09:26:12 | Donnerstag, 3. November 2005
Im August soll in der Römischen Kurie ein Dokument verfaßt worden sein, das sich darum bemüht, eine großzügigere Zulassung des Alten Meßbuches zu verhindern.
(kreuz.net, Mailand) Der Text wurde angeblich im vergangenen August von der Kongregation für den Gottesdienst
vorbereitet und trägt die Unterschrift des Kardinalpräfekten Francis Arinze und seines zweiten Mannes,
Erzbischof Domenico Sorrentino.
Das berichtete die Mailänder Tageszeitung ‘Il Giornale’ Ende Oktober.
Das Blatt gehört zur Belusconigruppe und ist katholischen Themen gegenüber sehr aufgeschlossen.
Der
Text der Gottesdienstkongregation soll kein offizielles Dokument des Dikasteriums darstellen, sondern
habe nur den Wert einer Meinungsäußerung. Er – Kardinal Arinze – halte eine Liberalisierung des Alten
Meßbuches nicht für möglich, weil dieses abgeschafft worden sei.
Der Text wurde offenbar dem Papst
übergeben.
Es ist darum wohl kein Zufall, daß Kardinal Arinze am vergangenen 12. Oktober bei einer
Pressekonferenz während der Bischofssynode über die Eucharistie erklärte, daß
„kein Synodenvater“
sich besonders um die Alte Messe bemüht habe.
In Wahrheit war das Thema nur drei Tage vorher in der
Synodenaula
von Kurienkardinal Darío Castrillón Hoyos angesprochen worden.
Kardinal Castrillón ist
der Präfekt der Kleruskongregation und Präsident der Päpstlichen Kommission ‘Ecclesia Dei’, welcher
die pastorale Sorge für die Gläubigen des Alten Ritus anvertraut ist.
Er wünsche sich, erklärte Kardinal
Castrillón, daß die Alte Messe im Abschlußdokument der Bischofssynode erwähnt werde und als einer
der verschiedenen Riten der katholischen Kirche Anerkennung finde.
Dazu stellt die August-Stellungnahme
von Kardinal Arinze und Erzbischof Sorrentino offenbar einen deutlichen Kontrapunkt dar.
Diese Stellungnahme
scheint allerdings nicht der Haltung des gegenwärtigen Papstes zu entsprechen.
Der damalige Kardinal
Ratzinger hat nämlich verschiedentlich erklärt, daß die Bischöfe den Alten Ritus großzügiger gewähren
sollten.
Beim zehnjährigen Jubiläum des Motu proprio ‘Ecclesia Dei’ erinnerte der damalige Präfekt
der Glaubenskongregation am 24. Oktober 1998 an die Feststellung von Kardinal Henry Newman († 1890), daß
die Kirche in ihrer Geschichte niemals rechtgläubige liturgische Formen einfach abgeschafft oder verboten
habe – „das wäre dem Geist der Kirche durchaus fremd“.
Eine rechtgläubige Liturgie sei nie eine bloß
pragmatisch geschaffene Zusammenstellung von Zeremonien, die man dann positivistisch heute so und morgen
anders verfügen könnte:
„Rechtgläubige Formen eines Ritus sind lebendige Wirklichkeiten, die aus dem
liebenden Dialog der Kirche mit ihrem Herrn gewachsen sind, Lebensgestalten der Kirche, in denen sich
der Glaube, das Beten und das Leben von Generationen verdichten und in denen das Miteinander von Gottes
Handeln und Antwort des Menschen Form gefunden haben“.
Die Autorität der Kirche könne in wechselnden
geschichtlichen Situationen den Gebrauch solcher Riten umschreiben und einschränken, „aber sie verbietet
sie nie einfach“.
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
#11
Agiafortuni 09:16:48 | Montag, 7. November 2005
#10
Irenäus 21:20:57 | Donnerstag, 3. November 2005
#9
Pelagius 21:12:03 | Donnerstag, 3. November 2005
#8
Athanasius 19:55:19 | Donnerstag, 3. November 2005
#7
Pelagius 18:36:55 | Donnerstag, 3. November 2005
#6
Fabianus 16:37:41 | Donnerstag, 3. November 2005
#5
Toby 16:02:16 | Donnerstag, 3. November 2005
#4
turk 15:09:36 | Donnerstag, 3. November 2005
#3
Rudolphus 12:01:23 | Donnerstag, 3. November 2005
#2
Athanasius 11:50:08 | Donnerstag, 3. November 2005
#1
Robert Ketelhohn 11:19:08 | Donnerstag, 3. November 2005