14:16:44 | Sonntag, 13. November 2005
St. Pölten
Der Erzbischof von Wien unterhielt sich mit dem österreichischen Fernsehen über gesellschafts- und kirchenpolitische Fragen. Das Gespräch kam auch auf eine kirchliche Segnungsfeier der zweiten Ehe des österreichischen Finanzministers.
(kreuz.net, Wien) Der „Trend zur Säkularisierung“ müsse kein unabänderliches Naturgesetz sein, erklärte
der Wiener Kardinalerzbischof Christoph Schönborn vor dem österreichischen Staatsfernsehen.
Das Interview
wurde heute vormittag im ‘Österreichischen Runkfunk’ ausgestrahlt.
Es sei durchaus nicht so, daß eine
säkularisierte Gesellschaft zwangsläufig auch eine areligiöse Gesellschaft sein müsse. Er – Kardinal
Schönborn – sehe zur Abwendung von Glaube und Religion auf jeden Fall Gegentrends.
Es müsse sich bei
diesen allerdings erst herausstellen, ob sie ein echter Frühling oder bloß eine einzige Schwalbe seien,
die noch keinen Frühling macht.
Die Christen könnten durchaus eine kreative Minderheit sein, die das
Potenzial hätte, die Gesellschaft zu verändern. Sie sollten nicht verschreckt agieren, aber auch keine
aggressive, sondern vielmehr eine kreative Minderheit sein, unterstrich der Kardinal mehrmals.
Zum Thema
„Macht“ der Kirche erklärte er sich froh darüber, daß es in Österreich kein „Staatskirchentum“ mehr
gebe. Er halte das heutige österreichische Modell einer „Kooperation“ von Kirche und Staat unter Resepktierung
der wechselseitigen Unabhängigkeit für gut.
Einen Anspruch der Kirche gebe es lediglich im Sinn eines
Rechtes auf Religionsfreiheit.
Angesprochen auf den Islam sagte der Kardinal, daß viele Muslime das
Christentum für dekadent und zukunftslos hielten. Dies sei für die Christen eine „spannende“ Herausforderung.
Kardinal Schönborn mahnte bezüglich der Euthanasie zu großer Wachsamkeit. Er sei froh, daß in Österreich
das Leben an seinem natürlichen Ende nicht zur Disposition stehe wie etwa in den Niederlanden oder Belgien.
Eine große Wunde gebe es aber,
was den Lebensschutz der ungeborenen Kinder betreffe.
In diesem Zusammenhang
wies der Wiener Erzbischof auf die Lage von ungeborenen Behinderten hin. Angesicht der heutigen Eugenik –
der Kardinal meinte damit die gezielte vorgeburtliche Tötung von behinderten Menschen – werde es möglicherweise
bald keine mongoloiden Kinder mehr geben: „Sie werden vor der Geburt abgetrieben.“
Zur Situation der
Kirche in Österreich erklärte Kardinal Schönborn, daß sich nach den Konflikten früherer Jahre vieles
beruhigt habe. Das Gespräch kam nicht direkt auf die Absetzung des Altbischofs von St. Pölten, Mons.
Kurt Krenn.
Er hoffe, so der Kardinal, daß dies eine kreative Ruhe und keine Friedhofsruhe sei.
Im
Fernsehinterview nahm Kardinal Schönborn auch zur
kirchlichen Segnungsfeier für den österreichischen
Finanzminister Karl-Heinz Grasser und der Tiroler Millionenerbin Fiona Swarowski Stellung.
Die beiden
heirateten am 22. Oktober auf dem Standesamt. Beide sind bereits in kirchlichen Ehen gebunden, womit ihre
Liaison kirchenrechtlich illegitim ist.
Dennoch gab es für die beiden in eine offizielle religiöse
Zeremonie in einer Pfarrkirche.
Kardinal Schönborn erklärte, daß er über den Pfarrer, der sich hinsichtlich
des Umgangs mit wiederverheirateten Geschiedenen nicht „an die Spielregeln“ gehalten habe, sehr verwundert
sei.
Es sei nichts Neues, Menschen zu segnen und für Wiederverheiratete zu beten.
Dies sollte aber
nach den kirchlichen Richtlinien keinesfalls unmittelbar nach der standesamtlichen Eheschließung erfolgen.
Im konkreten Fall habe sich der Geistliche „nicht an die übliche Regel gehalten“.
Nach einem
jüngsten
Bericht der linksorientierten Wochenzeitung ‘Ja – die neue Kirchenzeitung’ war die von Kardinal Schönborn
kritisierte Segnungsfeier im Vorfeld mit dem zuständigen Diözesanbischof, Mons. Klaus Küng, abgesprochen
worden.
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#14
Toby 06:42:51 | Dienstag, 10. Januar 2006
#12
Toby 20:56:41 | Montag, 9. Januar 2006
#10
Benedikt78 08:32:36 | Dienstag, 15. November 2005
#8
Evelin 21:06:10 | Sonntag, 13. November 2005
#7
Romulus 20:37:25 | Sonntag, 13. November 2005
#5
ottaviani 17:28:02 | Sonntag, 13. November 2005
#4
turk 17:09:34 | Sonntag, 13. November 2005
#3
Konrad 14:56:14 | Sonntag, 13. November 2005
#2
Justus 14:49:27 | Sonntag, 13. November 2005
#1
ottaviani 14:28:01 | Sonntag, 13. November 2005