Gomorrhismus
War die zehnjährige Mühe umsonst?
Am Dienstag veröffentlichten Unbekannte das seit zehn Jahren erwartete vatikanische Homo-Dokument eine Woche vor der offiziellen Promulgation des Volltextes. Tags darauf erklärten Bischöfe verschiedener Länder, daß man alles beim alten belassen wolle.
Stellungnahme des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Karl Kardinal Lehmann

„Die deutschen Bischöfe begrüßen die Instruktion. In der Regel wird in unseren Theologischen Konvikten und Priesterseminaren schon seit längerer Zeit in diesem Sinne verfahren. Darum steht die Instruktion auch in einer grundsätzlichen Übereinstimmung mit der zuerst im Jahr 1999 erarbeiteten, dann von 2003 bis 2005 überprüften Handreichung ‘Homosexualität und Priesterberuf’ (24 Seiten), die für den internen Gebrauch bestimmt war, inzwischen aber auch öffentlich bekannt wurde. Wir empfinden die Instruktion deshalb auch als Bestätigung des eigenen Weges, der einerseits eine klare grundsätzliche Orientierung und anderseits eine differenzierte Beratung und Entscheidung im Einzelfall darstellt.“

Erklärung der Schweizer Bischöfe

„Wir danken allen Priestern, die ihre Berufung in großer Treue leben. Wir sind uns bewußt, daß in unserem Priesterkollegium und in unseren Seminarien Mitbrüder leben, die sich als Menschen mit heterosexueller Orientierung und Mitbrüder, die sich als Menschen mit homosexueller Orientierung erfahren. Jeder soll als Mensch und Mitbruder akzeptiert und respektiert werden. Unabhängig von unserer sexuellen Orientierung haben wir uns entschieden zu einem Leben in eheloser Keuschheit. Im Mittelpunkt unserer Abklärungen zur Zulassung zum Priesteramt steht nicht die sexuelle Orientierung, sondern die Bereitschaft zur konsequenten Christusnachfolge. Die Stellungnahme, die wir in einem Pastoralschreiben vom Oktober 2002 diesbezüglich veröffentlicht haben, deckt sich weitgehend mit der Haltung der neuen Instruktion: »Es ist unsere Aufgabe als Bischöfe, in kluger Unterscheidung zu prüfen, wem ein entsprechendes Charisma geschenkt ist und folglich zum kirchlichen Dienst zuzulassen oder nicht. Eine homosexuelle, aber in geschlechtlicher Enthaltsamkeit gelebte Neigung schließt vom kirchlichen Dienst nicht aus.«“

Los Angeles Times

„Ein Sprecher der Erzdiözese Los Angeles sagte, die Instruktion werde kaum – wenn überhaupt – eine Auswirkung darauf haben, wie Priesterseminare in Los Angeles ihre Kandidaten auswählen.“

Catholic News Service, Nachrichtendienst der US-Bischofskonferenz

„Der neue Text behandelt ausschließlich die Frage der Homosexualität. Das versetzte sogar innerhalb des Vatikan einige Leute in Aufregung. »Man hätte ein allgemeineres Dokument über Selbstkontrolle oder Keuschheit schreiben sollen«, erklärte ein Bischof, der den Vatikan zu Fragen der Glaubenslehre und zu anderen Thema berät: »Diese Instruktion sagt sehr richtige Dinge, aber es gibt viele Versuchungen oder Instinkte, die vor der Priesterweihe kontrolliert werden müssen«, so der Bischof: »Stattdessen wurde eine Instruktion geschrieben, die Homosexuelle aussondert. Das kann zu Mißverständnissen führen.«“

Bischof Matthew Clark von Rochester/New York, am 12. November in seiner Bistumszeitung zu Gerüchten um ein neues Homo-Dokument

„Die grundlegende Sorge der Heranbildung zu einem Leben in zölibatärer Keuschheit gilt der sexuellen Reife, nicht der sexuellen Orientierung. Eine gute Seminarerziehung muß für eine Umgebung sorgen, in der sich heterosexuelle und homosexuelle Kandidaten so entwickeln können, daß sie sich voll und ganz, sogar freudig für den keuschen und treuen Zölibat verpflichten.“

Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche – HuK

„Homosexuelle nicht zum Priesteramt zuzulassen, stellt eine ungerechte Verallgemeinerung dar, mit der Schwule zu Sündenböcken gemacht werden. Das Priesteramt bedarf einer grundlegenden Reformierung. Die Ausgrenzung einzelner sollte in einer lebendigen und christusgemäßen Kirche keinen Platz haben. Die Weisung stellt homosexuell orientierte Priesteramtskandidaten in vielem schlechter als andere. Damit verstößt die Weisung sogar gegen die eigene, offizielle Lehre der römischen Amtskirche. Im Weltkatechismus heißt es unter anderem »Man hüte sich, sie [die Homosexuellen] in irgendeiner Weise ungerecht zurückzusetzen«.“
      
11 Lesermeinungen
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#12   Pierre   09:47:58 | Dienstag, 29. November 2005
2000jährige Tradition gebrochen
Das jüngste Dokument, welches homosexuelle Männer vom Priesteramt ausschließt, bricht mit einer 2000jährigen Tadition und Realität der katholischen Kirche.
Immer schon hat es einen verhältnismäßig hohen Anteil an homosexuellen Priestern gegeben, ohne dass dies deshalb dem Christentum zum Nachteil gewesen wäre.
Im Gegenteil: Aufgrund ihrer Sensibilität sind homosexuelle Männer eher begünstigt, ein Priesteramt auszuüben.
Der eigentlich Anlass des Dokumentes aber sind doch wohl die Geschehnisse von padophil handelnden Geistlichen in den USA.
Aber, was hat dies mit Homosexualität zu tun.
Selbst wenn man unterstellen würde, dass homosexuelle veranlagte Männer eher zu padophilen Handlungen neigen, als heterosexuelle, so sind doch letztlich beide Gruppen in der Lage, pädophile Übergriffe auf Kinder und Jugendliche zu realisieren.
Homosexualität hat nicht automatisch etwas mit Pädophilie zu tun und umgekehrt.
Die katholische Kirche bricht nicht nur mir ihrer 2000jährigen Praxis Homosexuelle gleichberechtigt zu Priestern zu weihen.
Sie grenzt diese Menschen vom Dienst an Gott aus.
Die Kirche versucht gleichgeschlechtlich empfindende Menschen und Jesus zu entzweien.
Was würde Jesus Christus nur dazu sagen ,wenn er leibhaftig unter uns wäre?
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#11   Bonaventura   13:42:17 | Freitag, 25. November 2005
@timpressum: Immerhin kann man auch kovertieren!
FALSCH!
Ein KAtholik kann nicht konvertieren, er kann bei einem Wechsel der Konfession, wobei dieser Wechsel auch ein Abgehen vom einzig wahren und Heilswirksamen Glauben bedeuten würde, nur pervertieren!
Gruß von einem „orthodoxen“ Katholiken =)
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#10   timpressum †   22:47:23 | Donnerstag, 24. November 2005
Man sägt auch nicht…
…am Ast auf dem man sitzt! :-)
Ließe man keine schwulen Priester mehr zu, wüde die Seelsorge wohl weltweit zusammenbrechen.
Und man kann ja über den Zölibat denken, wie man will (Petrus war verheiratet und zahlreiche Päpste haben das auch nicht so genau genommen…) – aber da müssen sich dann eben auch schwule Priester dran halten, wenn sie in der römischen Kirche arbeiten wollen. Immerhin kann man auch kovertieren!
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#8   Ignatius   15:08:38 | Donnerstag, 24. November 2005
Inquisition
Instruktionen helfen schon lange nix mehr. Vor allem wenn die Herrn Päpste nicht hinter dem stehen was sie schreiben (lassen) sonst würden sie ja stärker dafür sorgen dass wenigstens die Herrn Bischöfe nicht so ketzerische Töne in Richtung Rom loslassen so von wegen „juckt mich nicht was Rom sagt“.
Aber man ist ja mit „Meetings“ mit Hiphoppoprocktechnodancetrance-Jugendlichen und Kaffeekranz mit dem Synagogenvorsteher und Attatürks Erben und andrer wichtiger Weltpolitk ausgelastet während daheim die Kirch zerbröselt (wird).
Die heilige Inquisition würds schon richten!
(Deswegen wurde sie abgeschafft damit man so richtig ungeniert in der Kirche Mammas Porzellan zerstrümmern kann.)
Aber die Inquisition kommt wieder. Und die Scherben werden alle fein säuberlich zusammengeklebt. Eins nach dem anderen.
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#7   Sulpicius   14:51:44 | Donnerstag, 24. November 2005
@Justus: Die Niederschrift…
…wurde halt desöfteren durch römische Trattoria-Besuche unterbrochen. :-)
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#6   Justus   14:30:28 | Donnerstag, 24. November 2005
Zehn Jahre
Ist es nicht allein schon äußerst merkwürdig, dass die Bildungskongregation für diese zwei Seiten, die ohnehin im Grunde nichts Neues enthalten, zehn (nach anderen Quellen: acht) Jahre gebraucht hat?
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#5   jolie   13:08:15 | Donnerstag, 24. November 2005
hat jemand im ernst
geglaubt, dass sich durch instruktionen noch etwas verändern lässt in den einzelnen ortskirchen?
ich net.
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#4   Benedikt   11:23:31 | Donnerstag, 24. November 2005
Naja…
Vor allem die Antworten aus den USA sind aufschlussreich.
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#3   Peccator   11:17:21 | Donnerstag, 24. November 2005
@ alle
… und dennoch werden keine Konsequenzen gezogen. Dies ist der wichtigste Vorwurf den man dem Papst und den Vatikan machen muß: Obwohl sie das Übel oft klar und deutlich sehen, greifen sie nicht ein und lassen zu, daß die Schafe in die Irre geführt werden.
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#2   Marcel   10:52:36 | Donnerstag, 24. November 2005
Antwort
Nein.
(Gut gefragt, Ottaviani)
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#1   ottaviani   10:00:30 | Donnerstag, 24. November 2005
Frage
Gab es i9n den letzten 30 jahren ein dokument aus dem Vatikan das praktische folgen hate ich kenne keines
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