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Dienstag, 29. November 2005 08:38
Die Kirche ist nicht die „größte transnationale Schwulenorganisation“
Der deutsche Jesuitenpater und Psychotherapeut Hermann Kügler (53) hatte im Gespräch mit der Onlineausgabe des Wochenmagazins ‘Spiegel’ das jüngste vatikanische Dokument zur Homosexualität kritisiert.
Anläßlich eines Homo-Aufmarsches 2005
Anläßlich eines Homo-Aufmarsches 2005
(kreuz.net) Am Wochenende bemängelte der Münchner Jesuitenpater gegenüber dem ‘Spiegel’, daß der Vatikan zwischen „praktizierenden Homosexuellen“ und „praktizierenden Heterosexuellen“ unterscheide. Homosexuelle seien keine eigene Klasse von Menschen.

Pater Hermann Kügler
Pater Hermann Kügler
Pater Hermann Kügler SJ lebt in München und wurde vor 25 Jahren zum Priester geweiht. Der Jesuit studierte Theologie in München, Rom und Frankfurt. Er gibt regelmäßig Kurse in der Priester- und Ordensausbildung.

Das von Pater Kügler vor dem ‘Spiegel’ kritisierte vatikanische Dokument wurde bereits vor einer Woche von Unbekannten im Volltext veröffentlicht.

Am Montag nahm der Jesuitenpater seine Aussagen teilweise zurück.

In einer Aussendung des Jesuitenordens erklärte Pater Kügler, daß insbesondere seine Aussage, die Kirche sei „die größte transnationale Schwulenorganisation“, eine polemische Entgleisung darstelle. Er könne sich dies nur aus der Hektik der Gesprächssituation erklären:

Pater Kügler hatte diesen Ausdruck im Anschluß an ein Zitat der Kontroverstheologin Uta Ranke-Heinemann – wonach die katholische Kirche ein „ideales Biotop“ für Homos sei – verwendet.

„Diese Worte sind ein denkbar falsches Signal gewesen“ – lenkte der Jesuit am Montag ein. Mit seiner Kritik an der Vatikan-Instruktion habe er keinen guten Dienst getan.

Er bedauere sehr, daß sich dieses Zitat mittlerweile verselbstständigt und bei vielen Menschen – die sich sachlich mit der Problematik auseinandersetzen wollen  – Irritationen hervorgerufen habe.

Im Gespräch mit dem ‘Spiegel’ hatte der Jesuit erklärt, daß das vatikanische Homo-Dokument als diskriminierend empfunden werden könne.

Dessen Forderung, daß die geistlichen Begleiter in den Priesterseminarien Seminaristen mit Homo-Tendenzen von ihrem Weg zum Priesteramt abbringen sollten, bezeichnete der Jesuit als „Gesinnungsschnüffelei“.

Eine praktische Umsetzung dieser Forderung würde in manchen Jahrgängen zu einer Eliminierung von bis zu 40 Prozent der Kandidaten führen.

Schätzungen  – die er als „glaubwürdig“ zitierte – gingen davon aus, daß etwa 20 Prozent der katholischen Priester homosexuell seien. Dies bedeute nicht, daß sie die Neigung auslebten, beschwichtigte der Jesuit.

Warum die Kirche die Homosexualität nicht als etwas Natürliches ansehe, wurde der Jesuit gefragt.

Da hinke  – so die Antwort – die Kirche der Rezeption vieler „wissenschaftlicher Einsichten“ hinterher.

Homosexualität gelte heute als eine normale Variante sexuellen Verhaltens. Sie sei weder mit dem Willen noch mit Therapien zu beeinflussen – meinte der Pater – „so wenig wie wenn Leute rote oder schwarze Haare haben.“

Die Kirche betrachte die Homosexuellen zwar nicht mehr als Sünder, aber doch als Kranke, denen mit Liebe und Achtung zu begegnen sei.

Die Aussage des Kölner Kardinalerzbischofs Joachim Meisner, daß die Sodomie der göttlichen Schöpfungsordnung widerspreche, deutete der Jesuit als „ein fundamentalistisches Verständnis der Bibel“.

Die scharfe Ablehnung der Homosexualität in der Bibel gehe von Voraussetzungen aus, die man im historischen Kontext des alten Orients sehen müsse.

In der Bibel würden Homosexuelle eigentlich als Heterosexuelle gesehen, die sich aus perversen Neigungen homosexuell verhielten. Nur das werde abgelehnt.

Eine genetisch bedingte Homosexualität sei der Bibel nicht bekannt.

Somit empfiehlt der Jesuit dem Erzbischof von Köln, „exegetisch und hermeneutisch etwas genauer hinzuschauen“.

Zur Frage, ob er sich angesichts seiner Kirchenkritik vor Sanktionen fürchte, antwortet Pater Kügler mit einem klaren „Nein“.

Das gestrige Dementi dürfte trotz dieser ursprünglichen Gewißheit auf Drängen seines Ordens entstanden sein.

In anderem Zusammenhang brach der Pater während des Interviews auch eine Lanze für die Priesterinnenordination. Diese sei eine Frage der Gerechtigkeit:

„Obwohl es kein Recht auf dieses Amt gibt“ – gestand der Jesuit ein – „sind 50 Prozent der Mitglieder einfach von ihm ausgeschlossen.“

Er möchte allerdings diese Thematik nicht für den „richtigen“ Umgang mit Homosexuellen instrumentalisieren.
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 43 Lesermeinungen:
Montag, 4. Dezember 2006 12:11
20mancro5: Schwulenorganisation Kirche
Ich bin nach wie vor der Meinung,dass wenn man alle Schwulen aus der Kirche Rausschmeissen würde könnten sie den Verein wegen akuten Personalmangel dichtmachen.

lg Ein bekennender Schwuler
Mittwoch, 28. Dezember 2005 14:54
Rotnase: Gotteslästerung
Folgender Satz in diesem Artikel hat mich doch sehr verblüfft:

„Eine genetisch bedingte Homosexualität sei der Bibel nicht bekannt“.

Das grenzt ja geradezu an Gotteslästerung. Ist es denn überhaupt denkbar dass irgendetwas im Universum Gott unbekannt ist? Und die Bibel ist das Wort Gottes, so glauben die Christen.

Eine Schrift die im 2. Vatikanischen Konzil 1962 bis 1965 also erst vor 40 Jahren unter dem Titel „Dogmatische Konstitution über die göttliche Offenbarung“ (Dei Verbum) folgendermaßen definiert wird:

Das von Gott Geoffenbarte, das in der Heiligen Schrift enthalten ist und vorliegt, ist unter dem Anhauch des Heiligen Geistes aufgezeichnet worden; denn aufgrund apostolischen Glaubens gelten unserer heiligen Mutter, der Kirche, die Bücher des Alten wie des Neuen Testamentes in ihrer Ganzheit mit allen ihren Teilen als heilig und kanonisch, weil sie, unter der Einwirkung des Heiligen Geistes geschrieben Gott zum Urheber habenund als solche der Kirche übergeben sind.

Also bitte bei der Wahrheit bleiben!
Montag, 5. Dezember 2005 13:18
Christin: Wo landet die Würde des „Mannes“die Würde der „Frau“ wenn…
…wenn „Mann“ sich nicht mehr selber schätzt
…wenn „Frau“ ihre eigenen Wurzeln ablehnt und dem eigenen Vaterbild,dem Muttebild feindlich gegenübersteht
…wenn Frauen „männerfeindlich“
ausschließlich „feministisch“ denken
…wenn alles erlaubt ist was machbar ist.

Wenn Menschen den Bezug zu sich selber und den Bezug zur Realität so verlieren,dass ein gestörtes Verhältnis zur eigenen Geschlechtlichkeit und zum Leben entsteht,dann bedarf es einer sanften Wiedereingliederung ins Leben selber und da hilft die KIRCHE als Gemeinschaft,die jeden so nimmt wie er sie ist.

Femistisches denken kann Homosexualität fördern
Übertriebende falsche ungeordnetes „bemuttern“ kann zu Homosexualität führen
Eine Gesellschaft,die sich nicht mehr der Natur ausrichtet, kann Entartung der Sexualtiät fördern
Sexualtät muß eine Sache der intimen Privatssphäre bleiben,und darf gerade nicht im religiösen Bereich ins Rampenlicht der Öffentlicheit bloßgestellt werden.

Jeder Mensch hat ABER ein RECHT auf die Privatsphäre seiner eigenen individuellen Sexualität soweit es im Rahmen der Privatsphäre bleibt und er sich nicht selber und seiner Umwelt so schadet,dass er selber seine eigene Würde in Gefahr bringt und die Liebe,der Leib ,der Geist,das Vernunftdenken darunter leidet und gekreuzigt wird
Sonntag, 4. Dezember 2005 13:47
Antonia: Schöpfungsbericht und Interpretation
Der Schöpfungbericht will Aussage geben auf die tiefsinnigen Fragen der Menschen:

woher kommen wir?
wohin gehen wir?
warum gibt es leid? etc.

Der Schöpfungsbericht sollte nicht als wissenschaftlicher Text missinterpretiert werden.
Donnerstag, 1. Dezember 2005 15:25
Andreas Erz-Bistum Berlin: Adam und Eva und die Genesis
Wenn Adam und Eva die ersten Menschen waren, dann gab es ja Inzucht. Wieso war Inzucht erlaubt?
Donnerstag, 1. Dezember 2005 11:58
FioreGraz: @Fr. Ilse
Mit Adam und Eva fiel die ganze Schöpfung also auch die Tiere.

LG
Fiore
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