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Samstag, 19. November 2005 11:28
Was ist der einzige Unterschied zwischen Pornografie und moderner Kunst?
Ein US-Amerikaner, der sich Künstler nennt, zeigt seine Versuche gegenwärtig in Deutschland. Das fehlende Talent und die mangelnde Aufmerksamkeit beim Publikum kompensiert er durch Skandaleffekte und Appelle an die niederen Triebe.
Foto eines in Urin getauchten Kreuzes, 1989
Foto eines in Urin getauchten Kreuzes, 1989
(kreuz.net, Berlin) Gegenwärtig zeigt der US-amerikanischen Photograph Andres Serrano in Deutschland seine Aufnahmen. Seine Bildchen sind dabei in verschiedene Serien gegliedert:

Eine Serie nennt Serrano „Das Leichenschauhaus“. Sie beinhaltet Lichtbilder von Mordopfern, Ertrunkenen und Selbstmördern. Ein tiefschwarzer Hintergrund soll im voyeuristischen Publikum Gruselgefühle wecken.

In der Serie „Eine Geschichte des Sex“ zeigt Serrano unter dem Deckmantel der Kunst pornographisches Material sadomasochistischer, sodomistischer und transsexueller Ausrichtung.

Die Bilder entstanden in Amsterdam, einem bekannten Zentrum der lukrativen Porno-Industrie.

Serrano erklärt, warum es ihn ins Kunst- und nicht ins Pornogeschäft verschlagen hat: „Der einzige Unterschied zwischen Pornografie und Kunst: Kunst ist teurer.“

In die Schlagzeilen photographiert sich Serrano im Jahre 1989 mit dem Lichtbild eines in Urin getauchten Kruzifixes.

Das künstlerisch wertvolle Bild wurde fast zwei Jahre lang auf Wanderausstellung herumgeboten. Staaten unterstützten die Ausstellungen mit Steuergeldern.

Kürzlich beantwortete der Fotograph der deutschen Tageszeitung ‘Die Welt’ einige Fragen.

Thema des Gesprächs waren auch das beschmierte Christusbild – und die angebliche Naivität des Urinkünstlers:

Sie wurden über Nacht bekannt durch den Skandal, den Ihr Bild eines in Flüssigkeit getauchten Kruzifixes auslöste. Sie nannten es „Piss Christ“. Sie behaupten, die Reaktionen hätten Sie überrascht. Wie naiv sind Sie?

Andres Serrano: Wirklich, das war keineswegs abzusehen. Ich habe das Bild 1987 gemacht, ein Jahr später wurde es mehrere Monate in Brüssel gezeigt – und nichts passierte.

Erst ein weiteres Jahr später in den USA fand eine dieser ultrareligiösen Organisationen zufällig heraus, daß die dortige Schau indirekt mit amerikanischen Bundesgeldern gefördert wurde.

Sie haben eine riesige Kampagne gegen die Ausstellung gestartet mit 180.000 Briefen. Nur dadurch wurde ‘Piss Christ’ ein Skandal.

Die beste Werbung für Sie, der damalige Preis von 2.000 Dollar stieg auf inzwischen 250.000 Dollar.

Andres Serrano: Sicher – auch wenn das nicht deren Absicht war. Ich bin nicht per se auf Provokation aus.

Obwohl ich kein praktizierender Christ bin, fühle ich mich von der katholischen Ästhetik sehr angezogen. Ich sammle Möbel und Bilder aus alten Kirchen, vor allem aus der Zeit vor 1700.

Was meine Bilder betrifft, bin ich ein Kontroll-Freak. Ich will jedes Bild bis ins letzte Detail kontrollieren. So war es bei ‘Piss Christ’, so war es auch bei meinen Bildern aus dem Leichenschauhaus.

Zunächst war es ein Schock, aber dann siegte die professionelle Distanz zum Objekt. Ich agiere wie ein Arzt.
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 13 Lesermeinungen:
Freitag, 25. November 2005 16:34
Garm: Moderne Kunstund Pornos
Ich kenne den Unterschied.
Kunst macht nicht Geil!

Ach nee ihr seid schon niedlich.
Freitag, 25. November 2005 13:45
GerdEric: @Elendester Sünder
Nun, es ist doch weit mehr, als nur ein Kreuz, als dass man sich derart darüber erregen könnte.
Freitag, 25. November 2005 13:04
Elendester Sünder: Lieber GerdEric,
Mit welchem Grund behauptest Du, das Kruzifix wäre eine Götzenstatue?
Donnerstag, 24. November 2005 22:22
GerdEric: @Benedikt
Das Kreuz ist dem Christen lieb und teuer, ergo wird er es nicht gern sehen, wie es beschmutzt wird

Da gibt es noch heute an einem Gebäude die Judensau…
Nicht das die Sau den Juden lieb wäre,
aber beleidigend war es gedacht und ist es noch immer…

Wenn ich Ihren Kleiderschrank in die Kloake kippen, fänden Sie das dann lustig?

Ich habe doch gar nicht gesagt,
das ich das lustig finde!

Ersparen Sie uns doch bitteschön solche Schlüsse.

Versteh doch nicht alles miss.
Montag, 21. November 2005 08:47
Benedikt78: @ GerdEric
Es geht hier ja nicht darum sich einen Götzen (?) zu machen. Es geht vor allem darum, wie man das Kreuz in Ehren hält. Stellen Sie sich mal vor man würde das gleiche mit einer exotischen Religion – z.B. Islam – machen… Die gleichen politisch Korrekten, die zu solchen Bildern Beifall spenden, würden in eine Hysterie ausbrechen. Man hat die Achtung verloren. Leider überträgt sich das auch auf junge Leute. Kein Wunder ist Anstand, Treue und Ehre (Ehrfurcht) nicht mehr so weit verbreitet.

Aber um das zu erkennen, muss man ja nicht lange suchen. Das findet man auch hier im Forum. Ein Erzbischof in Strapsen… Mir käme nicht im Traum in den Sinn ein Foto von Hans Küng in Strapsen zu fordern. Auch wenn ich ihn nicht schätze!

Die Moral ist im Sinken begriffen und mit ihr das christliche Abendland. Dagegen muss man sich wehren. Jeder nach seinem besten Wissen und Gewissen!
Montag, 21. November 2005 07:34
Josef Gadient: Wenn die Menschen gottlos werden…
werden u.a. Sitten zügellos, Moden schamlos…etc. von Antoine de Saint-Exupéry.
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