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Mittwoch, 2. November 2005 19:38
Was führt die israelische Regierung im Schild?
Die rechtsnationale Regierung Scharon weigert sich, den neuen griechisch-orthodoxen Patriarchen anzuerkennen. Der Patriarch vermutet, daß Erpressung dahintersteckt.
Anfang Oktober traf der neue Patriarch von Jerusalem, Theophilus III., den Palästinenserpräsidenten Mahmoud Abbas
Anfang Oktober traf der neue Patriarch von Jerusalem, Theophilus III., den Palästinenserpräsidenten Mahmoud Abbas
(kreuz.net, Jerusalem) Im Mai wurde der bisherige griechisch-orthodoxe Patriarch von Jerusalem nach einem riesigen Skandal wegen Verschleuderung von Kirchengut abgesetzt.

In der Zwischenzeit wählte der Heilige Synod von Jerusalem im August Theophilus III. zum neuen griechisch-orthodoxen Patriarchen.

Doch die israelische Regierung unter Ariel Scharon weigert sich, das neue orthodoxe Kirchenoberhaupt anzuerkennen.

Das berichtete die internationale Nachrichtenagentur ‘Asianews’.

Theophilus III.
Theophilus III.
Die Tradition einer Anerkennung des griechisch-orthodoxen Patriarchen durch die jeweiligen Machthaber reicht in die Zeit der türkisch-osmanischen Herrschaft im Heiligen Land zurück.

Der Patriarch braucht de facto eine Anerkennung der israelischen Regierung, um im Namen des Patriarchates weltliche Geschäfte wie Kaufen, Verkaufen und Bankgeschäfte abzuwickeln.

Es scheint, daß die Regierung Scharon die Ausstellung des Dokumentes von der Anerkennung dunkler Geschäfte abhängig machen will, die der abgesetzte Patriarch Irenaios I. mit jüdischen Spekulanten und ohne die notwendige Zustimmung seiner Kirche in der Jerusalemer Altstadt getätigt hat.

Es geht konkret um die Abtretung von Gebäuden im christlichen Teil der Altstadt an jüdische Siedler.

Die dunklen Geschäfte seines abgesetzten Vorgängers gelten als ungültig, weil sie ohne die notwendige Zustimmung des ‘Heiligen Synods’ und für Spottpreise abgewickelt wurden.

Der ‘Heilige Synod’ ist das Beratergremium um einen orthodoxen Patriarchen.

Angesichts der Weigerung der Regierung Scharon wandte sich der neue griechisch-orthodoxe Patriarch am 26. Oktober an den Obersten Gerichtshof des Staates Israel.

Der aus Israel stammende Franziskaner und Kirchenrechtler, Pater David-Maria A. Jaeger OFM erklärte vor ‘Asianews’, daß die Anerkennung des griechischen Patriarchen durch die israelische Regierung rein juristisch nicht notwendig sei.

Viele private und öffentliche Körperschaften des täglichen Lebens wie Banken, Gesellschaften, Grundbuchämter und Behördeagenturen würden aber auf ein solches Schreiben bestehen.

Das Fehlen einer Anerkennung führe darum zu großen praktischen Schwierigkeiten in der Verwaltung der zeitlichen Güter der orthodoxen Gemeinschaft.

„Da die Weigerung der Regierung keine Rechtsgrundlage besitzt und außerdem mit den Grundprinzipien des Rechtssystems unvereinbar ist, könnte der Patriarch seinen Rekurs direkt gegen die Notwendigkeit einer Legitimierung durch den Staat richten.“

„Es wäre fast sicher, daß das Oberste Gericht zu seinen Gunsten entscheiden würde, wenn er so argumentieren und auf die Religionsfreiheit Bezug nähme.“

Doch der Patriarch scheint – so Pater Jaeger – vor Gericht eine andere Taktik gewählt zu haben.

Er wolle die Notwendigkeit seiner Anerkennung durch die Regierung nicht direkt in Frage stellen, sondern erklären, daß ihm das Dekret aus ungerechten Gründen – die im wesentlichen in einer Erpressung bestünden – verweigert werde.

„Das ist eine sehr schwere Anklage gegen die Behörden – mit welcher der Patriarch und seine Institution auf jeden Fall wird leben müssen“, erklärt Pater Jaeger.

Die Scharon-Regierung werde darauf „fast sicher“ mit Empörung reagieren und diese Beschuldigungen von sich weisen.
3 Lesermeinungen:
Dienstag, 15. November 2005 19:57
GerdEric: nun ja
da ist viel vages und scheinbares und mögliches im Dunkel des Patriachen Geschäft.
Der fruchtbare Boden für die, die da ablenken und neue Geschichten schmieden wollen und denen geht es nur um unterstellten Reibach.
Soll sich der Patriach doch von Abbas die Anerkennung geben lassen…

Ps.: divide et impera ist eine „römische“ Maxime…
Donnerstag, 3. November 2005 11:06
Robert Ketelhohn: Ergänzung
Zitat: »… Die dunklen Geschäfte seines abgesetzten Vorgängers gelten als ungültig, weil sie ohne die notwendige Zustimmung des ‘Heiligen Synods’ und für Spottpreise abgewickelt wurden.«

Ich darf daran erinnern, daß auch der vorige, nun abgesetzte Patriarch Irenæus vom zionistischen Régime zunächst nicht anerkannt wurde. Es wurde heftig gegen ihn polemisiert, weil er zu palästinenserfreundlich sei.

Irgendwann bekam er dann doch die Anerkennung. Etwas später wurde die Nachricht über jene „finsteren Geschäfte“ lanciert, was nun gerade die arabischen Christen gegen ihn (und teils überhaupt gegen „die Griechen“, die angeblich mit den Zionisten kollaborierten) aufbrachte.

Irenæus beharrt darauf, er habe mit jenen Geschäften nichts zu tun gehabt, sei also von untreuen Mitarbeitern hereingelegt worden. Der Synod hat ihm das nicht geglaubt, nicht zuletzt natürlich angesichts des zu besänftigen Zornes der arabischen Christen. Aber wie dem auch sei, daß Irenæus hereingelegt und in eine Falle gelockt wurde, ist offensichtlich, mag er sich die Hände schmutzig gemacht haben oder nicht.

Ebenso offensichtlich setzt das Régime diese anscheinend erfolgreiche Politik fort: divide et impera, »teile und herrsche«, ist das Motto. Im Hintergrund bald mit diesen, bald mit jenen mauscheln. Die Christen spalten und gegeneinander aufbringen. Und dabei immer an den eigenen Reibach denken.
Mittwoch, 2. November 2005 20:02
Yersinia: ganz schlau werde ich aus dem Artikel nicht
so, wie ich es verstehe, führen da wohl beide Seiten „etwas im Schilde“ – wobei die tatsächlichen Zusammenhänge, geschweige denn Hintergründe nicht aus dem Artikel hervorgehen; so bleibt es auch im Dunklen, ob nicht vielleicht eine Seite durchaus im Recht ist?
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