Ungereimtheiten gibt es bei Prof. Klaus Berger nicht nur in seiner Biographie, sondern auch in seinen theologischen Darlegungen. Von Felicitas Küble, Münster.
(kreuz.net, Münster) Die biographischen Ungereimtheiten des evangelischen Heidelberger Neutestamentlers
Klaus Berger sind in den letzten Wochen bundesweit diskutiert worden.
Nun hat ihm auch der vatikanische
Pressesprecher offiziell widersprochen.
Das ist sicher kein Ruhmesblatt, doch aus meiner Sicht ist die
theologische Ebene noch wichtiger als die biographische, zumal seine Bücher hohe Auflagen erzielen, also
viele Menschen erreichen.
Prof. Dr. Klaus Berger war in den letzten Jahren im konservativ-katholischen,
aber durchaus auch im evangelikalen Spektrum als Autor und Referent gern gesehen, weil er in vielen Punkten
als Kritiker des theologischen „Modernismus“ auftritt, der rationalistischen Bibelkritik zuweilen klar
Paroli bietet, liberalen Theologen wie Hans Küng widerspricht oder dazu aufruft, den Geist der Anbetung
im Gottesdienst neu zu beleben.
Kein Zweifel, das sind erfreuliche Richtigstellungen zu heutigen Fehlentwicklungen
in Theologie und Pfarreileben.
Gleichwohl kann man bei genauerer Prüfung nicht davon absehen, daß dieser
„Wanderer zwischen den – konfessionellen – Welten“ in einigen wichtigen Bereichen von der definierten
christlichen Botschaft abweicht – leider auch bei zentralen Glaubensinhalten, die von theologisch konservativen
Katholiken und Protestanten gemeinsam geglaubt und bekannt werden.
Hier einige Beispiele aus zwei Berger-Büchern,
die diesen Vorwurf belegen:
Zur Frage der „Historizität“ der biblischen Wunder findet man bei Berger
sowohl Richtiges – Kritik an der modernistischen Bibelkritik –, aber auch Fragwürdiges bis Verwirrendes.
So äußert er sich in seinem Buch „Ist mit dem Tod alles aus?“ – Gütersloher Verlagshaus 1999 – zumindest
mehrdeutig, wenn nicht sogar irreführend über die „Wahrnehmung“ der Wunder Christi durch damalige Augenzeugen.
Auf den Seiten 132/133 schreibt er:
„Nach der Erfahrung damaliger Menschen ist hier Gottes Schöpferkraft
buchstäblich mit Händen zu greifen, auch wenn dies heute nicht mehr wissenschaftlich als Faktum erweisbar
ist. Allerdings kann man dieses Verständnis von Wirklichkeit sehr wohl rekonstruieren. Dabei ergibt sich,
daß es sich keineswegs um etwas Irrationales handelt, sondern um den Bereich des Mythischen mit einer
eigenen, nicht durch Aristoteles geprägten Logik.“
Da fragt sich jeder, der noch (theo)logisch denken
kann – mit oder ohne Aristoteles: Haben diese Wunder denn nun stattgefunden oder nicht?! Was heißt hier
„Bereich des Mythischen“?
Ein Mythos ist laut „Herders Volkslexikon“ wie folgt definiert:
„Sage, Götter-
oder Heldensage aus der Vorzeit; die aus der naiven Schau eines Volkes geborene, in Bildern sich vollziehende
Deutung der Welt und ihrer Entstehung.“
Mag sein, daß Klaus Berger irgendeine persönliche Deutung des
Mythos-Begriffs vorzieht, die von der allgemein bekannten Definition abweicht.
Doch die Leser seiner
Bücher gehen wohl in der Regel von dem aus, was man üblicherweise unter „Mythos“ und dem „Mythischen“
versteht. Dem muß der Autor Rechnung tragen.
Es paßt zu dieser „mythischen“ Denkweise Bergers, daß
er immer wieder betont, Glaube sei weniger ein Festhalten an einer bestimmten Lehre, sondern das Ergebnis
persönlicher „Erfahrungen“.
So schreibt er auch in „Ist mit dem Tod alles aus?“ auf Seite 133 zu seiner
Mythos-Interpretation folgendes:
„Es gehört zur Eigenart „mythischer“ Wahrnehmung, daß sich Fakten
und Erfahrungen aus diesem Bereich nicht lehrhaft oder autoritativ weitergeben lassen, sondern nur wieder
durch Erfahrung.“
Die christliche Botschaft beruht jedoch auf der Offenbarung Gottes in Jesus Christus,
auf seiner Göttlichkeit, seinem wunderbaren Wirken, seinem Opfertod und seiner Auferstehung – für Christen
alles Fakten, die sich sehr wohl „lehrhaft“ weitergeben lassen, sogar „autoritativ“, wie dies in den Glaubensbekenntnissen
und Dogmen seit zwei Jahrtausenden auch geschehen ist.
Wenn Klaus Berger dazu übergeht, die Historizität
der Wunder Christi durch „mythische“ Wahrnehmung ins Wolkenhafte und Nebulose zu transferieren, wenn er
zudem den objektiven Wahrheitsanspruch der biblischen Botschaft auf den subjektiven Erfahrungsbereich
reduziert, dann sägt er – ob er will oder nicht – den Ast ab, auf dem das Christentum sitzt.
Dann verkommt
unser Glaube letzten Endes zu einer frommen Privatsache, irgendwo angesiedelt zwischen Mythos und Märchen
für Erwachsene.
Immer wieder hebt Berger hervor, daß Christen die zentralen Ereignisse der Heilsgeschichte,
darunter auch die „Osterereignisse“, weniger „glauben“ denn „erfahren“ sollen.
Obwohl Paulus ausdrücklich
erklärte, ohne die Auferstehung Christi sei unser ganzer Glaube „nichtig“, behauptet Prof. Berger auf
Seite 134 das glatte Gegenteil:
„Wenn die Osterereignisse zur Hürde werden, über die der Glaubende
springen muß…, dann haben sie ihre Funktion verfehlt und jeden Sinn eingebüßt. Noch deutlicher gesagt:
Die Osterereignisse wollen nicht geglaubt, sondern erfahren werden.“
Passend hierzu leugnet Klaus Berger
auf Seite 140 die Unsterblichkeit der Seele, da diese Vorstellung angeblich nicht biblisch, sondern platonisch
sei.
Er möge doch erklären, wie es kommt, daß die alttestamentlich geprägten Juden damals wie heute
an die unsterbliche Seele glauben – übrigens auch an eine Art „Fegfeuer“ bzw. jenseitige Läuterung –,
wobei sich die jüdische Seite sicher nicht auf Platon beruft, sondern auf die Heilige Schrift.
Doch
der größte theologische Irrtum Bergers besteht zweifellos darin, daß er den Tod Jesu nicht als bewußten
Opfertod, nicht als Sühnetod für unsere Sünden versteht.
Das ist weder aus katholischer noch aus evangelischer
Sicht hinnehmbar, zumal es die zentrale Erlösungsbotschaft des Christentums betrifft.
In seinem unlängst
erschienenen Buch „Jesus“ heißt es auf Seite 588:
„Nach dem Neuen Testament kann Vergebung der Sünden
auch ohne Jesu Kreuz erfolgen – und so sehen es auch die Psalmen.“
Daß die Psalmen des Alten Testaments
im Zusammenhang mit Sündenvergebung in der Regel nicht expressis verbis vom Kreuz Christi sprechen, ist
hier kein Argument.
Wenn Gott im Alten Bund Sünden vergab, dann sehr wohl im Hinblick auf das Kreuz
Christi, das eben kein Betriebsunfall war, sondern schon damals in Gottes Heilsplan verborgen – siehe
dazu die messianischen Psalmen.
Bei Jesaja 53,4ff, wo es um den leidenden Gottesknecht geht, wird der
Tod des Messias ausdrücklich als Sühneopfer verstanden:
„ER ist um unserer Missetat willen verwundet,
um unserer Sünden willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf IHM, damit wir Frieden finden – und durch
seine Wunden sind wir geheilt… Wenn ER sein Leben als Sühneopfer hingegeben hat, wird es Früchte hervorbringen
für lange Zeit.“
Diese vom Alten Testament angekündigte „Linie“ kommt im Neuen Testament zur Vollendung.
Sie gilt für das gesamte Heilswirken Gottes von der Erschaffung des Menschen bis zum Ende der Zeiten.
Allein in Christus finden wir Frieden mit dem Schöpfer der Welt, denn Christus ist als Gottmensch die
Brücke zwischen Gott und den Menschen. Sein Kreuzestod sowie seine Auferstehung retten uns vor dem ewigen
Verderben.
In Kol 1,17 ff kann man nachlesen, daß Gott durch CHRISTUS „alles mit sich versöhnt…,
indem ER Frieden stiftete durch sein Blut am Kreuz“.
Der Neutestamentler Berger bietet stattdessen auf
Seite 588 seines Buches „Jesus“ eine neue Definition der Bedeutung des Kreuzestodes Christi:
„Durchgehend
wird der Kreuzestod so gedeutet: Gott hatte ihn nicht »nötig«, um zu vergeben. Aber da Jesus nun einmal
gewaltsam umgebracht wurde, ist dieses historische Ereignis für Gott ein Anlaß gewesen, umso heftiger
seine Feindesliebe zu uns Menschen zu erklären.“
Soll das nun heißen, daß Gott angesichts des Kreuzesgeschehens
quasi aus der Not eine Tugend machte, gewissermaßen auf krummen Zeilen geradeschrieb?
Rein pädagogisch
betrachtet vielleicht eine originelle Idee. Sie widerspricht jedoch der biblischen und kirchlichen Lehre,
wonach der Kreuzestod Jesu eben kein „Schicksalsschlag“, kein „Betriebsunfall“ war, sondern Gottes bewußter
Plan zur Erlösung der Menschen.
Mit der biblischen Erlösungslehre – also dem Bekenntnis zum Sühnetod
Christi – steht und fällt unser Glaube.
Dies ist das entscheidende Fundament für das gemeinsame Credo
der Christen.
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12 Lesermeinungen
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Nichtssagend Die gut belegten und begründeten Ausführungen der Autorin machen zumindest nachdenklich.
Man sollte niemanden vorschnell der Häresie verdächtigen – aber besonders „rechtgläubig“ muten Bergers
Publikationen trotz gewisser (berechtigter!) Querschüsse gegen den Zeitgeist tatsächlich nicht an. Was
Prof. Berger betrifft, so hat mich seine Idealisierung in semikonservativen Kreisen schon lange gestört.
Seine wöchentlichen Ausführungen in der „Tagespost“ sind doch im besten Fall nichtssagend.
@ Pelagius Vollkommene Zustimmung! Ähnlich habe ich es beim Lesen von Berger-Büchern auch empfunden.
Um so unverständlicher, dass Berger nach wie vor völlig unkritisch von neokonservativen Kreisen hofiert
wird, als wäre er quasi unfehlbahr. Noch eine Frage: Berger ist laut „Tagespost“ vom 26. November 2005
„Familiar“ des Zisterzienserklosters Heiligenkreuz bei Wien. Ich nehme an, das ist so etwas wie ein Tertiar
oder Drittordensmitglied. Aber wie kann das sein, da Berger doch formell der evangelischen Kirche angehört?
#10 Pelagius 23:07:15 | Mittwoch, 30. November 2005
Es ist und bleibt wahr: Prof. Dr. Berger vertritt trotz seines „Prof. Dr.“ Auffassungen, die nicht der
christlichen Offenbarungswahrheit entsprechen und nicht mit dem traditionellen Glauben der Kirche übereinstimmen.
Und das nicht nur im Blick auf das Leben Jesu, sondern auch in der Christologie. Was Berger beispielsweise
in seinem – gewiß interessanten – Buch „Im Anfang war Johannes“ (Stuttgart 1997) über die Präexistenz
und die Gottheit des Logos schreibt, bleibt weit hinter dem Befund der Heiligen Schrift und dem kirchlichen
Dogma zurück. Hier überkommt nicht nur den studierten, rechtgläubigen Theologen, sondern auch den einfachen
Christen ein tiefes Unwohlsein. Wirklich glaubenstreue Theologie findet er hier nicht, sondern ein Gemisch
von Gutem, Inspirierendem, Brauchbarem, Fragwürdigem und direkt Falschem.
@ Tomasino Noch einmal: Niemand bestreitet Bergers Verdienste. Klar ist auch, dass er sich mit seinen
Publikationen nicht nur an Experten, sondern an eie breitere Öffentlichkeit richtet. Dennoch muss man
leider feststellen, dass seine Äußerungen zu systematischen Fragen und zur Religionstheologie durchaus
problematisch sind.
#8 Tomasino 17:47:15 | Mittwoch, 30. November 2005
@Felizitas Küble über Prof. Berger An alle gebildeten, theologisch Ausgebildeten, durch ihre Autorität
gestärkten Leute im Kreuz.net. Die hier genannten Bücher Prof. Bergers sind nicht geschrieben um hochnäsige
Leute damit zu beschäftigen. Berger wendet sich an das breitere Leserpublikum und er schreibt so, dass
er auch verstanden werden kann, ohne einschlägiges Studium. Wer Berger lesen kann, darf auch seine Meinung
sagen. Was aber sein sollte: Berger erklärt immer wieder, wie er zu seinen Aussagen gekommen ist, diesen
seinen Gedanken sollte man folgen. Osterereignisse erfahren, heißt doch: Sich in den Tod Jesu hineinversetzen,
mit ihm sterben und an Ostern mit ihm glücklich auferstehen. Wie sonst kann ein „real-denkender“ sonst
zum Osterereignis kommen? Es so erfahren lässt keine Zweifel offen, Glaube ist geboren. Berger zeigt
damit den Leuten die ihren kindlichen Glauben verloren haben einen Zugang zum Glauben.
Was auch immer von den theologischen und journalistischen Qualitäten der Frau Küble zu halten ist, es
muss doch gesagt werden, dass Klaus Berger in der Tat eine durchaus schillernde Theologie vertritt. Natürlich
ist seine Kompetenz als Exeget und seine profunde Kritik der sogenannten „historisch-kritischen“ Exgese
sehr anerkennenswert. Allerdings hat der Theologe Klaus Berger auch seine „Macken“. Seine Äußerungen
zu systematischen Fragen, besonders seine leider platten Vorurteile gegenüber der Scholastik, zumal Thomas
von Aquin, sind nach Ansicht von des profunden Kenners DAVID Berger (mit KLAUS Berger nicht verwandt)
schockierend… Sie stünden mit dem Urteil des Lehramtes über die Materie (vgl. Jorgen Vijgens umfangreiche
Unterschung in der Zeitschrift „Doctor Angelicus“. Band 5 – 2005) in einem harten Gegensatz! Auch Klaus
Bergers Religionstheologie ist als hanebüchen zu bezeichnen. So bezeichnet er in seinem Jesus-Buch den
Islam als legitimen und völlig gleichberechtigten Heilsweg neben dem Christentum (Vergleich mit zwei
Himmelsleitern). Seltsam, dass Professor Berger nach wie vor unumstrittener Referent bei den „Neokonservativen“
um Hubert Gindert (zum Beispiel beim Kongress „Freude am Glauben“ im Juni 2006 in Fulda) und unhinterfragter
Autor der katholischen „Tagespost“ ist …
Wenn, dann bitte ALLE Fakten und nicht Faktenselektion Lieber Filip Jovic! Nein, ich habe eine sachliche
Frage nach der akademischen Qualifikation Frau Kübles gestellt, nicht mehr und nicht weniger. Und aufgrund
ihrer Fehlschlüsse aus hunderten Kilometern Entfernung auf Basis einseitiger und lückenhafter Informationen
bezogen auf den Fall St. Pölten könnte man leider schließen, daß die Frau Küble leider auch sonst
nicht alles sehen möchte und berücksichtigen möchte, was der Wahrheitsfindung dient. Bischof Küng
und Dr. Pytlik brauchen wahrlich keine Rechtfertigung. Die Päpstliche Visitation ist seit mehr als ein
Jahr erfolgreich abgeschlossen. Und der in St. Pölten angewendete Maßstab ist nun – siehe die neue Instruktion –
für die ganze Weltkirche gültig. Es gibt viele bessere Quellen, z. B. bei Herrn Ambrosius ambrosius.patched.de/logbuch.htm.
#5 Filip Jovic 16:38:42 | Mittwoch, 30. November 2005
@turk: Sie schreiben sehr unsachlich! turk: „Welche akademische Qualifikation hat Frau Küble, um „wissenschaftlich-autoritativ“
mitreden zu können?“ Wie kann man nur so etwas Unsachliches von sich geben ?! Ob jemand die Wahrheit
sagt oder nicht, hängt nicht davon ab, welchen Rang, welche Autorität er hat. Auch jemand mit akad.
Qualifikation kann absolut daneben liegen (z.B. Prof. Dr. Hans Küng). turk: „… absurdeste Verschwörungsthesen
zum längst geklärten Fall St. Pölten aus (leider schließt sich offenbar die KPE unter Günther Walter
solchem Unsinn fast nahtlos an, wie die vierte Quartalsnummer 2005 (Nr. 94) aufzeigt), …) Zur Unsachlichkeit
gesellen sich nun Polemik und absurde Unterstellungen hinzu. Was Frau Küble zum Thema St.Pölten geschrieben
hat, ist oft hart formuliert, aber in der Sache korrekt. Können Sie dem etwas Besseres entgegensetzen
als dumm-dreiste Unterstellungen wie „absurdeste Verschwörungsthesen“ oder „Unsinn“? Wenn ja, dann tun
Sie es bitte, wenn nicht, dann halten Sie sich lieber zurück! Den Artikel von Walter in Pfadfinder Mariens
Nr. 94 habe ich gelesen. Walter macht nichts anderes als die Dinge wiederzugeben, die stattgefunden haben.
Sie könnten ja schreiben, wenn bei Walter/Küble was fehlt. Das tun Sie aber nicht, weil Sie nichts an
der Hand haben. Ihre Pauschalismen bringen nichts. Vielmehr offenbaren Sie dadurch, daß es Ihnen nicht
um Wahrheit geht, sondern nur darum, das Handeln von Bischof Küng / Dr. Pytlik zu rechtfertigen und Kritiker
(„Angriffe“) abzukanzeln.
turk – akademische Qualifikation Um einen Artikel beurteilen zu können, bedarf es keine Legitimation
des Verfassers: Ein Beitrag kann ausgezeichnet sei, ohne dass der Verfasser irgend einen akademischen
Grad besitzt – und auch umgekehrt – wie vielleicht in diesem Fall. Auch wenn Fr. Küble das Recht hätte
DDDr. vor ihren Namen zu setzen, ändert sich nichts daran – dass ihr, ausgehend aus ihrem Beitrag – an
theologischem Hintergrundwissen sehr vieles abgeht.
Und Frau Küble, wo ist Ihre akademische Qualifikation dafür? Da ich die Quellen von Prof. Berger im
Kontext nicht gut genug kenne, möchte ich einfach diese Grundsatzfrage stellen: Welche akademische Qualifikation
hat Frau Küble, um „wissenschaftlich-autoritativ“ mitreden zu können? Ein schlechtes Jahr für sie,
das Jahr 2005. Zuerst sendet sie namens des (bis dahin einen guten Ruf genießenden) KOMM-MIT-Verlages
absurdeste Verschwörungsthesen zum längst geklärten Fall St. Pölten aus (leider schließt sich offenbar
die KPE unter Günther Walter solchem Unsinn fast nahtlos an, wie die vierte Quartalsnummer 2005 (Nr.
94) aufzeigt), und nun meint sie, ihre Priorität auf Herrn Prof. Berger zu verlegen. Er kann getröstet
werden: Angriffe einer Frau Küble gereichen einem zur Ehre, ansonsten gilt das bewährte Prinzip: nicht
einmal ignorieren.
Mythos und Mystik Berger hat sich nicht nur gegen die Entmystifizierung des Glaubens gewandt, sondern
stes auch gegen einen allzu buchstabengläubigen Fundamentalismus, der die Bibel gleichsam wie eine Tageszeitung
liest. Vielleicht dient das folgende Zitat dem Verständnis: Die Wirklichkeit Gottes ist keine real sichtbare,
sondern eine unsichtbare Welt, in der allein die Augen des Herzens taugen und sehen. Wer das Neue Testament
aufschlägt, begibt sich in diese Welt. Sie wird zugänglich in Visionen, in Wundern, in einem Buch wie
der Offenbarung des Johannes. Wenn Sie alle Wunder und Visionen wegstreichen, haben Sie in der Tat das
wenige in den Händen, was den normalen deutschen Durchschnittsprotestanten ausmacht: Vernunft und Moral,
aber das ist nicht biblische Religion.
Schade für Sie, Frau Küble, Sie sollten wohl doch lieber beim Journalismus bleiben, als sich in die
theologische Auseinandersetzung zu wagen. Klaus Berger hat mitnichten die vorgetragenen Thesen vertreten.
Warum kann ein scheinbarer „Betriebsunfall“ nicht im nachhinein als ewig vorgesehener Sühnetod gedeutet
werden? Berger hat gerade Eugen Bisers Ablehnung des Sühnetodes immer kritisiert. Er hat Drewermann,
Küng, Hasenhüttl, Halbfas, Käßmann, Jepsen, Kasper und andere Glaubensmodernisierer mit spitzer Feder
in seinen „Widerworten“ (Insel-Verlag 2005) immer wieder zur Räson gerufen. Wer tut das nun? Hat am Ende
die Lehmann’sche Differenziererei den Sieg davon getragen? Frau Küble hat einen geschlagenen Löwen getreten.
Ist ihr wohl dabei? Vielleicht kommt Anerkennung aus Mainz!