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Freitag, 2. Dezember 2005 16:41
Wird der Limbus vatikanisiert?
Diese Woche hat sich die Internationale Theologenkommission in Rom versammelt. Die Theologen diskutierten dieses Mal über den Aufenthaltsort von Kleinkindern, die ohne Taufe sterben.
Erzbischof Levada bei einem Vortrag in den USA
Erzbischof Levada bei einem Vortrag in den USA
(kreuz.net, Vatikan) Die Vollversammlung der Internationalen Theologenkommission tagte von Montag bis Freitag unter der Leitung des Präfekten der Glaubenskongregation, Erzbischof William Joseph Levada. Dieser ist von Amtes wegen der Präsident der Kommission.

Erzbischof Levada erklärte laut einem Bericht von ‘Radio Vatikan’, daß die Diskussion um den Aufenthaltsort von ungetauften Kindern gut vorangegangen sei.

Nach alter kirchlicher Lehre muß ein ungetauftes Kind, das vor Erreichen seiner Verstandeskraft stirbt, wegen der Heilsnotwendigkeit der Taufe von der Anschauung Gottes ausgeschlossen bleiben.

Sein Bestimmungsort ist dann der sogenannte „Limbus Puerorum“, der Limbus der kleinen Kinder.

Im Limbus Puerorum – dem Aufenthaltsort der ungetauften Kinder in der Ewigkeit – hat der Mensch Teil an einem rein natürlichen Glückszustand. Er unterliegt somit keiner körperlichen Strafe wie in der Hölle.

Die Theologenkommission – ein beratendes Gremium des Papstes, das keine lehramtliche Autorität besitzt – ist nun offenbar im Begriff, sich ausdrücklich gegen diese Lehre auszusprechen.

Erzbischof Levada erklärte laut ‘Radio Vatikan’, daß heute die Zahl der ungetauften Kinder wegen des gegenwärtigen kulturellen Relativismus und religiösen Pluralismus deutlich zunehme.

Die Kirche könne nicht darauf verzichten, über das Los der Menschen, besonders der Schwächsten und jener, die ihren Willen in Freiheit noch nicht gebrauchen können, nachzudenken.

Man könne – so Erzbischof Levada – „guter Hoffnung“ sein, daß sich die von der Internationalen Theologenkommission unternommenen Studien in angemessen kurzer Zeit auch in einem kirchlichen Dokument zu diesem Thema niederschlagen würden.

Pater Luis Ladaria SJ, der Generalsekretär der Kommission, unterstrich vor ‘Radio Vatikan’, daß zur Frage des Limbus der Kinder keine dogmatische Definition vorliege.

Pater Ladaria ist Professor an der Päpstlichen Jesuitenuniversität in Rom.

Gleichzeitig bekannte der Jesuit, daß man „über Jahrhunderte“ geglaubt habe, daß ungetaufte Kinder in den Limbus kommen. Doch dieser Glaube sei – will man dem Jesuiten glauben – durch theologische und lehramtliche „Entwicklungen“ fraglich geworden.

Unter diesen Voraussetzungen habe sich die Theologenkommission mit dem Problem beschäftigt: „Es gibt dazu noch keine definitive Aussage der Kirche.“

Verständnisvoraussetzung sei, daß Gott das Heil aller“ – der Jesuit betonte dieses Wort – wolle: „Wir müssen davon ausgehen, daß Christus für alleMenschen gestorben und die Kirche ein universales Sakrament des Heils ist.“

Das sei vom Zweiten Vatikanischen Konzil gelehrt worden. Wenn man das berücksichtige, dann stelle sich die Notwendigkeit der Taufe „in einem anderen Rahmen“.

Die britische Tageszeitung ‘Times’ berichtete bereits am Mittwoch, daß der Papst plane, die traditionelle Limbuslehre abzuschaffen.

Mit Bezug auf vatikanische Quellen erklärte die Zeitung, daß Benedikt XVI. einem möglichen Vorschlag der Kommission, die alte Limbuslehre abzuschaffen, wohl zustimmen werde.

Im Jahr 1984 hatte der damalige Präfekt der Glaubenskongregation gegenüber dem italienischen Journalisten Vittorio Messori erklärt, daß der Limbus niemals als endgültige Glaubenswahrheit definiert worden sei.

Er würde persönlich – so der jetzige Papst vor mehr als 20 Jahren – die Lehre vom Limbus fallenlassen, da diese immer nur eine „theologische Hypothese“ gewesen sei.

Der damalige Kardinal Ratzinger schränkte aber sogleich ein, daß er als Theologe und nicht als Präfekt der Glaubenskongregation spreche.
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 54 Lesermeinungen:
Dienstag, 6. Dezember 2005 09:07
Einige Mitglieder unserer Kirche wollen wissen, oder glauben so ungefähr zu wissen wo die ungetauften Kleinkinder sich nach ihrem Tode aufhalten.

Da geht es nicht um die subjektive Meinung von Diskutanten, sondern um die Lehre, die die Kirche immer verkündet hat und – bei der absoluten Heilsnotwendigkeit der Taufe – auch dogmatisiert hat. Wer dieses Dogma ablehnt, soll nicht behaupten, katholisch zu sein.
Montag, 5. Dezember 2005 23:56
turk: Katechismen sollte man schon lesen = ideales Weihnachtsgeschenk
Lieber Gatte der Evelin! Natürlich gibt es noch mehr zur heiligen Taufe im Kompendium (Kurzkatechismus) der Katholischen Kirche, der übrigens als Weihnachtsgeschenk sowohl gebunden als auch als Taschenbuch optimal geeignet ist. Und überhaupt meine ich, daß alle Diskutanten versuchen sollten, sowohl den großen Katechismus der Katholischen Kirche als auch das Kompendium desselben zu lesen. Denn erst dann besteht die gemeinsame Diskussionsbasis, nämlich der wahre Glaube, die wahren Sakramente, die wahre Moral und das wahre Gebet. Wer diese beiden „nachkonziliaren“ Produkte von vorneherein oder inhaltlich (dogmatisch / sittlich) ablehnt – und es sind ganz hervorragend gelungene – kann sich leider nicht mehr katholisch nennen.
Montag, 5. Dezember 2005 16:44
Rudolphus: Aussagen des Papstes korrekt
Eine reine Theorie.

Hoffentlich verwirft der Hl. Vater diese Lehre öffentlich.
Montag, 5. Dezember 2005 16:30
milan scout: Nach dem Tode von Kleinkinder
Arroganter geht’s nicht mehr. Einige Mitglieder unserer Kirche wollen wissen, oder glauben so ungefähr zu wissen wo die ungetauften Kleinkinder sich nach ihrem Tode aufhalten.
Ist das nicht Gotteslästerung pur?
Wohin wir ( und auch die Kleinkinder) nach dem Tode kommen, gehen, was wir sein oder nicht sein werden, weiss nur unser „oberste Chef“, den wir Gott nennen. Ein bisschen mehr Ehrfurcht wäre angebracht.
Vielleicht hilft ein bisschen weniger in die Bücher starren , nicht alles glauben was in den Büchern steht und sich Bewusst werden, dass wir eigentlich nichts wissen über das woher und wohin.
Montag, 5. Dezember 2005 12:50
Evelin: @ Gotthard – und?
Der Widerspruch zwischen den beiden Bestimmungen – typisch V2 und post-V2 – fällt Ihnen nicht auf? Das Wort „berechtigen“ ist problematisch. Denn wenn es ohnedies berechtigte Hoffnung für das Seelenheil ungetaufter unschuldiger Kinderseelen gibt, wozu dann die Kindertaufe?

Der Gatte der Evelin
Montag, 5. Dezember 2005 12:40
Gotthard: KKK1261
Das sagt die Kirche:
„Was die ohne Taufe verstorbenen Kinder betrifft, kann die Kirche sie nur der Barmherzigkeit Gottes anvertrauen, wie sie dies im entsprechenden Begräbnisritus tut. Das große Erbarmen Gottes, der will, daß alle Menschen gerettet werden’, und die zärtliche Liebe Jesu zu den Kindern, die ihn sagen läßt: „Laßt die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht daran!“ (Mk 10,14), berechtigen uns zu der Hoffnung, daß es für die ohne Taufe gestorbenen Kinder einen Heilsweg gibt. Die Kirche bittet die Eltern eindringlich, die Kinder nicht daran zu hindern, durch das Geschenk der heiligen Taufe zu Christus zu kommen.“
KKK 1261
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