Seit dem 10. November ist in den deutschen Kinos der Film über den Kartäuserorden ‘Die große Stille’ zu sehen: „Wenn sich die Augen allmählich an das nächtliche Restlicht gewöhnt haben, zeichnen sich die Umrisse eines knienden Mönches ab, der regungslos ins Gebet versunken ist“.
Welt am Sonntag
„‘Die große Stille’ ist ein filmisches Gebet, auf dessen Realisierung Philip Gröning
lange warten mußte. Der Orden der Karthäuser, vom Heiligen Bruno von Köln 1084 gegründet, gilt als
einer der strengsten in der katholischen Kirche. Seit seiner Gründung widmen sich die Mönche in der
‘Grande Chartreuse’ in der Nähe von Grenoble dem geistigen Leben, sie schweigen, beten, arbeiten in den
Werkstätten und schlafen nie länger als drei Stunden am Stück.“ „Jeder gute Film kennt Momente des
reinen Bildes. ‘Die große Stille’ besteht ausschließlich daraus.“
Westdeutscher Rundfunk
Wurde Ihre
Arbeit von allen Brüdern positiv aufgenommen?
Regisseur Philip Gröning: Es gab einen Mönch, der sich
explizit dagegen ausgesprochen hatte, daß ich im Kloster drehe. Wir haben uns dann letztendlich arrangiert:
Mithilfe eines Zettelkastens, über den auch die Mönche untereinander kommunizieren, teilte ich ihm jedes
Mal mit, wo und wann ich am darauf folgenden Tag filmen wollte. So konnte er mir und der Kamera aus dem
Weg gehen.
Filmdienst
„Bereits die Eingangssequenz stimmt auf das ungewöhnliche Sujet ein: Wenn sich
die Augen allmählich an das nächtliche Restlicht gewöhnt haben, zeichnen sich die Umrisse eines knienden
Mönches ab, der regungslos ins Gebet versunken scheint. Im Vordergrund knackt ab und an Holz in einem
eisernen Ofen – sonst passiert nichts. Nach einer kleinen Ewigkeit hört man eine Turmuhr schlagen. Der
Mann erhebt sich und schlägt mit weit ausholenden Bewegungen ein Kreuz, dann rafft er seine Kutte und
verschwindet aus dem Blickfeld der starren Kamera.“ „Selbst bei den sonntäglichen Zusammenkünften, wenn
die Mönche einmal in der Woche gemeinsam essen und einen Ausflug in die menschenleere Umgebung ihres
Klosters unternehmen, wirken ihre Konversationen fast beiläufig, als wäre alles Wesentliche längst
gesagt.“
Berliner Morgenpost
„Das erstaunlichste Mitbringsel, das man aus dieser Reise zu den Grundlagen
des Christentums mitnehmen kann, dürfte etwas gar nicht Existentes sein: die Abwesenheit von Angst. Dieser
Urgrund von Vertrauen in einen gütigen Gott ist Europa im Lauf der Jahrhunderte verloren gegangen. In
der Großen Stille könnte man fast zum Glauben zurückfinden.“
Nordkurier
Existiert auch keine Angst
vor Krankheit?
Regisseur Philip Gröning: „Die Mönche werden meistens zwischen 80 und 90 Jahre alt.
Während ich da war, gab es einen Mönch, der im Sterben lag, der am Schluß auch portraitiert wird. Merkwürdigerweise
hat er sich wieder erholt. Damals hatten alle Ärzte gesagt, er lebt nur noch ein paar Tage. Der war so
vergnügt! Dann gibt es diesen einen Mönch, dessen Haut eingerieben wird, weil er eine Hautkrankheit
hat. Er ist inzwischen gestorben. Er hatte zu dem Zeitpunkt einen ganz schweren Krebs und sehr ernste
Herzproblematiken. Wenn man genau hinschaut, sieht man, daß er einen Herzschrittmacher unter der Haut
hat. Er muß große Schmerzen gehabt haben, aber er war extrem gelassen. Natürlich gibt es einige, die
Krebs haben, die wirklich sehr schwer krank sind und die trotzdem eine extreme Gelöstheit haben.“
Deutsche
Presseagentur
„Der Film ist eine Meditation über das Klosterleben in seiner reinsten Form. Es gibt keine
Musik – bis auf die Gesänge der Mönche –, keine Interviews, keine Kommentare. Prägend für die Atmosphäre
ist die totale Präsenz der Mönche, resultierend aus der Klarheit ihrer Entscheidung für das Klosterleben.“
Katholische Nachrichtenagentur
Bei Kloster denkt man oft an Überalterung. Sie zeigen dagegen mehrere
junge Leute, die dem Kloster beitreten.
Regisseur Philip Gröning: „In dem halben Jahr, das ich in der
Kartause mitlebte, wurden vier Mönche aufgenommen. Das hat mich selbst überrascht. Wer sich heute entscheidet,
in ein Kloster zu gehen, trifft offensichtlich eher eine sehr radikale Entscheidung.“
Haben die Mönche
selber den Film gesehen?
Regisseur Philip Gröning: „Ja. Sie haben jede Woche eine Zeit der Erholung,
da war das möglich. Sie fanden, der Film würde sie durch die Harmonie und die Balance sehr gut wiedergeben.
Sie haben aber auch viel gelacht, weil manche Anekdote oder Macke rüberkommt, die Ihnen erst beim Zuschauen
bewußt wurde.“
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