War der Tod Christi ein Betriebsunfall?
Ungereimtheiten gibt es bei Prof. Klaus Berger nicht nur in seiner Biographie, sondern auch in seinen theologischen Darlegungen. Von Felicitas Küble, Münster.

Nun hat ihm auch der vatikanische Pressesprecher offiziell widersprochen.
Das ist sicher kein Ruhmesblatt, doch aus meiner Sicht ist die theologische Ebene noch wichtiger als die biographische, zumal seine Bücher hohe Auflagen erzielen, also viele Menschen erreichen.
Prof. Dr. Klaus Berger war in den letzten Jahren im konservativ-katholischen, aber durchaus auch im evangelikalen Spektrum als Autor und Referent gern gesehen, weil er in vielen Punkten als Kritiker des theologischen „Modernismus“ auftritt, der rationalistischen Bibelkritik zuweilen klar Paroli bietet, liberalen Theologen wie Hans Küng widerspricht oder dazu aufruft, den Geist der Anbetung im Gottesdienst neu zu beleben.
Kein Zweifel, das sind erfreuliche Richtigstellungen zu heutigen Fehlentwicklungen in Theologie und Pfarreileben.
Gleichwohl kann man bei genauerer Prüfung nicht davon absehen, daß dieser „Wanderer zwischen den – konfessionellen – Welten“ in einigen wichtigen Bereichen von der definierten christlichen Botschaft abweicht – leider auch bei zentralen Glaubensinhalten, die von theologisch konservativen Katholiken und Protestanten gemeinsam geglaubt und bekannt werden.
Hier einige Beispiele aus zwei Berger-Büchern, die diesen Vorwurf belegen:
Zur Frage der „Historizität“ der biblischen Wunder findet man bei Berger sowohl Richtiges – Kritik an der modernistischen Bibelkritik –, aber auch Fragwürdiges bis Verwirrendes.
So äußert er sich in seinem Buch „Ist mit dem Tod alles aus?“ – Gütersloher Verlagshaus 1999 – zumindest mehrdeutig, wenn nicht sogar irreführend über die „Wahrnehmung“ der Wunder Christi durch damalige Augenzeugen.
Auf den Seiten 132/133 schreibt er:
„Nach der Erfahrung damaliger Menschen ist hier Gottes Schöpferkraft buchstäblich mit Händen zu greifen, auch wenn dies heute nicht mehr wissenschaftlich als Faktum erweisbar ist. Allerdings kann man dieses Verständnis von Wirklichkeit sehr wohl rekonstruieren. Dabei ergibt sich, daß es sich keineswegs um etwas Irrationales handelt, sondern um den Bereich des Mythischen mit einer eigenen, nicht durch Aristoteles geprägten Logik.“
Da fragt sich jeder, der noch (theo)logisch denken kann – mit oder ohne Aristoteles: Haben diese Wunder denn nun stattgefunden oder nicht?! Was heißt hier „Bereich des Mythischen“?
Ein Mythos ist laut „Herders Volkslexikon“ wie folgt definiert:
„Sage, Götter- oder Heldensage aus der Vorzeit; die aus der naiven Schau eines Volkes geborene, in Bildern sich vollziehende Deutung der Welt und ihrer Entstehung.“
Mag sein, daß Klaus Berger irgendeine persönliche Deutung des Mythos-Begriffs vorzieht, die von der allgemein bekannten Definition abweicht.
Doch die Leser seiner Bücher gehen wohl in der Regel von dem aus, was man üblicherweise unter „Mythos“ und dem „Mythischen“ versteht. Dem muß der Autor Rechnung tragen.
Es paßt zu dieser „mythischen“ Denkweise Bergers, daß er immer wieder betont, Glaube sei weniger ein Festhalten an einer bestimmten Lehre, sondern das Ergebnis persönlicher „Erfahrungen“.
So schreibt er auch in „Ist mit dem Tod alles aus?“ auf Seite 133 zu seiner Mythos-Interpretation folgendes:
„Es gehört zur Eigenart „mythischer“ Wahrnehmung, daß sich Fakten und Erfahrungen aus diesem Bereich nicht lehrhaft oder autoritativ weitergeben lassen, sondern nur wieder durch Erfahrung.“
Die christliche Botschaft beruht jedoch auf der Offenbarung Gottes in Jesus Christus, auf seiner Göttlichkeit, seinem wunderbaren Wirken, seinem Opfertod und seiner Auferstehung – für Christen alles Fakten, die sich sehr wohl „lehrhaft“ weitergeben lassen, sogar „autoritativ“, wie dies in den Glaubensbekenntnissen und Dogmen seit zwei Jahrtausenden auch geschehen ist.
Wenn Klaus Berger dazu übergeht, die Historizität der Wunder Christi durch „mythische“ Wahrnehmung ins Wolkenhafte und Nebulose zu transferieren, wenn er zudem den objektiven Wahrheitsanspruch der biblischen Botschaft auf den subjektiven Erfahrungsbereich reduziert, dann sägt er – ob er will oder nicht – den Ast ab, auf dem das Christentum sitzt.
Dann verkommt unser Glaube letzten Endes zu einer frommen Privatsache, irgendwo angesiedelt zwischen Mythos und Märchen für Erwachsene.
Immer wieder hebt Berger hervor, daß Christen die zentralen Ereignisse der Heilsgeschichte, darunter auch die „Osterereignisse“, weniger „glauben“ denn „erfahren“ sollen.
Obwohl Paulus ausdrücklich erklärte, ohne die Auferstehung Christi sei unser ganzer Glaube „nichtig“, behauptet Prof. Berger auf Seite 134 das glatte Gegenteil:
„Wenn die Osterereignisse zur Hürde werden, über die der Glaubende springen muß…, dann haben sie ihre Funktion verfehlt und jeden Sinn eingebüßt. Noch deutlicher gesagt: Die Osterereignisse wollen nicht geglaubt, sondern erfahren werden.“
Passend hierzu leugnet Klaus Berger auf Seite 140 die Unsterblichkeit der Seele, da diese Vorstellung angeblich nicht biblisch, sondern platonisch sei.
Er möge doch erklären, wie es kommt, daß die alttestamentlich geprägten Juden damals wie heute an die unsterbliche Seele glauben – übrigens auch an eine Art „Fegfeuer“ bzw. jenseitige Läuterung –, wobei sich die jüdische Seite sicher nicht auf Platon beruft, sondern auf die Heilige Schrift.
Doch der größte theologische Irrtum Bergers besteht zweifellos darin, daß er den Tod Jesu nicht als bewußten Opfertod, nicht als Sühnetod für unsere Sünden versteht.
Das ist weder aus katholischer noch aus evangelischer Sicht hinnehmbar, zumal es die zentrale Erlösungsbotschaft des Christentums betrifft.
In seinem unlängst erschienenen Buch „Jesus“ heißt es auf Seite 588:
„Nach dem Neuen Testament kann Vergebung der Sünden auch ohne Jesu Kreuz erfolgen – und so sehen es auch die Psalmen.“
Daß die Psalmen des Alten Testaments im Zusammenhang mit Sündenvergebung in der Regel nicht expressis verbis vom Kreuz Christi sprechen, ist hier kein Argument.
Wenn Gott im Alten Bund Sünden vergab, dann sehr wohl im Hinblick auf das Kreuz Christi, das eben kein Betriebsunfall war, sondern schon damals in Gottes Heilsplan verborgen – siehe dazu die messianischen Psalmen.
Bei Jesaja 53,4ff, wo es um den leidenden Gottesknecht geht, wird der Tod des Messias ausdrücklich als Sühneopfer verstanden:
„ER ist um unserer Missetat willen verwundet, um unserer Sünden willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf IHM, damit wir Frieden finden – und durch seine Wunden sind wir geheilt… Wenn ER sein Leben als Sühneopfer hingegeben hat, wird es Früchte hervorbringen für lange Zeit.“
Diese vom Alten Testament angekündigte „Linie“ kommt im Neuen Testament zur Vollendung. Sie gilt für das gesamte Heilswirken Gottes von der Erschaffung des Menschen bis zum Ende der Zeiten.
Allein in Christus finden wir Frieden mit dem Schöpfer der Welt, denn Christus ist als Gottmensch die Brücke zwischen Gott und den Menschen. Sein Kreuzestod sowie seine Auferstehung retten uns vor dem ewigen Verderben.
In Kol 1,17 ff kann man nachlesen, daß Gott durch CHRISTUS „alles mit sich versöhnt…, indem ER Frieden stiftete durch sein Blut am Kreuz“.
Der Neutestamentler Berger bietet stattdessen auf Seite 588 seines Buches „Jesus“ eine neue Definition der Bedeutung des Kreuzestodes Christi:
„Durchgehend wird der Kreuzestod so gedeutet: Gott hatte ihn nicht »nötig«, um zu vergeben. Aber da Jesus nun einmal gewaltsam umgebracht wurde, ist dieses historische Ereignis für Gott ein Anlaß gewesen, umso heftiger seine Feindesliebe zu uns Menschen zu erklären.“
Soll das nun heißen, daß Gott angesichts des Kreuzesgeschehens quasi aus der Not eine Tugend machte, gewissermaßen auf krummen Zeilen geradeschrieb?
Rein pädagogisch betrachtet vielleicht eine originelle Idee. Sie widerspricht jedoch der biblischen und kirchlichen Lehre, wonach der Kreuzestod Jesu eben kein „Schicksalsschlag“, kein „Betriebsunfall“ war, sondern Gottes bewußter Plan zur Erlösung der Menschen.
Mit der biblischen Erlösungslehre – also dem Bekenntnis zum Sühnetod Christi – steht und fällt unser Glaube.
Dies ist das entscheidende Fundament für das gemeinsame Credo der Christen.
Sämtliche Artikel weiterlesenWeiterlesen:
Sonntag, 4. Dezember 2005 09:29
Justus: Nichtssagend
Die gut belegten und begründeten Ausführungen der Autorin machen zumindest nachdenklich.
Man sollte niemanden vorschnell der Häresie verdächtigen – aber besonders „rechtgläubig“ muten Bergers Publikationen trotz gewisser (berechtigter!) Querschüsse gegen den Zeitgeist tatsächlich nicht an.
Was Prof. Berger betrifft, so hat mich seine Idealisierung in semikonservativen Kreisen schon lange gestört. Seine wöchentlichen Ausführungen in der „Tagespost“ sind doch im besten Fall nichtssagend.
Man sollte niemanden vorschnell der Häresie verdächtigen – aber besonders „rechtgläubig“ muten Bergers Publikationen trotz gewisser (berechtigter!) Querschüsse gegen den Zeitgeist tatsächlich nicht an.
Was Prof. Berger betrifft, so hat mich seine Idealisierung in semikonservativen Kreisen schon lange gestört. Seine wöchentlichen Ausführungen in der „Tagespost“ sind doch im besten Fall nichtssagend.
Donnerstag, 1. Dezember 2005 06:30
Toby: @ Pelagius
Vollkommene Zustimmung!
Ähnlich habe ich es beim Lesen von Berger-Büchern auch empfunden.
Um so unverständlicher, dass Berger nach wie vor völlig unkritisch von neokonservativen Kreisen hofiert wird, als wäre er quasi unfehlbahr.
Noch eine Frage: Berger ist laut „Tagespost“ vom 26. November 2005 „Familiar“ des Zisterzienserklosters Heiligenkreuz bei Wien. Ich nehme an, das ist so etwas wie ein Tertiar oder Drittordensmitglied.
Aber wie kann das sein, da Berger doch formell der evangelischen Kirche angehört?
Ähnlich habe ich es beim Lesen von Berger-Büchern auch empfunden.
Um so unverständlicher, dass Berger nach wie vor völlig unkritisch von neokonservativen Kreisen hofiert wird, als wäre er quasi unfehlbahr.
Noch eine Frage: Berger ist laut „Tagespost“ vom 26. November 2005 „Familiar“ des Zisterzienserklosters Heiligenkreuz bei Wien. Ich nehme an, das ist so etwas wie ein Tertiar oder Drittordensmitglied.
Aber wie kann das sein, da Berger doch formell der evangelischen Kirche angehört?
Mittwoch, 30. November 2005 23:07
Pelagius: Es ist und bleibt wahr:
Prof. Dr. Berger vertritt trotz seines „Prof. Dr.“ Auffassungen, die nicht der christlichen Offenbarungswahrheit entsprechen und nicht mit dem traditionellen Glauben der Kirche übereinstimmen. Und das nicht nur im Blick auf das Leben Jesu, sondern auch in der Christologie. Was Berger beispielsweise in seinem – gewiß interessanten – Buch „Im Anfang war Johannes“ (Stuttgart 1997) über die Präexistenz und die Gottheit des Logos schreibt, bleibt weit hinter dem Befund der Heiligen Schrift und dem kirchlichen Dogma zurück. Hier überkommt nicht nur den studierten, rechtgläubigen Theologen, sondern auch den einfachen Christen ein tiefes Unwohlsein. Wirklich glaubenstreue Theologie findet er hier nicht, sondern ein Gemisch von Gutem, Inspirierendem, Brauchbarem, Fragwürdigem und direkt Falschem.
Mittwoch, 30. November 2005 18:41
Toby: @ Tomasino
Noch einmal: Niemand bestreitet Bergers Verdienste. Klar ist auch, dass er sich mit seinen Publikationen
nicht nur an Experten, sondern an eie breitere Öffentlichkeit richtet.
Dennoch muss man leider feststellen, dass seine Äußerungen zu systematischen Fragen und zur Religionstheologie durchaus problematisch sind.
Dennoch muss man leider feststellen, dass seine Äußerungen zu systematischen Fragen und zur Religionstheologie durchaus problematisch sind.
Mittwoch, 30. November 2005 17:47
Tomasino: @Felizitas Küble über Prof. Berger
An alle gebildeten, theologisch Ausgebildeten, durch ihre Autorität gestärkten Leute im Kreuz.net. Die
hier genannten Bücher Prof. Bergers sind nicht geschrieben um hochnäsige Leute damit zu beschäftigen.
Berger wendet sich an das breitere Leserpublikum und er schreibt so, dass er auch verstanden werden kann,
ohne einschlägiges Studium. Wer Berger lesen kann, darf auch seine Meinung sagen.
Was aber sein sollte: Berger erklärt immer wieder, wie er zu seinen Aussagen gekommen ist, diesen seinen Gedanken sollte man folgen.
Osterereignisse erfahren, heißt doch: Sich in den Tod Jesu hineinversetzen, mit ihm sterben und an Ostern mit ihm glücklich auferstehen. Wie sonst kann ein „real-denkender“ sonst zum Osterereignis kommen? Es so erfahren lässt keine Zweifel offen, Glaube ist geboren. Berger zeigt damit den Leuten die ihren kindlichen Glauben verloren haben einen Zugang zum Glauben.
Was aber sein sollte: Berger erklärt immer wieder, wie er zu seinen Aussagen gekommen ist, diesen seinen Gedanken sollte man folgen.
Osterereignisse erfahren, heißt doch: Sich in den Tod Jesu hineinversetzen, mit ihm sterben und an Ostern mit ihm glücklich auferstehen. Wie sonst kann ein „real-denkender“ sonst zum Osterereignis kommen? Es so erfahren lässt keine Zweifel offen, Glaube ist geboren. Berger zeigt damit den Leuten die ihren kindlichen Glauben verloren haben einen Zugang zum Glauben.
Mittwoch, 30. November 2005 17:35
Toby: Was auch immer
von den theologischen und journalistischen Qualitäten der Frau Küble zu halten ist, es muss doch gesagt
werden, dass Klaus Berger in der Tat eine durchaus schillernde Theologie vertritt. Natürlich ist seine
Kompetenz als Exeget und seine profunde Kritik der sogenannten „historisch-kritischen“ Exgese sehr anerkennenswert.
Allerdings hat der Theologe Klaus Berger auch seine „Macken“. Seine Äußerungen zu systematischen Fragen, besonders seine leider platten Vorurteile gegenüber der Scholastik, zumal Thomas von Aquin, sind nach Ansicht von des profunden Kenners DAVID Berger (mit KLAUS Berger nicht verwandt) schockierend… Sie stünden mit dem Urteil des Lehramtes über die Materie (vgl. Jorgen Vijgens umfangreiche Unterschung in der Zeitschrift „Doctor Angelicus“. Band 5 – 2005) in einem harten Gegensatz!
Auch Klaus Bergers Religionstheologie ist als hanebüchen zu bezeichnen. So bezeichnet er in seinem Jesus-Buch den Islam als legitimen und völlig gleichberechtigten Heilsweg neben dem Christentum (Vergleich mit zwei Himmelsleitern).
Seltsam, dass Professor Berger nach wie vor unumstrittener Referent bei den „Neokonservativen“ um Hubert Gindert (zum Beispiel beim Kongress „Freude am Glauben“ im Juni 2006 in Fulda) und unhinterfragter Autor der katholischen „Tagespost“ ist …
Allerdings hat der Theologe Klaus Berger auch seine „Macken“. Seine Äußerungen zu systematischen Fragen, besonders seine leider platten Vorurteile gegenüber der Scholastik, zumal Thomas von Aquin, sind nach Ansicht von des profunden Kenners DAVID Berger (mit KLAUS Berger nicht verwandt) schockierend… Sie stünden mit dem Urteil des Lehramtes über die Materie (vgl. Jorgen Vijgens umfangreiche Unterschung in der Zeitschrift „Doctor Angelicus“. Band 5 – 2005) in einem harten Gegensatz!
Auch Klaus Bergers Religionstheologie ist als hanebüchen zu bezeichnen. So bezeichnet er in seinem Jesus-Buch den Islam als legitimen und völlig gleichberechtigten Heilsweg neben dem Christentum (Vergleich mit zwei Himmelsleitern).
Seltsam, dass Professor Berger nach wie vor unumstrittener Referent bei den „Neokonservativen“ um Hubert Gindert (zum Beispiel beim Kongress „Freude am Glauben“ im Juni 2006 in Fulda) und unhinterfragter Autor der katholischen „Tagespost“ ist …
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Beiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen sowie Leser aus der Debatte auszuschließen.





