19:38:49 | Mittwoch, 2. November 2005
Die rechtsnationale Regierung Scharon weigert sich, den neuen griechisch-orthodoxen Patriarchen anzuerkennen. Der Patriarch vermutet, daß Erpressung dahintersteckt.
(kreuz.net, Jerusalem) Im Mai wurde der bisherige griechisch-orthodoxe Patriarch von Jerusalem nach einem
riesigen Skandal
wegen Verschleuderung von Kirchengut abgesetzt.
In der Zwischenzeit wählte der Heilige
Synod von Jerusalem im August Theophilus III. zum neuen griechisch-orthodoxen Patriarchen.
Doch die israelische
Regierung unter Ariel Scharon weigert sich, das neue orthodoxe Kirchenoberhaupt anzuerkennen.
Das berichtete
die internationale Nachrichtenagentur ‘Asianews’.
Die Tradition einer Anerkennung des griechisch-orthodoxen
Patriarchen durch die jeweiligen Machthaber reicht in die Zeit der türkisch-osmanischen Herrschaft im
Heiligen Land zurück.
Der Patriarch braucht de facto eine Anerkennung der israelischen Regierung, um
im Namen des Patriarchates weltliche Geschäfte wie Kaufen, Verkaufen und Bankgeschäfte abzuwickeln.
Es scheint, daß die Regierung Scharon die Ausstellung des Dokumentes von der Anerkennung dunkler Geschäfte
abhängig machen will, die der abgesetzte Patriarch Irenaios I. mit jüdischen Spekulanten und ohne die
notwendige Zustimmung seiner Kirche in der Jerusalemer Altstadt getätigt hat.
Es geht konkret um die
Abtretung von Gebäuden im christlichen Teil der Altstadt an jüdische Siedler.
Die dunklen Geschäfte
seines abgesetzten Vorgängers gelten als ungültig, weil sie ohne die notwendige Zustimmung des ‘Heiligen
Synods’ und für Spottpreise abgewickelt wurden.
Der ‘Heilige Synod’ ist das Beratergremium um einen
orthodoxen Patriarchen.
Angesichts der Weigerung der Regierung Scharon wandte sich der neue griechisch-orthodoxe
Patriarch am 26. Oktober an den Obersten Gerichtshof des Staates Israel.
Der aus Israel stammende Franziskaner
und Kirchenrechtler, Pater David-Maria A. Jaeger OFM erklärte vor ‘Asianews’, daß die Anerkennung des
griechischen Patriarchen durch die israelische Regierung rein juristisch nicht notwendig sei.
Viele private
und öffentliche Körperschaften des täglichen Lebens wie Banken, Gesellschaften, Grundbuchämter und
Behördeagenturen würden aber auf ein solches Schreiben bestehen.
Das Fehlen einer Anerkennung führe
darum zu großen praktischen Schwierigkeiten in der Verwaltung der zeitlichen Güter der orthodoxen Gemeinschaft.
„Da die Weigerung der Regierung keine Rechtsgrundlage besitzt und außerdem mit den Grundprinzipien des
Rechtssystems unvereinbar ist, könnte der Patriarch seinen Rekurs direkt gegen die Notwendigkeit einer
Legitimierung durch den Staat richten.“
„Es wäre fast sicher, daß das Oberste Gericht zu seinen Gunsten
entscheiden würde, wenn er so argumentieren und auf die Religionsfreiheit Bezug nähme.“
Doch der Patriarch
scheint – so Pater Jaeger – vor Gericht eine andere Taktik gewählt zu haben.
Er wolle die Notwendigkeit
seiner Anerkennung durch die Regierung nicht direkt in Frage stellen, sondern erklären, daß ihm das
Dekret aus ungerechten Gründen – die im wesentlichen in einer Erpressung bestünden – verweigert werde.
„Das ist eine sehr schwere Anklage gegen die Behörden – mit welcher der Patriarch und seine Institution
auf jeden Fall wird leben müssen“, erklärt Pater Jaeger.
Die Scharon-Regierung werde darauf „fast sicher“
mit Empörung reagieren und diese Beschuldigungen von sich weisen.
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#3
GerdEric 19:57:08 | Dienstag, 15. November 2005
#2
Robert Ketelhohn 11:06:12 | Donnerstag, 3. November 2005
#1
Yersinia 20:02:22 | Mittwoch, 2. November 2005