Alte Messe
Gibt es ein kurieninternes Dokument gegen die Alte Messe?
Im August soll in der Römischen Kurie ein Dokument verfaßt worden sein, das sich darum bemüht, eine großzügigere Zulassung des Alten Meßbuches zu verhindern.
(kreuz.net, Mailand) Der Text wurde angeblich im vergangenen August von der Kongregation für den Gottesdienst vorbereitet und trägt die Unterschrift des Kardinalpräfekten Francis Arinze und seines zweiten Mannes, Erzbischof Domenico Sorrentino.

Das berichtete die Mailänder Tageszeitung ‘Il Giornale’ Ende Oktober. Das Blatt gehört zur Belusconigruppe und ist katholischen Themen gegenüber sehr aufgeschlossen.

Der Text der Gottesdienstkongregation soll kein offizielles Dokument des Dikasteriums darstellen, sondern habe nur den Wert einer Meinungsäußerung. Er – Kardinal Arinze – halte eine Liberalisierung des Alten Meßbuches nicht für möglich, weil dieses abgeschafft worden sei.

Der Text wurde offenbar dem Papst übergeben.

Es ist darum wohl kein Zufall, daß Kardinal Arinze am vergangenen 12. Oktober bei einer Pressekonferenz während der Bischofssynode über die Eucharistie erklärte, daß „kein Synodenvater“ sich besonders um die Alte Messe bemüht habe.

In Wahrheit war das Thema nur drei Tage vorher in der Synodenaula von Kurienkardinal Darío Castrillón Hoyos angesprochen worden.

Kardinal Castrillón ist der Präfekt der Kleruskongregation und Präsident der Päpstlichen Kommission ‘Ecclesia Dei’, welcher die pastorale Sorge für die Gläubigen des Alten Ritus anvertraut ist.

Er wünsche sich, erklärte Kardinal Castrillón, daß die Alte Messe im Abschlußdokument der Bischofssynode erwähnt werde und als einer der verschiedenen Riten der katholischen Kirche Anerkennung finde.

Dazu stellt die August-Stellungnahme von Kardinal Arinze und Erzbischof Sorrentino offenbar einen deutlichen Kontrapunkt dar.

Diese Stellungnahme scheint allerdings nicht der Haltung des gegenwärtigen Papstes zu entsprechen.

Der damalige Kardinal Ratzinger hat nämlich verschiedentlich erklärt, daß die Bischöfe den Alten Ritus großzügiger gewähren sollten.

Beim zehnjährigen Jubiläum des Motu proprio ‘Ecclesia Dei’ erinnerte der damalige Präfekt der Glaubenskongregation am 24. Oktober 1998 an die Feststellung von Kardinal Henry Newman († 1890), daß die Kirche in ihrer Geschichte niemals rechtgläubige liturgische Formen einfach abgeschafft oder verboten habe – „das wäre dem Geist der Kirche durchaus fremd“.

Eine rechtgläubige Liturgie sei nie eine bloß pragmatisch geschaffene Zusammenstellung von Zeremonien, die man dann positivistisch heute so und morgen anders verfügen könnte:

„Rechtgläubige Formen eines Ritus sind lebendige Wirklichkeiten, die aus dem liebenden Dialog der Kirche mit ihrem Herrn gewachsen sind, Lebensgestalten der Kirche, in denen sich der Glaube, das Beten und das Leben von Generationen verdichten und in denen das Miteinander von Gottes Handeln und Antwort des Menschen Form gefunden haben“.

Die Autorität der Kirche könne in wechselnden geschichtlichen Situationen den Gebrauch solcher Riten umschreiben und einschränken, „aber sie verbietet sie nie einfach“.
      
11 Lesermeinungen
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#11   Agiafortuni   09:16:48 | Montag, 7. November 2005
Zur Häresie
Häresie ist eine bestimmte Form von Irrtum, die gekenn-zeichnet ist durch willentliche Leugnung von Glaubenswahrheiten. Neben der Häresie gibt es auch die Häresie fördernde Irrtümer (favens haeresim) wie beispielsweise den Oekumenismus, die für das Ohr des Gläubigen verletzend sind und dem Glauben Schaden können. Sie haben die Temerität zur Vorassetzung. Das Vatikanum II hat keine Häresien verkündigt, deren Verbreitung wurde jedoch durch die rheinische Allianz mit ihren liberalen Ideen weitgehend gefördert.
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#10   Irenäus   21:20:57 | Donnerstag, 3. November 2005
@Pelagius
Dem kann ich nur zustimmen; allerdings hätte Athanasius derartiges auch auf den Seiten der FSSPX nachlesen können. Delikat wird die Sache jedoch in den Fällen, wo die formale Häresie eines Bischofs offenkundig wird, und der Papst vermeint, ihn noch als legitimen Bischof behandeln zu müssen. Ein Priester der FSSPX meinte dazu, daß in solchen Fällen die Kirche die fehlende Jurisdiktion ersetzt, weil jener Bischof ja kein Teil der Una Sancta mehr ist.
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#9   Pelagius   21:12:03 | Donnerstag, 3. November 2005
Formelle Häresie
Lieber Athanasius,
danke für Ihre Stellungnahme!
Tatsächlich führt formelle Häresie zum Amtsverlust. Es sollten aber doch zwei Dinge angefügt werden:
1. Im Fall von kirchlichen Amtsträgern muß das Vorliegen formeller Häresie von befugter Stelle (und nicht von der Basis her) festgestellt werden, damit der Amtsverlust auch für die Untergebenen wirksam wird. Ansonsten ist immer von der Vermutung der Amtsinhabe auszugehen.
2. Die „formelle Häresie“ ist genau zu bestimmen. Sie ist erst da gegeben, wo jemand unmittelbar einem verbindlichen Glaubenssatz widerspricht und das auch wissentlich und willentlich tut. Formeller Häretiker ist demnach nicht schon, wer eine schwammige Terminologie benutzt oder theologische Einseitigkeiten verkündet (z.B. stets nur von Jesus als einem Menschen redet). Nicht einmal wer eine tatsächliche Häresie lehrt, ist damit auch bereits formeller Häretiker: Es bedarf erst der Prüfung, ob er den Irrtum nicht bloß materialiter vertritt und angesichts des kirchlichen Glaubenssatzes einlenkt.
Daher Vorsicht mit dem Häresie-Vorwurf und Spekulationen über den Amtsverlust legitimer Bischöfe!
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#8   Athanasius   19:55:19 | Donnerstag, 3. November 2005
–--
Entschuldigung, bitte. Aber Pelagius, willst Du bestreiten, dass es die Lehre der römisch-katholischen Kirche ist, dass Häretiker ipso-facto – ohne weitere Erklärung – ihr Amt automatisch verlieren nachdem ihre Häresie öffentlich geworden ist? Das ist doch klar.
Dem Kampf gegen den Neo-Modernismus ist längst nicht gewonnen. Benedikt XVI. ist kein „Freund des Traditionalismus“. Er will schon eine Verständigung, aber ausschliesslich ohne Kritik an Vaticanum II., Assisi 1986 und 2002, die Nouvelle Théologie (die er selber auch immer vertrat), und den Neo-Modernismus und den Liberalismus. Ich bin kein Nostalgicus dem es „nur“ um die Hl. Messe geht. Es geht um den integralen Glauben.
Wenn ich „Häretiker“ wäre, nur weil ich nicht an der Evolution des Dogmas glaube und immer noch fest an „Mortalium Animos“ (1928), „Pascendi“ (1907), „Humani Generis“ (1950) und „Quanta Cura“ (1867) halte, dann bin ich gerne mit diesen früheren heiligen Päpsten Häretiker.
Ich weigere in einer ökumenischen Kirche mitzuspielen, die ganz gegen die katholische Kirche aller Zeiten aufgesetzt ist. Auch nicht mit Parierungen wie eine „Erweiterung des Indults“. Was bringt schon so etwas?
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#7   Pelagius   18:36:55 | Donnerstag, 3. November 2005
Athanasius
„Formelle Häresie führt nämlich zum ipso-facto Amtsverlust.“
Athanasius präsentiert uns wieder einmal ein kleines Florilegium „traditionalistischer“ Gemeinplätze. Manches ist richtig und bedenkenswert, aber das Ganze eben doch wieder daneben: Anathemata über den (nicht näher bezeichneten) Neo-Modernismus, „ekklesiologische“ Folgerungen, nicht belegte Hinweise auf Äußerungen des Theologen Ratzinger, des hl. Niklaus von Flüe, der sel. Anna Katharina Emmerick usw.
Werter Athanasius, ich möchte Ihnen die Schriften Ihres Wahlpatrons anempfehlen. In ihnen (aber nicht anhand einiger aus dem Zusammenhang gerissener Zitätchen) lernt man u.a., welches Niveau Theologie im Kampf um die Wahrheit des Gottmenschen und Seines Werkes haben kann.
Zugegeben: In einer kreuz.net-Anmerkung wird man solche Höhen und Tiefen nicht erreichen. Aber die Wiederholung der immer gleichen Hiebe auf die Tradi-Feindbilder führt wohl doch nicht sonderlich weiter, oder?
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#6   Fabianus   16:37:41 | Donnerstag, 3. November 2005
Pius V.
Pius V. verbot in einer Bulle, dass der von ihm fetgelegte Messritus von keinem Konzil oder einem seiner Nachfolger verändert werden darf. Das war ein klare Aussage, eindeutig und unverrückbar. Bis zum II. Vaticanum und dem Vielfaltschaos auch in dem Messritus heutiger Tage.
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#5   Toby   16:02:16 | Donnerstag, 3. November 2005
Ja, wat denn nu???
Offenbar weiß im Vatikan die rechte nicht, was die linke tut.
Natürlich obliegt die letzte Entscheidungsvollmacht allein dem Hl. Vater, es wäre aber wünschenswert, wenn der päpstliche Senat bzw. das Kardinalskollegium und alle vatikanischen Dikasterien in dieser Frage endlich einmal mit einer Stimme sprechen würden und nicht in einem dissonanten Chor …
Bis kein vom Papst approbiertes amtliches Dokument vorliegt, herrscht weiterhin Unklarheit über den Rechtsstatus des alten Ritus.
Mich interessiert nicht mehr, welche Privatmeinung dieser oder jener Kardinal in dieser Frage vertritt. Letztlich interessiert mich auch nicht die Privatmeinung des Hl. Vaters, sondern allein das, was die Kirche dazu sagt.
Bis wir hier endlich Klarheit haben werden, dürfte aber noch sehr viel Wasser den Tiber herunterfließen …
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#4   turk   15:09:36 | Donnerstag, 3. November 2005
Zurücklehnen und auf den Papst vertrauen
Alles sehr spannend. Wir aber brauchen uns keine Sorgen zu machen. Diese Fragen und evtl. gegenteiligen Rechtsmeinungen liegen beim Papst in den besten Händen. Privatoffenbarungen sollten uns da jetzt nicht verwirren.
Und danke an Robert Ketelhohn für das wertvolle Bild, harhar!
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#3   Rudolphus   12:01:23 | Donnerstag, 3. November 2005
Real!
Vergelt’s Gott an Athanasius für die wertvollen Zukunftszitate.
Zur Karikatur: Leider ist dies die REALE SITUATION im Concilsklerus, ob groß, ob klein – sie glauben das wirklich!
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#2   Athanasius   11:50:08 | Donnerstag, 3. November 2005
Arinze
Kardinal Arinze steht ja schon lange bekannt als Gegner der überlieferten hl. Messe. Auch da er weiss, dass dann für die letzten „neokonservativen“ lateinischen Novus Ordo kein Platz mehr bleibt. Aber auch Kardinal Ratzinger hat sich gegen den Traditionalismus gestellt. Er hat die Bewegung als „Sektarismus“ beschrieben in seiner „Katholische Prinzipienlehre“ (1982).
Für mich ist die „Freigabe“ der alten Messe sowieso kein Zeichen dass man sich in Rom vom Modernismus abwendet. Der Neo-Modernismus ist überall. Und der ist noch weit schlimmer als die neue ökumenische Bugnini-Messe. Formelle Häresie führt nämlich zum ipso-facto Amtsverlust.
Der Wiederaufbau muss erst von unten an wieder geschehen. Wenn die konziliare Kirche sich ganz geleert hat, und daneben einem Eine-Welt-Religionenrat eingefügt haben wird.
Die Hl. Nicholas von Flüe hat es ja prophezeit: „Bevor die glorreiche Wiederaufstehung der Kirche wird es eher scheinen, als habe die Nachfolge Petri und aller Apostel völlig aufgehört und wäre der Glaube verschwunden.“
Und was sagte Ven. A.K. Emmerick wohl nicht über die eine ökumenische Kirche in Rom, die das Volk völlig verwirren würde? Wir sind noch nicht beim Endstadium des Kampfes, und der Modernismus ist noch nicht ausgespielt, sondern erhöht eher ihre Intensität.
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#1   Robert Ketelhohn   11:19:08 | Donnerstag, 3. November 2005
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