05:28:10 | Donnerstag, 2. Dezember 2004
Spieglein, Spieglein an der Wand, hast du einen Gottesbeweis zur Hand? Wenn der Spiegel am Morgen nur ein verschlafenes Gesicht ausspuckt, ist es Zeit, den Verstand aufzuwecken und ihm als Frühstück Wege der Gotteserkenntnis zu servieren.
(kreuz.net)
Spätestens seit der letzten kreuz.net Katechismusklasse ist klar: Es gibt Gott. Diese Tatsachenerkenntnis
entzündet das natürliche Licht des Verstandes. Die Frage ist nun, wie dieses Feuer entfacht wird. Wie
läßt sich der Trüffel erschnüffeln?
Eine Möglichkeit der Gottespirsch ist der sogenannte „Kausalschluß“.
Man betrachtet die (Aus)Wirkung und schließt auf ihre Ursache.
Eine Annahme. Eine Expeditionsgruppe
findet tief im Innern der Schneewüste Alaskas ein gemütliches Iglo. Würde das Team glauben, daß die
Behausung per Zufall die nackte Eiswelt beseelt? Kaum. Eher würde das gefundene Bauwerk bei der Forschungsgruppe
eine gewisse Enttäuschung auslösen, weil sie offensichtlich nicht die ersten Menschen gewesen sind,
die auf dieses Stück Land ihr Lager aufschlagen.
Ein durchschnittlicher Atheist würde niemals auf die
Idee kommen, daß Wolkenkratzer, Motorroller oder Geschirrspülmaschinen durch Zufall entstehen. Sie existieren,
weil sie von Menschenhand produziert wurden. Wenn nun einfachste Dinge, wie Iglos oder Motorräder, einen
Erzeuger brauchen, um wie viel mehr ist es notwendig, daß die Ordnung des Universums, die Schönheit
der Erde und der ausgeklügelte Körper von Menschen und Tieren einen Schöpfer brauchen?
Unsere Erfahrung
zeigt, daß der Zufall nichts Geordnetes hervorbringt. Regen und Wind sind selten als Waschmaschine im
Einsatz. Dinge, die sich selber überlassen werden, fallen auseinander. Wer eine saubere Stube will, braucht
emsige Hausfrauenfinger. Wo darum in der Natur etwas sinnvoll geordnet erscheint, da kann auf einen schöpferischen
Geist geschlossen werden. Diesen schöpferischen Geist nennt die Philosophie „Gott“.
Ein Beispiel. Gäbe
es keine Spinnen, wäre die Sonne binnen zwei Wochen verdunkelt, weil sich die Insekten ins Astronomische
vermehren würden. Ein vorhandenes Gleichgewicht läßt auf den schließen, der es in die Balance gebracht
hat. Traditionellerweise nannte man den Ursprung des geordneten Systems, in dem wir leben, „Gott“.
Wenden
wir uns nun dem Radiergummi zu. Dinge, die „nicht notwendig“ sind, haben den Grund ihrer Existenz nicht
in sich selbst. Der Radierer ist „nicht notwendig“, daß heißt, die Erde dreht sich auch ohne ihn im
Kreis und das Leben auf Erden würde in seiner Abwesenheit trotzdem weiterlaufen. Der Grund, warum der
Radiergummi existiert, ist also nicht in dem Stück Gummi zu suchen, den ich im Laden kaufen kann. Der
Grund für die Existenz des Radiergummis liegt vielmehr in der Existenz von Bleistiftkritzeleien und dem
menschlichen Bedürfnis dieses wieder loszuwerden. Damit er ins Sein tritt, braucht der Radiergummi einen
Produzenten.
Auch das Universum, die Erde und der Mensch sind „nicht notwendig“ und haben daher den Grund
ihrer Existenz nicht in sich. Sie existieren nicht aus sich heraus, sondern brauchen einen Schöpfer.
Diese „Nicht-Notwendigkeit“ der Existenz wird in der Philosophie durch das unverständliche Wort „Kontingenz“
ausgedrückt. Der Grund für die die kontingente Existenz des Radiergummis ist der Mensch. Der Ursache
für die kontingente Existenz des Menschen ist Gott. Eine Kausalkette. Wir sehen die Wirkung und schließen
auf eine Ursache.
Eine weitere kausale Kette läßt sich in der Bewegung finden. Wir sehen die Wirkung:
Etwas bewegt sich. Als Ursache kann man annehmen: Es wurde bewegt.
Nennen wir den, der bewegt, einfacherweise
„Beweger“. Wer hat ihn, den Beweger, bewegt? Antwort: ein anderer Beweger. Und den anderen Beweger? Man
kann diese Kette bis an ihren Anfang zurückverfolgen. Dort muß ein ‘erster Beweger’ stehen. Dieser muß
selbst unbewegt sein – sonst müßte es hinter ihm noch einen Beweger geben und der „erste Beweger“ wäre
gar nicht der erste. Diesen „unbewegten Beweger“ nennt die Philosophie „Gott“.
Eine Kausalkette braucht
ein erstes Glied. Sie kann nicht ins Unendliche fortgesetzt werden. Ein Beispiel gefällig?
Auf einem
Tisch stehen unzählige Dominosteine hintereinander angeordnet. Der letzte fällt. Der Vorletzte hat ihn
umgestoßen. Dieser wurde wiederum vom vorvorletzten Dominostein umgeworfen, usw. Kein Stein wird fallen,
ohne den ersten. Preisfrage: Wer hat den ersten Dominostein umgeworfen?
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