14:44:53 | Samstag, 5. November 2005
Ende Oktober äußerte sich die zuständige sogenannte Landeskirche in einer Verlautbarung zum Fall Röschenz: „Der offenkundige Reformstau in unserer Kirche verlangt die Pflege einer offenen Gesprächskultur“. Der Text.
(kreuz.net, Basel) Die Synode beschließt gemäß § 20 Absatz 2 der Verfassung der römisch-katholischen
Landeskirche des Kantons Basel-Landschaft vom 10. Februar 1976 folgende Verlautbarung:
Zunächst hält
die Synode fest, daß sie
jegliche Verunglimpfungen gegenüber unserem Bischof und dessen Mitarbeitern
ablehnt.
Insbesondere ist sie der Ansicht, daß bisher ungelöste Problembereiche unserer Kirche nicht
auf diese Art einer Lösung zugeführt werden können.
Loyalität – wenn auch eine kritische – muß für
uns selbstverständlich sein.
So haben gemäß unserer Verfassung – § 2 Absatz 2 – auch die Landeskirche
und die Kirchgemeinden die Lehre und die Rechtsordnung der römisch-katholischen Kirche zu anerkennen.
Wir wehren uns aber auch gegen eine personalisierte Engführung der Vorkommnisse um die Kirchgemeinde
Röschenz auf unseren Bischof Kurt Koch und auf Pfarradministrator Franz Sabo.
Das Schicksal der betroffenen
Pfarrei, ihr Verhalten und dessen Signalwirkung beschäftigen uns weit mehr.
Hier zeigt sich eine Kirchgemeinde
gewillt, einen Priester auch ohne bischöfliche Missio weiter zu beschäftigen. Gültige, aber unerlaubt
gespendete Sakramente sind die bewußt in Kauf genommene Folge!
Damit kündigt sich aber eine für unsere
Kirche bedrohliche Entwicklung an: Existentielle Stimmigkeit droht kirchenamtlicher Korrektheit den Rang
abzulaufen.
Es ist nicht mehr so sehr die dogmatisch definierte Wahrheit, als vielmehr die seelsorgerliche
Wahrhaftigkeit, welche Glaubenszustimmung findet.
In seiner Konsequenz führt deshalb die Vernachlässigung
der Erlaubnisfrage (Missio) auch zur Vernachlässigung der Ermächtigungsfrage (Weihe).
Eine mit einem
eigenmächtig beschäftigten Priester zwar gültige, aber unerlaubte Sakramentenpraxis droht Schule zu
machen und einer „Amtsanmaßung“ auch nicht geweihter – aber eben überzeugender – Theologinnen und Theologen
die Tür zu öffnen.
Die Folge wäre nicht nur unerlaubte, sondern auch ungültige „Sakramentenpraxis“.
In diesem konfliktträchtigen Kirchenklima erwartet die Synode, daß Kirchenmitglieder und ihre gewählten
Vertreter vom Bischof als gefirmte Mitchristen und mündige Bürger in ihrem Glaubenssinn und demokratischen
Empfinden ernst genommen werden.
Die Synode möchte mit der Bistumsleitung den künftigen Weg gemeinsam
und in gegenseitigem Respekt miteinander gehen.
Der offenkundige Reformstau in unserer Kirche verlangt
die Pflege einer offenen Gesprächskultur und in unseren schweizerischen Verhältnissen die konstruktive
Zusammenarbeit zwischen staatskirchenrechtlich-landeskirchlichen und kanonisch-diözesanen Gremien und
Instanzen.
Es geht nicht an, daß die unaufschiebbare sachliche Lösung der Probleme um Sakramentenpastoral
(im ökumenischen Kontext Interkommunion, im Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen und Homosexuellen
Zulassung zu den Sakramenten), Ämterfrage (namentlich Frauenordination) und episkopale Communio (ortskirchliche
Autonomie und päpstlicher Petrusdienst) „von unten“ polemisiert“ und „von oben“ tabuisiert wird.
Wir
erwarten deshalb von unserem Bischof, daß er diesen Handlungsbedarf auch in der Öffentlichkeit beim
Namen nennt und im Schulterschluß mit andern Bischöfen in Rom anmeldet.
Wir verweisen dabei auf die
von unserer Synode am 2. Dezember 2003 beschlossene Unterstützung der Erklärung der Luzerner Synode
[die von Rom unter anderem die Ordination von Priesterinnen fordert A.d.R].
Die Baselbieter Synode erwartet
in Zukunft von der Bistumsleitung im Konfliktfall eine professionellere Konfliktkultur, welche auch unabhängige
Beratung, Mediation, „table ronde“ und proaktive Führungs- und Gesprächskompetenz einschließt.
Die
Synode spricht dem Landeskirchenrat ihr volles Vertrauen aus.
Sie ermuntert ihn auf dem eingeschlagenen
Weg im Sinne dieser Verlautbarung weiterzugehen, um die Ordnung wieder herzustellen und die Versöhnung
voranzutreiben.
Aus der Deputation der Pastoralkonferenz:
Norbert Malsbender, Schönenbuch
Béatrice
Zimmermann, Birsfelden
Alex Wyss, Reinach
Liestal, 31. Oktober 2005
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
#2
Palma 17:23:40 | Samstag, 5. November 2005