Nicht nur die österreichischen Bischöfe zeigten sich überrascht und enttäuscht über die deutlichen Worte, mit denen ihnen der Papst anläßlich ihres turnusmäßigen Ad-limina-Besuchs am 5. November 2005 die Leviten gelesen hatte. Ein Kommentar.
(kreuz.net) Sogar das österreichische Boulevardmagazin ‘Profil’ läßt in seiner jüngsten Ausgabe der
Enttäuschung freien Lauf: „Der Pontifex rügt die Falschen“, schreibt ‘Profil’ und beklagt die „Papst-Schelte
für die Bischöfe eines hochkatholischen Landes“.
In der Tat sparte der Nachfolge Petri gegenüber den
sichtlich schockierten Apostelnachfolgern der Alpenrepublik nicht mit Kritik: „Macht euch keine Illusionen“,
erklärte Benedikt XVI.:
„Eine katholische Glaubensunterweisung, die verstümmelt angeboten wird, ist
ein Widerspruch in sich und kann auf die Dauer nicht fruchtbar sein.“
„Es ist wahr, daß wir Bischöfe
mit Bedacht handeln müssen“, so Benedikt XVI. weiter.
„Aber solche Umsicht“ – dieses Wort gehört zu
den Lieblingsvokabeln des St. Pöltener Bischofs Klaus Küng – „solche Umsicht darf uns nicht daran hindern,
Gottes Wort in aller Klarheit darzulegen – auch jene Punkte, die man meistens weniger gern hört oder
die mit Sicherheit Reaktionen des Protestes, mitunter auch Spott und Hohn hervorrufen.“
Schließlich
hatte der Papst die Bischöfe aufgefordert, eine „Trendwende“ herbeizuführen – eine überaus brisante
Bemerkung, nachdem die österreichischen Bischöfe gerade erst vor rund einem Jahr mit Erleichterung verkündet
hatten, daß durch den Sturz des St. Pöltener Bischofs Kurt Krenn die lang ersehnte „Trendwende“ in der
österreichischen Kirche eingeleitet worden sei.
Der Papst scheint anderer Meinung zu sein.
Wie wäre
es sonst zu erklären, daß sich Benedikt XVI. in seiner Ansprache genau jene Themen zu eigen gemacht
hat, die von keinem österreichischen Bischof mehr angesprochen wurden, seit man vor einem Jahr – mit
Unterstützung von ‘Profil’ – Mons. Kurt Krenn zum Verstummen gebracht hat.
Wenn schon nicht auf den
Papst, so können sich die Mitglieder der Österreichischen Bischofskonferenz wenigstens auf ‘Profil’
verlassen.
Kaum aus Rom zurückgekehrt, dürfen sie bereits wieder vom Titelblatt des Boulevardmagazins
lächeln und sich unter dem Titel „Warum der Papst irrt“ bestätigen lassen, daß in der österreichischen
Kirche im Grunde alles zum Besten steht.
„Brave Meßgeher, gläubig & gottesfürchtig, eines der christlichsten
Länder Europas“, verteidigt ‘Profil’ in triumphalistischen Tönen die Herde der geprügelten Hirten und
untermauert seine Recherchen mit fast einem Dutzend Umfragen und Statistiken über die Vorbildlichkeit
der österreichischen Katholiken.
Natürlich darf auch ein Kommentar des unvermeidlichen Wiener Pastoraltheologen
Paul Michael Zulehner nicht fehlen: „Es drängt sich der Eindruck auf, daß dem Papst die Errungenschaften
der heimischen Kirche nicht nahe gebracht wurden.“
Wenigstens ist auf das Boulevardmagazin ‘Profil’ Verlaß.
Wenn schon vom Papst kein Lob für die enormen Leistungen der österreichischen Bischöfe zu hören war –
von ‘Profil’ kommt es so sicher wie das Amen in der Kirche.
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20 Lesermeinungen
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In Vermutungen „suhlen“? Ich habe Ihnen einen ganz konkreten Hinweis gegeben, wie Sie an Namen kommen.
Nützen Sie es oder auch nicht. Gegen Ignoranz kann ich Ihnen nicht helfen. Was nützen Ihnen jetz aus
dem Stand einige hundert Namern, wenn sie damit keinen Zusammenhang herstellen und die Vernetzungen nicht
sehen können? richard
#18 Yersinia 07:27:54 | Sonntag, 20. November 2005
@richard: ich kann also davon ausgehen, dass du keine definitve Antwort geben kannst und dich in Vermutungen
suhlst? – Lesetipps brauche ich nicht, ich wollte über dein persönliches Wissen etwas erfahren;
#17 thomas 18:57:28 | Donnerstag, 17. November 2005
St. Pölten wieder in guten Händen Was auch immer man von „Profil“ halten kann: dieser Artikel ist dumm
und vollkommen verblödet. Es handelt sich um eine billige Abrechnung mit unseren Bischöfen, da man sie
offenbar für die Ablöse von Bischof Krenn verantwortlich macht. Homosexualität und Pornographie sind
aber niemals akzeptabel! Am allerwenigsten in einem Priesterseminar. Gott sei Dank ist jetzt die Diozöse
St. Pölten in guten und treuen Händen.
#16 Rudolphus 13:32:59 | Donnerstag, 17. November 2005
profil keine seriöse Zeitung Dies ist klar ersichtlich an den stark tendenziösen Artikeln gegen die
profil-Feindbilder. Es ist ein ideologisches Blatt. Schande über den früheren Besitzer Raiffeisenbank –
christlich-konservativ geprägt –, daß diese es zuließ, daß aus Österreichs lange Zeit wichtigstem
Wochenmagazin derartiges geworden ist!
#15 zwobbel 12:10:12 | Donnerstag, 17. November 2005
@Benedikt Was Zwobbel wohl eher meinte ist, dass in der Kirche das sola scriptura der Protestanten NICHT
durch die Tradition ersetzt werden darf. Eigentlich hatte ich die Gefahr eines „ALLEIN DIE TRADITION“
nicht im Hinterkopf. Ist aber auch ein interessanter Denkansatz. Könnte eine Gefahr bei Leuten sein,
die stark romantisch-sentimental veranlagt sind.
#14 Benedikt 11:58:19 | Donnerstag, 17. November 2005
@ Marcel Was Zwobbel wohl eher meinte ist, dass in der Kirche das sola scriptura der Protestanten NICHT
durch die Tradition ersetzt werden darf. Sie müssen beachten, dass ein gutes Stück Papalismus ein Wesenszug
des Katholizismus ist.
#13 Marcel 11:53:36 | Donnerstag, 17. November 2005
Zwo Zwobbel schrieb: „Als Maßstab zur Beurteilung von päpstlichen Entscheidung{en} kann und muß stets
der apostolische Glaube dienen, wie er uns unverfälscht überliefert wurde von der Kirche.“ Das ist eine
hoch gefährliche Herangehensweise! Das Wort „uns“ in meinem Satz meinte zwar uns Glieder der Kirche,
aber nicht, daß wir Laien die grundsätzliche Beurteilung anstellten (*). Jedenfalls höchst selten,
denn die Kirchengeschichte kennt auch kräftige Korrektur“empfehlungen“ an den jeweiligen Papst durch
Heilige, die nicht Apostel waren. Im Grund sehe ich mein Geschreibsel hier nur als unreines Echo Erzbischof
Lefebvres. Ich weiß durchaus, daß ich nichts weiß. (*) … die zudem natürlich nur für fehlbare päpstliche
Entscheide gilt.
#12 zwobbel 11:16:47 | Donnerstag, 17. November 2005
sehr zwiespältig! Marcel schrieb: Als Maßstab zur Beurteilung von päpstlichen Entscheidung kann und
muß stets der apostolische Glaube dienen, wie er uns unverfälscht überliefert wurde von der Kirche.
Das ist eine hoch gefährliche Herangehensweise! Denn es kann unmöglich jeder Gläubige jede Verlautbarung
am gesamten überlieferten Glauben beurteilen. Das können einige gut gebildete Leute tun. Aber den einfachen
kath. Arbeiter dazu zu bringen selbst Lehramt zu spielen und erstmal jede Äußerung des Papstes auf die
Goldwaage zu legen, daß führt in den Abgrund. Letztlich ist es das was die Protestanten tun. Selbst
entscheiden ob richtig oder falsch. Und wenn dann einer so halbgebildet ist wie es M. Luther war, dann
kommt mal wieder eine Spaltung heraus oder zumindest fällt dann der konkrete Mensch von der Kirche ab.
Eine systematische oppositionelle innere Kontrolhaltung der Gläubigen gegenüber dem Papst ist falsch!
Wie gesagt: Wer eine umfassende Bildung hat, kann/soll ggf. widersprechen. Aber Vertrauen ist nötig,
auch mit dem Wissen, daß der Papst eben nur in besonderen Fällen wirklich unfehlbar ist. Und wenn der
Papst falsch führt, dann hat er dafür die Verantwortung zu tragen. Deswegen sind JohXXIII. und Paul
VI. sehr bemitleidenswert.
#11 Marcel 10:26:18 | Donnerstag, 17. November 2005
Le fox trot Le Trot a écrit: „Diese Lektion haben wir traditionellen Katholiken gut gelernt. Vielen papalistisch
verwirrten gutgläubigen Katholiken steht sie noch schmerzlich bevor.“ Seien Sie sich da nicht so sicher.
Nur diese Lektion betreffend durchaus. Vielleicht gibt es eine Lektion, die wir alle noch nicht kennen
Viele. auch nicht die Anhänger der Piusbruderschaft, deren Schmerz über die vielen liturgischen Entstellungen
ich teile. Alle gläubigen Katholiken werden die kommende, in Fatima und schon früher – auch von Don
Bosco – dargelegte Schlacht gegen die Kirche und ihre Glieder im Schmerz und Leid vereint erleben. 1517,
1717, 1917 waren nur die Brückenköpfe. Die Stärkung durch Glaubensoasen ist kein „Zufall“, genausowenig
wie Potter. Meine aus einigen Artikeln ausströmende Freude über diese Oasen drückt meinen Dank aus.
Umso stärker, als mein Herz zu zerspringen drohte wegen dem Ausgeliefertsein der Kinder an die nachkonziliaren
Kirchenfeinde in den Teilkirchen. In einiger Zeit wird es sich eingebunden haben. Unsere Priester erwähnen
regelmäßig in den Predigen, daß sie angesichts der Selbstzerstörung der Konzilskirche den ganzen Tag
weinend vor dem Kruzifix liegen müßten und wir mit ihm. Die regelmäßig gut besuchten Sühnenächte
versuchen einige der unzähligen Schmerzen zu sühnen, die dem Heiland und der allerseligsten Muttergottes
dargebracht werden – und zwar besonders von den Unwürdigen, die in sein Heiligtum eindrangen.
#9 richard 09:50:01 | Donnerstag, 17. November 2005
Yersinia fragt neugierig und naiv nach Namen. Einige zu nennen, würde für unbeleckte In- und Ausländer
nur noch zur größeren Verwirrung beitragen. Man kann im Rahmen weniger Zeilen die vielschichtige Realität
in Österreich seit 1945 nicht darstellen, was Sie hoffentlich verstehen, Yersinia. Als Einstieg in die
Thematik empfehle ich u.a. den angesehenen Salzburger Historiker Wagnleitner mit seinem Schlüsselwerk
„CocaCola-Colonisation“ und hier gibt es dann Hin- u. Querverweise usw. Wenn man sich interessiert und
sucht, findet man die Hintergründe, es bedarf nur eines größeren Zeitaufwandes. richard
#8 Le Trot 09:49:58 | Donnerstag, 17. November 2005
@Marcel Diese Lektion haben wir traditionellen Katholiken gut gelernt. Vielen papalistisch verwirrten
gutgläubigen Katholiken steht sie noch schmerzlich bevor. Seien Sie sich da nicht so sicher. Vielleicht
gibt es eine Lektion, die wir alle noch nicht kennen, – auch nicht die Anhänger der Piusbruderschaft,
deren Schmerz über die vielen liturgischen Entstellungen ich teile.
#7 Marcel 08:55:20 | Donnerstag, 17. November 2005
Irrtum nicht ausgeschlossen Der Papst irrt nicht mit seinem Urteil über Österreich und seinen Klerus
und Laien, und in den meisten Ländern Europas ist es nicht besser. Ein Lob der heutigen Medien bedeutet
in den meisten Fällen nichts Gutes. Auch der Umkehrschluß ist erlaubt. Kein Automatismus zwar. Der Papst
ist Stellvertreter Christi, nicht Christi. Diese Lektion haben wir traditionellen Katholiken gut gelernt.
Vielen papalistisch verwirrten gutgläubigen Katholiken steht sie noch schmerzlich bevor. Als Maßstab
zur Beurteilung von päpstlichen Entscheidung kann und muß stets der apostolische Glaube dienen, wie
er uns unverfälscht überliefert wurde von der Kirche. Dies war bis zum Vatikanum I jedem Katholiken
vollkommen klar. Es ist den Feinden der Kirche zu „verdanken“ mit ihrer subtilen Lächerlichmachung des
päpstlichen Unfehlbarkeitsdogmas nach dem Vatikanum I, daß als Gegenreaktion auf diese subtile Zersetzungsaktion
ein Papalismus entstand, der erst nach dem Vatikanum II seine ganze Tragik offenlegt. Beten wir für die
Stärkung des Petrusnachfolgers, damit er viel Kraft erhalte, die Krämer aus dem Tempel Gottes zu werfen.
#6 zwobbel 07:53:21 | Donnerstag, 17. November 2005
So so, Österreich ist also „hochkatholisch“ Österreich soll „hochkatholisch“ sein? Na das bezieht sich
wohl auf die geophysikalische Höhe über dem Meeresspiegel. Denn wenn der Zustand der österreichischen
Teilkirche von links-modernistischen Blättchen gerühmt wird, dann darf man in Eintracht mit Papst Benedikt
XVI. eher hochkatholisch besorgt sein.
#5 Josef Gadient 07:32:08 | Donnerstag, 17. November 2005
Der Papst irrt Es gibt kein gefährlicheres Lob, als das der Medien, weil dieses Lob eine Bestätigung
ist, dass die Bischöfe für die Gegner der röm. kath. Kirche in die richtige Richtung arbeiten, nämlich
nicht römisch katholisch, sondern protestantisch katholisch. Sie“protestieren“ ja innerlich gegen den
Papst, doch sie sagen es nicht. Diesen Prozess kennen wir seit der Demokratisierung der Kirche durch das
Konzil vor 40 Jahren. Viele Bischöfe sind Wölfe im Schafspelz, die nicht mehr führen, sondern verführen.
Es ist nicht nur in Oesterreich so. Das ist kein Trost, sondern eine traurige Feststellung. Josef Gadient
Josef Gadient
Was aber nicht heißt, dass alles was der Papst feststellt automatisch falsch ist, oder? Wahrscheinlich
stützt sich Profil auf Umfragen aus dem Jahr 1901, denn Österreich ist schon längst alles andere als
Katholisch. In dem Punkt irrt sich Papst Benedikt bestimmt nicht.
#3 timpressum † 21:35:36 | Mittwoch, 16. November 2005
Der Papst ist auch nur ein Mensch… …und deswegen irrt er sich eben auch manchmal. Schließlich waren
auch seine Vorgänger durchaus dem einen oder anderen Irrtum erlegen… Macht ihn zumindest für mich
eher sympathisch!
Das „profil“ ist die Lieblingslektüre all jener in Österreich, die der irrigen Auffassung waren und
sind, stets an „der Spitze des liberalen Fortschritts“ zu marschieren. Zieht man in Betracht, WER dieses
Käseblättchen in WESSEN Auftrag gegründet und geleitet hat, wird die Sache für den Wissenden klar.
Klar wird dann auch, warum die guten konservativen und positiven, aufbauenden Kräfte in Kirche und Gesellschaft
stets in rotzigem Ton herabgesetzt, mies und lächerlich gemacht werden. Daß sich ein nicht unbeträchtlicher
Teil des Klerus von diesem liberalistischen Blättchen (u.a.) indirekt leiten und beeinflussen läßt,
weiß der Papst sichtlich. Deshalb wohl auch seine ernste Mahnung zur echten Trendwende und der verräterische
Aufschrei der „Intelligenzia“. Man fühlt sich gestellt und ertappt. richard