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Montag, 21. November 2005 18:41
Teilhard statt Theologie
Teilhards Devise „Christsein heißt: Mehr Fortschritt, mehr Technik“ wurde zu einem Impuls, in dem sich die Konzilsväter der armen und reichen Länder zu einer Hoffnung zusammenfanden, die leichter zu vermitteln war als die komplizierte Theologie. Von Joseph Kardinal Ratzinger.
Links im Bild: Teilhard de Chardin SJ
Links im Bild: Teilhard de Chardin SJ
(kreuz.net) Der Bereich, in dem Aufklärung und Emanzipation ins allgemeine Bewußtsein getreten ist, nämlich der Versuch, das Problem von Sexus und Eros durch Aufklärung zu beseitigen, durch ein Wissen ohne Tabu zum Nicht-Problem zu machen, ist nur ein – freilich bezeichnendes – Symptom für einen Optimismus des Aufklärens, der letztlich auf Erlösung durch Wissen abzielt.

Dadurch wird auch der Impuls des Fortschritts so drängend: daß Erlösung, Befreiung des Menschen, immer noch auf sich warten läßt, scheint ja daran zu liegen, daß eben die Wissenschaft selbst noch immer unterwegs ist und vor ungelösten Fragen steht.

Mit dem Tempo ihres Fortschritts steht – wie es scheint – das Heil des Menschen auf dem Spiel.

Was den „Fortschritt“ verzögert, ist ein Angriff auf den Menschen selbst: die neue Gestalt der Schuld.

Im katholischen Bereich hatte das Zweite Vatikanum das Einstimmen in diese allgemeine Bewegung gefördert.

Schon vorher hatte der Aufbruch der Theologie mit allem, was er an neuem Verständnis der Schrift, der Väter, der Liturgie und an Offenheit zwischen den getrennten Christen eingebracht hatte, neue Begeisterung für die Wissenschaft erweckt und zeitweise sogar den traditionellen Pragmatismus eines großen Teils der Theologiestudenten aufgesprengt:

Theologisches Wissen erschien als eine Verheißung neuer Möglichkeiten des Glaubens, neuer Wege der Kirche.

Das Signal, das der Jesuit und Paläontologe Teilhard de Chardin († 1955) gegeben hatte, reichte weiter:

Er ordnete die geschichtliche Bewegung des Christentums in einer kühnen Vision in den großen kosmischen Evolutionsprozeß von Alpha zu Omega ein.

Dieser Evolutionsprozeß verlaufe seit der Noogenese – der Ausbildung des Bewußtseins – im Geschehen der Menschwerdung, als Aufbau der Noosphäre über der Biosphäre.

Das bedeutet, daß die Evolution sich nun in der Gestalt der technisch-wissenschaftlichen Entwicklung abspielt, in der endlich Materie und Geist, Individuum und Gesellschaft ein umfassendes Ganzes, eine göttliche Welt hervorbringen werden.

‘Gaudium et Spes, die Konzilskonstitution über die Kirche in der Welt von heute nahm dieses Signal auf.

Teilhard de Chardins Devise „Christsein heißt: Mehr Fortschritt, mehr Technik“ wurde zu einem Impuls, in dem sich die Konzilsväter der armen und reichen Länder zusammenfanden zu einer konkreten Hoffnung, die leichter zu dolmetschen und weiterzugeben war als der Sinn der komplizierten Erörterung über Kollegialität der Bischöfe und Primat des Papstes, Schrift und Überlieferung, Priester und Laien.

Aus: Joseph Kardinal Ratzinger, Theologische Prinzipienlehre, Bausteine zur Fundamentaltheologie, München 1982, Seite 350.
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 25 Lesermeinungen:
Samstag, 3. Dezember 2005 02:21
Sulpicius: @Gotthard
Ich war nicht dabei, möchte es auch nicht ausschließen. Aber dort waren nicht Rahner u. Co, die dieses Verhalten ausgenutzt hätten…
Freitag, 2. Dezember 2005 22:50
Agiafortuni: Zum Konzil
In den zwanziger Jahren hatte Kardinal Billot in weiser Voraussicht vor der Einberufung eines Konzils abgeraten, denn er sah darin eine Möglichkeit für die Modernisten, die Oberhand zu gewinnen. Genau aus diesem Grunde wurde es von Johannes XXIII einberufen. Die von ihm getroffenen Entscheidungen: Gründung eines Sekretariates für die Einheit der Christen unter Kardinal Bea traurigen Gedenkens, Ernennung modernistischer Kardinäle wie König und Suenens, Zulassung von Rahner und de Lubacs und Congar als Experte waren die richtigen Mittel, um jenes Ziel das ihm vor Augen schwebte, zu verwirklichen. Johannes XXIII wollte die Kurie entmachten und eine Kirche ins Leben rufen, die in der Lage wäre, den modernen Menschen anzusprechen. Was er damit erreicht hat, haben wir vor Augen. Unverständlich bleibt mir, dass die konservativen Köpfe im Konklave nicht erkannt haben,dass mit der Wahl Roncallis eine Büchse der Pandorra geöffnet wurde.
Freitag, 2. Dezember 2005 22:15
Gotthard: Geschichtliche Sicht
besser als bei „begleitenden Damen“ die freie Zeit zu verbringen wie beim Konstanzer Konzil … während des Konzils stieg dort die Zahl der Huren enorm…
Freitag, 2. Dezember 2005 20:54
Sulpicius: @Gotthard
Hl.Geist? Bitte nicht überbeanspruchen. Die meisten Konzilsväter beeilten sich, schnellstmöglich wíeder in der nächsten römischen Trattoria zu sitzen (oder nach Hause zu fahren)…
Freitag, 2. Dezember 2005 20:46
Benedikt: Quizfrage
Was wurde nach dem Konzil besser? Die FAZ hat dazu ja am Donnerstag einen interessanten und zugleich schizophrenen Artikel gebracht…
Freitag, 2. Dezember 2005 20:44
Gotthard: Gott sei Dank
denn dort saßen 2300 Bischöfe, die aufgrund ihrer Bildung genau wissen konnten, was ein Konzil ist
und die deshalb genauso gehandelt haben, wie sie es taten … unter Anleitung des Hl. Geistes, der sie die oft unvermuteten Wege führte.
GOTT SEI DANK!!!!!!!!!!
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