Ist die Krankheit, derer wir die Welt bezichtigen, in Wahrheit die unsrige?
Die Anbetung des Allerheiligsten erlebt gegenwärtig in der Kirche eine Flaute. Warum Priester und Bischöfen vor den Tabernakeln flüchten. Von Joachim Kardinal Meisner.
(kreuz.net) Der vergangene Weltjugendtag in Köln stand unter dem Wort des Matthäusevangeliums „Wir sind
gekommen, um IHN anzubeten“.
Die jungen Menschen haben uns deutlich gemacht, daß eucharistische Anbetung
geht und wie eucharistische Anbetung geht. Die Stätten eucharistischer Anbetung waren die besuchtesten
Orte in diesen gesegneten Tagen.
Warum ist eucharistische Anbetung auch bei uns Priestern und Bischöfen
oft so selten geworden?
Es mag vielleicht sein, daß das, was wir als Krankheit der Welt diagnostizieren,
jetzt auch schon uns zu schaffen macht: Wir ertragen die Stille nur mit großer Anstrengung.
Wir vermissen
in ihr das Erlebbare.
Wir meinen, es müsse doch etwas geschehen und etwas los sein, damit es als wertvoll
und positiv gewertet werden kann. Vor dem Tabernakel aber ist es still.
Es fehlt jede Bewegung und Aktion.
Das ist für uns aktive Menschen zu einer Herausforderung geworden. Es passiert ja nichts, also lautet
die Konsequenz: Das ist vertane Zeit.
Ein Priester vor dem Tabernakel setzt sich sogar manchmal dem Verdacht
aus, er habe nichts zu tun und sei nicht ausgelastet. Aber wir haben es vor dem Tabernakel mit dem lebendigen
Christus zu tun!
Hier lebt er. Hier ist er tätig. Hier erwartet er uns. Seine Gegenwart ist nicht ein
Sachbezug, sondern es ist die Gegenwart einer Person, die immer am Werk ist.
Er will uns mitnehmen zum
Vater. Er nimmt uns in seinen österlichen Sog hinein, um uns im Geist mitzunehmen in die Herrlichkeit
des Vaters.
Der Herr in der Eucharistie ist sacerdos et hostia – Priester und Opfer.
Die heilige Hostie
im Tabernakel hat Stunden, Tage und Wochen nach dem Augenblick der heiligen Wandlung keinen Qualitätsverlust
erlitten und ist keinem Alterungsprozeß unterworfen.
Die Opfertat Christi am Kreuz ist zur Gegenwart
geworden beim Höhepunkt der heiligen Messe und setzt sich gleichsam fort im Opferzustand Christi in einem
Jetzt und Heute, das der Ewigkeit Gottes ähnlich ist.
Dafür steht der gefüllte Tabernakel mit dem
Ewigen Licht in der Kirche.
In seiner Hingabe an den Vater, die zugleich unaufhörliche Fürsprache für
uns alle und unermüdlicher Anwaltsdienst für uns ist, stellt er den brennenden Feuerbrand seiner Liebe
dar.
Denken wir an das außerbiblische Christuswort: „Wer mir nahe ist, ist nahe dem Feuer“.
Das kann
auch das Ewige Licht vor dem Tabernakel verdeutlichen.
Haben wir dieses zentrale Geheimnis unseres Glaubens
weithin vergessen, und sind darum unsere Tabernakel des Öfteren fast unbeachtet?
Aus einer Predigt von
Joachim Kardinal Meisner, bei der Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda am 22.
September 2005.
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13 Lesermeinungen
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Konservativ/Konservativismus/Modernismus Wir müssen ganz deutlich zwischen konservativ und Konservativismus
unterscheiden, denn das Eigenschaftswort zu Konservativismus lautet konservativistisch! Der Konservativismus
die ideologische Ausgabe der Konservativen und damit genauso scharf abzulehnen, wie der Modernismus als
Ideologie des Modernen! Christus war eindeutig konservativ: „Ich bin nicht gekommen, um Gesetz und Profeten
aufzulösen, sondern um sie zu erfüllen“! Auch Paulus schreibt: „Prüfet alles, das Gute (oder je nach
Übersetzung: das Beste) behaltet“! Aus beiden Aussasgen spricht eine grundkonservative Einsgellung! Schließlich
benutzen wohl sämtliche Kirchen auch heute noch das Alte Testament. Wären beide Modernisten oder Progressive
gewesen, hätten sie das Alte Testament verboten, bei einem den Reaktionären hautnah kommenden Konservativismus
hätte es kein Neues Testament gegeben. Nachdem Ideologien schon genug Unheil angerichtet haben, ist die
Entstehung neuer Ideologien völlig unverständlich!
#12 Athanasius 18:04:13 | Freitag, 11. November 2005
–-- Eminenz! Die Krankheit ist die „unsrige“, allerdings die der Konzilskirche (vgl. Paul VI.). Weichen
Sie doch bitte mal vom neokonservativen Kurs ab, und kommen rüber zur Tradition. Ist es nicht die Feigheit
und das Zertreten der eigenen Mitgläubigen, wie Sie es im Fall des Verkaufs des Bonner Redemptoristenklosters
gezeigt haben, Schuld daran, dass in Deutschland so wenig Anbetung gepflegt wird? Die FSSPX hätte direkt
sehr sakramentäre Priester und Mönche dort einführen können. Aber Kritik ertragen Sie wohl leider
kaum. Herr gib uns heilige Priester! Herr gib uns viele heiligen Priester! Herr gib uns viele heiligen
Ordensberufungen! Heiliger Papst Pius X., bitte für uns! Heiliger Bonifatius, bitte für uns! Das hörte
ich, Eminenz, bei der „bösen“ Piusbruderschaft und den Rom- und ostritischen Transalpinischen Redemptoristen
C.ss.R. aus Schottland (www.redemptorists.org.uk). Wo höre ich es bei den abgezogenen modernen Redemptoristen?
Nirgendwo. Ich sehe da nur Krawatte und ein Lächeln. Über den Niedergang des religiösen Lebens.
#11 Brandenburgis 23:12:34 | Donnerstag, 10. November 2005
@Trottel Ich rede Sie ungern als Trottel an, trotzdem ist natürlich klar, daß ich aus guter Kenntnis
der behaglichen, stets kniefälligen konservativen Seele nichts anderes erwartet habe. Warum auch? Warum
sollte ich irgend etwas anderes erwarten? Schon das hl. Evangelium wußte, was von den Konservativen zu
halten ist: „ … immer Lügner, böse Tiere und faule Bäuche.“
#10 Christin 22:57:20 | Donnerstag, 10. November 2005
Sehr geehrter Herr „sacerdos helveticus“ : Ich bin nur ein armes Gänschen,dass sich hier ein wenig mitreden
will.Ich weiß schon dass ich nicht so klug bin wie ihr alle. Ich werde mich bemühen nicht zuviel zu
schnattern,sonst lande ich noch im Kochtopf! Nix für ungut,ich weiß zuviel ist auch nicht gut! Gute
Nacht! Mein Mann ruft mich schon,schließlich bin ich ja verheiratet! Schönen Martinstag morgen!
#9 Le Trot 22:49:43 | Donnerstag, 10. November 2005
@Brabbelburgis Auf fromme Taten, die den frommen Worten folgen, dürfen wir bei allen pseudo-konservativen
Hirten bis zum jüngsten Tage warten. Bleiben Sie ehrlich, sie haben doch auch nichts anderes erwartet
von den „V2-Chaoten“.
#8 Brandenburgis 22:22:56 | Donnerstag, 10. November 2005
Meissssner Auf fromme Taten, die den frommen Worten folgen, dürfen wir bei allen pseudo-konservativen
Hirten bis zum jüngsten Tage warten. „Typische Novus-Ordo-Heuchelei!“ ist in meinen Augen sehr milde
ausgedrückt. Ich hoffe, daß mal jemand, der das Bistum seiner Eminenz etwas besser kennt als ich, hier
einmal deutliche Worte spricht, bzw. einen Beitrag schreibt.
#7 chancel_screen 21:52:41 | Donnerstag, 10. November 2005
Warum denn keine Anbetung in Kloster Hennef? Die SSPX wollte in der Kapelle des verlassenen Redemptoristen-Klosters
zu Hennef das Allerheiligste auch anbeten, doch wäre seiner Eminenz dabei „nicht wohl“ gewesen. Statt
Anbetung des Hochheiligen Sakraments gibt es dort dank seiner Eminenz Massagen und New-Age-Seminare. Wäre
schön, wenn seinen frommen Worten auch fromme Taten folgen würden. Typische Novus-Ordo-Heuchelei!
Christliche Christin? Jene sich Christin nennende Forumsteilnehmerin verbreitet auch hier wieder sehr
originelle Gedanken. Auch an diesem Ort wieder nebulös-sentimentale Expektorationen. Wenn man sie liest
mit der Frage „Wer oder was ist das/der Allerheiligste?“ wird am Ende mit Doktor Faustus sprechen können
„Hier steh ich nun, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor!“ Vielleicht ist aber auch jemand als
der Fragesteller der Tor? Der Apostel Paulus sah schon voraus: „Es wird eine Zeit kommen, da sie die gesunde
Lehre nicht ertragen… Von der Wahrheit werden sie das Ohr abwenden und den Fabeleien sich zuwenden.“
(2 Tim 4,3-4)
#5 Christin 21:24:05 | Donnerstag, 10. November 2005
Die Anbetung des Allerheiligsten Die Anbetung des Allerheiligsten das ist ein Geheimnis! das ist unumstritten
und bleibt bis in alle Ewigkeit Das Allerheiligste ist sehr intim für jeden einzelnen,was ist für mich
heilig,was ist für mich das Allerheiligste,der Allerheiligste,der,die die in meiner Seele wohnt? Wenn
du niemanden weißt wenn du dich allein fühlst,dann hast du Jesus oder Maria oder die Heiligen! Das Allerheiligste
will gottähnliches Spiegelbild sein. Wenn wir an der Anbetung des Allerheiligsten teilnehmen geben wir
dem Allerheiligsten Wohnung in unserem Herzen,Das Allerheiligste ist Impuls und doch still wie eine geheimnisvolle
Kraft,die unser Herz zum schlagen bringt Das Allerheiligste will unser LEben heiligen Da sind alle dabei
die wir lieben.Unsere Kinder?Unser Partner?Unsere Lieben? Das Allerheiligste schafft Kommunio und geht
bis in die tote Materie hinein, und verliert doch nicht die Information: Das Wort „geh und lebe und werde
heilig“ Ich bin mit Dir! Das Allerheiligste ist der Ursprung der Weisheit und der Liebe,der Ursprung des
Lebens. Die allerheiligste Gnade geht mit uns bis ins tiefste Grab Das Allerheiligsté ist die Hingabe
schechthin,damit man lebt *Es ist die Quelle aus der alle Heiligen gelebt haben *Es ist die Ursprung der
Weisheit und des Lebens *Es ist die Erinnerung an die die mit ihren Begabungen und Talenten eine Kultur
des Lebens gefördert und gepflegt haben und immer noch praktizieren. Das Allerheiligste ist Kommunio
pur im Geist und in der Wahrheit.Das Allerheiligste…
#4 Fabianus 21:23:10 | Donnerstag, 10. November 2005
Arianismus Man bedenke nur die Worte von Kardinal Meisner beim Eröffnungsgottesdienst. „Wir kommen um
Gott anzubeten und Christus unseren Bruder zu begrüßen“.Dies ist, abgesehen vom arianischen Touch dieser
Aussage, ein Beitrag dazu, Christus nicht mehr im Tabernakel als anbetungswürdig zu sehen.
#3 Athanasius 21:13:57 | Donnerstag, 10. November 2005
Gar nicht Junge Menschen können auch durchaus die Stille Anbetung pflegen. Das haben Junge Leute durch
die Jahrhunderte hindurch gekönnt. Leider stellt der Kardinal sich nicht die Frage, was schon von Kardinälen
Ottaviani und Bacci in ihrer „Kurzen Kritischen Untersuchung des Neuen Ordo Missae“ prophezeit wurde:
die Neue Messe drückt nicht länger die Dogmata zur Eucharistie des Konzils von Trient aus, und gibt
dem protestantischen Irrverständnis des Hl. Messopfers Raum. Zudem wurde die eucharistische Anbetung
am WJT leider gekennzeichnet von Inkulturation, lauter Musik und einem zu hohen „Techno“-Gehalt. Möge
sich der Kardinal das Bild zu diesem Artikel mal anschauen: ist (ja „schon wieder“) ein „tridentinischer“
Priester. Die gibt’s noch in dieser konziliaren Krise. Deo gratias. Oder lieber noch: Benedicamus Domino!
#2 Romulus 20:26:02 | Donnerstag, 10. November 2005
Ob das so stimmt, was Sie da behaupten… Die jungen Menschen haben uns deutlich gemacht, daß eucharistische
Anbetung geht und wie eucharistische Anbetung geht. Die Stätten eucharistischer Anbetung waren die besuchtesten
Orte in diesen gesegneten Tagen. Da habe ich allerdings so meine Zweifel, Herr Kardinal! Junge Menschen
en gros halten die Stille am allerwenigsten aus.