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Dienstag, 22. November 2005 10:58
Emotionen eines Emotionslosen
Der Wiener Abtreibungsunternehmer Christian Fiala sorgt sich um den Niedergang der Katholischen Kirche. In einem Offenen Brief an die österreichischen Bischöfe suchte er kürzlich mit einer originellen Anregung das Schlimmste zu verhüten. Das Schreiben
Dieses Kind wurde im Alter von sieben Wochen ermordet
Dieses Kind wurde im Alter von sieben Wochen ermordet
Sehr geehrte Mitglieder der Österreichischen Bischofskonferenz,

Wie den zahlreichen Medienberichten zu entnehmen ist, haben Sie mit dem Papst in Rom unter anderem über den zunehmenden Säkularisierungsprozeß in Österreich gesprochen.

Diese Entwicklung ist nicht neu und hat gute Gründe.

Ich darf Ihnen dazu aus eigener Erfahrung eine kleine Beobachtung mitteilen.

Ich bin Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe in Wien. Unter anderem betreue und behandle ich Frauen, die mit einer ungewollten Schwangerschaft zu einem Abbruch der Schwangerschaft kommen.

Keine der Frauen, die ich bisher gesehen habe, macht sich die Entscheidung leicht. Wenn sie sich trotzdem für diesen Schritt entscheiden, dann deshalb, weil sie keine andere Lösungsmöglichkeit sehen.

In dieser Situation treffen diese Frauen vor unserem Ambulatorium [Ort, wo ungeborene Kinder getötet werden A.d.R.] auf Menschen katholischen Glaubens, die gezielt auf sie warten, sie ansprechen, ihnen Material übergeben und häufig Plakate umgehängt haben, welche mit emotionellen, inhaltlich falschen Bildern schockieren wollen.

Diese Menschen nennen die Frauen „Mörderin“, sprechen sie mit „du“ an, stellen sich gelegentlich in den Weg und versprechen helfen zu können, wo sie doch nicht im Mindesten die Situation der Frauen kennen, ja nicht einmal daran interessiert sind, wo deren Probleme sind oder ob die Frauen überhaupt mit ihnen sprechen wollen.

Zusammenfassend kann ich Ihnen berichten, daß die Aktionen der Menschen vor unserem Ambulatorium bei praktisch allen Patientinnen und ihren Begleitpersonen eine Wut, teilweise eine maßlose Wut, auslösen.

Was von den religiös motivierten Demonstranten als besonders empörend empfunden wird, ist der absolute Mangel an Respekt für andere Menschen, insbesondere für Frauen in einer Krisensituation.

Diese Wut richtet sich in gleichem Ausmaß gegen die Menschen vor dem Ambulatorium wie auch gegen die Katholische Kirche, die sie vertreten.

Wie bekannt, ist ein Abbruch für die meisten Frauen ein schwieriger Schritt.

In Erinnerung bleibt vielen dieser Frauen, neben der Wut über die beleidigenden und entwürdigenden Übergriffe der Demonstranten, vor allem die große Enttäuschung über die Katholische Kirche, die sie in dieser schwierigen Situation nicht nur nicht unterstützt, sondern mittels der Demonstranten auch noch Salz in die offene Wunde gestreut hat.

Wenn Sie geehrte Mitglieder der Bischofskonferenz von der realistischen Annahme ausgehen, daß etwa 3 von 4 Frauen in Österreich einmal in ihrem Leben einen Abbruch vornehmen lassen und ein großer Teil von ihnen diesen religiös motivierten Übergriffen ausgesetzt ist, so ergibt sich daraus ein beachtliches Potential für den anhaltenden Säkularisierungsprozeß.

Darüber hinaus ist unklar, wie unter diesen Voraussetzungen eine „Trendwende“ dieses Prozesses möglich sein soll.

Wenn die großen Worte der Katholischen Kirche von Nächstenliebe nicht nur leere Worte sind, möchte ich an Sie appellieren, diese Frauen wenigstens zu akzeptieren und anzunehmen, wenn Sie in den katholischen Krankenhäusern schon nicht für sie sorgen können oder wollen.

Annehmen hieße aber auch, die Entscheidung der Frauen für einen Abbruch zu akzeptieren und sie nicht mit emotionalen und inhaltlich falschen Argumenten, sowie psychischen Übergriffen einzuschüchtern, wie dies tagtäglich unter anderem durch die Organisation ‘Human Life International’ (HLI) und mit Unterstützung der Kirche „Maria vom Siege“ in Wien geschieht.

Es ist Ihnen hinreichend bekannt, daß es schon immer Schwangerschaftsabbrüche gegeben hat und die Häufigkeit nur durch eine häufige Anwendung von Verhütungsmitteln zu senken ist.

Ich darf in diesem Zusammenhang darauf hinweisen, daß im internationalen Vergleich Holländerinnen mit Abstand die niedrigste Rate an Abbrüchen haben. Es ist Ihnen auch bekannt, daß die Legalisierung des Abbruchs nicht zu einer Zunahme der Häufigkeit von Abbrüchen geführt, jedoch dazu beigetragen hat, daß heute praktisch keine Frau mehr an dem Eingriff verstirbt, wie es früher an der Tagesordnung war.

In diesem Sinne verbleiche [sic] ich mit freundlichen Grüßen

Dr. Christian Fiala
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 19 Lesermeinungen:
Freitag, 25. November 2005 08:34
richard: Vorbild
sein – Sie treffen damit den Nagel auf den Kopf. Ja, Priester, Bischöfe und Lebensschützer müssen das als Voraussetzung mitbringen, das ist klar. Frauen vor Abtreibungskliniken abfangen ist sicherlich viel zu wenig und meist zu spät – einmal von der prekären psychologischen Situation von beiden Seiten abgesehen.
Man muß schon bei Beginn von verzweifelten Situationen schwangerer Frauen Hilfe in jeder Form anbieten können, damit der allerletzte, tödliche Schritt damit vermieden werden kann. Ich bleibe aber dabei: die finanzielle Absicherung wäre für die Gemeinschaft tatsächlich sehr leicht machbar. Das Übrige: menschliche Wärme, Begleitung, SOLIDARITÄT mit der Nächsten: das ist uns allen scheinbar verloren gegangen, das müssen wir wieder entdecken und praktizieren!
richard
Freitag, 25. November 2005 01:01
methusalix †: Hallo Richard,
ich sitimme Ihnen einerseits voll zu, das MUSS ein gesamtgesellschaftliches Problem sein und wir MÜSSEN dafür ein Bewusstsein in der öffentlichen Meinung verankern. (unsere katholischen Taliban würden schreiben: Schuldbewusstsein) Das ist in einer modernen Gesellschaft (und sonst auch überall!) nur durch leuchtendes Vorbild zu schaffen und NICHT mit öffentlichen Geldern; die benötigt man dazu meiner Ansicht nach nicht, obwohl sie dabei natürlich gut angelegt wären!
Seine Eminenz Kothgasser, der Bischof von Salzburg gibt so ein leuchtendes Beispiel mit der Schaffung von Einrichtungen für Frauen, die nicht mehr weiter wissen. Wenn die Diözese das richtig anpackt, dann werden dort mehr Menschen errettet werden, als von allen „Lebenschützern der letzten Minute“ zusammen.
Donnerstag, 24. November 2005 08:57
richard: Hilfe
für seelisch und/oder sozial in tiefer Krise stehenden schwangeren Frauen muß(!!!) in einer solidarischen Gemeinschaft eine pure Selbstverständlichkeit sein, methusalix. Sie muß ganz selbstverständlich natürlich auch von Lebensschützern erfolgen, wenn man solche Frauen kennt und das ist ein schlichtes organisatorisches Erfassungsproblem. Entscheidend helfen kann und muß hier selbstverständlich der Staat mit seinen dafür zuständigen Organen. Der wahre Skandal ist ja, daß angeblich „kein Geld“ zur Verfügung steht, was eine schlichte Lüge ist. Es fehlt allein der politische Wille der verantwortlichen Politiker, mehr nicht. Geld für „Künstler“ steht z.B. in Österreich in jeder Menge zur Verfügung. Auf Steuerzahlers Kosten kann ein geistig kranker Jakobiner Stiere schlachten und das Blut auf der Bühne umherschütten, dampfende, stinkende Gedärme über nackte Männer und Frauen werfen – dafür sstehen Millionen an € zur Verfügung. Aber Leben von schwangeren Frauen und Ungeborenen retten – wo kämen wir denn da hin, das wäre doch fast „pervers“????
richard
Mittwoch, 23. November 2005 19:35
methusalix †: Antworten an Benedikt und Richard
@benedikt
Ich bedauere, wenn Sie mein Beitrag in die Irre geführt haben sollte. Selbstverständlich wird das im Netz übliche du NICHT justitiabel sein! Wie sollte dies auch verfolgt werden?
Was in dem Brief aber berichtet wurde ist dies:

Zitat:
„Diese Menschen nennen die Frauen „Mörderin“, sprechen sie mit „du“ an, stellen sich gelegentlich in den Weg und versprechen helfen zu können, wo sie doch nicht im Mindesten die Situation der Frauen kennen, ja nicht einmal daran interessiert sind, wo deren Probleme sind oder ob die Frauen überhaupt mit ihnen sprechen wollen.“

Dieses du in der direkten persönlichen Anrede, noch dazu von jemandem, der ein Gespräch aufdrängen will, ist sehr wohl durch Gerichte bereits als Beleidigung geahndet worden.

@richard
Das extrem späte Eingreifen der sogenannten „Lebensschützer“, praktisch erst dann wenn es bereits zu spät ist, kann zu der Überlegung führen warum dies erst so spät geschieht und ob dies nicht absichtlich geschieht um in den meisten Fällen nichts unternehmen zu MÜSSEN, aber sein eigenes Gewissen sozusagen reinzuwaschen nach dem Motto: „Ich habe ja versucht sie von der Klinik abzuhalten!“.
Nichts und niemand könnte doch diesen Menschen verbieten, bereits im Vorfeld Hilfe, Schutz, Unterstützung und Zuwendung anzubieten. Warum tun sie das nicht?????
Mittwoch, 23. November 2005 12:59
Benedikt: @ methusalix
Sie sind hier ja schon öfter durch juristische Fehlschüsse aufgefallen. Zeigen sie mir den Richter, der jemanden wegen der Verwendung des im Internet fast überall üblichen „Du“ ins Gefängnis steckt. So was lächerliches.
Mittwoch, 23. November 2005 08:38
richard: Heuchler,
methusalix, sind wohl diejenigen, die sich zweierlei Moral zurechtgelegt haben. Das Leben wird vom Schöpfer verliehen. Wer Leben mordet, unter welcher Begründungen auch immer – „unwertes Leben“ im NS, „im Namen der Religion“ im Mittelalter, „Kampf gegen den Terrorismus“ (G. Bush), „Klassenfeind“ oder „mein Bauch gehört mir“ von roter Seite – handelt gegen Gott und seine Schöpfung. „Du sollst nicht töten“: überfordert dieser schlichte Satz das Begriffsvermögen oder ist es tatsächlich Ignoranz und selbstgebastelte Moral? Jedes soziale Elend der Frauen kann und muß eine solidarische Gemeinschaft lösen. Hier ist der Hebel anzusetzen. Keine Gemeinschaft oder Person jedoch kann sich die Erlaubnis geben, aus „sozialen Gründen“ zu morden. Lebensschützer heucheln nicht, sondern nur die Egoisten!
richard
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