16:15:24 | Sonntag, 27. November 2005
In manchen Gegenden schreit ein verschneiter erster Adventssonntag eher nach Kaffee, Keksen und Kuchen als nach katholischen Katechismusklassen. Dennoch gibt es über den Advent einige Dinge zu sagen.
Katechet: Das Wort Advent – lateinisch: adventus – bedeutet Ankunft oder Erscheinen. Advent ist die sichtbare
Ankunft Christi auf Erden zum Zweck der Erlösung der Sünder. Besonders aber ist der Advent die erste
Zeit des Kirchenjahres. Sie dient der Vorbereitung auf die heilige Weihnacht.
Katechismusschüler Aber
warum sprach das heutige Sonntagsevangelium von der Endzeit?
Katechet: Zur Antwort, muß ich ein wenig
ausholen: Der Advent Christi wurde wegen des Sündenfalls und der Erbsünde notwendig.
In Adam verlor
die ganze Menschheit die Freundschaft mit Gott. Doch Christus – dessen Zweites Kommen wir erwarten – erschien
in Bethlehem, um uns zur
Freundschaft mit Gott zurückzuführen.
Durch seine erste Ankunft in Bethlehem
hat Christus der Menschheit aller Zeiten und Orte Rettung gebracht.
Doch die von ihm durch sein Erdenleben
und besonders durch sein Sterben
gewirkte Erlösung muß sich der Christgläubige zueigen machen.
Dafür
sind wir auf Erden.
Endgültig vollendet wird Weihnachten am Ende der Endzeit: wenn Christus das zweite
Mal wiederkommt.
Der erste Gedanke der Liturgie des Advents- und Weihnachtszeit liegt bei der ersten
Ankunft Christi in Betlehem.
Doch in einem zweiten Gedanken verbindet die Liturgie Betlehem mit der endgültigen
Wiederkunft des herrschenden Christus, der kommt um sein Erlösungswerk zu vollenden.
Katechismuskind
Wie soll ich also die bevorstehende Adventszeit in die Tat umsetzen?
Katechet: Merke dir das
dreifache
Anliegen der Adventszeit:
1. Zuerst ist der Advent Sehnsucht nach der Ankunft Christi. Wir wünschen
das für uns persönlich und für die ganze Kirche. Zum Ausdruck bringen wir diesen Wunsch in leidenschaftlichem
Gebet.
2. Der Advent ist eine Zeit der Buße. Schon der Vorläufer Christi, der heilige Johannes der
Täufer, rief die Menschen vor der Ankunft Christi auf, Buße zu tun. Wer einen Gast erwartet, putzt seine
Stube heraus. Der Büßer bereitet seine Seele für Christus. Die Buße vollbringen wir in der Abkehr
von den Dingen dieser Welt.
3. Schließlich ist die Adventszeit eine Seelengemeinschaft mit der Muttergottes.
Maria ist das Vorbild der christusschwangeren Kirche. Sie symbolisiert auch die menschliche Seele, die
in der heiligen Kommunion Christus empfängt und in sich trägt.
Katechismusschüler Wie werden diese
drei Anliegen in der Kirche sichtbar gemacht?
Katechet: Sie werden in den Heiligen Messen der Adventszeit
sichtbar gemacht.
Die Sehnsucht nach Christus und die Buße offenbaren sich in der violetten Farbe der
Meßgewänder. Zudem fällt in der Messe das ‘Gloria in excelsis Deo’ weg. Auch die Orgel schweigt. Das
ist ein Ausdruck der büßenden Sehnsucht nach dem, der kommen wird.
Die Priester und Ordensleute rufen
außerdem im ‘Alma Redemptoris Mater’ die weihnachtliche Muttergottes an. Diese marianische Schlußantiphon
am Ende der Komplet – des Nachtgebetes der Kirche – ersetzt das ‘Salve Regina’.
Katechismuskind Ich möchte
meine Seelengemeinschaft mit der Muttergottes auch gerne verinnerlichen.
Katechet: Dann bete mit der
Kirche vor dem Schlafengehen das
‘Alma Redemptoris Mater’:
Alma Redemptoris Mater,
quae pervia caeli
porta manes,
et stella maris,
succurre cadenti, surgere qui curat, populo:
tu quae genuisti,
natura mirante,
tuum sanctum Genitorem,
Virgo prius ac posterius,
Gabrielis ab ore,
sumens illud Ave,
peccatorum miserere.
Erhabne Mutter des Erlösers,
du allzeit offene Pforte des Himmels
und Stern des Meeres,
komm, hilf deinem
Volke,
das sich müht, vom Falle aufzustehn.
Du hast geboren, der Natur zum Staunen,
deinen heiligen Schöpfer.
die du aus Gabriels Mund
nahmst das selige Ave,
o erbarme dich der Sünder.
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