10:41:14 | Freitag, 2. Dezember 2005
Benedikt XVI.
(kreuz.net, Mayrhofen/Tirol) Im Internet fand ich einen Bericht über die Jugendjahre des Papstes. Ich
entnahm daraus, daß Josef Ratzinger seine Kinderjahre in einem Bauernhaus in Hufschlag verlebt hatte.
In seiner Autobiographie bezeichnete der spätere Kardinal diesen Platz als seine wahre Heimat.
Hufschlag
bei Traunstein befindet sich in Südwestbayern, 20 Kilometer westlich der österreichischen Grenze.
Bauernhaus?
dachte ich mir. Da muß gewiß ein Obstgarten dabei gewesen sein.
„Sicher“, flüsterte mir der verstorbene
Kardinal König von Wien ins Ohr, für den ich vor acht Jahren ein Kruzifix hergestellt hatte: „Du mußt
auch für den neuen Papst ein Kruzifix schaffen“.
Zu Kardinal König hatte ich seit dem Jahr 1997 ein
Nahverhältnis.
Damals hatte ich im Wiener orthopädischen Spital eine Ausstellung. Dort waren meine
neuesten Korpusse zu sehen, die ich in eigenwilliger Form aus Astgabeln gefertigt hatte.
Es war für
mich eine große Ehre, daß Kardinal Franz König meine Ausstellung zweimal besuchte. Nach dem zweiten
Besuch erwarb er von mir ein Kruzifix.
Daß zwischen Papst Benedikt und Kardinal König eine besondere
Verbundenheit bestand, erwies sich dadurch, daß Kardinal Ratzinger im März 2004 im Wiener Stephansdom
die Totenmesse für den verstorbenen Kardinal König zelebrierte.
Der Gedanke, auch für den Papst ein
Kruzifix zu schnitzen und zwar aus dem Ast eines Baumes aus dem ehemaligen Garten der Familie Ratzinger
ergriff mich völlig.
Ich fuhr nach Traunstein, um zu prüfen, ob dazu die Möglichkeit bestünde.
Der
Schwiegersohn des jetzigen Hofbesitzers, Herr Albert Rieder, war nach einem längeren Gespräch gerne
bereit, meinem Wunsch nach einer Astgabel von einem der Bäume zu entsprechen.
Herr Rieder sagte: „Suchen
sie sich einen Ast aus. Ich werde ihn für Sie herunterschneiden.“
Mit einer Leiter stieg er hinauf und
sägte den von mir nach einer himmlischen Eingebung ausgesuchten Ast ab. Es war nicht vorhersehbar, was
für ein Stück Holz auf mich wartet.
Glücklich über diese Astgabel, konnte ich nicht umhin, das Stück
vor die Eingangstür zum Ratzinger Hof zu stellen. Ich sah im Geiste vor mir, wie der liebe Bub Josef
oft bei dieser Tür ein und aus gegangen war.
Da die Astgabel von einem Zwetschgenbaum stammt, glaubte
ich auch zu ahnen, wie oft der Bub sich von diesem Baum Früchte geholt hatte.
Wieder zurück in meinem
Heimatort Mayrhofen im Zillertal, beschäftigte ich mich intensiv mit der Astgabel. Mir war klar, daß
diese Arbeit ganz genau durchgeführt werden mußte.
Ich konnte mich nicht darauf verlassen, daß alles
auf Anhieb paßte. Da die Astgabel nicht dick genug war, um auch den Kopf daraus zu schnitzen, schnitt
ich das untere Ende der Astgabel ab und leimte es oben auf.
Drei Monate studierte ich die Astgabel. Ich
hatte einen unheimlichen Respekt vor dieser Arbeit.
Unzählige Zeichnungen entstanden als Vorentwürfe
bis ich glaubte, die richtige Lösung gefunden zu haben.
Mit heiligem Respekt ging ich an die Bearbeitung
der Astgabel. Ich hatte ja zeichnerisch schon die großen Linien vorgegeben. Es mußte ja alles der Form
der Astgabel untergeordnet werden.
Wie groß war mein Erstaunen, als sich im Holz Veränderungen in farblicher
Hinsicht zeigten, die unverkennbar die Wundmale Christi darstellten.
Mir lief es kalt über den Rücken,
denn hier hatte sich ein Wunder zugetragen.
Alle Wundmale Christi waren ganz deutlich sichtbar. Sogar
an Händen und Füßen waren die Blutspuren vorhanden.
Beim Betrachten des Körpers des Gekreuzigten
kann man feststellen, daß sogar die Seitenwunde als kleiner Spalt vorhanden ist. Deutlich sieht man das
Blut, das über den Körper rinnt.
Ich hatte bei der Arbeit das Gefühl, etwas ganz Besonderes, ja etwas
Heiliges in Händen zu halten. Für mich war das ein Zeichen des Himmels, daß Benedikt XVI. der von Gott
ausersehene Papst für uns ist.
Dann kam der große Tag.
Die Österreichischen Bischöfe waren im Vatikan
zu einem speziellen Empfang beim Papst. Meine Frau und ich durften die geistlichen Herren begleiten.
Ohne den Prälaten Dr. Hans Walter Vavrovsky vom Domkapitel in Salzburg wäre der Papstbesuch sehr schwierig
zu verwirklichen gewesen. Dieser Prälat war vor vielen Jahren Kooperator in meiner Heimatgemeinde Mayrhofen
und hat viel in meinem Elternhaus verkehrt.
Als ich ihm erzählte daß ich eine Astgabel aus dem Garten
des Ratzinger Hofes habe und beabsichtige, für den Papst ein Kruzifix daraus zu machen, sagte er spontan:
„Ich fahre mit Dir zum Papst nach Rom.“
Und so war es dann auch.
Ich bekam Gelegenheit, das für ihn
geschaffene Kruzifix dem heiligen Vater zu übergeben.
Ich danke Gott für die Gnade, als Werkzeug zu
dienen, um ein Zeichen zu setzen, ein kleines Zeichen, das sagt:
„Ja es ist der Papst den Gott für uns
vorgesehen hat.“
Weitere Bilder auf der Homepage des Bildhauers www.moroder.at
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