Buchbesprechung
Das Paßfoto Christi
Seit Jahrhunderten gibt es Hinweise auf die Existenz einer „nicht von Menschenhand gemalten“ Abbildung des echten Antlitzes Christi. Jetzt gibt es begründete Hoffnungen, daß das Bild entdeckt wurde. Von Dr. Heinz-Georg Kuttner, Weilheim.
(kreuz.net) Die Romwallfahrer, die in den alten Tagen in die Ewige Stadt zogen, wollten dort nicht den Papst sehen, sondern das Schweißtuch der Veronika, auf dem das wahre Antlitz Christi zu sehen war.

Das Wort „Veronika“ kommt vom Lateinischen „vera“ (= wahr) und dem Griechischen „eicon“ (= Bild).

Paul Badde, der bekannte Romkorrespondent der Tageszeitung ‘Die Welt’, ist dem Geheimnis um das wahre Antlitz Christi in einem jüngst veröffentlichten Buch nachgegangen.

Badde kommt in seiner hinreißend geschriebenen Dokumentation zum Resultat, daß das seit Jahrhunderten jeweils am Passionssonntag für wenige Sekunden in der Peterskirche gezeigte Antlitz Christi nicht die ursprüngliche Darstellung ist.

Das Original wurde nämlich gestohlen und gelangte auf noch nicht geklärte Weise in den Ort Manoppello östlich von Rom. Dort wird es seit 1645 von der Bevölkerung als „Il Volto Santo“ – das heilige Angesicht – verehrt.

Es handelt sich um eine Darstellung auf Muschelseidentuch. Man kann das Bild wie ein Dia von beiden Seiten betrachten. Die Darstellung ist schwer zu photographieren, weil sie sich je nach Lichteinfall farblich verändert und bei Gegenlicht fast verschwindet.

Nach dem Bau des Petersdoms wollte man diese kostbare Reliquie in der dortigen Veronika-Säule aufbewahren. Der Ort war als der sicherste Tresor des Erdkreises konzipiert. Aber im Augenblick, als der Panzerschrank fertig gestellt war, verschwand das Urbild Jesu.

Jetzt, wo das schriftliche Wort seine Macht an die visuelle Kommunikation verliert, erscheint das Schweißtuch der Veronika in einem entlegenen Abruzzendorf, das mittlerweile zur Stadt erhoben wurde.

Jahrelang studierte Sr. Blandina Schlömer, eine Trappistin, die mittlerweile als Einsiedlerin in der Nähe des Kapuzinerklosters in Manoppello lebt, das Turiner Grabtuch und verglich es mit dem Bild von Manoppello.

Die Nonne kam zum Ergebnis, daß es sich bei der Darstellung auf einem Muschelseidentuch um das echte Schweißtuch der Veronika handelt. In ihrem Buch ‘Der Schleier von Manoppello’ aus dem Jahr 1999 weist sie nach, daß das Antlitz Jesu auf dem Turiner Grabtuch mit dem Bild Jesu auf dem Muschelseidentuch identisch ist.

Sr. Blandina zeigt, daß das Antlitz Christi auf dem Grabtuch und auf dem Schleiertuch gleiche Ausmaße besitzt. Ebenso beschreibt sie als Ikonenmalerin den Zusammenhang zwischen dem Antlitz Jesu auf dem Schleiertuch und der Darstellung Christi auf den ältesten Ikonen.

Das Bild von Manoppello muß folglich das Vorbild für alle Ikonen der östlichen und westlichen Christenheit gewesen sein.

Badde sprach während seiner Recherchen ferner mit Frau Chiara Vigo, die in Italien als einzige noch Muschelseide herstellt. Frau Vigo wohnt auf einer Insel in der Nähe von Sardinien.

Sie erklärte, nie vorher ein so feines Muschelseidegewebe wie jenes des Schleiers von Manoppello gesehen zu haben. Muschelseide ist sehr mühsam zu gewinnen sowie schwer zu spinnen und zu weben, weil sie viel feiner als das feinste Frauenhaar ist.

Völlig unerklärlich ist für Frau Vigo, wie man auf dieses feine Gewebe Farbe aufbringen konnte. Seit der Antike ist bekannt, daß man Muschelseide zwar färben nicht aber bemalen kann.

Ausführlich sprach Badde mit dem an der päpstlichen Jesuitenuniversität Gregoriana in Rom lehrenden Kunsthistoriker Pater Heinrich Pfeiffer.

Der Jesuit gilt als der beste Experte des Schweißtuchs der Veronika und publizierte darüber selber ein Buch. P. Pfeiffer kennt alle Quellen, die in irgendeiner Weise mit Urbildern Christi, Grabtüchern und Mandylien zu tun haben.

Da Manoppello an der Schnittstelle zwischen der östlichen und der westlichen Christenheit liegt, versprechen sich Badde und Pater Pfeiffer durch die Wiederentdeckung des Bildes vom wahren Antlitz Jesu wichtige Anstöße zur Vereinigung der Christenheit.

In Manoppello findet seit 1506 jedes Jahr am dritten Sonntag im Mai eine große Prozession statt, in der man „Il Volto Santo“ durch die Straßen der Stadt trägt. Im nächsten Jahr jährt sich dieses Gedenken zum 500. Mal.

Vielleicht kommt es zu diesem Zeitpunkt zu einer Erklärung des Vatikans, wonach das im Petersdoms gezeigte Bild nicht das wahre Schweißtuch der Veronika ist.

Darauf hofft der von Sr. Blandina Schlömer und P. Heinrich Pfeiffer vor sieben Jahren ins Leben gerufene Verein „Freundeskreis wahres Antlitz Christi – Penuel e. V.“, der in Ludwigsburg seinen Sitz hat.

Adresse: Ulrich Knop, Im Hafer 2, 71636 Ludwigsburg.

Paul Badde, Das Muschelseidentuch. Auf der Suche nach dem wahren Antlitz Jesu, Ullstein-Verlag, Berlin 2005, 22 Euro.
      
2 Lesermeinungen
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#2   Christin   23:00:36 | Freitag, 2. Dezember 2005
Das könnte ein“ Frauenbild „sein
Warum könnte Christus nicht als Frau wieder kommen,das wär eine Sensation.Das Bild hat sehr weibliche Züge!
Es sieht sogar ein wenig „mir“ ähnlich das Gesicht.
Ja Glaube und Einbildung kann oft auch die Phantasie übertieben ungesund anregen.
Es gibt ja auch sehr feminine Züge männlichen Geschlechts!
Nicht schimpfen,ist doch nur eine Annahme!
Papier ist geduldig!Schreiben darf man darüber.
Es darf widersprochen werden!
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#1   Justus   14:31:50 | Freitag, 2. Dezember 2005
Das wahre Antlitz Christi
Vor dreizehn Jahren hatte ich in Dresden Gelegenheit, P. Pfeiffer persönlich kennenzulernen. Er hielt mir eine Art privaten Vortrag über das Turiner Grabtuch und kam in diesem Zusammenhang auch auf das Tuch von Manoppello zu sprechen. Inzwischen bin ich selbst in Manoppello gewesen und habe das Tuch gesehen. Ich bin fest davon überzeugt: Es ist nicht von Menschenhand gemacht, es ist echt!
Das Buch von Paul Badde kann ich übrigens auch nur empfehlen.Leicht zu lesen und doch informativ.
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