Waren Sie jemals verliebt?
Benedikt XVI. wuchs in einem sehr katholischen Elternhaus auf. Sein Vater Joseph ging am Sonntag dreimal in die Kirche. Das verriet der damalige Kardinal im 1996 veröffentlichten Buchinterview „Salz der Erde“.

In einem gewissen Sinn schon, ja. Mein Vater war ein sehr gerechter, aber auch ein sehr strenger Mann. Aber wir haben immer gespürt, daß er streng war aus Güte.
Und deswegen konnten wir seine Strenge wirklich gut annehmen. Die Mutter hat immer schon das, was an ihm vielleicht zu streng war, durch ihre Wärme und Herzlichkeit ausgeglichen.
Es waren zwei sehr verschiedene Temperamente, die sich gerade durch ihre Verschiedenheit auch sehr gut ergänzt haben.
Streng war es, das muß ich sagen. Aber es war doch viel Wärme und Herzlichkeit und Freude da, die dadurch vermehrt wurden, daß wir miteinander gespielt haben, auch die Eltern haben mitgemacht, daß gerade auch Musik eine immer größere Rolle im Familienleben hatte, die ja auch eine zusammenführende Kraft hat.
Ihre Eltern hatten alle drei Kinder aufs Internat geschickt. Wie kam das?
Das war damals die einzige Art, eine, wie man es heute nennt, „höhere Bildung“ zu bekommen.
Es gab ganz wenige Gymnasien auf dem Land. Man mußte bei den weiten Schulwegen meist notgedrungen ins Internat.
Meine Schwester besuchte eine Mittelschule der Franziskanerinnen. Da ist sie mit dem Rad hingefahren – es waren fünf Kilometer – und blieb zu Hause wohnen. Sie hat sich dann selber gewünscht, im Internat sein zu können, und das ist ihr gewährt worden.
Mein Bruder kam als Erster aufs Gymnasium und damit ins Internat, es ging gar nicht anders.
Ich bin zunächst von zu Hause aus jeden Tag in die Schule gegangen. Nach zwei Jahren kam die Idee auf, nachdem ich nun das einzige Kind zu Hause war, es wäre vielleicht als ergänzender Erziehungsfaktor gut, wenn ich auch ins Internat ginge.
Und es hatte sicher auch seine – es ist mir nicht leicht gefallen, muß ich sagen – guten korrigierenden Funktionen. Man lernt doch eine andere Art von Sozialität und sich auch einzuordnen.
Es dauerte allerdings nur zwei Jahre, schließlich wurden alle Internate in Traunstein zu Lazaretten umfunktioniert, so daß ich von da an wieder zu Hause war.
Kann man sagen, daß es ein ausgesprochen religiöses Elternhaus war?
Das kann man mit Sicherheit sagen, ja. Mein Vater war ein sehr gläubiger Mann. Er ist am Sonntag um sechs Uhr in die Messe gegangen, dann um neun Uhr in den Hauptgottesdienst und am Nachmittag noch mal.
Die Mutter hatte eine sehr warme und herzliche Religiosität. In dem Punkt waren sich beide wieder in ihrer unterschiedlichen Art einig: Religion war ganz zentral.
Wie sah Ihre religiöse Erziehung zu Hause aus? Heute haben viele Eltern ja offenbar ein Problem damit.
Die Religion war ein Bestandteil des Lebens. Schon durch das gemeinsame Gebet. Zu allen Mahlzeiten wurde gebetet.
Wenn es irgendwie vom Schulrhythmus her möglich war, gingen wir natürlich auch jeden Tag in die Messe und am Sonntag gemeinsam in den Gottesdienst.
Später, als mein Vater pensioniert war, wurde meistens auch der Rosenkranz gebetet; ansonsten hat man der schulischen Katechese vertraut.
Der Vater hat uns auch Lektüre gekauft. Es gab zum Beispiel Zeitschriften bei der Erstkommunion.
Aber es war nicht so, daß explizit religiös erzogen wurde, sondern es war durch das Familiengebet und durch den Kirchenbesuch gegeben.
Offenbar gibt es hier eine starke Verbindung zu Ihrer bayerischen Heimat, auch zu dem speziell bayerischen Katholizismus. Sie haben immer wieder betont, Sie würden genau jenen demütigen Glauben der einfachen Leute verteidigen wollen, gegen den Hochmut der Theologen und auch gegen jenen abgeklärten Bürger- und Wohlstandsglauben in den großen Städten.
Wir haben versucht, einfach gläubig, katholisch zu sein. Aber seine Farbe hatte unser Glaube zunächst auf dem Land und dann in dieser kleinen Stadt Traunstein gewonnen, wo der Katholizismus sich wirklich mit der Lebenskultur dieses Landes und mit seiner Geschichte tief verflochten hat.
Es war also, würde ich sagen, Inkulturation, so daß das ein uns gemäßer Ausdruck war, den uns unsere eigene Geschichte entgegentrug.
Wir waren schon von der Familie her sehr patriotische Bayern. Unser Vater stammte aus Niederbayern, und Sie wissen ja, daß es in der bayerischen Politik des 19. Jahrhunderts zwei Strömungen gab: einerseits die mehr reichsorientierte, also deutschnational orientierte, und andererseits die mehr bayerisch-österreichische, auch frankophil-katholische Richtung.
Meine Familie hat ganz eindeutig dieser zweiten Strömung angehört, die sehr bewußt bayerisch-patriotisch und auf unsere Geschichte stolz war.
Meine Mutter stammte aus dem Tirolischen, aber da war ja auch wieder dieses Süddeutsch-Katholische auf andere Weise sehr stark und lebendig gegenwärtig. Insofern haben wir uns mit unserer eigenen Geschichte sehr identifiziert und waren uns auch bewußt, daß dies eine Geschichte ist, die sich sehen lassen kann.
Diese Geschichte hatte nichts mit der nationalistischen Geschichte zu tun, die dann zu den großen Unglücken von 1943 bis 1945 führte. Im Gegenteil, gerade die Katastrophe des Nationalismus hat uns in unserer eigenen Geschichtsauffassung bestärkt.
Wollten Sie nie eine eigene Familie haben, und hatten Sie nie eine Liebesbeziehung zu einer Frau? Von Papst Johannes Paul II. weiß man ja, daß er in seiner Jugend sehr verliebt gewesen ist.
Also, ich würde so sagen: Ein direktes Verlangen nach einer Familie, so weit sind meine Planungen nicht gediehen. Aber daß ich natürlich auch durch Freundschaft berührt worden bin, das ist klar.
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Freitag, 25. November 2005 14:23
Christin: er wirkt für mich interessant,geistreich,weltoffen,der Wahrheit ergeben aber frei-damals wie heute
Zum Bild:
So schoen“präsent“ als autarke Person ,sich selber treu ,stark u. doch anhänglich was die Wahrheit betrifft,u. doch will er so abgrundtief einsam sein.
Vielleicht :Damit ihm niemand seine Identität als „freie“Person rauben kann vielleicht?Das find ich klug und vorbildlich!
Ich glaub Gott wollte ihn für sich allein,denn ich glaub Gott ist ein eifersüchtiger Gott…
Und wie er zuhören kann u. die Geister unterscheidet, u. konsequent ist,das ist manchmal erschreckend u. doch vorbildlich zugleich.
Was seine Gesichtsmimik betrifft erkennt man eine Ehrlichkeit,die uns einen Menschen vermittelt,der mit uns Menschen mitfühlt einfühlsam aber auch abgegrenzt u.geheimnisbewahrend u. streng sein kann.Er hat den Boden der Menschlichekeit nie verlassen und liebt die Erde die ihm den Weg bereitet hat,wer höher hinaus will,den holt er schnell auf den Boden der Realität zurück und erinnert uns an unsere Wurzeln,die wir nie verlassen dürfen,das ist Mutter Erde mit aller alten und neuen Schöpfung,die wir annehmen müssen ob wir wollen oder nicht.
Es ist dieser absolute Gehorsamsbereitschaft und seine Demut die ihn auszeichnet u. seinen Stolz Mensch zu sein mit Leib und Seele,das hat er nie abgelegt.
Zitat:
…*Aber daß ich natürlich auch durch Freundschaft berührt worden bin, das ist klar*.
Wer sich von Freundschaft berühren läßt,den bleibt ein Gott des Lebens ganz nah sein Leben lang u. seine Freunde werden auch Gottes Freunde genannt werden!
So schoen“präsent“ als autarke Person ,sich selber treu ,stark u. doch anhänglich was die Wahrheit betrifft,u. doch will er so abgrundtief einsam sein.
Vielleicht :Damit ihm niemand seine Identität als „freie“Person rauben kann vielleicht?Das find ich klug und vorbildlich!
Ich glaub Gott wollte ihn für sich allein,denn ich glaub Gott ist ein eifersüchtiger Gott…
Und wie er zuhören kann u. die Geister unterscheidet, u. konsequent ist,das ist manchmal erschreckend u. doch vorbildlich zugleich.
Was seine Gesichtsmimik betrifft erkennt man eine Ehrlichkeit,die uns einen Menschen vermittelt,der mit uns Menschen mitfühlt einfühlsam aber auch abgegrenzt u.geheimnisbewahrend u. streng sein kann.Er hat den Boden der Menschlichekeit nie verlassen und liebt die Erde die ihm den Weg bereitet hat,wer höher hinaus will,den holt er schnell auf den Boden der Realität zurück und erinnert uns an unsere Wurzeln,die wir nie verlassen dürfen,das ist Mutter Erde mit aller alten und neuen Schöpfung,die wir annehmen müssen ob wir wollen oder nicht.
Es ist dieser absolute Gehorsamsbereitschaft und seine Demut die ihn auszeichnet u. seinen Stolz Mensch zu sein mit Leib und Seele,das hat er nie abgelegt.
Zitat:
…*Aber daß ich natürlich auch durch Freundschaft berührt worden bin, das ist klar*.
Wer sich von Freundschaft berühren läßt,den bleibt ein Gott des Lebens ganz nah sein Leben lang u. seine Freunde werden auch Gottes Freunde genannt werden!
Freitag, 18. November 2005 18:29
Mimi: –
@Yersinia
Nö, das sehe ich persönlich so wie Athanasius.
Es macht schon einen Unterschied, ob man einen Priester in einer Jeans herumlaufen sieht, was nun mal „männlicher“ ist, oder ob er eine Soutane trägt, die asexuell ist und wo man nicht im entferntesten erahnen kann, dass sich etwas Männliches darunter verbirgt…
Ich persönlich empfinde eine Soutane als großes Symbol von „Distanz“.
Als ich einen Priester, den ich virtuell und damit ursprünglich mit „Du“ kennenlernte, das erste Mal persönlich traf, war ich froh, dass wir uns vorher noch auf das „Sie“ geeinigt hatten. Es wäre mir unmöglich gewesen, ihn zu duzen. Eine Soutane verschafft Respekt.
Außerdem schätze ich – zumindest in der heutigen Zeit – Priester mit Soutane so ein, dass sie auch nicht unbewusst irgendwelche „Signale“ aussenden, weil sie ganz und gar katholisch sind.
Nö, das sehe ich persönlich so wie Athanasius.
Es macht schon einen Unterschied, ob man einen Priester in einer Jeans herumlaufen sieht, was nun mal „männlicher“ ist, oder ob er eine Soutane trägt, die asexuell ist und wo man nicht im entferntesten erahnen kann, dass sich etwas Männliches darunter verbirgt…
Ich persönlich empfinde eine Soutane als großes Symbol von „Distanz“.
Als ich einen Priester, den ich virtuell und damit ursprünglich mit „Du“ kennenlernte, das erste Mal persönlich traf, war ich froh, dass wir uns vorher noch auf das „Sie“ geeinigt hatten. Es wäre mir unmöglich gewesen, ihn zu duzen. Eine Soutane verschafft Respekt.
Außerdem schätze ich – zumindest in der heutigen Zeit – Priester mit Soutane so ein, dass sie auch nicht unbewusst irgendwelche „Signale“ aussenden, weil sie ganz und gar katholisch sind.
Freitag, 18. November 2005 18:18
Yersinia: @athanasius: ein Kleriker, den die Soutane vor diversen Anwandlungen schützt
wäre wohl sogar in der Badehose vor dem weiblichen Geschlecht sicher – zum ersten sind Priester natürlich auch Symbolträger und damit gute Projektionsflächen für mehr oder weniger verborgene Wünsche; durch eine Soutane wird diese Symbolkraft wohl eher verstärkt; zum zweiten hängt es auch immer sehr stark von der Person ab, welche Signale diese – bewußt oder unbewußt – aussendet;
Freitag, 18. November 2005 11:34
Athanasius: …
Leider ist das Bild zum Artikel nicht vollständig. Weshalb nicht? Eben, weil das Bild den damaligen Pfarrer Joseph Ratzinger freigibt: ein schon seit zehn Jahren zum Priester geweihter Mann mit Krawatte. Zivilkleidung. Kleidung der revolutionären Kleriker von damals. Hätte übrigens zum Artikel gut gepasst. Die Soutane schützt vor Frauen, Zivilkleidung nicht. Deshalb leben so viele Priester heute im Konkubinat, wie es der liberale Abbé Pierre (Gründer der Emmanuel-Gemeinschaft) sagte.
Freitag, 18. November 2005 09:26
Pelagius: Kunstvolle Antwort!
Feiner und geisterfüllter hätte der spätere Papst auf die etwas indiskrete Frage wohl nicht antworten
können.
Ob man von dieser Art nicht manches lernen sollte?
Ob man von dieser Art nicht manches lernen sollte?
Freitag, 18. November 2005 03:41
Sulpicius: @methusalix
weil er nich weiss, was Liebe ist.
Ich würde den Mund mal nicht so weit aufreißen, sehr geehrter Herr! Sie sprechen „dem Mann“ also die Liebesfähigkeit ab. Ein starkes und unverschämtes Stück! Kennen Sie ihn persönlich gut?
Ich würde den Mund mal nicht so weit aufreißen, sehr geehrter Herr! Sie sprechen „dem Mann“ also die Liebesfähigkeit ab. Ein starkes und unverschämtes Stück! Kennen Sie ihn persönlich gut?
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