen würden so dringend die Stütze der hl.
Mutter Kirche brauchen, der Sacramente, der göttlichen Gebote, um im Alltag den Weg zu wissen. Jesus
empfand im Evangelium mit den Leuten Mitleid, denn sie kamen Ihm wie Hirten ohne Schafe vor. Diese Diagnose
gilt nach wie vor. „Denn unruhig ist unser Herz bis es Ruhe findet in Dir, o Herr.“ Doch wo lernt der
heutige Mensch in der Brave New World noch die Lehre der Kirche? Nicht im Religionsunterricht, denn da
wird getanzt und discutiert. Zuhause auch nicht, denn die Eltern sind der Religion auch schon fern und
haben zumeist den selben Religionsunterricht ohne Glaubensvermittlung „genossen“. Bleiben noch die Massenmedien
als Lehrer der Gesellschaft, doch die erwähnen die Kirche nur, wenn es neue Skandale gibt. Die Menschen
sind also auf sich alleine gestellt, und die Beeinflussung, die sie von diesen vielen Factoren her erfahren,
führt sie noch mehr von der Kirche Gottes weg. Wir Privilegierten, die wir die göttliche Wahrheit –
Jesus Christus – kennen, unsere Verpflichtung ist umso größer: einerseits, der empfangenen Riesengnade –
denn riesig muß sie heute wirklich sein – würdig zu werden, andererseits für unsere Zeitgenossen vor
Gott einzustehen.