Heiliges Land
Advent in Jerusalem
Die Zeit der deutsprachigen Pilger ist in der Kirche des Heiligen Grabes zu Jerusalem für dieses Jahr vorbei. Wenn nicht immer noch große Gruppen aus den russischsprechenden Ländern hierher kämen, wäre der Advent noch ruhiger als hier ohnehin üblich. Von Pater Robert Jauch OFM, Jerusalem.
(kreuz.net, Jerusalem) Im Basar der Altstadt lassen nur ganz wenige Shops erkennen, daß es auf Weihnachten zugeht. Krippen aus Olivenholz oder aus Perlmutt stehen ganzjährig auf dem Verkaufsprogramm.

Wer – vielleicht nur ein einziges Mal im Leben – ins Heilige Land kommt, möchte etwas von hier mitnehmen. Da stehen die Krippen, die in und um Betlehem gefertigt werden, ganz oben auf der Beliebtheitsskala.

In der Grabeskirche erinnert die jetzt bei den Meßgewändern häufiger zu findende violette Farbe daran, daß wir uns beim liturgischen Jahreskreis in einer Bußzeit befinden, eben der vorweihnachtlichen Bußzeit des Advent.

Da Pilger und Gastpriester im Heiligen Land sich aber sehr oft – und zurecht – nicht vom Liturgischen Kalender, sondern in den Meßformularen von den heiligen Stätten her orientieren, wird das allmorgendliche Hochamt im und am Heiligen Grab als österliches Auferstehungsamt mit Gloria und Credo gefeiert.

Die Choralschola bildet der Konvent der Franziskaner in der Grabeskirche mit Unterstützung von Studenten aus der nahegelegenen Philosophisch-Theologischen Hochschule der Franziskaner oder vom ‘Studium Biblicum Francescanum’, das wegen seiner Lage bei der Geißelungskapelle der Via Dolorosa – dem Kreuzweg Jesu – auch schlicht „Flagellation“ (= Geißelung) genannt wird.

Die Grabeskirche ist eine Simultankirche, das heißt, sie wird neben der Katholischen Kirche von verschiedenen kirchlichen Gemeinschaften genutzt.

Die nicht ganz einfachen Regeln dieses Mit- und Nebeneinanders wurden im 19. Jahrhundert festgelegt. Weder die Katholische Kirche noch die orthodoxen Gemeinschaften der Griechen oder der Armenier sind hier – im allgemeinen Verständnis dieses Wortes – Herren im Haus.

Die sogenannten Lateiner – repräsentiert durch die Franziskaner – aber auch anderen Gemeinschaften sind durch die traditionellen und strikten Gepflogenheiten in der Grabeskirche zur Tradition verpflichtet, auch zur Treue, die in lateinischer Sprache zu verrichtenden Gebetszeiten des Tages einzuhalten. Da mag Weihnachten vor der Tür stehen oder nicht.

In diesen Tagen schauen viele Christen allerdings Richtung Betlehem, und das ein wenig besorgt.

Die Grenze nach Betlehem – die Stadt liegt im Palästinensischen Autonomiegebiet – ist vor wenigen Tagen wieder wesentlicher dichter gemacht worden. Es wird gründlicher kontrolliert, Schikanen nicht ausgeschlossen.

An Weihnachten wird die Grenze dann für ein, zwei Tage vor den Augen der Weltöffentlichkeit „großzügig“ geöffnet. Überall wird in Leuchtschrift „Welcome“ zu lesen sein.

Da wird ein Friede vorgespielt, von dem die Menschen hier – nicht nur durch meterhohe Mauern – noch schmerzlich abgeschnitten sind.

Ich sitze gerade im Franziskanerkonvent in der Grabeskirche und korrigiere den Entwurf des mehrsprachigen Textheftes für die Weihnachtsfeierlichkeiten in Betlehem, denen der Jerusalemer Patriarch, Mons. Michel Sabbah, vorstehen wird. Zum Gottesdienst werden Besucher aus aller Herren Länder erwartet.

Für mich ist das eine willkommene adventliche Einstimmung auf Weihnachten, eine gute Beschäftigung für hier stille Dezemberabende, an denen wir mit dem gesamten Konvent – so will es die alte Regel – in der Grabeskirche eingeschlossen sind.
      
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