10:50:06 | Mittwoch, 23. November 2005
19. November 2005: Ein dunkler Tag in meinem Leben
„Vorsicht, Herr Humer!“, ruft mir ein Billeteur zu. Fast wäre ich in eine Blutlache getreten. Ein ständiger Summerton verbreitet im Haus eine geisterhafte Stimmung. Von Pornojäger Martin Humer, Waizenkirchen in Oberösterreich.
(kreuz.net, Waizenkirchen) Es riecht nach Blut. Es stinkt nach rohem Fleisch, Kot und Eingeweiden. Ein
widerliches Gemisch von Gerüchen wie bei einem schlampigen Metzger.
Ein paar Wichtigtuer – Angestellte
des Burgtheaters – entdecken meine Anwesenheit. Sie fordern mich auf, das Haus unverzüglich zu verlassen.
Eben wird ein nackter Mann vor den Haupteingang des Burgtheaters getragen. Er ist auf ein Holzgestell
geschnallt, in der Form eines Kreuzes, die Augen verbunden.
Kinder spielen um das Haus. Ein Bub fragt
seine Mutter: „Mama, ist das ein echter oder ist der aus Plastik?“
Ich gehe um die Ecke. Dort bereitet
eine andere Gruppe ihren Auftritt vor.
Eine junge Frau liegt nackt auf einer Bahre. Auf ihr liegen Gedärme
und Blut. Das dumme Geschöpf zittert vor Kälte. Die blutbeschmierten Leichenträger stehen wortlos um
sie herum.
Plötzlich der Befehl: „Auf“.
Das Gestell wird hochgehoben. Blut und Fäkalien fallen zu
Boden. Die Tür geht auf. Die Narren ziehen ins Burgtheater ein, wo sie der große Blutorgienmeister auf
der Bühne erwartet.
Männer mit Lanzen prozessieren hinterher.
Ich schreie so laut ich kann: „Und das
60 Jahre nach Auschwitz, ihr Narren!“
Die ‘Christlich-Soziale- Arbeitsgemeinschaft’ meldete bei der Wiener
Polizeidirektion eine Demonstration gegen dieses närrische Spektakel an.
Der gewünschte und auch sinnvolle
Ort für diese Demonstration war ein Platz neben dem Eingang zum Burgtheater.
Doch die Wiener Polizei
verbannt uns hinter das Gebäude, in die Löwelgasse mit starkem Autoverkehr. Der Tankstellenpächter
erbarmt sich unser und gibt uns für die Demonstration einen Standort.
Lautsprecher werden uns zunächst
verboten, dann doch erlaubt. Allerdings mit Auflagen. Wenn der große Meister mit seiner Kochlöffelmusik
um das Burgtheater zieht, dürfen weder Lautsprechermusik noch Durchsagen gemacht werden.
Man droht mit
Untersagung.
In meinem Fall weiß man wohl, daß ich mir eine Untersagung nicht gefallen lassen und eine
Verfassungsbeschwerde einbringen würde.
Die Herren der Polizei erlaubten dann doch die Verwendung der
Lautsprecheranlage.
Gegen 18.30 Uhr produzieren wir ein Schüttbild. Wir lassen uns dabei vom großen
Blutorgienmeister inspirieren.
Auf einer sechs Meter langen Leinwand haben junge Studenten einen großen
Embryo gemalt. Ich beginne am oberen Rand der Leinwand rote Farbe zu schütten. Dabei gedenke ich laut
der 250 ungeborenen Kinder, die täglich in Österreich abgesaugt und getötet werden.
Ich erinnere weiter
an die blutige Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts.
Dabei nannte ich die Namen Hiroschima, Nagasaki,
Dresden, Auschwitz, Mauthausen und viele andere Stätten des Grauens.
Wir produzieren auch ein Schüttbild
für den Blutorgienmeister. Die Übergabe ist an die Auflage gebunden, daß der große Meister die 30.000
Euro, die er mit dem „Großen Staatspreis“ ausgezahlt bekam, mit Dietmar Fischer – dem Vertreter von ‘Human
Life in Österreich’ – teilen möge.
Fischer wird die erwarteten 15.000 Euro für den Schutz der Ungeborenen
oder für Mütter in Not verwenden.
Wir tragen unser Schüttbild in das Burgtheater.
Als man meine Freunde
und mich dort wieder erblickt läuft alles, was eine Uniform trägt, zusammen.
Ich befördere den Polizeioffizier
verbal zum General, was ihm gar nicht so schlecht gefällt. Dann ersuche ich ihn höflich, er möge unser
Schüttbild dem großen Meister übergeben.
Den Zahlschein verspreche ich nachzuschicken.
In einer anschließenden
Ansprache weise ich auch auf die weltweite kulturelle Bedeutung Österreichs hin.
Ich erzähle dabei,
was ich in Ostafrika mit dem gottseligen Pfarrer Grüner erlebte. Damals waren wir als Gäste der kenianischen
Bischofskonferenz unterwegs. Wir besuchten eine Schule im Goron-Goron-Krater, wo die Kinder der Wildhüter
unterrichtet werden.
Der Direktor der Schule stellte uns den Kindern vor: „Diese Herren kommen aus Austria:
Wißt ihr wo Austria ist?“.
„Yes!“
„Was wißt ihr denn von Austria?“
„Dort gibt es viele Schafe“.
„Aber nein. Ihr verwechselt Austria mit Australia. Wien ist die Hauptstadt von Austria.“
„Was wißt ihr
von Wien?“
Die ganze Klasse schrie: „Mozart!“
Zornig, müde und erkältet fahren wir nach der Demonstration
nach Hause.
Nach der Tafel „Ortsende Wien“ halten wir noch einmal an, um symbolisch den Staub von den
Schuhen zu schütteln.
Ich erinnere mich dabei an die wohltemperierten Phrasen des österreichischen
Bundespräsidenten, Dr. Heinz Fischer, über Humanität, Menschenwürde, Menschlichkeit und ähnliches.
Die ‘Österreichische Volkspartei’ verkauft sich als „christlichsoziale Partei“ und läßt diese Kulturschande
zu.
Die ‘Sozialdemokratische Partei Österreichs’ stellt sich als soziale Gruppierung dar. In Wirklichkeit
hat sie ihr angeblich soziales Parteiprogramm schon längst auf Fressen, Vögeln und Betriebsausflug reduziert.
Die ‘Freiheitliche Partei Österreichs’ redet gerne von „national“. Ihr Programm heißt Stimmenmaximierung
vor Wahlen.
Die ‘Grünen’ sind nicht der Rede wert. Wo bleibt ihr Umweltschutz für das Burgtheater?
Den österreichischen Bischöfen sind weder die Kulturschande, die am 19. November 2005 mit dem Burgtheater
geschah, noch ein ernsthafter Schutz ungeborener Menschen, noch
der himmelschreiende Menschenhandels zum
Zwecke der Prostitution ein wirkliches Anliegen.
Am vergangenen Christkönigssonntag hieß es im Evangelium:
Wahrlich ich sage euch: Was ihr für einen dieser Geringsten nicht getan habt, das habt ihr auch mir
nicht getan.
Viele der österreichischen Bischöfe werden immer mehr zu einem Ärgernis in den Augen
Gottes.
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